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Lungentransplantationsambulanz

Allgemeines

Die Lungentransplantationsambulanz der Medizinischen Klinik II (Direktor: Prof. Dr. Werner Seeger) besteht seit Mitte der 1990er Jahre. Aktuell werden hier ca. 100 Patienten vor und nach Lungentransplantation betreut. Es besteht eine enge Zusammenarbeit sowohl mit der Klinik für Chirurgie (Direktor: Prof. Dr. Winfried Padberg) als auch der Klinik für Anästhesiologie (Direktor: Prof. Dr. Michael Sander). Im Rahmen des klinikinternen Qualitätszirkels des Transplantationszentrums Gießen (Sprecher: Prof. Dr. Rolf Weimer) finden regelmäßige Treffen mit Kollegen anderer Abteilungen statt, die ebenfalls in der Transplantationsmedizin tätig sind. Die Ambulanz nimmt darüber hinaus an der jährlich bundesweit stattfindenden Qualitätssicherung der Bundesgeschäftsstelle Qualitätssicherung (BQS) in Düsseldorf teil.

Mitarbeiter

  • Leiter der Ambulanz: Prof. Dr. Konstantin Mayer
  • weitere Ärzte: Dr. Matthias Hecker, Dr. Stefan Kuhnert
  • Pflegepersonal: Sr. Zeynep Erdogan, Sr. Christina Keller, Sr. Christina Traber-Ferdinand, Sr. Barbara Zenke

Ambulanz

Die Lungentransplantationsambulanz befindet sich in der Ebene 0 des UKGM-Hauptgebäudes, Klinikstraße 33. Bei den ambulanten Vorstellungen werden neben Lungenfunktionsprüfungen auch Blut- und Röntgenuntersuchungen durchgeführt. Nach körperlicher Untersuchung und ärztlichem Gespräch wird die Therapie bedarfsweise individuell angepasst.

In der Ambulanz erfolgt die Evaluation, Vorbereitung und Listung von Patienten für die Lungentransplantation. Weiterhin werden bereits operierte Patienten nachkontrolliert. Aufgrund der guten Kooperation mit anderen Bereichen der Klinik kann ein breites Spektrum medizinischer Leistungen angeboten werden (z.B. Bronchoskopie, gastroenterologische Diagnostik mit Gastro- und Coloskopie, Coronarangiographie, nephrologische Betreuung). Wir sind unseren Patienten auch bei der Erfüllung von Formalitäten behilflich (z.B. Reha-Antragsstellung, Dialog mit Sozialämtern und Krankenkassen).

Station

Bei akuten gesundheitlichen Problemen, die sowohl vor als auch nach der Transplantation auftreten können, sind wir jederzeit, d. h. 24 Stunden täglich, telefonisch unter 0152 015 772 85 erreichbar. Im Bedarfsfall ist eine stationäre Aufnahme möglich. Hierzu stehen uns ggfs. auch Einzelzimmer zur Isolation oder Betten auf der IMC (intermediate care) und Intensivstation zur Verfügung.

Selbsthilfegruppe

Die BDO-Regionalgruppe Gießen/Fulda trifft sich in unserer Klinik in regelmäßigen Abständen zu  einem Arzt-Patienten-Stammtischen. Ansprechpartner sind :

Ingrid und Rüdiger Volke
Am Mitteltor 4, 61209 Echzell
Tel.: (0 60 08) 4 72, Fax: (0 60 08) 71 62
E-Mail: Ingrid@tjark.de, ruediger@tjark.de

Informationen zur Lungentransplantation

Weltweit werden pro Jahr ca. 2000 Lungentransplantationen (LTX) durchgeführt, davon in Deutschland ca. 250. Die Hauptindikation zur LTX ist zurzeit noch die chronisch-obstruktive Lungenerkrankung (COPD), gefolgt von der Lungenfibrose und der Mukoviszidose. Es kann ein- oder beidseitig transplantiert werden, wobei der Trend zur Doppel-LTX geht. Sie wird bevorzugt bei jüngeren Patienten und solchen mit gehäuften pulmonalen Infekten durchgeführt (insbesondere bei chronischer bronchopulmonaler Keimbesiedlung bei Mukoviszidose).

Folgende Voraussetzungen müssen erfüllt sein, um auf die Warteliste zur LTX aufgenommen zu werden :

  • Alter < 60 (Doppel-LTX) bzw. 65 Jahre (Einzel-LTX)
  • Endstadium der zugrundeliegenden Lungenerkrankung mit ausgeschöpfter Therapie bei gleichzeitig guter Therapietreue
  • psychosozial stabile Situation
  • kein Drogengebrauch seit mindestens 6 Monaten (einschließlich Nikotin)
  • kein wesentliches Über-oder Untergewicht
  • keine ernsthaften Begleiterkrankungen (z.B. HIV-Infektion, chronische Hepatitis, Tumorerkrankung in den letzten 5 Jahren, schwere koronare Herzerkrankung oder Niereninsuffizienz)

Bevor eine Listung erfolgen kann, müssen umfangreiche Voruntersuchungen durchgeführt werden (sogen. LTX-Evaluation). Hierzu zählen u.a.:

  • Computertomographie des Körperstammes (Brustkorb und Bauch)
  • Magen-und Darmspiegelung
  • Darstellung der Herzkranzgefäße (Koronarangiographie)
  • Ultraschalluntersuchung der Hals- und Leistengefäße
  • Ventilations-Perfusions-Szintigraphie
  • Fokussuche im Augen-,HNO-,und zahnärztlichen Bereich
  • gynäkologisches / urologisches Konsil
  • psychiatrisches Konsil
  • Kreatinin-Clearance
  • Blutgruppenbestimmung
  • HLA-Typisierung
  • virologisches / mikrobiologisches „Screening“ (HIV, Hepatitis, CMV, EBV, VZV, Toxoplasmose, Lues, Tuberkulose)
  • Impfungen gegen Hepatitis A und B, Tetanus, Influenza, Pneumokokken

Wenn sich aus diesen Untersuchungen keine Hinderungsgründe ergeben, erfolgt die Listung bei Eurotransplant in Leiden, Holland. Die Dringlichkeit ergibt sich aus dem LAS-Score.

Wichtig für das Erreichen eines möglichst optimalen Status vor (und auch nach) LTX ist die Durchführung von Rehabilitationsmaßnahmen in dafür spezialisierten Kliniken. Im Rahmen von strukturierten Programmen können so z.B. eine Verbesserung der muskulären Reserven und eine Gewichtsanpassung erreicht werden.

Nach erfolgter LTX bessert sich die Lebensqualität in der Regel deutlich und für viele Patienten bedeutet die Operation auch einen Zugewinn an Lebenserwartung. Nach der LTX ist das Hauptziel der weiteren Behandlung, eine Abstoßung der übertragenen Lunge zu verhindern. Die Abstoßung kann hierbei akut oder chronisch (= Bronchiolitis obliterans, BOOP) ablaufen. Um Abstoßungen zu verhindern, müssen kontinuierlich immunsuppressive Medikamente eingenommen werden. In der Regel handelt es sich hierbei um eine Dreifach-Therapie bestehend aus Cortison, Ciclosporin / Sandimmun® (Alternative: Tacrolimus / Prograf®) sowie Azathioprin / Imurek® (Alternative: Mycophenolatmofetil, MMF / Cellcept®). Trotzdem tritt eine BOOP 5 Jahre nach LTX bei ca. der Hälfte der Transplantierten auf. In diesem Falle wird die immunsuppressive Medikation umgestellt und / oder intensiviert, weiterhin können die intermittierende Einnahme eines Makrolid-Antibiotikums (Azithromycin / Zithromax® / Singulair / Photopherese) die Inhalation von Ciclosporin die weitere Abstoßung verzögern. Die akute Abstoßung wird mit einer intravenösen Cortison-Stoßtherapie über 3 Tage behandelt.

Durch die notwendige immunsuppressive Therapie kann eine Vielzahl an Komplikationen auftreten, die eine engmaschige ärztliche Kontrolle erforderlich macht:

  • Infektionen, die vor allem die Lunge selbst betreffen und gehäuft im 1. Jahr nach LTX auftreten.
    • bakterielle Infektionen
    • Pilzinfektionen (z.B. Aspergillus)
    • Virusinfektionen (z.B. CMV)
  • Entwicklung von Tumoren
    • Hauttumore
    • lymphoproliferative Erkrankungen, EBV-assoziiert weitere Nebenwirkungen der Medikamente
    • Einschränkung der Nierenfunktion (Ciclosporin, Tacrolimus)
    • Schädigung des Nervensystems (Ciclosporin, Tacrolimus)
    • Schädigung des Knochenmarks mit Leukopenie, Anämie (MMF)
    • Osteoporose (Steroide)
    • Bluthochdruck (Ciclosporin, Tacrolimus, Steroide)
    • Diabetes mellitus (Steroide)
    • Erbrechen / Durchfälle (MMF)

 

  • Um diese Komplikationen zu vermeiden bzw. zu minimieren, ist eine individuelle Dosisanpassung der genannten Medikamente erforderlich. Steroide sollten möglichst unter der sogen. Cushing-Schwellendosis von 7,5 mg Prednisolon eingenommen werden. Für Ciclosporin und Tacrolimus sind regelmäßige Blutspiegel-Kontrollen vorgeschrieben, was auch im Hinblick auf mögliche Medika-menten-Interaktionen von großer Wichtigkeit ist.

    Zur Infektprophylaxe werden eine Reihe von Medikamenten eingesetzt. So sollten in den ersten Monaten nach Lungen-TX eine CMV-Prophylaxe (z.B. mit Valaciclovir / Valcyte®) und eine Pilz-Prophylaxe (z.B. mit Itraconazol / Sempera®oder Voriconazol / Vfend®) erfolgen. Zur Prophylaxe einer Pneumocystis-Infektion wird dauerhaft Cotrimoxazol eingenommen.

    Wichtig ist, dass der Patient / die Patientin Hygienemaßnahmen beachtet (Händewaschen, evtl. Tragen eines Mundschutzes bei Verlassen der Wohnung) sowie bestimmte Nahrungsmittel (z.B. Nüsse, rohes Fleisch, Rohmilchkäse) und potentiell Nieren-schädliche Substanzen (z.B. Jod-haltige Kontrastmittel und bestimmte Schmerzmittel wie nicht-steroidale Antiphlogistika) meidet.

    Links

    Lungentransplantationsambulanz
    Universitätsklinikum Gießen und Marburg GmbH
    Medizinische Klinik und Poliklinik II 
    Klinikstraße 33 
    35392 Gießen

    Tel.: 0641/985-57030 (Montag bis Freitag von 09:00 - 12:00 Uhr)    
    Fax: 0641/985-42599