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Thrombozytenlabor

Das Thrombozytenlabor führt immunologische Untersuchungen zum Nachweis von Antikörpern gegen Thrombozyten bei verschiedenen Krankheitsbildern wie Immunthrombozytopenie, NAIT und HIT Typ 2 durch. Ferner werden differenzierte Spezialanalysen zur Thrombozytenfunktion vorgehalten. Unseren Begleitschein für die Einsendung von Blutproben externer Patienten finden Sie hier. Patienten mit Immunthrombozytopenie oder Thrombozytenfunktionsstörungen können auch in unserer Ambulanz vorgestellt werden.


Anschrift

 Zentrum für Transfusionsmedizin, Thrombozytenlabor, Langhansstr. 7, 35392 Gießen
Bei Fragen zum Versand: 0641/985-41515

 

Laborleitung

 

Dr. Jens-Christian Wolff, PhD Dr. Kathrin Heidinger Prof. Dr. Ulrich Sachs
0641/985-41538 0641/985-41523 0641/985-41514

Aktualisiert am: 06.01.2015


Autoimmunthrombozytopenie (AITP, Morbus Werlhof) Medikamentinduzierte Immunthrombozytopenie Fetale/Neonatale Alloimmunthrombozytopenie (FNAIT, NAIT)
Heparininduzierte Thrombozytopenie (HIT) Quantifizierung von Membranglykoproteinen Thrombozytenfunktions-untersuchung

 

Thrombozytenimmunologie

Autoimmunthrombozytopenie (AITP, Morbus Werlhof)
Autoantikörper gegen Thrombozyten bewirken den beschleunigten Abbau der Blutplättchen durch Phagozytose im retikuloendothelialen System, bevorzugt der Milz, seltener der Leber. Die mittlere Lebensdauer des Thrombozyten kann auf wenige Stunden verkürzt sein, so dass eine Thrombozytopenie mit oder ohne Blutungsneigung auftreten kann. Die Diagnose der AITP ist eine Ausschlussdiagnose im klassischen Sinne. Der Nachweis von spezifischen Autoantikörpern gegen Thrombozyten erweist sich als klinisch hilfreich.
Analyt - gebundene Autoantikörper gegen Thrombozyten
- freie Autoantikörper gegen Thrombozyten
Indikation - chronische Thrombozytopenie
- akute Thrombozytopenie (vor allem bei Kindern bis zum 10. LJ)
Material - 20 ml EDTA-Blut (bei ausgeprägter Thrombopenie 30 ml)
- 10 ml Nativblut
- bei Kindern entsprechend weniger
Methode IFT, ELISA
Referenzbereich - Beladung der autologen Thrombozyten: negativ
- freie Antikörper gegen Thrombozyten: negativ
Bewertung Der Nachweis von gebundenen Autoantikörpern an dem thrombozytären Glykoproteinen IIb / IIIa und / oder Ib / IX / V gilt als spezifisch für die Diagnose einer AITP. Im typischen Fälle werden Autoantikörper der gleichen Spezifität zusätzlich frei im Serum nachgewiesen, ihr Nachweis gelingt etwas seltener als der Nachweis gebundener Autoantikörper.
Bei fehlendem Nachweis von Autoantikörpern ist die Diagnose einer AITP nicht ausgeschlossen.
Differenzialdiagnosen hereditäre Thrombozytopenie, insbesondere Bernard-Soulier-Syndrom:
-› Familienanamnese; Blutausstrich; Quantifizierung der Oberflächenmarker GP IIb / IIIa und GP Ib / IX auf den autologen Thrombozyten, Thrombozytenfunktionsuntersuchung.
medikamentinduzierte Thrombozytopenie:
-› Medikamentanamnese; Nachweis medikament- oder metabolitabhängiger Antikörper gegen Thrombozyten
andere hämatologische Grunderkrankung
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Medikamentinduzierte Immunthrombozytopenie
Eine Reihe von Medikamenten, insbesondere aber Antibiotika, Antiepileptika und Antiphlogistika, kommen als ursächlich für das Auftreten einer medikamentinduzierten Form der Immunthrombozytopenie in Betracht. Nach der ersten Einnahme eines neuen Medikaments tritt die Thrombozytopenie etwa 7–10 Tage später auf. Neben dem Wirkstoff selbst kommen auch wasserlösliche Metabolite des Wirkstoffes als ursächlich in Betracht.
Analyt medikamentabhängige antithrombozytäre Antikörper
Indikation unklare (akute) Thrombozytopenie
Material - 20 ml EDTA-Blut (bei ausgeprägter Thrombopenie 30 ml)
- 10 ml Nativblut
- 5 ml Urin
- 1 Tablette/Ampulle des verdächtigen Medikaments
- (bei Kindern enstprechend geringere Blutmengen)
Methode IFT, ELISA
Referenzbereich Negativ
Bewertung Die Thrombozytopenie wird durch medikament- oder metabolitabhängige Antikörper ausgelöst, die in Gegenwart des Medikaments oder seines Metaboliten mit distinkten Epitopen auf den Glykoproteinkomplexen IIb / IIIa oder Ib / IX / V der Thrombozyten reagieren. Der positive Nachweis solcher Antikörper ist spezifisch.
Differenzialdiagnosen Autoimmunthrombozytopenie
-› Nachweis von Autoantikörpern gegen Thrombozyten
Heparin-induzierte Thrombozytopenie Typ II
-› Medikamentanamnese; Nachweis von HIT-Antikörpern
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Fetale/Neonatale Alloimmunthrombozytopenie (FNAIT, NAIT)
Die FNAIT wird durch mütterliche Alloantikörper verursacht, die nach diaplazentarem Übergang mit den fetalen Thrombozyten reagieren und ihren beschleunigten Abbau verursachen. Durch den beschleunigten Abbau kommt es zur fetalen/neonatalen Thrombozytopenie mit der Gefahr der Blutung. Meist liegen Hautblutungen (Petechien und Hämatome) vor. In bis zu 15% der Fälle ist mit dem Auftreten intracranieller Blutungen zu rechnen. Schon die erste Schwangerschaft kann von einer FNAIT betroffen sein. Die Inzidenz der Erkrankung liegt bei ca. 1:1.000, wobei milde Formen oft asymptomatisch bleiben.
Analyt - freie Alloantikörper gegen Thrombozyten im Blut der Mutter
- HPA-Genotyp von Mutter, Vater und Kind
Indikation unklare Thrombozytopenie des Neugeborenen
Material - 10 ml Nativblut und 20 ml EDTA-Blut der Mutter
- 20 ml EDTA-Blut des Vaters
- 1ml EDTA-Blut des Kindes
Methode - IFT, ELISA
- Genotypisierung
Referenzbereich Antikörpernachweis: negativ
Bewertung Der Nachweis eines spezifischen Alloantikörpers gegen Thrombozyten spricht für das Vorliegen einer alloimmun vermittelten Thrombozytopenie, wenn das korrespondierende Merkmal beim Kind nachgewiesen werden kann. Die Mutter selbst muss für das Merkmal negativ sein.
Die häufigsten Alloantikörper-Spezifitäten sind Anti-HPA-1a (PlA1) und Anti-HPA-5b (Bra).
Differenzialdiagnosen Sepsis
konnatale Infektion
hereditäre Thrombozytopenie:
-› Familienanamnese; Blutausstrich; Quantifizierung der Oberflächenmarker GP IIb / IIIa und GP Ib / IX auf den Thrombozyten des Kindes
Autoimmunthrombozytopenie der Mutter:
-› Nachweis von Autoantikörpern gegen Thrombozyten aus mütterlichem Blut. Die diaplazentar-übertragenen mütterlichen Antikörper können eine (vorübergehende) Thrombozytopenie verursachen, die klinisch in der Regel blande verläuft.
Therapeutischer Hinweis: Neugeborene mit der Verdachtsdiagnose NAIT sollten zunächst bevorzugt mit Thrombozytenkonzentraten versorgt werden, die für die Mehrzahl aller Kinder aufgrund der bekannten Immunisierungsraten kompatibel sind. Solche Konzentrate (negativ für die Merkmale HPA-1a und HPA-5b) sind über das Institut jederzeit abrufbar. Ist die Antikörperspezifität bekannt, können später auch anderweitig kompatible Präparate bereitgestellt werden. Unausgewählte Thrombozytenkonzentrate sollten gegeben werden, wenn die Therapie andernfalls unangemessen verzögert werden würde.
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Heparininduzierte Thrombozytopenie (HIT)
Die heparininduzierte Thrombozytopenie (HIT) ist die gefährlichste unerwünschte Wirkung des Heparins. Sie ist assoziiert mit Thromboembolien und paradoxen Gefäßverschlüssen.
Leitsymptom der HIT ist der Abfall der Thrombozytenwerte >50% und /oder neue thromboembolische Komplikationen. Die HIT manifestiert sich meist zwischen dem 5. und 14. Tag der Heparingabe. Die Häufigkeit der HIT ist abhängig von dem verwendeten Heparin (unfraktioniertes Heparin: niedermolekulares Heparin ca. 10:1) und von der Grunderkrankung. Ursache sind Antikörper gegen Heparin/Plättchenfaktor 4 Komplexe, welche zu einer Aktivierung der Thrombozyten mit nachfolgender Gerinnungsaktivierung führen.
Analyt Antikörper gegen Heparin / PF4, funktioneller Test (HIPA)
Indikation Verdacht auf Thrombozytopenie ausgelöst durch Heparin
Material 10 ml Nativblut
Methode Heparin/PF4 EIA, Plättchenaktivierungstest (HIPA)
Referenzbereich Negativ
Bewertung Heparin/PF4 EIA weist die Bildung der HIT Antikörper nach. Der HIPA Funktionstest zeigt, ob die Antikörper Thrombozyten aktivieren. HIT-Antikörper sind nur wenige Wochen sicher nachweisbar. Daher muss die Diagnostik zeitnah erfolgen. Antigentest
und funktioneller Test haben vergleichbare Sensitivitäten (>90%) bei klinisch manifester HIT, allerdings weisen Antigentests auch bei asymptomatischen Patienten HIT-AK häufiger nach. Daher ist der positiv prädiktive Wert für die klinisch manifeste HIT bei funktionellen Tests höher als bei Antigentests.
Ein negatives Untersuchungsergebnis in beiden Tests schließt das Vorliegen einer HIT mit hoher Wahrscheinlichkeit aus.
Differenzialdiagnosen Nicht immunologische HIT
-› nach 1–2d therapeutischer Antikoagulation mit UFH. Selten Thrombozytenwerte <100.000/µl oder Abfall >30%
Medikamentinduzierte Thrombozytopenie
-› meist 7–20d nach Therapiebeginn mit neuem Medikament, Thrombozytenwerte <20.000/µl, Blutungskomplikationen
Autoimmunthrombozytopenie
-› nicht assoziiert mit Heparingabe. Nachweis von Autoantikörpern gegen Thrombozyten
Post-Transfusions-Purpura (PTP)
-› 7–14d nach Transfusion von vorimmunisierten Patienten (>95% Frauen), Thrombozytenwerte <20.000/µl, Blutungskomplikationen
Pseudothrombozytopenie
-› Normale Thrombozytenwerte im Citratblut, Aggregate im Blutausstrich Weitere: Verbrauchskoagulopathie, Sepsis, Massive Lungenembolie, Diabetische Ketoazidose, Antiphospholipidsyndrom
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Quantifizierung von Membranglykoproteinen
Beim Bernard-Soulier-Syndrom handelt es sich um eine angeborene Störung der Thrombozytenfunktion bei gleichzeitiger Thrombozytopenie. Ursächlich ist eine genetische Veränderung des Glykoproteinkomplexes Ib / IX / V, die in der Mehrzahl der Fälle mit einer Verringerung der Expression von GP Ib / IX / V auf der Plättchenoberfläche einhergeht.
Beim Morbus Glanzmann handelt es sich um eine Störung der Thrombozytenfunktion ohne Thrombozytopenie. Ursächlich ist eine genetische Veränderung des Glykoproteinkomplexes IIb / IIIa, die in der Mehrzahl der Fälle mit einer Verringerung der Expression von GP IIb / IIIa auf der Plättchenoberfläche einhergeht.
Analyt Expressionsdichte von GP Ib / IX, GP IIb / IIIa auf der Oberfläche autologer Thrombozyten
Indikation unklare Blutungsneigung mit oder ohne Thrombozytopenie
Material 10 ml Citratblut
bei Kindern entsprechend weniger
Methode Durchflusszytometrie
Referenzbereich GP IIb / IIIa, 41.000–65.000 Moleküle/Thrombozyt
GP Ib / IX, 27.000–49.000 Moleküle/Thrombozyt
GP Ia / IIa, 2.200–7.800 Moleküle/Thrombozyt
Bewertung Eine deutliche Verringerung der Expressionsdichte von GP Ib / IX (einzelne Moleküle oder ganzer Komplex) gibt einen starken Hinweis auf das Vorliegen eines Bernard-Soulier-Syndroms.
Eine deutliche Verringerung der Expressionsdichte von GP IIb / IIIa (einzelne Moleküle oder ganzer Komplex) gibt einen starken Hinweis auf das Vorliegen eines Morbus Glanzmann.
Positive Befunde sollten in der Thrombozytenfunktion weiter abgeklärt werden. Liegen die Expressionsdichten der Glykoproteine im Referenzbereich, kann in Einzelfällen ein Bernard-Soulier-Syndrom oder ein M. Glanzmann vorliegen, bei dem die Expressionsdichte nicht vermindert ist (rein funktioneller Defekt).
Differenzialdiagnosen in Abhängigkeit von der klinischen Fragestellung
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Thrombozytenfunktionsuntersuchung
Auf eine Vielzahl von äußeren Einflüssen reagieren Thrombozyten durch Aggregation (Verklumpung). Diese funktionelle Antwort des Thrombozyten kann gestört sein, wenn genetische Veränderungen vorliegen, die die Aggregation in Antwort auf einzelne oder mehrere Substanzen beeinträchtigen (hereditäre Thrombozytopathie; z.B. Bernard-Soulier-Syndrom). Die Thrombozytenfunktion kann ferner durch lösliche Substanzen im Blut gestört sein, die sich dort vorübergehend oder dauerhaft aufhalten (erworbene Thrombozytopathie; z.B. durch Medikamente [Aspirin, Clopidogrel] oder bei Urämie).
Analyt Thrombozytenfunktion
Indikation Unklare Blutungsneigung mit oder ohne Thrombozytopenie.
Überprüfung einer Therapie mit Thrombozytenaggregationshemmern, z.B. Acetylsalicylsäure
Material 20ml Citratblut (bei Kindern entsprechend weniger) vor Ort entnommen oder binnen 2h eingesandt
Methode Aggregometrie nach Born
Referenzbereich normales Aggregationsprofil und eine Endaggregation auf
ADP (20 µm), 74–99 %
ADP (5 µm), 72–102 %
Epinephrin (10 µm), 70–99 %
Epinephrin (2 µm), 67–99 % 
Kollagen (4 µg / ml), 77–99 %
Ristocetin (1,5 mg / ml), 76–96 % 
Arachidonsäure (500 µg / ml), 72–96 %
Arachidonsäure (250 mg / ml), 76–100 %
Bewertung Sowohl die hereditären als auch die erworbenen Formen der Thrombozytopathie zeigen typische Veränderungen im Ansprechen auf die aufgeführten Agonisten.
Eine pathologische Thrombozytenfunktionsuntersuchung die nicht sicher auf die Einnahme eines Medikamentes, das die Thrombozytenfunktion perse beeinträchtigt, zurückzuführen ist, sollte zur Diagnosesicherung wiederholt werden.
Differenzialdiagnosen in Abhängigkeit von der klinischen Fragestellung
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