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Behandlung der koronaren Herzerkrankung

Bedingt durch Arteriosklerose kann es zu einer Verengung der Herzkranzgefäße kommen. Diese Erkrankung führt zu einer unzureichenden Durchblutung des Herzens.

Koronare Herzerkrankung

Die koronare Herzerkrankung (KHK) ist weltweit die häufigste Todesursache und die häufigste Ursache für stationäre oder ambulante ärztliche Behandlungen. Bei der KHK kommt es zu einer Verkalkung der Herzkranzgefäße (Atherosklerose), die den Herzmuskel mit Blut versorgen. Durch die Verkalkung und resultierende Engstellen kann die Durchblutung des Herzmuskels so stark reduziert sein, dass der Muskel nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt ist. Dies äußert sich häufig in Brustenge (Angina pectoris), Brustschmerzen und Druckgefühl über der Brust, vor allem unter Belastung. Diese Symptome können allerdings, insbesondere bei Frauen und Diabetikern, wenig ausgeprägt sein oder ganz fehlen. Kommt es zu einem Aufbruch der Verkalkungen und damit zu Gerinnselbildung und vollständigem Verschluss einen Herzkranzgefäßes, entsteht ein Herzinfarkt. Bei Vorliegen eines Herzinfarkts ist eine dringliche oder sogar notfallmäßige Wiederherstellung der Koronardurchblutung erforderlich.

 

 

Therapie der koronaren Herzerkrankung

Zur Behandlung der KHK stehen grundsätzlich die medikamentöse Therapie und die interventionelle Therapie mittels Herzkatheter (Perkutane Coronarintervention, PCI), die Beschwerden lindern können oder die operative Therapie mittels aortokoronarer Bypass-Operation (ACB) zur Verfügung.

Grundsätzlich ist, je größer die Anzahl der betroffenen Gefäße und je komplexer die Engstellen anatomisch ausgeprägt sind, die ACB gegenüber der PCI vorteilhaft. Ebenso profitieren jüngere Patienten und Patienten mit Diabetes stärker von einer ACB gegenüber einer PCI. Bei wenig komplexer KHK mit nur wenigen Engstellen zeigen neuere Erkenntnisse, dass diese Patienten vergleichbar gut mittels PCI behandelt werden können.

In unserem Herz- und Gefäßzentrum werden alle Patienten mit KHK im Herz-Team besprochen und gemeinsam die bevorzugte Therapiestrategie festgelegt. Hierzu orientieren wir uns an den relevanten Leitlinien (s. unten) sowie den individuellen Egenschaften und Bedürfnissen des Patienten. Entscheiden wir uns zur ACB, sind folgende Informationen wichtig.

 

 

Aortokoronare Bypass-Operation (ACB)

Das Prinzip der Operation besteht in der Anlage eines Umgehungskreislaufes (Bypass) zu den verengten Koronargefäßen. Hierzu wird, meist über einen Schnitt über der Länge des Brustbeins (mediane Sternotomie), der Brustkorb eröffnet. Parallel dazu werden die Bypass-Gefäße präpariert. Diese sind in der Koronarchirurgie immer aus körpereigenem Material, künstliches Material wird nicht verwandt. Unsere Operateure besprechen mit ihnen vor der Operation das für Sie am besten geeignete Versorgungskonzept. Das Ziel unserer Versorugng ist immer eine sichere, lang haltbare und mit einer guten Lebensqualität vereinbare Versorgung. Hierbei sind folgende Punkte relevant:

 

Innere Brustwandarterien (IMA): im Vergleich zur Bypass-Versorgung mit Venen vom Bein ist die Bypass-Offenheitsrate bei IMA deutlich höher (Offenheit von Venenbypässen ca. 50-70 %, von IMA-Bypässen ca. 95 % über zehn Jahre). Daraus ergibt sich über mindestens zehn bis zwölf Jahre ein Überlebensvorteil für Patienten, die mit einer oder zwei IMA versorgt worden sind. In unserer Klinik erhalten 98 % aller Patienten in der Bypass-Operation mindestens eine IMA. Bei 60% der Patienten verwenden wir beide IMA.

 

A. radialis (Unteramschlagader): Da der Unterarm und die Hand von zwei Arterien versorgt werden, kann die A. radialis als Bypassgraft entnommen werden. Insbesondere in Kombination mit IMA-Bypässen (komplett arterielle Versorgung) kann so eine exzellente Bypass-Langzeithaltbarkeit erzielt werden. Die A. radialis wird, wenn möglich, endoskopisch entnommen, so dass nur zwei kleine Schnitte am Unterarm notwendig sind.

 

V. saphena magna (Unterschenkel-Vene): Da eine Vielzahl von Venen am Bein existieren, kann die V. saphena Magna als Bypassgraft entnommen werden. Wenn die Entnahme beider IMA und / oder der A. radialis nicht möglich ist, setzen wir Venenbypässe ein. Die Entnahme der Venen erfolgt standardmäßig endoskopisch, so dass das Risiko für Schmerzen oder Wundheilungsstörungen am Bein deutlich reduziert ist. 

 

 

ACB-OP mit oder ohne Herz-Lungen-Maschine?

Wir führen die ACB-OP in der Regel mit Herz-Lungen-Maschine am stillgegelgten Herzen durch, da mehrere große Studien zeigten, dass hierdurch kein erhöhtes Risiko für die Patienten besteht und wir davon ausgehen, dass die Sicherheit der Patienten und die Qualität der Bypass-Versorgung durch die Operation mit Herz-Lungen-Maschine höher ist. Ist jedoch der Einsatz der Herz-Lungen-Maschine, z.B. wegen einer stark verkalkten Hauptschlagader nicht möglich, können wir diesen Eingriff auch am schlagenden Herzen ohne Herz-Lungen Maschine durchführen.

 

 Minimal-invasive Koronarchirurgie:

Bei Verengung oder Verschluss nur des Herzvorderwandgefäßes (LAD) kann die Operation über einen kleinen Schnitt links am Brustkorb in schonender minimal-invasiver Technik erfolgen (MIDCAB).

  

 

Leben nach der ACB-OP:

Grundsätzlich bestehen für Sie nach der OP keine körperlichen Einschränkungen. Lediglich die Heilung der Brustbeinwunde, die bis zur vollständigen knöchernen Durchheilung des Brustbeins ca. 4-6 Monate in Anspruch nimmt, ist zu beachten. In dieser Zeit empfehlen wir, keine schweren Lasten zu tragen, asymmetrische Belastungen auf den Brustkorb zu vermeiden und nicht auf der Seite zu schlafen. Patienten mit erhöhtem Risiko für Wundheilungsstörungen erhalten nach der OP eine stabilisierende Thoraxweste, die für 6 Wochen getragen werden sollte.

Die Bypasse müssen nicht regelhaft mittels Herzkatheteruntersuchungen nachkontrolliert werden. Nur bei erneuten Beschwerden sollte eine weiterführende Diagnostik erfolgen.

Da auch die Bypasse einem Risiko unterliegen, mit der Zeit zu verkalkten,  sollten Sie nach der OP die Risikofaktoren für Atherosklerose minimieren. Hierzu zählen u.a. folgende Maßnahmen:

 

  • Körperliche Bewegung, z.B. Anschluss an eine Herzsportgruppe
  • Gewichtsnormalisierung
  • Blutdruck normalisieren
  • Cholesterinspiegel senken
  • Rauchen beenden
  • ASS (Acetylsalicylsäure) 100 mg täglich
Wir empfehlen Ihnen eine regelmäßige (1-2 x pro Jahr) kardiologische Anbindung, um Ihr kardiovaksuläres Risiko zu minimieren und Verlaufsuntersuchungen der Herzfunktion (Belastungs-EKG, Echokardiographie),durchzuführen.
 
 
 
 
Weitere Informationen
Hier finden Sie Links zu den relevanten Leitlinien zur Diagnostik und Therapie der KHK.
 
Nationale Versorgungsleitlinie Chronische KHK
 
ESC/EACTS-Leitlinie zur Myokardrevaskularisation (2018, englisch)
 
Pocket-Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie zur Myokardrevaskularisation (2014)