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Schlafambulanz/Schlaflabor
Das Schlafmedizinische Labor der Medizinischen Klinik II beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit der Diagnostik und Therapie schlafbezogener Atmungsstörungen. Es ist Teil des Interdisziplinären Schlafmedizinischen Zentrums Hessen und seit vielen Jahren von der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin akkreditiert. 

Allgemeine Informationen

Der stationäre Bereich befindet sich vorübergehend bis zur Fertigstellung des Neubaus Innere Medizin in der Orthopädischen Klinik. Die Bettenkapazität wurde vor kurzem erweitert, so dass jetzt sechs polysomnographische Meßplätze zur Verfügung stehen. In der angegliederten Ambulanz kann eine erste Diagnostik bei Verdacht auf schlafbezogene Atmungsstörungen mit tragbaren Messgeräten erfolgen („Schlaf-Apnoe-Screening“), aber auch die Kontrolle von Patienten unter Beatmungstherapie.

Eine Patientenanmeldung ist über die zentrale Telefonnummer 0641/985-57030 möglich.

Es besteht eine enge Kooperation mit dem Atemcenter, das die Hilfsmittelversorgung von Patienten mit schlafbezogenen Atmungsstörungen, aber auch mit Erkrankungen der Lunge und Atemwege wie z.B. Asthma bronchiale, chronisch-obstruktive Bronchitis, Mukoviszidose oder Lungenfibrose übernimmt (Sauerstofflangzeit-Therapie, nicht-invasive Maskenbeatmung usw.).

Die Selbsthilfegruppe "Schlaf-Apnoe" Gießen vertritt die Interessen der Patienten mit schlafbezogenen Atmungsstörungen im Einzugsbereich unseres Schlaflabors. Sie ist Mitglied im VdK-Fachverband Schlaf-Apnoe / chronische Schlafstörungen. Kontakt: Klaus Bepler, Tel.: (0641) 65229.

Die obstruktive Schlaf-Apnoe (OSA) betrifft ca. 4% der Männer und 2% der Frauen im mittleren Alter. Bei dieser Erkrankung kommt es im Schlaf zum wiederholten Zusammen¬fallen des Rachens, wodurch Atemstillstände (= Apnoen) entstehen. Man spricht von einer Schlaf-Apnoe, wenn mindestens 10 Atempausen pro Stunde Schlafzeit auftreten, weiterhin wird eine Dauer der Atempausen von mindestens 10 sec. gefordert.

Grundlage der Atemstillstände ist meistens eine Rachenverengung durch lokale Ansammlung von Fettgewebe bei Übergewicht. Weitere Risikofaktoren sind höheres Alter, männliches Geschlecht und genetische Einflüsse. Weniger häufig liegen der OSA Fehlstellungen des Kieferskelettes oder Vergrößerungen der Rachenmandeln zugrunde.

Durch die Apnoen kommt es zum Abfall der Sauerstoffsättigung im Blut, zu Anstieg von Puls und Blutdruck und schließlich zu einer Weckreaktion. Dies bewirkt, dass der Patient wieder den Rachen öffnet, d.h. weiter atmet. Bei der Wiedereröffnung des Rachens entstehen durch Vibration der Weichteile laute Geräusche, was als Schnarchen bemerkt wird. Weiterhin wird durch die Weckreaktionen der normale Schlaf gestört, d.h. es kann zu einer Abnahme der Tief- und Traumschlafphasen kommen.

Aufgrund der Störung des Schlafes leiden viele Betroffene unter Tagesmüdigkeit, sie nicken in allen möglichen Situationen ein (z.B. beim Fernsehen oder Lesen). Manchmal kann dies auch gefährlich sein, z.B. beim Autofahren (Sekundenschlaf am Steuer, erhöhte Unfallgefahr). Eine weitere Folge der Apnoen ist, dass das Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen erhöht wird. Dies trifft vor allem für den Bluthochdruck zu, an dem ca. die Hälfte der Patienten leidet. OSA-Patienten haben auch überdurchschnittlich häufig Herzinfarkte und Schlaganfälle sowie Herzrhythmusstörungen.

Zur Diagnosestellung der OSA wird meistens zunächst eine Untersuchung zu Hause durchgeführt. Hierbei werden tragbare Messgeräte angelegt, die u.a. die Atemtätigkeit messen (sogen. Polygraphie). Besteht aufgrund dieser Untersuchung der Verdacht auf eine OSA, wird der Patient im Schlaflabor mit einer sogen. Polysomnographie untersucht, d.h. er wird umfangreich "verkabelt" und es werden folgende Messgrößen abgeleitet:

  • Hirnströme
  • Augenbewegungen
  • Muskelaktivität am Kinn und an den Beinen
  • Atemfluss an Nase und Mund
  • Atembewegungen von Brustkorb und Bauch
  • Schnarchen
  • Sauerstoffsättigung
  • Körperlage

Anhand der Untersuchungsergebnisse kann der Arzt feststellen, ob eine OSA besteht. Bei leichten Erkrankungsformen kann eine Gewichtsreduktion helfen und Alkohol und Schlaf¬tabletten sollten gemieden werden. In allen anderen Fällen ist die Standardbehandlung die sogen. CPAP (continuous positive airway pressure) - Therapie. Hierbei wird über ein Beatmungsgerät Luft mit erhöhtem Druck über eine Nasen-oder Nasen-Mundmaske zugeführt und der verschlossene Rachen wieder eröffnet. Diese Behandlung muss auf Dauer fortgeführt werden, d.h. wird die Maske abgelegt, treten sofort wieder Schnarchen und Atempausen sowie Tagesmüdigkeit auf.

Schwerwiegende Nebenwirkungen sind nicht bekannt; im Einzelnen handelt es sich um:

  • Druckstellen durch die Maske
  • undichte Stellen an der Maske (evtl. dadurch bedingte Bindehautentzündung)
  • Nase "läuft"
  • trockene Nasen- und Mundschleimhäute
  • Geräuschbelästigung durch das Gerät (in der Regel nur gering)

Viele der genannten Nebenwirkungen können durch Wechsel der Maske oder Einsatz eines Luftbefeuchters behoben werden.

Falls die Maskenbeatmung nicht toleriert wird, kommen andere Behandlungen zum Einsatz, die aber alle deutlich weniger wirksam sind. Als Therapie der 2. Wahl gilt die Anpassung einer Kieferschiene, wodurch der Unterkiefer nach vorne verlagert und der Rachenquerschnitt erweitert wird.

Bei bevorzugtem Auftreten der Apnoen in Rückenlage kann eine Rückenlageverhinderungs¬behandlung (z.B. Tennisball auf Rückenteil des Schlafanzuges) versucht werden. Operative Maßnahmen am Rachen (z.B. "Zäpfchen kürzen") sind z.T. mit schweren Nebenwirkungen verbunden und der Erfolg dieser Operationen kann im Einzelfall auch nicht oder nur schwer vorhergesagt werden. Medikamentöse Therapieansätze der OSA bestehen zurzeit nicht.

Forschung

Das Schlafmedizinische Labor beschäftigt sich wissenschaftlich in erster Linie mit der Erforschung des Zusammenhanges zwischen Schlaf-Apnoe und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Die Patienten-zentrierte Forschung beinhaltet hierbei u.a. die Teilnahme an nationalen und internationalen Studien (z.B. Arbeitsgruppe „Kreislauf und Schlaf“ der DGSM, European Sleep Apnoea Data Base [ESADA]). Neuerdings wird auch tierexperimentelle Forschung betrieben (Mausmodell der OSA). Die Forschungsergebnisse werden regelmäßig in angesehenen medizinischen Fachzeitschriften publiziert und auf Kongressen präsentiert, wobei diese teilweise auch selbst organisiert wurden bzw. werden (Tagungen der Sektion Schlafmedizin der DGP 2003 und 2011, DGSM-Kongress 2013). Die wissenschaftliche Arbeit wurde durch Verleihung mehrerer Preise anerkannt (u.a. Förderpreise der DGP und DGSM), der Laborleiter Prof. Schulz ist Mitglied im Editorial Board des American Journal of Respiratory & Critical Care Medicine.

Links

Kontaktadresse

Schlafmedizinisches Labor
Universitätsklinikum Gießen und Marburg GmbH
Medizinische Klinik und Poliklinik II 
Klinikstraße 33 
35392 Gießen
Tel.: 0641/985-57030
Fax: 0641/985-42599


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