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Granulozytenlabor

Das Granulozytenlabor führt immunologische Untersuchungen zum Nachweis von Antikörpern gegen Granulozyten bei verschiedenen Krankheitsbildern wie Autoimmunneutropenien im Kindes- und Erwachsenenalter und bei Verdacht auf TRALI durch. Unseren Begleitschein für die Einsendung von Blutproben externer Patienten finden Sie hier.


Anschrift

 Zentrum für Transfusionsmedizin, Granulozytenlabor, Langhansstr. 7, 35392 Gießen
Bei Fragen zum Versand: 0641/985-41516

 

Laborleitung

Prof. Dr. Ulrich Sachs
0641/985-41514


Aktualisiert am: 02.06.2015

02.06.2016 Im Kapitel Autoimmun-Neutropenie des Kindesalters und Autoimmun-Neutropenie des Erwachsenen und sekundäre Autoimmunneutropenie bei Material Nativblut entfernt.


Autoimmun-Neutropenie des Kindesalters Autoimmun-Neutropenie des Erwachsenen und sekundäre Autoimmunneutropenie Medikamentinduzierte Neutropenie
Alloimmun-Neutropenie Transfusionsassoziierte akute Lungeninsuffizienz (TRALI) Differenzialdiagnostik von akuten Transfusionsreaktionen mit führender pulmonaler Symptomatik

 

Granulozytenimmunologie

Autoimmun-Neutropenie des Kindesalters
Die primäre Autoimmun-Neutropenie des Kindesalters wird mit einer Inzidenz von etwa 1:10.000 insbesondere zwischen dem 5. und 15. Lebensmonat beobachtet.
Ursache sind Antikörper gegen verschiedene Antigene der granulozytären Zellmembran. Durch Anlagerung an die Granulozyten bewirken die Antikörper die verstärkte Mauserung dieser Zellreihe und entsprechend eine (ggf. absolute) Neutropenie. Die primäre Autoimmun-Neutropenie geht nach ein- bis zweijährigem Verlauf meist spontan in Remission. Sekundäre Formen bei Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises sind beschrieben.
Analyt freie Antikörper gegen Granulozyten
Indikation unklare Neutropenie, insbesondere bei Kindern vor dem vierten Lebensjahr
Material 2 ml EDTA-Blut
Methode IFT, Agglutinationstest, ELISA
Referenzbereich Negativ
Bewertung Der Nachweis breit reagierender Antikörper gegen Granulozyten spricht für das Vorliegen einer Autoimmun-Neutropenie. In typischen Fällen zeigen die Autoantikörper eine bevorzugte Bindung an Granulozyten, die das Merkmal HNA-1a tragen. Bei Kindern mit typischem klinischen Verlauf und Nachweis von freien Antikörpern gegen Granulozyten ist eine Knochenmarkuntersuchung in der Regel nicht erforderlich.
Ein negatives Untersuchungsergebnis schließt die Diagnose einer Autoimmun-Neutropenie nicht aus, da die Menge an freien Antikörpern vorübergehend unter die Nachweisgrenze absinken kann. Hier können Wiederholungsuntersuchungen in zwei- bis vierwöchigen Abständen sinnvoll sein.
Differenzialdiagnosen Morbus Kostmann (bei Kindern im ersten Lebensjahr):
-› Antikörpernachweis negativ; stark erhöhtes Serum-Ig; Knochenmark zeigt Reifungsstopp auf (Pro)Myelozytenebene
Alloimmun-Neutropenie (bei Kindern bis zur 30. Lebenswoche):
-› Nachweis von Alloantikörpern gegen Granulozyten
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Autoimmun-Neutropenie des Erwachsenen und sekundäre Autoimmunneutropenie
Die Autoimmun-Neutropenie des Erwachsenenalters sowie sekundäre Formen der Autoimmun-Neutropenie sind hinsichtlich Pathogenese und Klinik unzureichend untersucht. Der Nachweis granulozytenreaktiver Autoantikörper ist bei Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises und im Zusammenhang mit Autoantikörpern gegen Thrombozyten und Erythrozyten (Evans-Syndrom) beschrieben.
Analyt freie Antikörper gegen Granulozyten
Indikation unklare Neutropenie, insbesondere nach Ausschluss weiterer Ursachen einer Neutropenie
Material 10 ml EDTA-Blut
Methode IFT, Agglutinationstest, ELISA
Referenzbereich Negativ
Bewertung Der Nachweis breit reagierender Antikörper gegen Granulozyten kann für das Vorliegen einer autoimmunvermittelten Neutropenie sprechen. Ein negatives Untersuchungsergebnis schließt die Diagnose einer Autoimmun-Neutropenie jedoch nicht aus, da die Menge an freien Antikörpern vorübergehend unter die Nachweisgrenze absinken kann.
Auch bei positivem Antikörpernachweis sollte im Erwachsenenalter nicht auf die weiterführende hämatologische Diagnostik verzichtet werden.
Differenzialdiagnosen - Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises
- Hämatologische Grunderkrankung
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Medikamentinduzierte Neutropenie
Eine Reihe von Medikamenten kommen als ursächlich für das Auftreten einer medikamentinduzierten Form der Immunneutropenie in Betracht. Nach der ersten Einnahme eines neuen Medikaments tritt die Neutropenie etwa 7–10 Tage später auf. Neben dem Wirkstoff selbst kommen auch wasserlösliche Metabolite des Wirkstoff es als ursächlich in Betracht.
Analyt medikamentabhängige antigranulozytäre Antikörper
Indikation unklare (akute) Neutropenie
Material 10 ml Nativblut
5 ml Urin
1 Tablette /Ampulle des verdächtigen Medikaments
(bei Kindern enstprechend geringere Blutmengen)
Methode IFT
Referenzbereich Negativ
Bewertung Die Neutropenie wird durch medikament- oder metabolitabhängige Antikörper ausgelöst, die in Gegenwart des Medikaments oder seines Metaboliten mit granulozytären Membranproteinen reagieren.
Der positive Nachweis solcher Antikörper ist spezifisch.
Differenzialdiagnosen Autoimmunneutropenie
-› Nachweis von Autoantikörpern gegen Granulozyten
toxische Form der medikamentinduzierten Neutropenie
hämatologische Grunderkrankung
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Alloimmun-Neutropenie
Die Alloimmun-Neutropenie wird mit einer Inzidenz von unter 1:1.000 beobachtet. Ursache ist die Ausbildung von mütterlichen Antikörpern gegen paternale Antigene auf den Granulozyten des Kindes. Durch Anlagerung an die Granulozyten bewirken die Antikörper die verstärkte Mauserung dieser Zellreihe und entsprechend eine (ggf. absolute) Neutropenie. Klinisch ist die Erkrankung durch eine schwere, aber zeitlich begrenzte Neutropenie des Neugeborenen gekennzeichnet, die zu lokalen oder systemischen Infektionen führt. Bakterielle Infektionen der Haut und des Respirationstraktes stehen im Vordergrund. Die Neutropenie kann unmittelbar postgeburtlich oder mit einer Verzögerung von 1–3 Tagen nachweisbar sein. Die Dauer der Neutropenie beträgt drei bis 28 Wochen (im Mittel ca. 11 Wochen).
Analyt freie Alloantikörper gegen Granulozyten im mütterlichen Serum
Genotyp von Mutter, Vater und Kind
Indikation unklare Neutropenie, insbesondere bei Neugeborenen
Material 10 ml Nativblut und 5 ml EDTA-Blut der Mutter 
5 ml EDTA-Blut des Vaters 
2 ml EDTA-Blut des Kindes
Methode IFT, Agglutinationstest, ELISA
Genotypisierung
Referenzbereich Antikörpernachweis: negativ
Bewertung Der Nachweis eines spezifischen Alloantikörpers gegen Granulozyten spricht für das Vorliegen einer Alloimmun-Neutropenie, wenn das korrespondierende Merkmal beim Kind nachgewiesen werden kann. Die Mutter selbst muss für das Merkmal negativ sein. Bei typischer Befundkonstellation kann auf eine Knochenmarkuntersuchung beim Kind in aller Regel verzichtet werden.
Die häufigsten Alloantikörper-Spezifitäten sind: Anti-HNA-1a, Anti-HNA-1b, Anti-FcyRIIIb, Anti-HNA-3a.
Differenzialdiagnosen Autoimmun-Neutropenie:
-› Nachweis von Autoantikörpern gegen Granulozyten aus kindlichem Blut; die Autoimmun-Neutropenie kann schon in utero beginnen und beim Neugeborenen voll ausgeprägt sein
Transitorische Autoimmun-Neutropenie:
-› Nachweis von Autoantikörpern gegen Granulozyten aus mütterlichem Blut; die diaplazentar übertragenen mütterlichen Antikörper können eine vorübergehende Neutropenie verursachen
Morbus Kostmann:
-› Antikörpernachweis negativ; stark erhöhtes Serum-Ig; Knochenmark zeigt Reifungsstopp auf (Pro)Myelozytenebene.
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Transfusionsassoziierte akute Lungeninsuffizienz (TRALI)
Bei der transfusionsassoziierten akuten Lungeninsuffizenz handelt es sich um eine der häufigsten unerwünschten Wirkungen der Bluttransfusion, insbesondere bei der Transfusion plasmahaltiger Blutprodukte. Ein Großteil der TRALI-Reaktionen beruht auf dem Vorhandensein granulozytenreaktiver Antikörper im Plasma des Blutspenders.
Binden diese Antikörper an korrespondierende Antigene auf den Granulozyten des Empfängers, kann ein TRALI ausgelöst werden. Selten sind granulozytenreaktive Antikörper im Blut des Empfängers für ein TRALI verantwortlich. Diese können an Granulozyten im Blutprodukt binden und so ein TRALI auslösen..
Analyt freie Antikörper gegen Granulozyten und HLA-Antigene der Klassen I und II
Indikation Transfusionsreaktion mit führender Lungensymptomatik in unmittelbarem zeitlichem Zusammenhang mit der Bluttransfusion (Sofortreaktion bis 6 h nach Transfusionsende).
Material 10 ml Nativblut des Spenders des involvierten Blutprodukts
10 ml Nativblut und 10 ml EDTA-Blut des Transfusionsempfängers
Methode Antikörpernachweis: IFT, Agglutinationstest, ELISA
Genotypisierung
Referenzbereich Antikörpernachweis: negativ
Genotypisierung: entfällt
Bewertung Antikörper gegen granulozytäre Antigene und Antikörper gegen HLA-Antigene der Klasse I und II sind im Zusammenhang mit TRALI-Reaktionen beschrieben. Gelingt der Nachweis solcher Antikörper im Spenderblut und ist der Empfänger für das korrespondierende Antigen positiv, kann ein ursächlicher Zusammenhang angenommen werden, wenn die klinischen Daten die Verdachtsdiagnose eines TRALI stützen. Plasmahaltige Blutprodukte solcher Spender sollten nicht mehr zum Einsatz gelangen.
Hinweis: In Deutschland meldepflichtige Transfusionsreaktion.
Differenzialdiagnosen vgl. Tabelle zur Differenzialdiagnostik:
-› Transfusionsassozierte Volumenüberladung (TACO)
-› Transfusionsassoziierte Dyspnoe (TAD)
-› allergische Dyspnoe
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Differenzialdiagnostik von akuten Transfusionsreaktionen mit führender pulmonaler Symptomatik

O2-Sättigung Röntgenbild (obligatorisch) weitere wesentliche Befunde zeitlicher Zusammenhang mit Transfusion Klinische Verdachtsdiagnose
<90% beidseitiges Lungeninfiltrat;
kardial unauffälliger Befund
  sofort bis 6h nach Transfusion TRALI
  Lungeninfiltrate; Zeichen der kardialen
Dekompensation
Tachykardie
Hypertension
bis 12h nach Transfusion; ggf. Z.n. Massivtransfusion TACO
  keine Infiltrate     TAD
  keine Infiltrate Zyanose
Stridor
bis 24 h nach Transfusion allergische Dyspnoe