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Prostatitis

Prostatitis und männliches Beckenschmerzsyndrom

Bei der Prostatitis handelt es sich um eine akute (z. B. durch Bakterien verursachte) oder chronische Entzündung der Prostata mit oder ohne Bakterien oder Entzündungszellen. Darüber hinaus wird das chronische Beckenschmerzsyndrom diagnostiziert (NIH III a und b), was mit entzündlichen und nichtentzündlichen Befunden im Prostatasekret und Ejakulat einhergeht.
Dabei werden folgende Formen der Prostatitis unterschieden [Klassifikation der Prostatitis nach dem "National Institutes of Health" (NIH)]:

  • Akute bakterielle Prostatitis (NIH I)
  • Chronische bakterielle Prostatitis (NIH II)
  • Chronische Prostatitis / Chronisches Beckenschmerzsyndrom (CP/CPPS; III a entzündlich, III b nicht entzündlich)
  • Asymptomatische Prostatitis (z. B. bei Biopsiebefund)

Nach modernsten Kriterien sollte jeder Patient phänotypisch nach dem U-POINT-SYSTEM klassifiziert werden, um prostataspezifische Symptome zu erkennen.

Für eine erfolgreiche Therapie ist die genaue Zuordnung zu den genannten Prostatitisformen wichtig. Deswegen führen wir bei allen Patienten eine spezialisierte und ausführliche Diagnostik durch. Diese besteht unter anderem aus folgenden Kernpunkten:

  • Ausführliches Gespräch mit Anamnese und Verifizierung der Beschwerden mittels standardisierter Fragebögen
  • Eingehende körperliche Untersuchung mit Tastung der Prostata
  • Ultraschalluntersuchung der ableitenden Harnwege und Ultraschall der Prostata
  • Abgrenzung einer interstitiellen Zystitis mit Fragebogen, KCl-Test und Urodynamik
  • Spezialisierte Untersuchung einzelner Urinfraktionen auf Bakterien und Entzündungszeichen (4-Gläser-Probe). Hierbei gibt der Patient Urinproben nach einem speziellen Schema ab. Diese Proben werden dann in einem spezialisierten Labor auf Bakterien und Entzündungszellen untersucht. Grundsätzlich suchen wir in allen Fraktionen nach Bakterien, Mykoplasmen und Pilzen; im Exprimaturin mit hochsensitiven Testen (Prokaryontenanalyse) nach Genomanteilen von Bakterien, darüber hinaus mit verschiedenen molekularbiologischen Methoden nach Chlamydien, Gonokokken und Trichomonaden.
  • Ejakulatanalyse mit spezieller molekularer Erregerdiagnostik und Entzündungsparametern nach WHO-Kriterien.

Alle standardisierten Therapieformen bei Prostatitis und Beckenschmerzsyndrom werden von unserer Klinik angeboten oder vermittelt. Die nachfolgende Auflistung gibt diese wieder. Derzeit nur in Studien aufgelegte Therapieformen sind besonders markiert. Der Zugang zu den Protokollen erfolgt nur über die Prostatitis-Sprechstunden unserer Klinik.

  • Punktion, Inzision, TUR-P bei Prostataabszess
  • Antibiotische Therapie und Überwachung bei akuter und klinisch-bakterieller Prostatitis
  • TUR-P und TUI-P bei therapiefraktärer chronisch-bakterieller Prostatitis (NIH II)
  • Lokale Schmerztherapie bei chronischem Beckenschmerzsyndrom (ESWT-Studie)
  • Immunstimulationstherapie mit Urovaxom (Studie)
  • Botox-Injektionstherapie bei CP/CPPS (Studie)
  • Beckenbodenrelaxationsprogramm (Studie)
  • Diätberatung (Ernährungsergänzungstherapie)
  • Sexualberatung und ED-Therapie

Studien: E-Mail-Anfrage an: Florian.Wagenlehner@chiru.med.uni-giessen.de