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Herzklappenerkrankung

Unsere Herzklappen sorgen dafür, dass das Blut in eine Richtung fließt. Sie wirken als Ventile, die sich öffnen und schließen und so ein Rückwärtsfließen des Blutes verhindern.

Herzklappenoperationen

Herzklappen können durch unterschiedliche Einflüsse funktionsunfähig werden. So kommt es durch Arteriosklerose zur Verkalkung der Klappensegel. Diese können sich dann nicht mehr ungehindert bewegen und es entsteht eine Klappenverengung (Stenose). Durch entzündliche Prozesse können Herzklappen beschädigt werden, wodurch eine Klappenundichtigkeit (Insuffizienz) entstehen kann.
Sowohl Klappenstenosen als auch Insuffizienzen führen zu krankhaften Veränderungen des Herzmuskels, die ohne rechtzeitige Behandlung zu einem Pumpversagen (Herzinsuffizienz) führen. Die Behandlung besteht entweder in einem Klappenersatz oder in der Rekonstruktion der Herzklappe. Welches Verfahren zum Einsatz kommt, hängt von der betroffenen Klappe und der zugrundeliegenden Klappenerkrankung ab.

Die konventionelle Herzklappenoperation ist ein Verfahren mit hoher Nachhaltigkeit, das bedeutet mit hoher Sicherheit nur einen Eingriff ohne die Notwendigkeit einer erneuten Operation. Bei der Auswahl der biologischen Herzklappenprothese legen wir auf diese Nachhaltigkeit besonderen Wert: 97% der bei uns mit einer biologischen Herzklappenprothese versorgten Patienten über 70 Jahre können auch 15 bis 18 Jahren nach der Operation noch mit der gleichen Herzklappe ohne Einschränkung leben.

Aortenklappe

Die am häufigsten operierte Herzklappe ist die Aortenklappe. Sie ist die mechanisch am stärksten beanspruchte Herzklappe und weist dadurch vor allem im Alter häufig Verkalkungen auf, die zu einer Stenose führen. Verkalkte Herzklappen müssen meistens ersetzt werden. Hierfür stehen biologische Herzklappenprothesen (Bioklappen) aus Rinderperikard oder Schweineklappen zur Verfügung. Diese gibt es mit und ohne Gerüst. Als Alternative gibt es mechanische Herzklappenprothesen, die sich vor allem für jüngere Patienten (< 65 Jahre) eignen, da sie unbegrenzt haltbar sind. Ihr Nachteil ist die „Thrombogenität“ (Gerinnselbildung an der Klappenoberfläche), die eine Blutgerinnungshemmung mit den entsprechenden Risiken erforderlich macht. Diesen Nachteil haben biologische Klappenprothesen nicht. Daher implantieren wir in unserer Klinik überwiegend biologische Prothesen. Diese haben allerdings eine beschränkte Haltbarkeit, die bei den heute zur Verfügung stehenden modernen Klappenprothesen bei 15-20 Jahren liegt. Die Entscheidung darüber, welcher Herzklappentyp implantiert wird, liegt letztendlich beim Patienten und wird vor der Operation ausführlich besprochen.

Minimal-invasive Aortenklappenchirurgie

Ein mimimal-invasiver Ersatz der Aortenklappe kann über einen kleinen Schnitt und eine teilweise Eröffnung des Brustbeins durchgeführt werden.

Mit der „Ross-Operation“ bietet unsere Klinik eine weitere Therapieoption mit exzellenten Langzeitergebnissen an. Hierbei wird die erkrankte Aortenklappe durch die gesunde patienteneigene Pulmonalklappe ersetzt. In Pulmonalklappenposition wird dann ein Homograft (menschliche Spenderherzklappe) implantiert. Bei den Patienten bestehen nach der Operation völlig normale Flussverhältnisse mit körpereigenem Klappengewebe in Aortenposition. Eine Blutgerinnungshemmung ist nicht erforderlich. Das Operationsverfahren eignet sich besonders für junge, aktive Patienten (< 65 Jahre) und für Kinder.

Als weitere Operationstechnik steht seit 2008 in Gießen der transkatheter Aortenklappenersatz (Transkatheter Aortic Valve Implantation – TAVI) für Patienten mit hohem Operationsrisiko zur Verfügung. Hierbei wird eine biologische Klappenprothese mit einem Katheter über die Leistenarterie eingebracht und unter Röntgendurchleuchtung an der richtigen Position abgesetzt.Dieser Eingriff kann unter geeigneten Bedingungen auch in Lokalanästhesie vorgenommen werden.  Wenn diese Methode nicht möglich ist, kann die Implantation über die Herzspitze erfolgen. Für die Operation ist lediglich ein kleiner Hautschnitt am Brustkorb erforderlich. Eine Herz-Lungenmaschine ist in den meisten Fällen nicht notwendig. Aufgrund der noch sehr geringen Erfahrung mit der Haltbarkeit der neuen Klappenprothesen ist dieses Operationsverfahren vorerst nur für  Patienten übre 75 Jahre und für Hochrisikopatienten reserviert.

Eine Aortenklappenrekonstruktion ist häufig bei reinen Klappeninsuffizienzen möglich, wenn die Undichtigkeit durch eine Erkrankung der Hauptschlagader hervorgerufen wird und die Aortenklappensegel intakt sind. Bei der Operation wird das erkrankte Aortengeweben entfernt und die patienteneigene Aortenklappe so in eine Gefäßprothese eingenäht, dass sie normal funktioniert.  Der Vorteil der Operationsverfahren ist der Erhalt der eigenen Aortenklappe, sodass keine Blutgerinnungshemmung erforderlich ist, und die Haltbarkeit der Klappe nicht eingeschränkt ist.

Mitralklappe

Bedingt durch ihren Aufbau aus vorderem und hinterem Klappensegel, Klappenring (Annulus), Klappenfäden (Chordae) und Papillarmuskel bietet die Mitralklappe viele Möglichkeiten der Rekonstruktion. Daher ist es in den meisten Fällen möglich die Mitralklappe zu reparieren. In unserer Klinik werden seit 2008 über 70 % der schlußunfähigen Mitralklappen rekonstruiert. Ein Klappenersatz wird nur durchgeführt, wenn eine Rekonstruktion nicht möglich ist. Dies ist bei Verengungen aufgrund von Verkalkungen der Fall. Klappenundichtigkeiten treten nach Entzündungen und Herzinfarkten oder durch Degeneration auf. Es steht eine große Zahl an Rekonstruktionsverfahren zur Verfügung. Nach erfolgreicher Rekonstruktion ist eine Blutgerinnungshemmung nicht notwendig. Ist eine Rekonstruktion nicht möglich, stehen zum Klappenersatz, wie für die Aortenklappe, mechanische und biologische Klappenprothesen zur Verfügung.

Minimal-invasive Mitralklappenchirurgie

Eingriffe an der Mitralklappe können über einen kleinen Schnitt auf der rechten Brustkorbseite durchgeführt werden. Diese moderne Technik, die bei uns bei der Hälfte der Patienten mit Mitralklappen-Problemen eingesetzt wird, ermöglicht einen minimal-invasiven Eingriff mit einer schnellen Erholung der Patienten, wobei ebenso gute Ergebnisse wie bei der offenen Operation erzielt werden können.