Zentrum für Alterstraumatologie
AltersTraumaZentrum DGU®
Die Klinik für Unfall-, Hand- und Wiederherstellungschirurgie des Universitätsklinikums Gießen und Marburg (UKGM), wurde am 22.12.2023 wiederholt gemeinsam mit dem St. Josefs Krankenhaus Balserische Stiftung als Zentrum für Alterstraumatologie zertifiziert. Die Zertifizierung erfolgte im Rahmen eines Pilotprojekts der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU) und der Deutschen Gesellschaft für Geriatrie (DGG).
Die Initiative AltersTraumaZentrum DGU® wurde von der Arbeitsgemeinschaft Alterstraumatologie der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU) ins Leben gerufen. Bereits seit 2007 begleitet sie die Entwicklung erster interdisziplinärer Zentren. Ziel dieser Initiative ist es, durch ein strukturiertes Zertifizierungsverfahren die Sicherheit und Qualität in der Versorgung älterer unfallverletzter Patientinnen und Patienten nachhaltig zu verbessern. In regelmäßigen Abständen werden die etablierten Behandlungsstrukturen durch unabhängige Prüfer: innen überprüft und bewertet. Erst wenn die hohen Qualitätsanforderungen weiterhin erfüllt sind, erfolgt eine erneute Zertifizierung.
„Wir freuen uns sehr, dass die besondere Qualität einer optimalen interdisziplinären Behandlung älterer Menschen in unserem Haus nach eingehender Prüfung erneut bestätigt wurde“, erklärt Prof. Christian Heiß, Direktor der Klinik und Poliklinik für Unfall-, Hand- und Wiederherstellungschirurgie. Bereits 2017 wurde gemeinsam mit den geriatrischen Fachärztinnen und Fachärzten des St. Josefs Krankenhauses Balserische Stiftung ein interdisziplinäres Netzwerk aufgebaut. Dieses umfasst Unfallchirurgen, Altersmediziner, speziell geschulte Pflege- und Überleitungskräfte sowie Physiotherapeutinnen und -therapeuten. Ziel ist es, den optimalen Behandlungsweg für ältere Patientinnen und Patienten festzulegen und kontinuierlich weiterzuentwickeln.
Im Mittelpunkt steht eine enge interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen unfallchirurgischer Akutversorgung und frühzeitig einsetzender geriatrisch-rehabilitativer Behandlung. Dadurch wird sichergestellt, dass geriatrische Unfallpatientinnen und -patienten nicht nur optimal traumatologisch versorgt werden, sondern gleichzeitig eine umfassende geriatrisch-internistische Mitbehandlung ihrer häufig bestehenden Begleiterkrankungen erhalten. Die Kooperation zwischen der Klinik für Unfall-, Hand- und Wiederherstellungschirurgie und der Geriatrie des St. Josefs Krankenhauses Balserische Stiftung ermöglicht eine optimal abgestimmte Diagnostik, Therapie und Rehabilitation.
Zum Leistungsspektrum gehören insbesondere typische Alterstraumata wie Schenkelhalsfrakturen, pertrochantäre Frakturen, proximale Femurfrakturen sowie Wirbelkörperfrakturen. Darüber hinaus werden auch komplexe Verletzungen behandelt, etwa Frakturen im Bereich bereits implantierter Endoprothesen oder andere komplizierte Knochenbrüche. In ihrer Funktion als überregionales Traumazentrum werden der Klinik zudem zahlreiche Patientinnen und Patienten aus ganz Mittelhessen mit komplexen Verletzungen zugewiesen.
Der Behandlungsweg im AltersTraumaZentrum ist klar strukturiert: Wenn eine Patientin oder ein Patient im höheren Lebensalter, regelhaft ab dem 70. Lebensjahr, mit einem Knochenbruch aufgenommen wird, erfolgt die Diagnostik und Therapieplanung durch ein interdisziplinäres Team aus Unfallchirurg: innen und Geriater: innen. Dabei werden neben der akuten Verletzung auch Begleiterkrankungen, der Grad der Selbstständigkeit sowie die soziale Situation der Betroffenen berücksichtigt. Ziel der ganzheitlichen Behandlung ist es, ein möglichst hohes Maß an Lebensqualität und Selbstständigkeit zu erhalten oder wiederherzustellen. Bei Bedarf werden weitere Fachdisziplinen des Universitätsklinikums in die Behandlung einbezogen.
Nach der operativen oder konservativen Behandlung beraten Unfallchirurgen und Altersmediziner gemeinsam über die weitere rehabilitative Versorgung.
Die Konzepte zur frühen Mobilisation, Rehabilitation und funktionellen Wiederherstellung sind dabei eng aufeinander abgestimmt.
Im Vorfeld der Zertifizierung wurden zahlreiche standardisierte Behandlungspfade etabliert. Die geriatrisch-internistische Mitbehandlung erfolgt unter anderem durch gemeinsame Visiten mit geriatrischen Fachärztinnen und Fachärzten dienstags und donnerstags, ergänzt durch regelmäßige interdisziplinäre Teambesprechungen und Qualitätszirkeltreffen. Weiterführend bietet die Klinik eine spezialisierte alterstraumatologische Sprechstunde, die freitags von 8.00-14.00 Uhr stattfindet. In dieser werden Patientinnen und Patienten mit geriatrischen Frakturen oder entsprechenden Fragestellungen interdisziplinär beraten und hinsichtlich der weiteren Behandlung, Rehabilitation und Nachsorge betreut.
Die Bedeutung solcher interdisziplinären Zentren nimmt stetig zu: Mehr als 400.000 Altersfrakturen werden jährlich in Deutschland behandelt. Knochenbrüche im höheren Lebensalter gehören inzwischen zu den häufigsten Ursachen für Krankenhausaufenthalte und nachfolgende Pflegebedürftigkeit. Durch die steigende Lebenserwartung und die zunehmende Aktivität älterer Menschen steigt auch das Risiko für entsprechende Verletzungen. Gleichzeitig führen altersbedingte Veränderungen wie Osteoporose, verringerte Muskelmasse oder Begleiterkrankungen dazu, dass ältere Patientinnen und Patienten eine besonders abgestimmte medizinische Betreuung benötigen.
Internationale Studien zeigen, dass die interdisziplinäre Behandlung im AltersTraumaZentrum im Vergleich zur herkömmlichen Versorgung deutlich bessere Ergebnisse hinsichtlich Mobilität, Selbstständigkeit und Lebensqualität der betroffenen Patientinnen und Patienten erzielt.