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Essstörungen

Wenn „Essen“ unser Fühlen und Handeln bestimmt

Wer kennt sie nicht, die Gedanken: „ich bin zu dick“ oder „ich fühle mich unwohl und hab zu viel gegessen“. Wenn diese Gefühle jedoch zum zentralen Thema unseres Fühlens und Denkens werden oder wir einige der folgenden Verhaltensweisen an uns oder anderen beobachten, könnte dies Hinweis auf eine ernstzunehmende Essstörung sein:

  • Ständige Angst vor Gewichtszunahme
  • Pausenlose Beschäftigung mit Kalorien und Essensplänen, dadurch Vernachlässigung von sozialen Kontakten
  • Ständige Kontrolle der Nahrungsaufnahme („positive“ und „negative“ Lebensmittel)
  • Essen als Kompensation von negativen Gefühlen
  • Exzessive körperliche Aktivitäten mit dem Ziel der Gewichtsreduktion
  • Fehlendes Hunger- oder Sättigungsgefühl, das Essen gerät außer Kontrolle
  • Verlust der Kontrolle über sich selbst in Heißhungerattacken
  • Betroffene empfinden ihren Körper als zu dick und unattraktiv

Essstörungen sind schwere psychosomatische Krankheitsbilder, die meist von seelischen Beschwerden begleitet werden. Sie können Folge von, aber auch Ursache für andere psychische Erkrankungen sein und werden häufig, auf Grund von Scham und mangelnder Krankheitseinsicht erst spät erkannt. Sie können bei spät beginnender Therapie einen schweren chronischen Verlauf nehmen und zu Folgeerkrankungen führen.

Es gibt verschiedene Formen der Essstörungen. Zu den klassischen Formen zählen:

  1. Anorexia nervosa: Selbst herbeigeführter Gewichtsverlust durch
    • Diäten bzw. die Vermeidung von hochkalorischer Nahrung
    • Selbst herbeigeführtes Erbrechen
    • Übermäßiger Sport oder körperliche Aktivitäten
    • Medikamentenmissbrauch zur Gewichtsreduktion
    • Exzessive Gewichtskontrollen aus Angst vor Gewichtszunahme
    • Körperschemastörung mit Gewichtsphobie (Angst zu dick zu werden)
    • Störung der Hormonproduktion: bei Frauen führt dies zum Aussetzen der Regelblutung, bei Männern zu Potenz- und Libidoverlust
    • Häufigkeitsgipfel liegt bei 14 Jahren, Frauen bzw. Mädchen sind häufiger betroffen
  2. 2. Bulimia nervosa: ständiger Wechsel zwischen Essattacken und Maßnahmen zur Gewichtsreduktion bei Normal- oder Untergewicht
    • Zwanghafte Essattacken mit Konsum von großen Mengen Nahrungsmitteln
    • Anschließend strenge Maßnahmen zur Gewichtsreduktion wie z.B. Erbrechen, Fasten oder Einnahme von Medikamenten zur Gewichtsreduktion
    • Panische Angst vor Gewichtszunahme
    • Sozialer Rückzug, Interessenverlust
    • Häufig Phasen der Anorexia nervosa in der Vorgeschichte
    • Häufigkeitsgipfel 18-20 Jahre
  3. 3. Binge Eating: wiederholte Episoden von Fressanfällen gemeinsam mit folgenden Symptomen:
    • Gefühl des Kontrollverlustes
    • Unnatürlich große Nahrungsmengen werden in kurzer Zeit gegessen (zum Teil ohne Hungergefühl)
    • Häufiges „alleine essen“ auf Grund des Schamgefühls
    • Nach den Essattacken Gefühle wie Ekel, Scham oder Schuld
    • Erkrankung tritt häufig in Kombination mit starkem Übergewicht auf

Bei Verdacht auf eine der oben genannten Essstörungen empfehlen wir eine baldige Vorstellung in unserer Psychosomatischen Ambulanz, um eine individuelle Beratung und eine geeignete Behandlung zu vermitteln.