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Erythrozytenlabor

Im Erythrozytenlabor werden Spezialuntersuchungen zur Diagnostik immunhämatologischer Krankheitsbilder der roten Blutzellen (wie z. B. autoimmunhämolytische oder medikament-induzierte Anämien), zur Differenzierung von Alloantikörpern gegen Erythrozyten und zum Nachweis von Blutgruppenmerkmalen (einschließlich molekulargenetischer Bestimmungen) durchgeführt. Unseren Begleitschein für die Einsendung von Blutproben externer Patienten finden Sie hier.


Anschrift

Zentrum für Transfusionsmedizin, Erythrozytenlabor,

Langhansstr. 7, 35392 Gießen
Bei Fragen zum Versand: 0641/985-41507

 

Laborleitung

Frau Cooper, Nina    0641/985-58679


Aktualisiert am: 06.01.2015


Bestimmung der Rhesusformel und weiterer Blutgruppenantigene Antikörpersuchtest Serologische Verträglichkeitsprobe (Kreuzprobe)

Antikörper-
identifizierung (Antikörper-differenzierung)

Antikörpertitration Direkter Antiglobulintest Autoimmun-hämolytische Anämie (AIHA) vom Wärmetyp Kälteagglutinin-krankheit (AIHA vom Kältetyp)
Paroxysmale Kältehämoglobinurie (Donath-Landsteiner-Hämolyse) Medikamentinduzierte Immunhämolyse Molekulargenetische Blutgruppenbestimmung  

 

 

Erythrozytenimmunologie

Bestimmung der Rhesusformel und weiterer Blutgruppenantigene
Die Bestimmung der Rhesusmerkmale C, c, E, e und anderer Blutgruppenmerkmale (Cw, K, k, Kpa, Kpb, Fya, Fyb, Jka, Jkb, M, N, S, s, Lea, Leb, Lua, Lub, P1) erfolgt mit jeweils zwei verschiedenen Testreagenzien.
Analyt Antigene auf Erythrozyten
Indikation Die Rhesusmerkmale C, c, E, e und das K-Merkmal werden bei allen Blutspendern und Blutempfängern bestimmt. Nach erfolgter Antikörperdifferenzierung sollen Antigenaustestungen klären, ob Allo- oder Autoantikörper vorliegen.
Material 10 ml EDTA-Blut
Methode Agglutinationstest
Referenzbereich entfällt
Bewertung In der Regel handelt es sich bei Antikörpern, die in der Antikörperdifferenzierung identifiziert werden, um Alloantikörper: Der Patient besitzt das Antigen nicht, gegen das Antikörper gebildet werden, die Antigenaustestung ist negativ. Ausnahmen können bei Anti-M, -N, -e, und in seltenen Fällen -D vorliegen.
Vortransfusionen von Erythrozyten mit unterschiedlichen Antigenmustern können die Bewertung der Antigenbestimmung erschweren oder sie unmöglich machen.
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Antikörpersuchtest
Der Antikörpersuchtest erfasst klinisch relevante erythrozytäre Allo- und Autoantikörper außerhalb des
AB0-Blutgruppensystems. Er ist Bestandteil der Blutgruppenbestimmung bei Patienten und bei Blutspendern.
Analyt freie Antikörper gegen Erythrozyten
Indikation Der Antikörpersuchtest wird bei einer serologischen Verträglichkeitsprobe durchgeführt, wenn der letzte vorangegangene Antikörpersuchtest länger als 3 Tage zurückliegt. Bei Blutspendern erfolgt ein Antikörpersuchtest mindestens im Abstand von zwei Jahren sowie nach Transfusionen und Schwangerschaften. Außerdem wird ein Antikörpersuchtest bei Rh-negativen Frauen in der präpartalen Diagnostik durchgeführt.
Material 10 ml EDTA-Blut
Methode Agglutinationstest (u.a. indirekter Antiglobulintest oder IgG spezifischer Test [Festphase])
Referenzbereich Negativ
Bewertung Bei Vorliegen von freien, irregulären erythrozytären Antikörpern kommt es zu einer positiven Reaktion bei mindestens einer der 2 – 3 Testerythrozyten. Die Spezifität nachgewiesener Antikörper wird mittels Antikörperdifferenzierung identifiziert. Zum Nachweis von Kälteantikörpern und Antikörpern bestimmter Spezifitäten kann der Antikörpersuchtest auch in verschiedenen Milieus (NaCl, Bromelin, u. a.) und bei unterschiedlichen Temperaturen durchgeführt werden.
Differenzialdiagnosen Bei positivem Antikörpersuchtest kann / können vorliegen:
- Erythrozytäre Alloantikörper bei Immunisierung gegen fremde Blutgruppenmerkmale nach Bluttransfusionen oder nach Schwangerschaft
- Erythrozytäre Autoantikörper bei Autoimmunhämolysen
- Z. n. Rhesusprophylaxe in der Schwangerschaft
- Übertragung mütterlicher Antikörper in den kindlichen Kreislauf bei Neugeborenen
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Serologische Verträglichkeitsprobe (Kreuzprobe)
Die Kreuzprobe erfasst klinisch relevante blutgruppenserologische Unverträglichkeiten zwischen Spender und Empfänger. Im Gegensatz zum Antikörpersuchtest können durch sie auch AB0-Inkompatibilität und Antikörper gegen private Erythrozytenantigene erkannt werden. Sie wird als Majortest im indirekten Antiglobulintest durchgeführt.
Analyt freie Antikörper gegen Erythrozyten
Indikation Vor Erythrozytentransfusionen
Material 10 ml EDTA-Blut (Empfänger)
Methode Agglutinationstest (u.a. indirekter Antiglobulintest oder IgG spezifischer Test [Festphase])
Referenzbereich Negativ
Bewertung Bei positiver Kreuzprobe kann / können vorliegen:
- AB0-Inkompatibilität
- Allo- oder Autoantikörper (siehe Antikörpersuchtest)
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Antikörperidentifizierung (Antikörperdifferenzierung)
Die Spezifität von Antikörpern im Serum wird durch Testung des Serums gegen eine größere Anzahl Testerythrozyten (Panelzellen), die alle wesentlichen Erythrozytenantigene in bekannter Verteilung aufweisen, ermittelt.
Analyt freie Antikörper gegen Erythrozyten
Indikation Positiver Antikörpersuchtest
Material 10 ml EDTA-Blut
Methode Agglutinationstest (u.a. indirekter Antiglobulintest verschiedene Milieus, Adsorptions- und Elutionsverfahren (Säure, Wärme, Chloroform) + [Festphase])
Referenzbereich Negativ
Bewertung Anhand des Reaktionsmusters der Panelzellen können die Antikörperspezifitäten bestimmt werden. Homogene Reaktionen aller Panelzellen können durch Autoantikörper (Eigenansatz positiv) oder sehr breit reagierende Alloantikörper (Eigenansatz negativ) verursacht werden.
Bei multiplen Antikörpern verschiedener Spezifitäten oder kombiniertem Vorliegen von Auto- und Alloantikörpern können weitere Untersuchungen zur Abklärung der Spezifität erforderlich sein (andere Panelzellen, Adsorption, Elution, u. a.).
Zum Nachweis von Kälteantikörpern und zur Klärung der Spezifität bestimmter Antikörper kann die Antikörperdifferenzierung auch in verschiedenen Milieus (NaCl, Bromelin, u. a.) bei unterschiedlichen Temperaturen durchgeführt werden.
Differenzialdiagnosen siehe Antikörpersuchtest
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Antikörpertitration
Zur Abschätzung der Konzentration erythrozytärer Antikörper wird die Reaktionsstärke einer geometrischen Verdünnungsreihe des Patientenserums mit Testerythrozyten bestimmt.
Analyt freie Antikörper gegen Erythrozyten
Indikation - Kontrollen während der Schwangerschaft zur Risikoabschätzung eines M. haemolyticus-neonatorum
- Verlaufstitration von Autoantikörpern
- Bestimmung von Isoagglutinintitern bei AB0-inkompatibler Lebendnierentransplantation und Herztransplantation
- Nachweis schwacher Blutgruppenantigene durch Adsorption und anschließende Titration korrespondierender Antikörper
Material 10 ml EDTA-Blut
Methode Agglutinationstest (indirekter Antiglobulintest)
Referenzbereich abhängig von Fragestellung
Bewertung Aufgrund wechselnder Antigenität der verwendeten Testerythrozyten und manueller Pipettierung ist bei Verlaufsbeobachtungen nur eine Titerdifferenz von mindestens zwei Titerstufen als signifikant anzusehen. Zur Kontrolle ist das Mitführen von Patientenseren aus Voruntersuchungen sinnvoll.
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Direkter Antiglobulintest
Antiglobulinseren verschiedener Spezifität agglutinieren Erythrozyten, die mit korrespondierenden Immunglobulinen (IgG, IgM, IgA) oder Komplementfaktoren (C3d, C3c) beladen sind.
Analyt an Erythrozyten gebundene Immunglobuline und Komplementfaktoren
Indikation - Abklärung von Transfusionsreaktionen
- V. a. Autoimmunhämolyse
- V. a. Morbus haemolyticus neonatorum
- V. a. Medikamentös bedingte Immunhämolyse
Material 10 ml EDTA-Blut
Methode Agglutinationstest
Referenzbereich Negativ
Bewertung Je nach zugrunde liegender Erkrankung (siehe Indikationen) kommt es zu unterschiedlichen Reaktionsmustern der verschiedenen Antiglobulinseren.
Differenzialdiagnosen Weitere mögliche Ursachen eines direkten Antiglobulintests sind:
- Rhesusprophylaxe der Mutter (bei Neugeborenen)
- Wärmeautoantikörper ohne hämolytische Aktivität
- unspezifische Immunglobulinbeladung
- in vitro Komplementaktivierung durch Kälteautoantikörper
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Autoimmunhämolytische Anämie (AIHA) vom Wärmetyp
Die Inzidenz der AIHA wird auf 1: 40.000 bis 1: 80.000 geschätzt, davon sind etwa 70 % vom Wärmetyp. Die idiopathische Form tritt gehäuft bei Frauen und jenseits des 40. Lebensjahres auf. Die sekundäre AIHA vom Wärmetyp kann bei Grunderkrankungen wie Tumoren (v. a. Lymphome, Ovarialteratome), myeloproliferativen Erkrankungen, Immundefekten und Autoimmunerkrankungen auftreten. Bei den Patienten finden sich klinische und laborchemische Hämolysezeichen. Die Therapie erfolgt mit Kortikosteroiden und immunsuppressiven Zytostatika. Bei entsprechender Klinik (Anämie) sind Transfusionen indiziert.
Analyt Autoantikörper gegen Erythrozyten
Indikation V. a. Autoimmunhämolyse
Material 10 ml EDTA-Blut
Methode Direkter und indirekter Antihumanglobulintest (Antikörpersuchtest und -differenzierung), Elutionsverfahren
Referenzbereich Negativ
Bewertung Leitbefund ist der mit Anti-IgG positive direkte Coombstest. In 60 % der Fälle ist er auch positiv mit Anti-C3d. In seltenen Fällen liegen Wärmeautoantikörper der IgA- und IgM-Klasse vor, die in sehr seltenen Fällen alleinige Ursache einer AIHA sind.
Nach Elution lassen sich breit reagierende Antikörper ohne erkennbare Spezifität nachweisen. In sehr seltenen Fällen ist der direkte Antiglobulintest negativ und Wärmeautoantikörper lassen sich nur nach Elution nachweisen. Bei Vorliegen einer AIHA sind regelmäßige Kontrolluntersuchungen und die Überwachung der Hämolyseparameter indiziert.
Differenzialdiagnosen - Andere Formen von Autoimmunhämolysen
- Hämolytische Transfusionsreaktionen
- MHN
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Kälteagglutininkrankheit (AIHA vom Kältetyp)
Die chronische Kälteagglutininkrankheit kann idiopathisch bei Patienten jenseits des 50. Lebensjahres auftreten oder sekundär als Folge maligner Erkrankungen, meistens B-Zelllymphomen. Leitsymptome sind Akrozyanose und Hämolysezeichen, die nach Kälteexposition bzw. in Schüben verstärkt auftreten können. Der akuten passageren Kälteagglutininkrankheit geht meistens 2 – 3 Wochen zuvor ein Infekt der oberen Atemwege voraus. Klinisch sind Hämolysezeichen zu beobachten, die sich bei rascher Abkühlung verstärken.
Analyt Komplementbeladung auf Erythrozyten, Kälte-Autoantikörper gegen Erythrozyten
Indikation V. a. Kälteagglutininkrankheit
Material 10 ml Venenblut (nativ), bei 37° C ausgeronnen / 10 ml EDTA-Blut
Methode Direkter und indirekter Antihumanglobulintest, Kälteagglutinintest (Hämolysetest) und Kälteagglutinintitration
Referenzbereich Negativ / Kälteagglutinintiter < 128
Bewertung Der direkte Antiglobulintest ist stark positiv mit C3d. Im Serum lassen sich Kälteagglutinine, meistens mit Spezifität I oder i, mit einem Titer > 64 nachweisen. Während akute Formen der AIHA durch Kälteautoantikörper in der Regel spontan ausheilen, sind Patienten mit chronischer Kälteagglutininkrankheit vor allem vor Abkühlung zu schützen. Es ist darauf zu achten, dass Blut nur transfundiert wird, nachdem es mit geeigneten Geräten angewärmt wurde.
Differenzialdiagnosen - Autoimmunhämolytische Anämie vom Wärmetyp
- Paroxysmale Kältehämoglobinurie
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Paroxysmale Kältehämoglobinurie (Donath-Landsteiner-Hämolyse)
Die paroxysmale Kältehämoglobinurie tritt in der Regel bei Kindern akut nach einer Virusinfektion auf und ist durch eine rasche intravasale Hämolyse gekennzeichnet.
Die der Erkrankung zugrunde liegenden Donath-Landsteiner-Antikörper sind möglicherweise gegen kreuzreaktive Epitope der Krankheitserreger gerichtet.
Analyt Komplementbeladung auf Erythrozyten, Donath-Landsteiner-Antikörper
Indikation V. a. Autoimmunhämolyse vom Donath-Landsteiner-Typ
Material 10 ml Venenblut (nativ) / EDTA-Blut (aufgetrenntes Material)
Methode Direkter und indirekter Antihumanglobulintest, Hämolysetest
Referenzbereich Negativ
Bewertung Der direkte Antihumanglobulintest ist positiv mit C3d. In der akuten Phase der Erkrankung findet man bithermische Hämolysine. Die hämolytische Symptomatik ist passager und verschwindet nach Abklingen des Infektes.
Differenzialdiagnosen - Autoimmunhämolytische Anämie vom Wärmetyp
- Kälteagglutininkrankheit
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Medikamentinduzierte Immunhämolyse
Etwa 20% aller autoimmunhämolytischen Anämien sollen durch Medikamente induziert sein. Je nach zugrunde liegendem Pathomechanismus werden verschiedene Formen unterschieden, deren Gemeinsamkeit eine durch Medikamente verursachte Bildung von Kombinations- oder Neoantigenen auf Erythrozyten ist. Antikörperbildung gegen diese Kombinations- oder Neoantigene führt zur Immunhämolyse.
Analyt Antikörper gegen Erythrozyten
Indikation V. a. Medikamentinduzierte Immunhämolyse
Material 10 ml Venenblut (nativ) / 10 ml EDTA-Blut / 10 ml Urin; Angabe oder Einsendung der (des) verdächtigen Medikamente(s)
Methode Agglutionationstest (direkter und indirekter Antiglobulintest)
Referenzbereich Negativ
Bewertung Bei den häufigsten Formen der medikamentinduzierten Immunhämolyse ist der direkte Antiglobulintest positiv mit IgG.
Der indirekte Antiglobulintest wird nur in Anwesenheit des ursächlichen Medikamentes positiv. Nicht nur das Medikament selbst sondern auch dessen Metaboliten kommen als Auslöser von Autoimmunhämolysen in Frage und müssen ebenfalls untersucht werden.
Wichtigste therapeutische Maßnahme ist das sofortige Absetzen des ursächlichen Medikamentes.
Differenzialdiagnosen Andere Formen von Autoimmunhämolysen
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Molekulargenetische Blutgruppenbestimmung
Bestimmung und Analyse von Blutgruppenantigenen auf Allelebene (AB0, RHD, RHCE, Kell, Duffy, Kidd, MNS, D-Zygotie, D-weak und fetales Rhesus-D)
Analyt Für die jeweiligen Blutgruppen kodierende Allele
Indikation - Analyse von Blutgruppen-Varianten, z. B. bei V. a. weak D oder Partial D
- Abklärung unsicherer Antigenbestimmungen (Patienten mit AIHA, Z. n. Vortransfusionen, Z. n. Knochenmarktransplantation)
- Bestimmung fetaler Blutgruppen aus Amnionzellen bei V. a. M. haemolyticus neonatorum
- Klärung genetischer Dispositionen bei Risikoschwangerschaften, z.B. bei gebärfähigen Frauen mit irregulären Antikörpern
- Forensik
Material 10 ml EDTA-Blut, bei Bestimmung fetaler Blutgruppen 5 ml Fruchtwasser/Amnionzellen
Methode Polymerasekettenreaktion mit sequenzspezifischen Primern (PCR-SSP)
Referenzbereich entfällt
Bewertung Als alleinige Grundlage einer Blutgruppenbestimmung ist die molekularbiologische Methode nicht empfehlenswert. Es sollte stets auch eine serologische Bestimmung erfolgen.
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