A A A
-->

Krankheitsbilder

Diabetes mellitus

 

Die Erkrankung Diabetes mellitus ist eine Stoffwechselstörung, die durch zu hohe Blutzuckerwerte aufgrund eines relativen oder absoluten Insulinmangels gekennzeichnet ist. Es gibt unterschiedliche Diabetestypen. Das gemeinsame Ziel der Behandlung ist eine Optimierung des Blutzuckerspiegels und die Verhinderung von Folgeerkrankungen.

Typ-1-Diabetes

 

Bei dieser Erkrankung besteht ein absoluter Insulinmangel durch Versagen der insulinsezernierenden Beta-Zellen in der Bauchspeicheldrüse (sog. Langerhans-Inseln). Wenn ca. 80 % aller Beta-Zellen zerstört sind, steigt der Blutzucker an. Bei der Entstehung der Erkrankung kann eine erbliche Belastung eine Rolle spielen.


Typ-2-Diabetes
 

Diese häufigste Diabetes-Form beginnt meist erst im höheren Lebensalter. Ursächlich besteht dabei ein Missverhältnis zwischen der Insulinsekretion (es wird zu wenig ausgeschüttet) und einer sich verschlechternden Insulinwirkung (sog. Insulinresistenz). Die Mehrzahl der Erkrankungen entwickelt sich auf dem Boden eines sogenannten metabolischen Syndroms (gehäuftes Zusammentreffen mit anderen Risikofaktoren wie Übergewicht, Fettstoffwechselstörung und Bluthochdruck). Folge kann die Entwicklung einer vorzeitigen Arteriosklerose (Aderverkalkung mit Herzinfarkt, Schlaganfall) sein.

Andere Diabetes-Formen

 

Diabetes mellitus kann im Rahmen von anderen endokrinologischen Erkrankungen (z.B. Cushing-Syndrom), medikamentös bedingt, begleitend zu Bauchspeicheldrüsen-Erkrankungen oder auch nach Bauchspeicheldrüsenoperationen auftreten.

 
 

Ziel der individuell zu konzipierenden Therapie eines Diabetes mellitus ist es, einen anhaltend erhöhten Blutzucker-Stoffwechsel und die hierdurch entstehenden Folgeerkrankungen (diabetische Veränderungen des Augenhintergrunds, diabetische Nierenerkrankungen, diabetisches Fußsyndrom, diabetische neurologische Erkrankungen) zu verhindern.

Diabetes mellitus Typ 1 und 2 in der Schwangerschaft, Gestationsdiabetes

 

Das Vorliegen eines Diabetes mellitus in der Schwangerschaft ist eine besondere Situation, da hierdurch eine intensive Betreuung der Schwangeren Probleme und Komplikationen für Kind und Mutter verhindert werden können.

 

In Kooperation mit der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe und mit niedergelassenen Gynäkologen findet eine intensive Betreuung der schwangeren Diabetikerinnen mit Typ 1- oder Typ 2-Diabetes und der Gestationsdiabetikerinnen statt. Dies geschieht in enger Zusammenarbeit und Abstimmung zwischen Ärztin/Arzt, Diabetesberaterin und Patientin. Wenn nötig, wird eine Insulintherapie veranlasst, deren Anpassung an die jeweiligen Blutzuckerwerte ebenfalls in ständiger Rücksprache zwischen Diabetesberaterin und Ärztin/Arzt stattfindet.

Diabetes-Therapie / Diabetikerschulung

Die Diabetes-Therapie erfolgt für jeden Betroffenen individuell. Bei der Gestaltung der Behandlung werden unter anderem Vor- und Begleiterkrankungen sowie die persönlichen Lebensumstände (soziales und berufliches Umfeld) berücksichtigt.

 
Wir informieren und schulen der Diagnose entsprechend über das Wesen der Erkrankung,
der ärztlichen Anordnung entsprechend über Wirkungsweisen der verordneten Antidiabetika
(Tabletten und/oder Insulin etc.), Insulininjektion, Blutzuckerselbstkontrolle, über eine bedarfsgerechte, vollwertige Ernährung, Gegenmaßnahmen bei evtl. Stoffwechselentgleisungen, Diabetes und körperliche Aktivität, sowie Vorsorgeprogramme.

 
Die/der Betroffene soll befähigt werden, seinen Alltag gut zu meistern und die Erkrankung in sein Leben integrieren zu können.


Osteoporose („Knochenschwund“)

 

Unter Osteoporose versteht man eine Verminderung von Knochenmasse, -struktur und -funktion, die mit Knochenbrüchen (Frakturen) einhergeht. Typisch sind Wirbelbrüche und Schenkelhalsbrüche.

 

Man unterscheidet die primäre Osteoporose, die nach den Wechseljahren (Klimakterium) in der Folge des Mangel an weiblichen Hormonen entsteht, von sogenannten sekundären Osteoporoseformen, die durch verschiedene Faktoren wie Überfunktion der Schilddrüse, Überproduktion oder Einnahme von Cortison, Überfunktion der Nebenschilddrüsen, Nierenfunktionsstörungen, Erkrankungen des Magen-Darmtrakts, Tumorerkrankungen, chronisch entzündliche Erkrankungen, angeborene Störungen oder Einnahme bestimmter Medikamente verursacht werden können.

 

Die Diagnostik und Therapie der Osteoporose erfolgen im DVO-zertifizierten „Klinischen Osteologischen Schwerpunktzentrum DVO“ und im „Osteologischen Unversitätsforschungszentrum DVO“.

 

 

Fettstoffwechselstörungen

 

Häufig finden sich in den Industrienationen zu hohe Blutfettwerte. Dies steigert das Risiko für Arterienverkalkung (Arteriosklerose). Nicht selten sind zu hohe Blutfettwerte mit Übergewicht, Diabetes mellitus, Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) oder unverhältnismäßigem Alkoholkonsum vergesellschaftet. Diese Störungen werden bisweilen erst dann erkannt, wenn durch die Arterienverkalkung andere Erkrankungen auftreten (z.B. Herzinfarkt, Schlaganfall).

 
Zunächst sollten eine ausgewogene Ernährung und vermehrte körperliche Betätigung angestrebt werden. Reicht dies nicht, kann die Fettstoffwechselstörung durch verschiedene medikamentöse Ansätze therapiert werden. Manchmal ist auch eine Kombinationstherapie notwendig.

 

 

Adipositas

 

Unter Adipositas versteht man eine krankhafte Vermehrung des Körperfetts. Das Vorliegen  einer Adipositas ist unter anderem mit dem vermehrten Auftreten von Stoffwechselstörungen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, einer Beeinträchtigung der Lebensqualität und einer verkürzten Lebenserwartung vergesellschaftet.

 

Häufig liegt der Adipositas neben einer erblichen Veranlagung ein unangepasster Lebensstil mit unzureichender körperlicher Aktivität und gleichzeitig übermäßiger Kalorienzufuhr zu Grunde. Aber auch endokrine Erkrankungen wie Funktionsstörungen der Schilddrüse („Hypothyreose“), der Hirnanhangsdrüse und der Nebenniere(n) („Cushing-Syndrom“) können eine Rolle spielen.

 

 

Schilddrüsenerkrankungen

 

Euthyreote Struma (Kropf)
 

Als euthyreote Struma bezeichnet man eine nicht entzündliche, nicht bösartige und nicht mit einer Schilddrüsenüber- oder -unterfunktion einhergehende Schilddrüsenvergrößerung. Die häufigste Ursache einer euthyreoten Struma in unseren Breiten ist der Jodmangel.

Hyperthyreose (Schilddrüsenüberfunktion)


Eine Hyperthyreose ist eine Überfunktion der Schilddrüse, die laborchemisch und klinisch (feuchte, warme Haut, Zittern, Herzrasen, schnelle Ermüdbarkeit, Unruhe, Osteoporose) nachweisbar ist. In seltenen Fällen kann eine thyreotoxischen Krise (akut einsetzende, lebensbedrohliche Steigerung einer Hyperthyreose) mit Kräfteverfall, Herz-Kreislaufkomplikationen und schweren Durchfällen auftreten.

 

Als Ursachen für eine Hyperthyreose kommen Autoimmunerkrankungen (Morbus Basedow, Hashimoto-Thyreoiditis), bei denen der menschliche Organismus Schlüsselmoleküle (Antikörper) gegen körpereigenes Gewebe bildet, enthemmtes Schilddrüsengewebe (fokale oder disseminierte Autonomie), Schilddrüsenentzündungen (de Quervain-Thyreoiditis, Strahlenthyreoiditis) oder Hirnanhangsdrüsenerkrankungen (TSH-produzierende Hypophysenadenome) in Frage.

Morbus Basedow


Der Morbus Basedow ist eine Autoimmunerkrankung, die zu einer Schilddrüsenüberfunktion führt  (s.a. Hyperthyreose). Sie kann auch zusammen mit einer endokrinen Orbitopathie (Erkrankung der Augenhöhle) und typischen Hautveränderungen (Dermatopathie, prätibiales Myxödem) auftreten.

Endokrine Orbitopathie

 
Hierunter versteht man beidseitige Entzündung des die Augen umgebenden Fett- und Bindegewebes, die durch Hervortreten der Augäpfel mit Bewegungsstörungen der Augen und unvollständigem Lidschluss auffallen kann. Als Beschwerden können Augenschmerzen, Tränen, Lichtempfindlichkeit, Fremdkörpergefühl, verschwommenes und Doppelt-Sehen sowie Kopfschmerzen auftreten. Diese Erkrankung tritt häufig in Zusammenhang mit einer Autoimmunerkrankung der Schilddrüse (M. Basedow, Hashimoto-Thyreoiditis, s.a. Hyperthyreose) auf, kann sich aber auch zeitlich verschoben oder unabhängig von einer Schilddrüsenerkrankung entwickeln. 

Hypothyreose


Die mangelnde Versorgung von Körperzellen mit Schilddrüsenhormonen bezeichnet man als Hypothyreose. Diese kommt in den meisten Fällen durch fehlende oder unzureichende Produktion der Schilddrüsenhormone in der Schilddrüse selbst zustande (primäre Hypothyreose), kann aber auch durch die fehlende Bildung von übergeordneten Hormonen in der Hirnanhangdrüse oder im Hypothalamus auftreten (sekundäre bzw. tertiäre Hypothyreose).

 

Die Hypothyreose äußert sich klinisch durch allgemeine Schwäche, rasche Ermüdbarkeit, ständiges Frieren, Konzentrationsschwäche, Interessenverlust, trockene, schuppige Haut und Wassereinlagerungen (Ödeme) in Gesicht und Beinen. Ferner kann es zu Herzbeschwerden, Kopfschmerzen und Durchblutungsstörungen kommen. Die Hypothyreose kann angeboren oder durch unter anderen durch Schilddrüsenentzündung, Strahleneinwirkung, operative Eingriffe oder medikamentös erworben sein. 

Schilddrüsenentzündungen (Thyreoiditiden)


Unterschieden werden die plötzlich einsetzende Schilddrüsenentzündung (Thyreoiditis) mit starken Beschwerden wie Schmerzen, Fieber, Lymphknotenschwellungen, Druckempfindlichkeit und Hautrötung über der Schilddrüse, denen meist eine bakterielle Entzündung zugrunde liegt (als Sonderformen gelten die Strahlenthyreoiditis, traumatische Thyreoiditis und akute Virusthyreoiditis), von der ebenfalls schmerzhaften subakuten Thyreoiditis de Quervain und der chronischen, durch Autoimmunreaktion verursachten Thyreoiditis Hashimoto, deren Verlauf über Jahre schmerzlos und oft unbemerkt verlaufen und dann zu einer behandlungsbedürftigen Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose, s. dort) führen kann.

Gutartige Tumorerkrankungen der Schilddrüse


Als häufigsten gutartigen Tumor der Schilddrüse ist das Schilddrüsenadenom zu nennen. Als Sonderform gilt das autonome Adenom, das von der Regulation durch übergeordnete Hormonzentren unabhängig Schilddrüsenhormone bildet und freisetzt und so häufig zu einer Überfunktion der Schilddrüse führt.

 

Bei Knoten der Schilddrüse muss ein bösartiger Tumor immer ausgeschlossen werden.

Bösartige Tumorerkrankungen der Schilddrüse


Bösartige Tumorerkrankungen der Schilddrüse beinhalten Karzinome, Sarkome und Absiedlungen anderer bösartiger Tumore des Körpers (Metastasen). Als Sonderform tritt das familiär gehäufte C-Zell-Karzinom (auch medulläres Schilddrüsenkarzinom / MTC genannt) auf, das von den parafollikulären Schilddrüsenzellen ausgeht und Calcitonin produziert. Calcitonin ist ein in den Knochenstoffwechsel eingreifendes Hormon und kann im Falle einer Überproduktion Hitzewallungen und Durchfälle auslösen.

 

Schilddrüse und Kinderwunsch

 

In der Situation des Kinderwunsches ist mit Blick auf die Wahrscheinlichkeit schwanger zu werden, das Risiko für Fehl- und Frühgeburten sowie die Intelligenz des Kindes der Schilddrüse besondere Aufmerksamkeit zu widmen. In dieser Situation kann auch die Behandlung diskreter Funktionsabweichungen des Organs sinnvoll sein, die man in anderen Lebensabschnitten nicht behandeln würde.

 

 

Erkrankungen der Hirnanhangsdrüse

 

Die häufigste Ursache für eine Funktionsstörung der Hypophyse im Erwachsenenalter ist der Hypophysentumor. Meist handelt es sich dabei um sogenannte Adenome (gutartige Wucherung von Drüsengewebe). Diese können eine vermehrte Hormonproduktion und/oder einen teilweisen oder vollständigen Funktionsverlust der Hirnanhangsdrüse bewirken.

Ferner kann durch Druck des Adenoms auf den Sehnerv das Augenlicht gefährdet sein.

 

Unspezifische Symptome wie Ausbleiben der Regel bei der Frau, Impotenz beim Mann, unerfüllter Kinderwunsch, Müdigkeit oder Abgeschlagenheit können auf eine Erkrankung der Hypophyse hindeuten.


Kommt es bei einem hormonaktiven Adenom zu einer vermehrten Produktion von Corticotropin (ACTH), löst dies in den Nebennieren eine vermehrte Produktion von Cortisol aus und es entsteht das Krankheitsbild des Morbus Cushing mit „Vollmondgesicht“, „Stiernacken“, Akne, ungewollter Gewichtszunahme, Depressionen, Wassereinlagerungen, Muskelschwäche sowie einem Abbau der Knochensubstanz, in deren Folge Knochenbrüche auftreten können. Häufig entstehen eine diabetische Stoffwechsellage sowie ein Anstieg des Blutdrucks (arterielle Hypertonie).

Vermehrt Prolaktin freisetzende Adenome werden Prolaktinome genannt. Bei Frauen kommt es meistens zu einem Ausbleiben der Regelblutung (Amenorrhoe) und Milchfluss aus der Brust (Galaktorrhoe). Männer leiden eher unter Libidoverlust und Impotenz.


Bei einer überschießenden Wachstumshormonsekretion spricht man von dem Krankheitsbild der Akromegalie. Im Erwachsenenalter kommt es hierdurch zu einem Wachstum von Händen und Füßen, sowie Kinn, Nase und Kiefer. Problematisch ist eine Vergrößerung der inneren Organe. Weiterhin kommt es häufig zu Gelenkbeschwerden und Wassereinlagerungen.

Häufiger sind hormoninaktive Adenome. Diese können eine unzureichende Hormonproduktion bewirken und zu einer hormonellen Unterversorgung des Körpers bis hin zu einer kompletten Hypophyseninsuffizienz (Ausfall der Wachstumshormonproduktion, Ausfall der Geschlechtshormone, Ausfall der Schilddrüsenhormone und Ausfall der Stresshormone) führen. Die Symptome sind unterschiedlich, je nachdem wie viele und welche Hormone nicht mehr gebildet werden. Die häufigsten Symptome sind Zyklusunregelmäßigkeiten, Impotenz, Müdigkeit, Abgeschlagenheit und Antriebsschwäche. Die Pat. berichten häufig über einen sogenannten Leistungsknick. Die schwerwiegendste Form der Hypophysenvorderlappeninsuffizienz ist das hypophysäre Koma, welches lebensbedrohlich sein kann.

Neben den Hypophysenadenomen kann es auch in sehr seltenen Fällen zu Störungen der Hormonbildung durch bösartige Tumoren oder Absiedlungen bösartiger Tumoren kommen. Weiterhin können andere Erkrankungen zu einem Ausfall der Hormonproduktion führen, z.B. eine Entzündung der Hirnanhangsdrüse selbst (Hypophysitis) oder eine Entzündung des Gehirns (Enzephalitis oder Meningitis).


Eine Störung der Hypophysenfunktion kann ebenfalls nach Operationen im Bereich der Hirnanhangsdrüse, nach Geburten (Sheehan-Syndrom), nach Unfällen mit Schädelhirntrauma oder Blutungen im Kopf auftreten.
 


Erbliche endokrine Tumorerkrankungen (Multiple endokrine Neoplasie)


Erbliche endokrine Tumorerkrankungen können in verschiedenen Organen auftreten. Bei den verschiedenen Formen der multiplen endokrinen Neoplasien können Hypophyse, Schilddrüse, Nebenschilddrüsen, Bauchspeicheldrüse, Nebennieren und auch andere Organe betroffen sein. Bei einer auffälligen Konstellation und auch bei einer entsprechenden Familienvorgeschichte mit gleichen Erkrankungen sollte eine genetische Diagnostik durchgeführt werden.

 

 

Erkrankungen der hormonbildenden Anteile der Bauchspeicheldrüse

 

Die häufigste Erkrankung der hormonbildenden Anteile der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) ist der Diabetes mellitus (siehe dort), der durch eine Unterfunktion der ß-Zellen der Bauchspeicheldrüse gekennzeichnet ist und auf einer Sekretionsstörung des in diesen Zellen gebildeten Hormons Insulin beruht.


Zu den Erkrankungen der hormonbildenden Anteile der Bauchspeicheldrüse, die durch eine Überproduktion an Hormonen kennzeichnet ist, gehören aber auch die sogenannten neuroendokrinen Tumore des Pankreas. Diese können hormonell aktiv und durch Ausschüttung von Hormonen wie Insulin (Insulinom), Gastrin (Gastrinom), vasoaktives intestinales Polypeptid (VIP; VIPom) und Glukagon (Glukagonom) schwere Symptome und Beschwerden verursachen.

 

Insulinom
 

Das Insulinom ist der häufigste, meist gutartige (>90%) hormonbildende Tumor der Bauchspeicheldrüse. Insulinome können auch in Kombination mit anderen endokrinen Erkrankungen im Rahmen des MEN (multiple endokrine Neoplasie)-Syndroms Typ I auftreten.


Die betroffenen Patient(inn)en leiden unter spontanen Unterzuckerungen, Schwitzen, Hitzegefühl, Herzklopfen, Herzrasen, Zittern, Angst, Heißhunger, Übelkeit sowie neurologischen Symptomen aufgrund der Unterzuckerungen (Sehstörungen, Schwindel, Kopfschmerzen, Verwirrtheit, Verhaltensänderungen, Aggressivität, Sprachstörungen u.v.m.).

 
Durch einen stationär über drei Tage durchgeführten Hungerversuch unter standardisierten Bedingungen sowie bildgebende Darstellung der Bauchspeicheldrüse mittels Endosonographie, CT, MRT und PET ist eine sichere Diagnosestellung und Behandlungsplanung möglich.

 

Eine Operation kann in vielen Fällen teilweise organerhaltend in enger Kooperation mit den Kollegen der Visceral-, Thorax- und Gefäßchirurgie erfolgen, die speziell für die Fragestellung spezifische Kompetenzen inklusive Roboter-assistierter Operationstechniken vorhalten.

Gastrinom (auch Zollinger-Ellison-Syndrom genannt)

 

Dieser neuroendokrine Tumor ist typischerweise in der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) oder im Zwölffingerdarm (Duodenum)  lokalisiert. Die Überproduktion des Hormons Gastrin bewirkt eine übermäßige Säureproduktion des Magens und ist somit Ursache für häufige und zahlreich auftretende Geschwüre im Magen-Darmtrakt. Auch dauerhafte Durchfälle werden beobachtet. Dieser Tumor kann ebenfalls im Rahmen des MEN (multiple endokrine Neoplasie)-Syndroms Typ I auftreten.


Die Diagnosestellung für diese Art von neuroendokrinen Tumoren erfolgt durch Bestimmung des nüchtern abgenommenen Gastrinspiegels im Blut (deutliche Erhöhung) sowie durch Durchführung eines Stimulationstests unter standardisierten Bedingungen (Sekretin-Test), durch den gastroskopischen (Magenspiegelung) Nachweis von zahlreichen Geschwüren im Magen-Darmtrakt sowie durch Darstellung des Tumors in der Schnittbildgebung (Endosonographie, CT, MRT, PET). Therapiemöglichkeiten stellen die chirurgische Entfernung des Tumors sowie die medikamentöse Säureblockade mit Protonenpumpenhemmern dar.

VIPom (auch Verner-Morrison-Syndrom genannt)


VIPome sind sehr seltene Pankreastumore mit vermehrter Produktion von vasoaktivem intestinalen Polypeptid (VIP) und anderen Eiweißstoffen. Es kommt zu ausgeprägten wässrigen Durchfällen, erniedrigtem Kaliumspiegel im Blut sowie Chloridmangel. Als Folge treten eine Austrocknung (Dehydrierung), Gewichtsverlust, Bauchschmerzen sowie Verwirrtheitszustände auf.

 
Auch hier stehen in der Diagnostik die Bestimmung des Hormons VIP im Blut sowie die Bildgebung zur Tumorlokalisation im Vordergrund.

Glukagonom


Dieser extrem seltene Tumor der Bauchspeicheldrüse wird durch die vermehrte Herstellung und Sekretion des Hormons Glukagon aus den sogenannten A-Zellen der Bauchspeicheldrüse charakterisiert.

 

 

Erkrankungen der Gonaden (Geschlechtsdrüsen)

 

Die Diagnostik und Therapie von Erkrankungen der Geschlechtsdrüsen sollte idealerweise in enger Zusammenarbeit von Ärzten der Fachgebiete Endokrinologe, Urologie und Gynäkologie erfolgen.

 

 

Erkrankungen der männlichen Gonaden

 

Primärer Hypogonadismus


Der primäre Hypogonadismus ist eine Funktionsstörung der Hoden, die die Spermien- und Testosteronbildung (männliches Geschlechtshormon) betrifft und von einem sekundären Hypogonadismus, der durch eine Funktionsstörung der übergeordneten Regulationshormone der Hirnanhangsdrüse und des Hypothalamus hervorgerufen wird, unterschieden werden kann. Als Ursachen des primären Hypogonadismus kommen angeborene Erkrankungen, Hodenhochstand, Operationen, Verletzungen, Tumorerkrankungen, Viruserkrankungen, Strahlen- oder Chemotherapie und Entzündungen in Frage. Bei Erkrankung im Kindesalter bzw. vor abgeschlossener Pubertät fallen klinisch Hochwuchs, Ausbleiben des Stimmbruchs, weiblicher Behaarungstyp, kleiner Penis, ausbleibender Bartwuchs, trockene Haut, Blutarmut, weibliches Fettverteilungsmuster und Fettstoffwechselstörungen auf. Liegt eine erworbene Hodenfunktionsstörung mit Auftreten nach abgeschlossener Pubertät vor, kommt es zu Osteoporose (Knochendichteminderung), nachlassender Bart-, Achsel-, Scham- und Körperbehaarung, Blässe, Blutarmut, zunehmender weiblicher Fettverteilung, nachlassender Muskelkraft, Fettstoffwechselstörungen und zunehmender Unfruchtbarkeit (Infertilität).

 

 

Erkrankungen der weiblichen Gonaden

 

Amenorrhoe


Eine primäre Amenorrhoe ist definiert als Ausbleiben der spontan einsetzenden Regelblutung bis zum 16. Lebensjahr. Demgegenüber ist eine sekundäre Amenorrhoe durch das Ausbleiben der Menstruation für mehr als drei Monate bei vorher normalem Zyklus charakterisiert. Die Ursachen einer Amenorrhoe sind vielfältig und reichen von psychogenen bzw. emotionalen Einflüssen über angeborene und erworbene Erkrankungen der Eierstöcke und der Gebärmutter zu Funktionsstörungen der Hirnanhangsdrüse, des Hypothalamus, der Schilddrüse und der Nebennieren oder einer Schwangerschaft.

Syndrom des Polyzystischen Ovars (PCO-Syndrom)

 

Das polyzystische Ovar oder PCO-Syndrom ist eine Erkrankung des Eierstocks, die durch Hohlraumbildung (Zystenbildung) und Verdickung der Eierstockkapsel gekennzeichnet ist. Klinisch kommt es zum Hirsutismus mit vermehrter männlicher Körperbehaarung an Oberlippe, Brust, Sternum, Rücken, Armen und Beinen sowie zum Ausbleiben de Regel (Amenorrhoe) mit Unfruchtbarkeit, verursacht durch vermehrte Bildung von männlichen Hormonen und Hormonvorstufen im Eierstock.

 

Das PCO-Syndrom kann mit anderen Stoffwechselstörungen wie Diabetes mellitus und mit Schilddrüsenerkrankungen einhergehen.


Endokrin aktive Ovarialtumore
 

Endokrin aktive Ovarialtumore sind gutartige und bösartige Tumore der Eierstöcke, die Hormone produzieren. Sie können durch einen vermeintlich verfrühten Pubertätseintritt bei Kindern (Pseudopubertas praecox) auffallen, ferner durch unregelmäßige Regelblutungen und Blutungen in der Zeit nach den Wechseljahren bei erwachsenen Frauen. Eine "Vermännlichung" mit zunehmender Körperbehaarung nach männlichem Typ, tieferer Stimme, männlichem Aussehen, Aknebildung, Stirnglatze und Klitoriswachstum kann vorkommen. Auch andere hormonelle Störungen sind möglich.

 

 

Erkrankungen der Nebennieren

 

Die Einteilung der Nebennierenerkrankungen folgt dem Aufbau der Nebenniere, die aus Nebennierenrinde und Nebennierenmark besteht.

 

 

Erkrankungen der Nebennierenrinde

 

Chronische primäre Nebennierenrinden-Insuffizienz (Morbus Addison)
 

Die Unterfunktion der Nebennnierenrinde führt zu einem Mangel der in der Nebennierenrinde produzierten Hormone, darunter Aldosteron und lebensnotwendiges körpereigenes Cortisol. Als Ursachen kommen autoimmunologische Prozesse (Bildung von Schlüsselmolekülen, die gegen den eigenen Körper gerichtet sind), Tuberkulose, Sarkoidose, Absiedlung bösartiger Tumoren, Virusinfektionen und erbliche/genetische Störungen in Frage.

 

Mögliche Beschwerden sind chronische Schwäche, leichte Ermüdbarkeit, Gewichtsverlust, Appetitlosigkeit, Übelkeit, Erbrechen, Bauchbeschwerden, zunehmende Hautfärbung und niedriger Blutdruck.

 

Akute Nebennierenrindeninsuffizienz


Die akute Nebennierenrindeninsuffizienz ist die schnelle und akut lebensbedrohlich verlaufende Form des Morbus Addison. Ursächlich können Nebennierenblutungen, Thrombose (Blutgerinnsel) der die Nebenniere versorgenden Gefäße, bakterielle Blutvergiftung, akutes Absetzen von Cortisonpräparaten sowie ein chronisch unbehandelter Morbus Addison sein.

 

Die Patienten leiden unter Übelkeit, Erbrechen, Durchfällen, schlechtem Allgemeinzustand, kolikartigen Bauchschmerzen und niedrigem Blutdruck bis zum Schock.

 

Hypercortisolismus (Cushing-Syndrom)
 

Als Cushing-Syndrom werden die Überproduktion von körpereigenem Cortisol in der Nebennierenrinde und die damit verbundenen klinischen Zeichen bezeichnet. Man unterscheidet das Cushing-Syndrom als Erkrankung der Nebenniere selbst vom Morbus Cushing, dem eine Überproduktion des stimulierenden Hormons ACTH aus der Hirnanhangsdrüse zugrunde liegt. In seltenen Fällen kann der Cortisol-Überschuß auch durch andere Tumoren (z.B. aus Lunge oder Bauchspeicheldrüse) verursacht werden (ektopes ACTH-Syndrom).

 

Der Cortisol-Überschuß führt zu Veränderungen des äußeren Erscheinungsbildes mit stammbetonter Fettumverteilung, Gesichtsschwellung, Büffelnacken, Vollmondgesicht, dünner Haut, Neigung zu Blutergüssen, rötlicher Streifenbildung an Bauch, Hüften und Oberarmen, unreine Haut (Aknebildung), vermehrter Körperbehaarung nach männlichem Typ (Hirsutismus) sowie zu Muskelschwäche, Knochendichteminderung (Osteoporose), Depressionen, hohem Blutdruck (Hypertonie) und zur Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus).

Primärer Hyperaldosteronismus (Morbus Conn)


Der primäre Hyperaldosteronismus ist gekennzeichnet durch hohen Blutdruck (Hypertonie) und Blutsalzveränderungen, insbesondere zu niedriges Kalium im Blut (Hypokaliämie). Weiterhin kann es bei dieser Erkrankung, der eine Überproduktion des Hormons Aldosteron in der Nebennierenrinde zugrunde liegt, zu Muskelschwäche und -krämpfen, gesteigertem Durst, Lähmungen und Herzrhythmusstörungen kommen. Lässt sich ein kleines Nebennierenadenom als Ursache der Erkrankung nachweisen (bspw. mittels Endosonographie), kann eine Operation in „Schlüssellochtechnik“ (laparoskopisch minimal invasiv) zur Heilung führen.

Adrenogenitales Syndrom (AGS)

 
Das Adrenogenitale Syndrom ist ein Sammelbegriff für eine Reihe angeborener Störungen der Cortisol-Herstellung in der Nebennierenrinde. Diese treten meist im Kindesalter auf, können aber auch erst im Erwachsenenalter manifest werden (late-onset-AGS). Symptome sind unter anderen die Virilisierung (Vermännlichung und Angleichung an den männlichen Körperbau bei Frauen) sowie ein Salzverlustsyndrom, das zu Trinkschwäche, Interessenlosigkeit, Erbrechen, Austrocknung und Blutsalzverschiebungen (Hyponatriämie, Hyperkaliämie, metabolische Azidose) führt.

Nebennierenrindenadenom


Das Nebennierenadenom ist der häufigste gutartige Nebennierenrindentumor. Nebennierentumoren können generell entweder Hormone produzieren (hormonell aktiv) oder inaktiv sein. Bekannt sind Nebennierenadenome, die Aldosteron (Conn-Syndrom), Androgene (männliche Geschlechtshormone), Östrogene (weibliche Geschlechtshormone) oder Cortisol produzieren. Endokrin aktive Adenome verursachen ein Cushing-Syndrom (s.o.), ein Conn-Syndrom (s.o.), Androgenisierungserscheinungen bei der Frau mit vermehrter männlicher Körperbehaarung (Hirsutismus), Akne, Stimmveränderung, Vermännlichung des Genitale oder aber beim Mann Brustentwicklung (Gynäkomastie) zusammen mit Rückbildung (Atrophie) der Hoden, Abnahme der sexuellen Lust (Libido) und Stimmveränderungen. Eine Cortisolüberproduktion kann auch grenzwertig sein und ist dann klinisch zunächst nicht auffällig ("subklinisches" Cushing-Syndrom).

Nebennierenrindenkarzinom


Das Nebennierenrindenkarzinom ist ein bösartiger Tumor der Nebennierenrinde, der in manchen Fällen Nebennierenrindenhormone wie Cortisol oder Mineralokortikoide (z.B. Aldosteron) bilden kann.

 

Auffällig wird das Nebennierenrindenkarzinom häufig neben den hormontypischen Veränderungen bei hormonaktiven Tumoren (Cushing-Syndrom, Morbus Conn, s.o.) durch klinische Zeichen, die durch Raumverdrängung des Tumors verursacht werden: aufgetriebener Bauch, Druckgefühl, Appetitlosigkeit und Gewichtsabnahme.

 

 

Erkrankung des Nebennierenmarks

 

Phäochromozytom
 

Das Phäochromozytom ist ein Tumor, der von speziellen Zellen (chromaffinen Zellen) ausgeht, die sich im Nebennierenmark (90% aller Phäochromozytome) und in bestimmten Nervenleitbahnen, den Grenzsträngen, befinden. 10-15% der Phäochromozytome sind bösartig (maligne). Phäochromozytome bilden im Überschuss die Stresshormone Adrenalin und Noradrenalin.

 

Dies erklärt die typischen klinischen Zeichen bei Vorliegen eines Phäochromozytoms: anfallsartige Hochdruckkrisen mit Kopfschmerzen, Herzklopfen, Schwitzen, Blässe, Übelkeit oder auch Dauerbluthochdruck sowie Gewichtsabnahme und Herzrhythmusstörungen. Bei längerem, unbehandeltem Bestehen kann es zu Komplikationen wie Augenhintergrundveränderungen, Herzinfarkt, Schlaganfall sowie Nierenunterfunktion kommen.

 

 

Polyglanduläre Autoimmunität

 

Hierunter versteht man den Sonderfall der Erkrankung mehrerer Hormondrüsen durch die Bildung von Schlüsselmolekülen, die gegen den eigenen Körper gerichtet sind (Antikörper). Man spricht von einer Autoimmunerkrankung. Man unterscheidet verschiedene Typen der polyglandularen (auch: pluriglandulären) Autoimmunität.
 

 

Unter Anderem können folgende Störungen beobachtet werden:

 

Unterfunktion der Nebennierenrinde (Morbus Addison)

Unterfunktion der Nebenschilddrüsen (Hypoparathyreoidismus)

Zuckererkrankung als Zeichen des Funktionsausfalls der Bauchspeicheldrüse (Diabetes mellitus Typ I)

Unterfunktion der Schilddrüse (Hashimoto-Thyreoiditis)

Unterfunktion der Hirnanhangsdrüse (Hypophysitis)

 

 

Kombinationen sind bspw. möglich mit:

 

Funktionsstörung einer Untergruppe der weißen Blutkörperchen (Lymphozytenfunktionsstörung)

Pilzerkrankung der Haut und Schleimhäute (mukokutane Candidiasis)
Magenschleimhautentzündung (atrophische Typ A-Gastritis), in deren Folge häufig eine spezielle Form der Blutarmut (perniziöse Anämie)

Glutensensitive Enteropathie (Zoeliakie)