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Schmerztherapie: Welche therapeutischen Möglichkeiten gibt es?

Akupunktur:
Die Akupunktur ist – richtige Indikationsstellung und korrekte Anwendung vorausgesetzt – eine nebenwirkungsarme Behandlungsmethode, mit der vielen PatientenInnen spürbar und anhaltend geholfen werden kann. Jedoch darf die Akupunktur nicht als Allheilmittel betrachtet werden. Es gilt der Grundsatz: "Akupunktur heilt, was gestört ist. Akupunktur heilt nicht, was zerstört ist." Wir wenden drei verschiedene Akupunkturverfahren an, die z.T. auch miteinander kombiniert werden: Körperakupunktur, Ohrakupunktur und die sog. Neue Schädelakupunktur nach Yamamoto (YNSA). Für jede Patientin/jeden Patienten wird dabei ein auf die jeweiligen Beschwerden abgestimmtes individuelles Behandlungskonzept erstellt.

Ausleitende Verfahren:
Die ausleitenden Verfahren gehören zu den fundamentalen therapeutischen Maßnahmen der naturheilkundlichen Praxis. Zwischenzeitlich ein wenig in Vergessenheit geraten, gewinnen sie inzwischen wieder zunehmend an Bedeutung. Beispiele für ausleitende Verfahren sind der Aderlass (z.B. bei bestimmten Formen von Kopfschmerz eingesetzt), das Schröpfen bzw. die Schröpfmassage (zur Verbesserung von Hautdurchblutung und Lymphzirkulation) oder auch das sog. Cantharidenpflaster (hilfreich bei verschiedenen knöchernen oder muskulären Schmerzsyndromen).
 

Infusionstherapie:
Über eine kontinuierliche Infusion ("Tropf") können verschiedene Medikamente (Schmerzmittel, entspannende Substanzen, Vitaminpräparate) verabreicht werden, die akute oder chronische Schmerzen lindern. Die Infusionstherapie wird in unserer Klinik zumindest begleitend bei fast allen Schmerzsyndromen eingesetzt. Das jeweilige Infusionsprogramm wird dabei individuell für jeden einzelnen Patienten zusammengestellt.

Medikamentöse Schmerztherapie:
Dank intensiver Forschung existiert heutzutage eine grosse Menge verschiedenster Schmerzmittel, zu verabreichen in Form von Tabletten, Tropfen, Injektionen, Suppositorien, Salben, Pflaster etc. Eine solche Auswahl ist einerseits vorteilhaft, weil so für jede Patientin/jeden Patienten ein individuelles Therapiekonzept aufgestellt werden kann. Andererseits ist gerade das Erstellen eines solchen Konzeptes nicht immer einfach und erfordert umfassende Kenntnisse und Erfahrung auf dem Gebiet der Schmerztherapie. In manchen Fällen ist sogar ein stationärer Aufenthalt zur medikamentösen Schmerzmitteleinstellung notwendig, um die Wirkung, aber auch mögliche Nebenwirkungen optimal überwachen zu können.

Nerven- und Sympathikusblockaden:
Mit Hilfe einer Nervenblockade lassen sich Schmerzen im Versorgungsgebiet des jeweiligen Nerven oder Nervengeflechtes zumindest für einen begrenzten Zeitraum reduzieren oder gar komplett beseitigen. Das geschieht durch einmalige oder wiederholte Injektion eines lokalen Betäubungsmittels oder Schmerzmittels. Bei bestimmten Schmerzsyndromen ist auch eine Blockade im Bereich des vegetativen Nervensystems (Sympathikusblockade) indiziert, um krankhafte Störungen des Vegetativums zu beeinflussen und damit den Schmerz zu lindern.

Neuraltherapie:
Die Neuraltherapie – häufig auch als Therapeutische Lokalanästhesie (TLA) bezeichnet – ist eine Regulationstherapie, wie etwa die Akupunktur oder die Manuelle Medizin. Unter dem Oberbegriff Neuraltherapie werden verschiedene Techniken zusammengefaßt, z.B. die Segmenttherapie oder auch die sog. Störfeldbehandlung. Allen Methoden gemeinsam ist die Applikation von lokalem Betäubungsmittel in schmerzhafte oder schmerzauslösende Körperregionen mittels Injektion.

Physikalische Therapie:
Es gibt eine Reihe von nicht-medikamentösen, physikalischen Verfahren, die zumindest als Begleitmaßnahme für eine effiziente Schmerztherapie von Bedeutung sind. Physikalische Verfahren dienen der Entspannung der Muskulatur und verbessern die Durchblutung. Damit kann der Teufelskreis aus Schmerz und Muskelverspannung, der bei vielen Schmerzsyndromen eine wesentliche Rolle spielt, durchbrochen werden.

Symbioselenkung:
Insbesondere chronische Schmerzsyndrome wie Migräne oder Spannungskopfschmerz, aber auch Hauterkrankungen oder Allergien gehen häufig mit einer Störung der natürlichen Bakterienflora des Darmes einher (sog. Darmdysbiose). In solchen Fällen stellt eine Symbioselenkung (auch als Darmsanierung bezeichnet), also die Wiederherstellung der physiologischen Flora, die Basis aller therapeutischen Bemühungen dar.

TENS:
TENS bedeutet "Transkutane Elektrische NervenStimulation". Mit einem handlichen, tragbaren Gerät werden gezielt bestimmte Areale am Körper elektrisch gereizt. Dadurch lassen sich körpereigene schmerzunterdrückende Abläufe im Zentralnervensystem aktivieren. U.a. werden dabei vom Körper selbst produzierte schmerzhemmende Substanzen (sog. Endorphine) verstärkt ausgeschüttet. Prinzipiell kann bei den meisten Schmerzsyndromen ein Ver-such mit TENS unternommen werden. Lediglich bei PatientenInnen mit Herzschrittmacher sollte man auf TENS verzichten.

Psychologische Mitbehandlung:
Aus der modernen Therapie chronischer Schmerzen ist die psychologische Mitbehandlung als ein wesentlicher Teilaspekt nicht mehr wegzudenken. Wir gehen deshalb in Gesprächen der Frage nach, ob es Situationen gibt, in denen der Schmerz verstärkt auftritt oder ob auch Situationen vorkommen, in denen der Schmerz etwas in den Hintergrund tritt.

Schmerzlindernd wirken:
Ablenkung, Akupunktur, Entspannung, Schmerzmittel

Schmerzverstärkend wirken:
Einsamkeit, Depressivität, Ängste, Unruhe, Stress

Zusätzlich sollten Sie sich Gedanken darüber machen, welche Auswirkungen der Schmerz auf Ihre Lebensgestaltung hat, welche Lebensbereiche dadurch evtl. eingeschränkt sind. Oftmals stellt sich in Folge des permanenten Schmerzes eine Passivität und ein Motivationsverlust ein. Beides kann zu Spannungen in der Familie oder in der Partnerschaft führen. In der schmerztherapeutischen Beratung können erste Ansätze zur Bewältigung erarbeitet werden (z.B. Verbesserung der Partnerschaftskommunikation, Entwicklung hilfreicher Einstellungen).

Ferner sollte überlegt werden, ob es Maßnahmen gibt, welche die Betroffenen selbst unternehmen können, um mit dem Schmerz besser zu Recht zu kommen. Dies kann z.B. das Erlernen eines Entspannungsverfahrens oder der Einsatz von Ablenkungsstrategien sein. Bei einigen PatientenInnen bestehen noch weitere psychische Beschwerden oder Konflikte, für deren Behandlung eine längerfristige Psychotherapie notwendig ist. In diesen Fällen helfen wir, einen wohnortnahen Therapieplatz zu finden. In enger Kooperation mit der Klinik für Psychosomatik stehen uns des weiteren bei relevanten Fragestellungen auch jederzeit MitarbeiterInnen für interdisziplinäre Therapiekonzepte zur Verfügung.

Multimodale Schmerztherapie:
In unserer schmerztherapeutischen stationären Therapie bieten wir seit 2009 ein multimodales Therapiekonzept an, das besonders die bio-psycho-sozialen Aspekte des chronischen Schmerzes berücksichtigt. Hierbei findet stationär ein enge Zusammenarbeit mit der Physiotherapie und der Klinik für Psychotherapie und Psychosomatik des UKGM Gießens statt.