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Geschichte

Im Jahre 1889 beantragte die Marburger Medizinische Fakultät, einen Lehrstuhl für Otologie, Rhinologie und Laryngologie einzurichten. Der erste, für diese Fachbereiche berufene Professor war Adolf Barth aus Berlin.

Historischer Abriss zur Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde in Marburg

 

Im Jahre 1889 beantragte die Marburger Medizinische Fakultät, einen Lehrstuhl für Otologie, Rhinologie und Laryngologie einzurichten. Der erste, für diese Fachbereiche berufene Professor war Adolf Barth aus Berlin. Die HNO-Poliklinik wurde im Jahre 1890 in Räumen des Hauses 'Roter Graben Nr. 4' aufgebaut. Fünf Jahre später verließ Adolf Barth Marburg, indem er einem Ruf nach Breslau folgte, wobei er im Jahr darauf allerdings den Lehrstuhl in Leipzig übernahm.

Von 1895 bis 1917 wurde die Marburger HNO-Klinik von Paul Ostmann geleitet. Zu Beginn seiner Tätigkeit standen lediglich vier Betten im genannten, angemieteten Privathaus für die stationäre Patientenbetreuung zur Verfügung. Die Hälfte der Pflegekosten wurde von Ostmann selbst übernommen. Nach dem Umzug der Klinik zum Marbacher Weg stand Ostmann ein Gebäude zur Verfügung, in dem 12 Kranke untergebracht werden konnten. In den folgenden Jahren bemühte sich Ostmann immer wieder um einen Neubau, der ihm allerdings über seinen gesamten Tätigkeitszeitraum hinweg nicht zugestanden wurde. Das Hauptarbeitsgebiet Ostmanns war die Traumatologie. Im Jahre 1917 wurde Ostmann aufgrund der Folgen eines schweren Augenleidens vorzeitig emeritiert.

Oskar Wagener wurde im Jahre 1917 aus Greifswald auf den Marburger Lehrstuhl für HNO-Heilkunde berufen. Bedingt durch die Kriegs- und Nachkriegsverhältnisse kam es in Marburg zu keiner nennenswerten wissenschaftlichen Arbeit. Nach fünf Jahren wechselte Oskar Wagener nach Göttingen.

Im Jahre 1922 wurde Walther Uffenorde aus Göttingen nach Marburg berufen, nachdem er zuvor (1921 - 1922) die Universitäts-HNO-Klinik in Bonn kommissarisch geleitet hatte. Uffenorde konnte im Jahre 1923 die Bettenzahl auf 16 erhöhen, bevor er vier Jahre später einen großzügigen Neubau bezog, der alle damals wünschenswerten Räume und Einrichtungen enthielt. Jetzt konnten 42 Patienten stationär behandelt werden. Uffenordes besonderes Interesse galt den entzündlichen Erkrankungen an Nebenhöhlen und Rachen und deren Komplikationen. Er entwickelte spezielle Techniken der Stirnhöhlenchirurgie. Große Verbreitung fand seine 1942 herausgegebene Operationslehre. Ein tragisches Ende dieser so erfolgreichen Tätigkeit war die Entlassung durch die amerikanischen Besetzungsbehörden nach dem Krieg wegen Uffenordes nomineller Zugehörigkeit zur NS-Partei. Uffenorde, der politisch zuvor nie hervorgetreten war, trug schwer daran. Er starb im Jahre 1947 noch vor seiner Rehabilitierung, die posthum erfolgte.

Von 1945 bis 1948 wurde die Marburger HNO-Klinik kommissarisch von dem damaligen Oberarzt der Klinik, Gerhard Eigler geleitet, der später die Gießener Klinik übernahm.

Im Jahre 1948 wurde Richard Mittermaier, Chefarzt in Karlsruhe, nach Marburg berufen. Mittermaier befasste sich vor allem mit der Vestibularisforschung. Weiterhin verfasste er eine Monographie über die Röntgendiagnostik im HNO-Bereich. Im Jahre 1956 nahm Mittermaier einen Ruf nach Frankfurt am Main an.

Ernst Müller übernahm 1956 und 1957 die kommissarische Leitung der Marburger HNO-Klinik. Müller leitete von 1960 bis 1976 die Kieler HNO-Klinik.

1957 wurde Julius Berendes, zuletzt Chefarzt in Mannheim, nach Marburg berufen. In seiner Amtszeit gelang ein tiefgreifender Klinikumbau mit Modernisierungen an Stationen und Funktionsräumen. Berendes hat zu vielen Gebieten der HNO-Heilkunde wissenschaftlich gearbeitet. Auch der Phoniatrie hat der sehr musikalische und als Komponist und Pianist tätige Berendes viele Impulse gegeben. Es wurde eine moderne Abteilung für Audiologie eingerichtet.

Nach der Emeritierung von Julius Berendes wurde der Oberarzt der Kölner HNO-Klinik, Oskar Kleinsasser, nach Marburg berufen, wo er seit 1973 tätig war. Kleinsasser befasste sich in seiner wissenschaftlichen Arbeit bevorzugt auf der Grundlage der pathologischen Anatomie mit den Kehlkopferkrankungen unter besonderer Berücksichtung des Karzinoms und der Präkanzerosen. Von ihm stammen instrumentelle Verbesserungen zur Mikrolaryngoskopie des Kehlkopfes und zu endoskopischen mikrochirurgischen Eingriffen am Kehlkopf, mit denen er international bekannt wurde. Kleinsasser hat sich weiterhin mit pathologisch- anatomischen Grundlagenforschungen zu Speicheldrüsenerkrankungen, vor allem zur Tumorbildung in Speicheldrüsen, beschäftigt. In Kleinsassers Amtszeit wurde die Klinik baulich weiter modernisiert, vor allem im OP- Bereich.

Nach der Emeritierung Kleinsassers im Jahre 1996 wurde die Marburger Klinik eineinhalb Jahre von Erhard Meyer-Breiting, Oberarzt der HNO-Klinik in Frankfurt, kommissarisch geleitet.

Von April 1998 bis Oktober 2015 war Jochen A. Werner Direktor der Klinik. Durch den Wechsel von Prof. Werner in die Ärztliche Direktion des Standortes Marburg und später des Universitätsklinikums Essen wurde die Klinik von Juni 2013 bis März 2017 von Herrn Prof. Afshin Teymoortash in chefärztlicher Funktion geleitet.
Seit April 2017 ist Boris A. Stuck neuer Direktor der Klinik für Hals- Nasen- und Ohrenheilkunde.

 

Literatur:

Fleischer K, Naumann HH (1996)
Akademische Lehrstätten und Lehrer der Oto-Rhino-Laryngologie in Deutschland im 20. Jahrhundert.
Springer, Berlin

Ingenhoff U (1990)
Die Entwicklung des medizinischen Spezialfaches Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde in Marburg.
Dissertation, Universität Marburg