A A A
-->

Schulterchirurgie

Oberarzt Dr. med. B. F. El-Zayat

In der Abteilung für Schulterchirurgie werden sowohl akute Sportunfälle, chronische Schulterverletzungen als auch degenerative Schulterveränderungen behandelt. Im Rahmen der Sprechstunde (donnerstags) erfolgt nach der spezifischen körperlichen Untersuchung in sehr gut abgestimmter Zusammenarbeit mit dem Institut für Radiologie die notwendige Bildgebung (Röntgen, MRT, CT). Das diagnostische und therapeutische Procedere entspricht dem neuesten Stand der biomechanischen und klinischen Wissenschaft. Die Ergebnisse unseres therapeutischen Vorgehens werden auf nationalen und internationalen Kongressen und Zeitschriften publiziert.
 
Folgende Verletzungsmuster und Erkrankungen werden besonders häufig in unsere Abteilung behandelt:
1. Rotatorenmanschettenruptur - Sehnenriss der Schulter, z.B. Supraspinatussehnenruptur
2. Schulterinstabilitäten - mikrotraumatisch, makrotraumatisch, vordere / hintere Schulterluxation
3. SLAP-Läsionen - Verletzungen und Instabilitäten der langen Bizepssehne in der Schulter
4. Akromioklavikulargelenksverletzungen - Schultereckgelenkssprengung
5. Impingement-Syndrom - Einklemmungssyndrom
6. Tendinitis calcarea - Kalkschulter
7. Capsulitis adhaesiva - Schultersteife
8. Arthrose - Gelenkverschleiss

Alle Schulteroperationen führen wir seit Jahren in der minimal-invasiven Technik mit der Schulterarthroskopie (Schultergelenkspiegelung) durch. Die Abteilung ist auf dieses für den Patienten schonende Verfahren spezialisiert. Aufgrund dieser Expertise und langjähriger Erfahrung ist die Abteilung Hospitationszentrum, so dass regelmäßig Gastärzte die arthroskopische Operationstechnik und unsere speziellen Techniken der Schulterarthroskopie in unserer Klinik erlernen.

1. Rotatorenmanschettenruptur

Die so genannte Rotatorenmanschettenläsion tritt typischerweise bei Patienten ab dem 45.-igsten Lebensjahr aufgrund von Verschleißschädigung auf. Bei jüngeren Patienten kann es aber auch zu unfallbedingten Verletzungen der Sehnenplatte (Rotatorenmanschette) kommen. Zudem zeigen Überkopfportler mit hyperphysiologischen Bewegungsausmaßen der Schulter Partialläsionen (Teileinrisse) aufgrund von repetitiven Mikrotraumata, vorwiegend im hinteren oberen Rotatorenmanschettenbereich (PSI - PosteroSuperiores Impingement).

SehnennahtEine eingerissene Sehne heilt nicht ohne Therapie aus! Mittels der klinischen und radiologischen Diagnostik wird in unserer Sprechstunde mit Ihnen entschieden, inwieweit eine konservative oder operative Therapie durchgeführt werden sollte. Zur operativen Therapie stehen Ihnen bei uns alle technischen Möglichkeiten der aktuellen arthroskopischen Schulterchirurgie sowie die komplette Auswahl der modernen Implantate zur Verfügung. Insbesondere verschiedene Refixierungstechniken für die abgerissenen Sehnen am Knochen mittels vielfältiger sog. Fadenanker (Knochenankerschraube) ermöglichen immer die individuell geeignete arthroskopische Reparatur. Somit wird die anatomische Rekonstruktion des Sehnenansatzes am Oberarmknochen ermöglicht. Auch Sehnenverletzungen inmitten der Sehne können hiermit entsprechend der Größe und Ausdehnung therapiert werden. Zudem ist eine ideale arthroskopische Behandlung der Begleitentzündungsreaktion möglich.

Die Sehnen der Rotatorenmanschette sind nur gering durchblutet und heilen daher entsprechend langsam wieder ein. Daher ist zunächst eine konsequente Nachbehandlung in speziellen Schulterschienen (diese so genannten Orthesen erhalten Sie im Rahmen des stationären Aufenthaltes) unumgänglich. In dieser Zeit werden Sie sehr engmaschig krankengymnastisch therapiert werden, um neben der Einheilung die optimale Beweglichkeit zu erhalten. Mit Übungen in der Regel ab dem ersten Tag nach der Operation beginnen unsere speziell ausgebildeten Physiotherapeuten den für Sie durch den Operateur festgelegten Nachbehandlungsplan umzusetzen.

2. Schulterinstabilität

FragmentrefixationDie Schulter ist das Gelenk des Menschen mit der höchsten Beweglichkeit. Die Größe der knöchernen Gelenkpfanne zum Oberarmkopf hat das Größenverhältnis des Golf-Tees zum Golfball. Damit der Oberarmkopf in der vermeintlich kleinen Pfanne gehalten wird, existieren eine große Knorpelgelenklippe zirkulär um die Pfanne und ein komplexer Kapsel-Band-Apparat. Durch Stürze auf den abgespreizten Arm bzw. durch eine hohe Belastung der Schulter in der abgespreizten Position (Wurf- und Ausholbewegungen beim Sport, Krafttraining im Fitnessstudio) kann die Gelenklippe inkl. verschiedener Stabilisierungsbänder von der Gelenkpfanne abgeschert werden. Hierbei rutscht der Oberarmkopf teilweise (Subluxation) oder vollständig (Luxation = „Auskugeln“) nach vorn (oder seltener nach hinten) über die Gelenkpfanne hinaus. Selbst wenn der Oberarmkopf zurückspringt oder wieder „eingekugelt“ wird, verbleiben in aller Regel die verletzte Gelenklippe und die verletzten Stabilisierungsbänder. Diese verheilen nicht von selbst in der richtigen Position, sondern bedürfen einer entsprechenden Therapie. Mehrfaches „Herausspringen“ schädigt diese Kapsel-Band-Apparatur sukzessive weiter. In unserer Sprechstunde wird im Rahmen einer intensiven körperlichen Untersuchung mittels spezifischer Untersuchungstests (sog. Provokationstests, Instabilitätstests) die klinische Diagnose einer Schulterinstabilität gestellt. Diese wird durch eine spezifische radiologische Diagnostik (konventionelles Röntgen, MRT) verifiziert und in Einzelfällen, beispielsweise bei knöchernen Verletzungen der Gelenkpfanne, durch eine weitere CT-Untersuchung ergänzt.

Bei einer Schulterinstabilität muss nicht notfallmäßig operiert werden, in Einzelfällen kann zunächst ein konservativer (nicht operativer) Therapieansatz durchgeführt werden. Der operative Therapieansatz wird vollständig arthroskopisch durchgeführt. Hierbei wird meist die vordere Gelenklippe durch kleine bioabbaubare Knochenankerschrauben an der ursprünglichen Position auf der knöchernen Gelenkpfanne refixiert. Dank der Arthroskopie kann nach Fixierung der Gelenklippe mittels Kamera die Stabilität direkt unter Sicht überprüft werden, ggf. können Verletzungen des Kapsel-Band-Apparats während desselben operativen Eingriffs entsprechend „gerafft“ werden. Selbst beim Abbruch von Knochenfragmenten am Schulterpfannenrand können diese arthroskopisch refixiert werden. Diese Techniken ermöglichen eine äußerst Muskulatur schonende Vorgehensweise. Die refixierte Gelenklippe und Sehnen sind nur gering durchblutet und heilen daher entsprechend langsam an der Gelenkpfanne wieder ein. Daher ist eine konsequente Nachbehandlung unumgänglich. In dieser Zeit werden Sie sehr engmaschig krankengymnastisch mitbehandelt, um neben der Einheilung die optimale Beweglichkeit zu erhalten. Mit Übungen in der Regel ab dem ersten Tag nach der Operation beginnen unsere speziell ausgebildeten Physiotherapeuten den für Sie durch den Operateur festgelegten Nachbehandlungsplan umzusetzen.

3. SLAP-Läsion - Verletzungen und Instabilitäten der langen Bizepssehne in der Schulter

Der Bizepsmuskel des Oberarms besteht aus zwei Muskelbäuchen, diese ziehen beide zur Schulter mittels einer separaten Muskelsehne, der kurzen und der langen Bizepssehne. Die lange Muskelsehne des Bizeps (LBS) zieht auf dem Weg zur Schulter direkt durch das Schultergelenk, verläuft um den Oberarmkopf und strahlt in den oberen Anteil der Gelenklippe und Gelenkpfanne ein. Diese Region des Übergangs an die Gelenklippe wird „Bizepssehnenanker“ genannt. Durch Stürze auf den abgespreizten Arm bzw. durch eine hohe Belastung der Schulter in der abgespreizten Position (Wurf- und Ausholbewegungen beim Sport, Gewichttraining im Fitnessstudie) kann die obere Gelenklippe durch den Oberarmkopf von der Gelenkpfanne „abgezogen“ werden und es kommt zu (Mikro)-Einrissen bzw. Rupturen innerhalb des o.g. Bizepssehnenankers. Insbesondere bei Wurf- und Ausholbewegungen zeigt sich ein stechender Schmerz, der typischerweise unter Ausübung dieser Bewegungen unter Belastung noch zunimmt. Dies kann zu einem reflektorischen Kraftverlust in der betroffenen Schulter führen. In unserer Sprechstunde wird im Rahmen einer intensiven körperlichen Untersuchung mittels spezifischer Untersuchungstests (sog. Provokationstests) die klinische Diagnose einer SLAP-Läsion gestellt. Diese wird durch eine spezifische radiologische Diagnostik (konventionelles Röntgen, MRT) untersucht und verifiziert.

Bei einer SLAP-Läsion muss nicht notfallmäßig operiert werden, in Einzelfällen kann bei einem geringgradigen Läsionstyp zunächst ein konservativer (nicht operativer) Therapieansatz durchgeführt werden. Der operative Therapieansatz wird vollständig arthroskopisch durchgeführt, die Zielstellung hierbei ist die Rekonstruktion des o.g. Bizepssehnenankers. Hierbei wird die obere Gelenklippe und die lange Bizepssehne durch kleine bioabbaubare Knochenankerschrauben an der ursprünglichen Position auf der knöchernen Gelenkpfanne refixiert. Bei starker Schädigung des Bizepssehenankers kann die lange Bizepssehen auch unmittelbar unterhalb des Gelenkkopfes am Oberarmknochen refixiert werden. Dank der Arthroskopie kann nach Fixierung des Bizepssehenankers mittels Kamera die Stabilität direkt unter Sicht überprüft werden. Diese Technik ermöglicht eine äußerst Muskulatur schonende Vorgehensweise. Der refixierte Bizepssehenanker ist nur gering durchblutet und heilt entsprechend langsam an der Gelenkpfanne wieder ein. Daher ist zunächst eine konsequente Nachbehandlung unumgänglich. In dieser Zeit werden Sie sehr engmaschig krankengymnastisch mitbehandelt, um neben der Einheilung die optimale Beweglichkeit zu erhalten. Mit Übungen in der Regel ab dem ersten Tag nach der Operation beginnen unsere speziell ausgebildeten Physiotherapeuten den für Sie durch den Operateur festgelegten Nachbehandlungsplan umzusetzen.


Links: Ausriss des Bicepssehnenankers mit Beteiligung der langen Bicepssehne. Rechts: Erfolgte arthroskopische Refixation des Bicepssehnenanker.

4. Akromioklavikulargelenksverletzungen - Schultereckgelenkssprengung

Etwa 12 % aller sportassoziierten Schultergürtelverletzungen betreffen das Schultereckgelenk, wobei Männer wiederum 10-mal häufiger betroffen sind als Frauen. Die Verletzungen entstehen meist durch den direkten Sturz auf die Schulter mit angelegtem Arm. Indirekte Unfälle mit Sturz auf den ausgestreckten Arm bzw. auf den Ellenbogen kommen deutlich seltener vor. Bei dem direkten Unfallmechanismus kommt es je nach Größe der einwirkenden Kraft zu einer Distorsion des Schultereckgelenkes oder zur Ruptur der einzelnen Bandstrukturen (Lig. acromioclaviculare, Lig. conoideum, Lig. trapezoideum) sowie der Gelenkkapsel.

In unserer Sprechstunde wird im Rahmen einer intensiven körperlichen Untersuchung mittels spezifischer Untersuchungstests die klinische Diagnose einer akuten bzw. chronischen Schultereckgelenksinstabilität gestellt. Diese wird durch eine spezifische radiologische Diagnostik (konventionelles Röntgen, MRT) verifiziert.

Die etablierten Operationsverfahren für eine akute Akromioklavikulargelenk-Instabilität sind zahlreich. Häufig in offener Technik praktizierte Verfahren sind die Stabilisierung mit einer Haken- oder Balser-Platte, perkutane Transfixation des AC-Gelenks mit Bohrdrähten, Transfixation der korakoklavikulären Verbindung mit einer Bosworth-Schraube oder Transposition des korakoakromialen Bandes nach Weaver-Dunn. Das Verständnis der Anatomie der beiden coracoclaviculären Bänder (lateral Lig. trapezoideum und medial Lig. conoideum) in Ansatz, Ursprung und Verlauf stellt ein Grundstein für das Verständnis der aktuellen anatomischen AC-Gelenkstabilisierung dar. Diese Erkenntnisse führten zum Umdenken in der operativen Versorgung der akuten sowie chronischen AC-Gelenkinstabilität. Die sog. Tight-Rope-Implantation ermöglichte die minimal-invasive und anatomische arthroskopische Stabilisierung der akuten Instabilität. Die Implantation einer am Knie entnommenen Sehne (Gracilissehne) mit Implantation des sog. Graft-Ropes ist bei der anatomischen arthroskopischen Versorgung der chronischen AC-Gelenksinstabilität notwendig. Das Zusammenwachsen der zerrissenen Bänder bei der Akutverletzung als auch das Einwachsen der Sehne bei der chronischen Verletzungsform braucht mehrere Wochen. Daher ist zunächst eine konsequente Nachbehandlung unumgänglich. In dieser Zeit werden Sie sehr engmaschig krankengymnastisch mitbehandelt, um neben der Einheilung die optimale Beweglichkeit zu erhalten. Mit Übungen in der Regel ab dem ersten Tag nach der Operation beginnen unsere speziell ausgebildeten Physiotherapeuten den für Sie durch den Operateur festgelegten Nachbehandlungsplan umzusetzen.

5. Impingement-Syndrom - Einklemmungssyndrom

Das „subakromiale Einklemmungssyndrom“ ist äußerst schmerzhaft und kann sich innerhalb einer anatomischen Enge zwischen dem Oberarmkopf und dem Schulterdach (Akromion) entwickeln. Die Ursache liegt zumeist in einer Überlastung der hier verlaufenden anatomischen Strukturen (besondere Berufsgruppen, Überkopfathleten) sowie verschleißbedingten degenerativen Reaktionen des Schultergelenks. Neben einer chronischen Reizung der hindurchlaufenden Muskelsehne (Supraspinatussehne der Rotatorenmanschette) und des umgebenden Schleimbeutels kann es zu reaktiven knöchernen Anbauten (Knochensporn) vom Schulterdach kommen. Diese Veränderungen engen den ohnehin „eingeschränkten“ Raum zunehmend ein. Die anfangs belastungsabhängigen Schmerzen insbesondere bei Ausübung von Tätigkeiten und Sportarten über Kopf können im Verlauf in Ruheschmerz und Nachtschmerz sich ausdehnen. Neben dieser chronischen Entzündungsreaktion kann die hindurchlaufenden Muskelsehne (Supraspinatussehne der Rotatorenmanschette) fortschreitend geschädigt werden und letztendlich einreißen.
Neben der Krankengeschichte wird im Rahmen einer intensiven körperlichen Untersuchung mittels spezifischer Untersuchungstests (sog. Provokationstests) innerhalb unserer Sprechstunde die klinische Diagnose des Impingement-Syndroms gestellt. Diese wird durch eine spezifische radiologische Diagnostik (konventionelles Röntgen, MRT) untersucht und verifiziert. Die Kombination aus der klinischen und der radiologischen Untersuchung kann zudem durch spezifische Infiltrationstests (Applikation von entzündungshemmenden und schmerzstillenden Medikamenten) ergänzt werden.
Je früher das Impingement-Syndrom behandelt wird, desto leichter ist es erfolgreich zu therapieren. Am Anfang steht die konservative Therapie mit Schonung und Therapiemaßnahmen wie Temperaturbehandlung, antientzündlichen Medikamenten (Tabletten und ggf. Infiltrationen) und Elektrotherapie. Das fortgeschrittene Impingement-Syndrom mit starken knöchernen Anbauten vom Schulterdach und Beeinträchtigung der Supraspinatussehne der Rotatorenmanschette sowie konservativ nicht adäquat therapierbare chronische Begleitentzündungen sollten arthroskopisch behandelt werden. Die Zielstellung hierbei ist die Rekonstruktion des anatomischen Raums unterhalb der Schulterhöhe und Wiederherstellung der Sehnenintegrität. Arthroskopisch kann der Knochensporn vom Schulterdach und der chronisch entzündliche Schleimbeutel entfernt werden, zudem wird die Muskelsehne geglättet oder gegebenenfalls arthroskopisch rekonstruiert. Inwieweit eine Rekonstruktion der Muskelsehne erforderlich ist, kann im Einzelfall erst intraoperativ entschieden werden.

Die subakromiale Dekompression (Bezeichnung für die arthroskopische Operation des Impingement-Syndroms) wird mit Übungen durch unsere speziell ausgebildeten Physiotherapeuten in der Regel ab dem ersten Tag nach der Operation beginnend nachbehandelt. Länge und Intensität der Nachbehandlung hängen in erster Linie von einer möglichen Rotatorenmanschetten-Rekonstruktion ab. Im Einzelfall muss dieses intraoperativ entschieden werden, der Operateur legt unmittelbar nach der Operation den Nachbehandlungsplan fest.

6. Tendinitis calcarea - Kalkschulter

Wie kommt es dazu, dass sich an der Schulter ein Kalkdepot bildet? Zu 100% ist die Entstehung der sog. Kalkschulter nicht geklärt. Hierbei kommt es zu Kalkeinlagerungen (Calciumsalzen) in den Muskelsehnenansatz der Rotatorenmanschette. Prinzipiell wird eine verminderte Durchblutung bestimmter Sehnenanteile diskutiert, in denen sich dann im Laufe der Zeit Kalk ablagert. Des Weiteren führen aufgrund von physiologischen Alterungsprozessen an der Sehne (Sehnendegeneration) fehlgeschlagene Heilungsversuche zu Kalkeinlagerungen. Es verkalkt somit nicht das Schultergelenk selbst, wie der Begriff vermuten lässt, sondern in aller Regel die Supraspinatussehne. Kalkablagerungen am Schultergelenk können lange unbemerkt bleiben. Ab einer gewissen Größe jedoch verursachen Kalkdepots häufig Schmerzen. Anfangs treten diese in der Regel nur bei bestimmten Bewegungen auf, vor allem bei einer Überkopftätigkeit und bei Drehbewegungen des Arms. Zunehmend kommen dann aber auch Ruheschmerzen dazu, die nachts besonders quälend sein können. Die Sehne wird durch den Kalk zunehmend gereizt und entzündet sich, vereinzelt freiwerdende Kalkanteile sorgen für eine äußerst schmerzhafte Entzündungsreaktion. Typisch für die Erkrankung ist ihr wellenförmiger Verlauf. Schmerzfreie Zeiten wechseln sich mit heftigen Beschwerden ab, die monatelang anhalten und die Lebensqualität stark beeinträchtigen. Die Reizung im Gelenk führt zudem nicht selten zu einer chronischen Entzündung des Schleimbeutels im Schultergelenk, wechselnd mit akuten heftigen Schmerzattacken bei Spontanentleerung der Kalkdepots.

In unserer Sprechstunde steht am Anfang eine gründliche ärztliche Untersuchung. Per Ultraschalluntersuchung, Röntgenuntersuchungen sowie MRT der Schulter lässt sich die klinische Diagnose verifizieren. Dabei besteht keine strenge Korrelation zwischen der Größe der Kalkdepots und dem Ausmaß der Schmerzen. Die Therapie sollte auf jeden Fall mit konservativen Maßnahmen beginnen, häufig wurden die Patienten jedoch schon ausführlich konservativ im ambulanten Bereich behandelt. Patienten, denen nicht ausreichend durch eine konservative Therapie geholfen werden konnte und deren Beschwerden eine deutliche Frequenzsteigerung zeigen, sollten operativ behandelt werden. Konkret heißt das, dass die Verkalkung operativ (arthroskopisch) entfernt und eine häufig gleichzeitig bestehende Enge unter dem Schulterdach (Impingement) beseitigt werden sollte. Länge und Intensität der Nachbehandlung hängen in erster Linie von einer möglichen Rotatorenmanschetten-Verletzung ab. Im Einzelfall muss dieses intraoperativ entschieden werden, der Operateur legt unmittelbar nach der Operation den Nachbehandlungsplan fest. Damit die Patienten möglichst schnell ihre Schulter wieder schmerzfrei bewegen können, ist eine frühzeitige, sanfte Mobilisation, d.h. selbständige Bewegungsübungen sowie eine begleitende krankengymnastische Behandlung sehr wichtig.

Röntgen Schulter
Links: Röntgenbild einer großen Sehnenverkalkung der Rotatorenmanschette. Rechts: Bild einer arthroskopischen Kalkentfernung aus der Supraspinatussehne.

7. Capsulitis adhaesiva - Schultersteife

Wann kommt es zu einer Schultersteife - vereinfacht gibt es hierfür drei Ursachen. Die bei weitem häufigste Form ist die idiopathische auftretende Schultersteife, die sog. primäre Capsulitis adhaesiva. Es kommt hier ohne äußere Ursache zu einer Entzündung mit Verklebungen und Verwachsungen der Gelenkkapsel, was zu einer Einschränkung der Bewegungsfreiheit führt. Ursache für die "sekundäre" Schultereinsteifung ist ein Schmerz, der durch eine andere Erkrankung oder Verletzung der Schulter entsteht. Bewegt ein Patient etwa nach einem Unfall die Schulter längere Zeit nicht, führt dies zu einer Schrumpfung der Gelenkkapsel und der Bänder. Folge ist die Einbuße an Beweglichkeit. Die dritte Ursache einer Schultersteife kann die Arthrose des Schultergelenks (Omarthrose) sein. Wie verläuft die Erkrankung "primäre Schultersteife" im Einzelnen? Anfangs, während der etwa sechsmonatigen Entzündungsphase, sind vorwiegend Ruhe- und Nachtschmerzen charakteristisch. Dabei kommt es zu einer zunehmenden Einsteifung, wobei insbesondere die Außendrehung der Schulter stark eingeschränkt ist. Im zweiten Stadium lassen die Schmerzen in aller Regel nach, die Beweglichkeit bleibt weiterhin eingeschränkt. Im dritten Stadium kann die Erkrankung ausheilen, ggf. können minimalen Bewegungseinschränkungen verbleiben. Jedoch ist der Verlauf mit einer Erkrankungsdauer zwischen 18 und 36 Monaten bei sehr starken Schmerzen und einer massiven Bewegungseinschränkung für die Patienten kaum tolerabel.

Im Rahmen unserer Sprechstunde wird die Krankengeschichte detailliert analysiert und der Patient exakt untersucht wird. Hieraus ergeben sich entscheidende Hinweise auf die richtigen Therapieansatz. Zusätzliche verifizieren weiterführende radiologische Untersuchungen wie Ultraschall, konventionelles Röntgen und MRT die klinische Diagnose. Die Behandlung richtet sich nach der Ursache und dem Ausmaß der Schmerzen und Bewegungseinschränkung. Hiernach wird mit dem Patienten entschieden, inwieweit ein konservativer oder operativer Therapieansatz gewählt wird. Bei der Indikation zur operativen Versorgung bzw. nicht erfolgreicher konservativem Therapieversuch wird arthroskopisch die Schulter mobilisiert, indem entzündlich verdicktes Kapselgewebe abgetragen und die „geschrumpfte“ Gelenkkapsel wieder erweitert wird. Für beide Therapieansätze ist eine sehr konsequente krankengymnastische Behandlung über einen längeren Zeitraum notwendig.

8. Arthrose - Gelenkverschleiss am Schultergelenk und Schultereckgelenk

Der Gelenkverschleiss (Synonym Arthrose) am Schulterhauptgelenk (Omarthrose) und Schultereckgelenk (Akromioklavikulararthrose) wird unterteilt in primäre (ohne erkennbare Ursache) bzw. sekundäre (aufgrund von Verletzung, Frakturen, Belastung, systemischer Erkrankung u.v.a.) Arthrose. Unabhängig von der zu Grunde liegenden Ursache ist das arthrotische Erkrankungsbild durch eine progrediente Schmerzwahrnehmung mit zunehmender Funktionseinschränkung vergesellschaftet. Neben entzündlichen Kapselverdickungen besteht eine Ausdünnung und Aufbruch des Gelenkknorpels mit Verdichtung des darunter liegenden Knochens (subchondrale Sklerosierung) sowie knöchernen Anbauprozessen (Osteophyten). Während die Verschleißerscheinungen einen eher stetigen Verlauf zeigen, ist die Schmerzsymptomatik häufig amplitudenartig. So genannte reaktive Arthritiden (Entzündungsreaktion bei einem arthrotisch geschädigten Gelenk) führen zu einer deutlichen schmerzbedingten Einschränkung.
Im Bereich des Schultereckgelenkes kann nach entsprechend klinischer und radiologischer Diagnostik die arthroskopische Entfernung des degenerativ entzündlichen Knochen-Knorpelgewebes erfolgen. Im Schulterhauptgelenk, wird entsprechend des Alters des Patienten, Grad der Schultergelenksarthrose (Omarthrose) und den Begleitpathologien mit dem Patienten zusammen entschieden inwieweit knorpelreparative Maßnahmen (Mikrofrakturierung) oder Knorpeltransplantationen indiziert sind.
In besonderen Fällen wird bei weit fortgeschrittener Arthose des Schulterhauptgelenks der Gelenkersatz notwendig.

9. Gelenkersatzoperationen am Schultergelenk bei Arthrose

Eine Arthrose im Schultergelenk wird in der Medizin als Omarthrose bezeichnet. Dieser Gelenkverschleiß geht mit einer Zerstörung des Gelenkknorpels (hartelastischer, glatter Überzug des Knochens im Bereich der Gelenkflächen) einher. Im weiteren Verlauf der Arthrose können aber auch der Knochen sowie Weichteile wie z.B. Kapsel, Bänder, Sehnen und Muskulatur in Mitleidenschaft gezogen werden.

Die beginnende Arthrose des Schultergelenks macht sich meistens nur wenig bemerkbar. Sie kann aber schnell voranschreiten und im täglichen Leben zu starken Schmerzen und einer erheblichen Beeinträchtigung der Beweglichkeit führen.
Wenn nach konservativen Therapieversuchen mit Schmerzmedikation, Infiltrationen in das Schultergelenk und krankengymnastischen Übungen oder durch eine Gelenkspiegelung der Schulter (Arthroskopie) keine Verbesserung der Defektsituation im Bereich des Gelenkknorpels mehr zu erreichen ist, ist bei fortgeschrittener Arthrose die Indikation zum Ersatz der Gelenkoberflächen bzw. zum Gelenkersatz (Endoprothese) gegeben.
Je nach Ausprägung des Gelenkverschleißes gibt es verschiedene Möglichkeiten der Behandlung: Vom teilprothetischen Oberflächenersatz des Oberarmkopfes bis hin zum vollständigen Gelenkersatz (Totalendoprothese).

Weitere Informationen zu verschiedenen Möglichkeiten des Gelenkersatzes finden Sie in den Informationen zu Gelenkersatzoperationen (PDF-Dokument).

Tel. Dr. El-Zayat: 06421-5863691,
Tel. Terminvergabe Schultersprechstunde: 06421-5864904