Hypoglossusnervstimulation
Ein erholsamer Schlaf ist die Grundlage für Konzentration, Lebensqualität und die Gesundheit. Doch bei einer obstruktiven Schlafapnoe (OSA) wird genau dieser Schlaf gestört – durch wiederkehrende Atempausen in der Nacht. Viele Patientinnen und Patienten werden zunächst mit einer nächtlichen Überdrucktherapie (CPAP-Maske) behandelt. Doch nicht jede oder jeder kann diese Therapie langfristig gut tolerieren.
An der Klinik für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie am Universitätsklinikum Marburg haben wir uns auf moderne, wirksame Alternativen spezialisiert – insbesondere auf die Stimulation des Zungennerven (Nervus hypoglossus), auch „Zungenschrittmacher“ genannt.
Diese vergleichsweise neue Therapie bietet eine moderne, effektive und gut verträgliche Alternative mit relativ geringen operativen Risiken.
Wir implantieren mit langjähriger Erfahrung zwei bewährte Systeme:
• Inspire der Firma Inspire Medical®
• Genio der Firma Nyxoah®
Bei beiden Verfahren waren Mitarbeiter der Klinik auch in der Entwicklung der Systeme beteiligt und die Klinik hat über viele Jahren als implantierendes Zentrum umfangreiche praktische Erfahrungen gewonnen.
So funktioniert die Therapie
Beim Inspire®-System wird ein kleiner Stimulator unter der Haut im Brustbereich sowie eine Elektrode im Halsbereich eingesetzt. Während des Schlafs sendet das Gerät atemrhythmisch elektrische Impulse an den Zungennerv. Dadurch wird die Zunge nach vorne bewegt, die Atemwege bleiben offen, und die Atmung stabilisiert sich.

Das Genio®-System arbeitet ohne implantierten Impulsgeber im Brustbereich – also ohne Batterie und Verbindungskabel. Das Implantat unter dem Kinn wird über ein kleines externes Gerät aktiviert, das aufgeklebt wird. So werden ebenfalls Impulse an den Zungennerven gesendet, die die Atemwege offenhalten und Atempausen sowie Schnarchen deutlich reduzieren.

Die Operationen erfolgen minimal-invasiv in Vollnarkose, nach einer kurzen Einheilungsphase kann das System individuell eingestellt und vom Patienten bedient werden.
Ablauf der Behandlung
Ob eine Therapie mit einem Hypoglossus-Stimulator für Sie geeignet ist, klären wir anhand verschiedener Kriterien:
- Anzahl der Atempausen pro Stunde (Apnoe-Hypopnoe-Index) 15 bis 65
- Anteil der zentralen Atempausen ≤ 25%
- Body-Mass-Index (BMI ≤ 35 kg/m²)
- Ergebnisse einer sogenannten medikamenteninduzierten Schlafendoskopie (MISE), bei der wir erkennen können, an welcher Stelle die Atemwegsverengung entsteht
- eine bestehende Intoleranz oder –Unverträglichkeit gegenüber einer CPAP-Therapie
Im Rahmen unserer schlafmedizinischen Sprechstunde beraten wir Sie persönlich, ob die Zungenschrittmacher-Therapie für Sie infrage kommt, und begleiten Sie von der Diagnostik über die Implantation bis zur individuellen Nachsorge.
Privatversicherte Patientinnen und Patienten mit schlafmedizinischen Fragestellungen können sich direkt an die Sprechstunde von Prof. Stuck wenden.