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Modellgußprothese

Die partielle Zahnlosigkeit, die durch notwendige Extraktionen als Folge von Karies, Parodontopathien und Traumata verursacht sein kann, ist im hohen Lebensalter noch immer ein häufiger Befund. Neben ästhetischen und phonetischen Gesichtspunkten sind vor allem funktionelle Gründe für eine Rehabilitation des teilbezahnten Patienten zum Erhalt seiner Lebensqualität ausschlaggebend. Eine Nichtbehandlung kann sich negativ auf das soziale Umfeld des Patienten auswirken, denn wer präsentiert sich schon gerne ohne Zahnersatz seinen Mitmenschen. Des weiteren kann sich der Ernährungszustand verschlechtern, wenn das Abbeissen und Zerkleinern von Nahrung kaum mehr möglich ist. Für die Versorgung des teilbezahnten Kiefers (Abb. 1) stehen verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung.

Bei Klammerprothesen muss generell zwischen der Drahtklammerprothese und der Modellgussprothese unterschieden werden. Die Drahtklammerprothese (Abb. 5) wird nur als Langzeitprovisorium, Immediat- oder Interimsersatz, z.B. nach Zahnextraktionen und vor umfangreichen prothetischen Versorgungen empfohlen. Sie ist rein schleimhautgetragen und erreicht ihre Retention über gebogene Klammern. Es findet keine Abstützung über die vorhandene Restbezahnung statt. Die Prothesen sind dadurch nur gering lagestabil und parodontal ungünstig gestaltet. Die Verbindung der Prothesensättel wird durch Kunststoff herbeigeführt, der aus Stabilitätsgründen stark ausgeweitet werden muss (Abb. 5 lingual). Wegen der kostengünstigen und unkomplizierten Herstellungsmöglichkeit wird diese Prothese zur temporären Versorgung angewandt.

Die Modellgussprothese hingegen stellt eine dauerhafte Versorgungsmöglichkeit einer Restbezahnung dar (Abb. 1). Besonders bei einer gut erhaltenen, karies- und füllungsfreien Restbezahnung, sollte eine Modellgussprothese empfohlen werden. Eine unnötiges Beschleifen gesunder Zähne, was z.B. im Rahmen der Teleskopversorgung notwendig wird, kann somit vermieden werden (Abb. 1). Aber auch bei parodontal unsicheren Zähnen sollte auf eine aufwendige Überkronung hinsichtlich der Lebenserwartung der Versorgung, verzichtet werden.

 
Abb.1: Ausgangsbefund einer sanierten, kariesfreien Restbezahnung 

 
Abb.2: Fertiggestellte Modellgussprothese mit Kunststoffsätteln zum Ersatz der Zähne 32-42, 36 u. 46; Klammern und Auflagen an den Zähnen 35, 33, 43 u. 45 und einem Sublingualbügel zur Verbindung der Sättel.

 
Abb.3: Eingegliederte Modellgussprothese mit sichtbarem Frontzahnsattel und Klammerverlauf. 

 
Abb.4: Aufsicht auf Prothese mit Sätteln, Auflagen, Klammerverlauf und Lage des Sublingualbügels. 

 
Abb.5: Zum Vergleich eine Draht-klammerprothese, ohne Auflagen, mit sichtbaren, gebogenen Klammern. Der Frontzahnsattel und die Klammern sind über die Prothesenbasis miteinander verbunden. 

Indikationen:

  • Teilbezahnte Kiefer, wo keine festsitzende Versorgung mehr möglich ist
  • Wenn ein Beschleifen der Zähne nicht erfolgen soll

Ziel der Versorgung:

  • Wiederherstellung der statischen und dynamischen Okklusion
  • Wiederherstellung der Ästhetik und Phonetik
  • Wiederherstellung und Erhalt des Kauvermögens

Durchführung:

Lediglich der Verlauf der Klammern und die Auflagen müssen eingeschliffen werden (Abb. 4), um eine dentale Abstützung zu erreichen und damit eine möglichst physiologische Knochenbelastung zu erreichen. Anschließend wird eine Abformung genommen. Auf dem resultierendem Modell, wird passend zum Gegenkiefer die Prothese hergestellt (Abb. 2). Die Prothesenzähne und Klammern werden hier im Gegensatz zur Drahtklammerprothese über ein Metallgerüst aus einer Kobalt-Chrom-Molybdän-Legierung miteinander verbunden. Vorteil ist eine parodontalprophylaktisch günstige Gestaltungsmöglichkeit (Parodontium bleibt frei). Bei Freiendsätteln (Abb. 2, 3 und 4) besteht nur eine bedingt starre Verbindung mit dem Restgebiss. Um den Knochen nicht zu überlasten wurde deshalb hier nur bis Zahn 6 aufgestellt (Abb. 4).

Vorteile:

  • Kein bzw. nur geringfügiges Beschleifen der Zähne
  • Kostengünstige Lösung
  • Gute Reinigungsmöglichkeit von Restgebiss und Prothese
  • Karies- und parodontalprophylaktisch günstige Basisgestaltung

Nachteile:

  • Sichtbare Klammern vermindern die Ästhetik
  • Eingeschränkter Tragekomfort
  • Bedeckter Gaumen im OK und Sublingualbügel im UK
  • Nur bedingt starre Verbindung bei Freiendsätteln