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Nächste Veranstaltung: Vortrag von Prof. Dr. med. Giovanni Maio zum Thema "Psychotherapie in Zeiten der Ökonomisierung" am 05.11.2014
27.10.2014

Psychosomatik und Psychotherapie im Alter - Vortragsreihe im WS 2014/15

Liebe Kolleginnen und Kollegen,
wir möchten Sie zu einer Vortragsreihe über Psychosomatik und Psychotherapie einladen. Wir haben hierfür namhafte Referenten gewinnen können. Sie werden die wichtigsten aktuellen Konzepte zur Psychosomatik und Psychotherapie im Alter vorstellen.

Mittwoch, 10. Dezember 2014
18.00 bis 19.30 Uhr, Hörsaal Dermatologie
Prof. Dr. Karl-Heinz Ladwig, München

ERFOLGREICHES ALTERN. PSYCHOLOGISCHE UND PSYCHOBIOLOGISCHE MECHANISMEN. AKTUELLE BEFUNDE AUS DER KORA-AGE STUDIE.

Mittwoch, 28. Januar 2015
18.00 bis 19.30 Uhr, Hörsaal Dermatologie
Prof. Dr. Meinolf Peters, Marburg

NEUERE ENTWICKLUNGEN IN DER ALTERSPSYCHOTHERAPIE

Mittwoch, 18. Februar 2015
18.00 bis 19.30 Uhr, Hörsaal Dermatologie
Prof. Dr Andreas Kruse, Heidelberg

N.N.

Die Veranstaltungen sind kostenlos und werden von der Landesärztekammer mit jeweils drei Punkten zertifiziert.
Anmeldungen sind nicht erforderlich.

Ansprechpartnerin:
Ute Rosenzweig, Tel. 0641 99-45661, Email ute.rosenzweig@psycho.med.uni-giessen.de

Weitere Informationen entnehmen Sie bitte unserem Flyer, den Sie hier im PDF-Format herunterladen können.

Vortrag: "Psychotherapie in Zeiten der Ökonomisierung"


Mittwoch, 05.11.2014, 19:00 bis 20:30 Uhr
Hörsaal (alte) Chirurgie, Rudolf-Buchheim-Str. 7

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

Begriffe wie Ökonomisierung, Benchmarking oder Rendite und Effizienz nehmen einen zunehmenden Raum in der heutigen medizinischen Versorgung ein. Die Folge sind neue Konflikte und Spannungsfelder, die sich aus den kontroversen Wertüberzeugungen von Medizin und Wirtschaft ergeben. Besonders Psychotherapeuten, die sich traditionell dem Menschen in seiner Gesamtheit zuwenden, laufen Gefahr, sich in Interessenskonflikte zu verstricken. Eine Reflexion und eine Rückbesinnung auf die Wurzeln und Motive psychotherapeutischen bzw. ärztlichen Handelns erscheint hier notwendig zu sein.

Prof. Maio ist Direktor des Instituts für Ethik und Geschichte der Medizin in Freiburg. Er leitet das dortige interdisziplinäre Ethikzentrum, wurde in die zentrale Ethikkommission für Stammzellenforschung durch die Bundesregierung berufen und ist Mitglied des Ethikausschusses der Bundesärztekammer sowie Berater der Deutschen Bischofskonferenz. Durch seine Kritik an der zunehmenden Ökonomisierung in der Medizin und sein Lehrbuch „Mittelpunkt Mensch“ wurde Prof. Maio bundesweit bekannt.
Wir freuen uns, Sie zum Vortrag und zur gemeinsamen Diskussion dieses hochaktuellen Themas in Giessen begrüßen zu dürfen.

Weitere Informationen entnehmen Sie bitte unserem Flyer, den Sie hier im PDF-Format herunterladen können.


14.02.2012

Gedenkveranstaltung
für Professor Dr. Dr. Horst-Eberhard Richter

Freitag, 2. März 2012, 15:30 Uhr,
Atrium des Rathauses, Berliner Platz 1, Gießen


Die Universitätsstadt Gießen würdigt und erinnert an ihren Ehrenbürger, der sich in herausragender Weise um die Universitätsstadt Gießen verdient gemacht hat. Die Spuren des über die Grenzen unseres Landes hinaus bekannten und geachteten Menschen, die er in und für Gießen gesetzt hat, werden niemals verblassen. Er war und bleibt für Gießen ein Botschafter für Frieden, Humanität, Demokratie und Gerechtigkeit.

Der Magistrats der Universitätsstadt Gießen lädt Sie zur Gedenkveranstaltung herzlich ein und freut sich über Ihr Kommen.

PROGRAMM

ERINNERUNGEN

Dietlind Grabe-Bolz, Oberbürgermeisterin

DUO MOVIMENTO

Susanne Oehler, Querflöte; Cordula Poos, Harfe

ERINNERUNGEN UND WÜRDIGUNG

Prof. Dr. Hans-Jürgen Wirth, Verleger des Psychosozial-Verlages

ERINNERUNGEN

Theodor Strippel, Wohngebiet Eulenkopf

FILM

Horst-Eberhard Richters Vision der Zukunft

Ein Zusammenschnitt seiner Antworten von Charly Weller, 2011

Einführung durch den Regisseur

DUO MOVIMENTO

ERINNERUNGEN

JUSTUS-LIEBIG-UNIVERSITÄT GIESSEN

Prof. Dr. Joybrato Mukherjee, Präsident

Prof. Dr. Trinad Chakraborty, Dekan des Fachbereichs Medizin

Prof. Dr. Johannes Kruse, Direktor der Klinik für Psychosomatik und Psychotherapie

DUO MOVIMENTO

IPPNW – REGIONALGRUPPE GIESSEN/MITTELHESSEN

Dr. Hans-Martin Jung

DUO MOVIMENTO


IM ANSCHLUSS LÄDT DER MAGISTRAT ZU EINEM GETRÄNKEEMPFANG EIN. 

 
03.02.2012

Die Justus-Liebig-Universität Gießen, ihr Fachbereich Medizin und die Universitätsklinikum Gießen und Marburg GmbH trauern um


Prof. em. Dr. med. Dr. phil. Horst-Eberhard Richter


* 28.04.1923 * 19.12.2011

Tief betroffen und bewegt haben die Justus-Liebig-Universität Gießen, ihr Fachbereich Medizin und das Universitätsklinikum die Nachricht aufgenommen, dass Herr Prof. em. Dr. med. Dr. phil. Horst-Eberhard Richter nach kurzer schwerer Krankheit gestorben ist.

Eine der großen Persönlichkeiten der Gießener Hochschulmedizin ist von uns gegangen. Professor Richter war ein begeisternder Lehrer, innovativer psychosomatischer Mediziner, exzellenter Psychoanalytiker, Psychotherapeut und Philosoph.

Als gebürtiger Berliner legte er nach zweijähriger Wehrdienstzeit das Studium der Medizin sowie der Philosophie und Psychologie von 1943 bis 1949 in Berlin ab und wurde 1949 zum Dr. phil. und 1957 zum Dr. med. promoviert. Dazwischen absolvierte er eine psychoanalytische Ausbildung am Berliner Psychoanalytischen Institut. Nach einer Tätigkeit als Assistenzarzt und Oberarzt in Berlin und als Leiter des Berliner Psychoanalytischen Instituts wurde Professor Richter am 01.04.1962 auf den neuen Lehrstuhl für Psychosomatik in Gießen berufen; er baute hier ein dreigliedriges interdisziplinäres Zentrum für Psychosomatische Medizin mit einer Psychosomatischen Klinik und den Abteilungen für Medizinische Psychologie und Medizinische Soziologie auf, dessen Direktor er wurde.

Im September 1991 wurde er emeritiert, ohne aber sein unermüdliches Wirken für die Psychosomatik aufzugeben. So hatte er 2004 eine von Peter Ustinov gestiftete Gastprofessur an der Universität Wien inne und leitete von 1992 bis 2002 das Sigmund-Freud-Institut in Frankfurt/Main. Professor Richter gehörte zu den großen Persönlichkeiten der „alten“ Medizinischen Fakultät; über zehn ehrenvolle Rufe an auswärtige Universitäten hat er abgelehnt. Nicht nur als Wissenschaftler und Arzt, sondern auch als Publizist hat er national und international große Anerkennung gefunden. Als Arzt und Psychoanalytiker gehörte Professor Richter zu den Wegbereitern der Gruppen- und Familientherapie sowie der psychosomatischen Medizin. Sein Engagement für die Friedenspolitik war beispielhaft.

Professor Richter hat zahlreiche Ehrungen und Auszeichnungen erhalten, so den Theodor-Heuss-Preis für seine maßgebliche Beteiligung an der Reform der deutschen Psychiatrie und Sozialpsychiatrie, die Paracelsus-Medaille für herausragende Verdienste um das deutsche Gesundheitswesen und die Ärzteschaft, die Ehrenmedaille des Fachbereichs Medizin der Justus-Liebig-Universität Gießen in Würdigung seines Lebenswerkes und die Ehrenbürgerschaft der Universitätsstadt Gießen. Die Organisation „Ärzte gegen den Atomkrieg“, deren deutsche Sektion von Horst-Eberhard Richter gegründet wurde, erhielt den Friedensnobelpreis. Aus Gewissensgründen hat er Auszeichnungen auch abgelehnt.

Professor Richter war Pionier seiner Wissenschaft, Repräsentant einer Ära, Leitfigur einer Generation.

Die Justus-Liebig-Universität Gießen und ihr Fachbereich Medizin werden sich an Horst-Eberhard Richter stets mit hohem Respekt in tiefer Dankbarkeit erinnern. Wir werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren.

Professor Dr. Joybrato Mukherjee, Präsident der Justus-Liebig-Universität Gießen
Professor Dr. Trinad Chakraborty, Dekan des Fachbereichs Medizin
Dr. Irmgard Stippler, Vorsitzende der Geschäftsführung der Universitätsklinikum Gießen und Marburg GmbH
Professor Dr. Werner Seeger, Ärztlicher Geschäftsführer der Universitätsklinikum Gießen und Marburg GmbH

09.06.2011

Folgen der interpersonellen Gewalt. Internationale Tagung zur Psychotraumatologie in Medizin und Psychologie.

Justus-Liebig-Universität Gießen, 1. – 3. September 2011
Klinik für Psychosomatik und Psychotherapie (Direktor Prof. Dr. med. Johannes Kruse) 

Liebe Kolleginnen und Kollegen,
sehr geehrte Damen und Herren,

die interpersonelle Gewalt kennt viele Formen. Missbrauch, körperliche Misshandlungen in Familien und Beziehungen, Vergewaltigung, Folter, Amoklauf oder Kriegshandlungen sind Teil der Lebensgeschichte vieler Menschen in unserer Gesellschaft.
Extreme Gewalterfahrungen können zu lang anhaltende Traumatisierungen führen, die sich auf körperlicher, psychischer und sozialer Ebene zeigen. In der Klinik sind wir nicht nur mit den Symptomen der Posttraumatischen Belastungsstörung sondern vielfach auch mit Persönlichkeitsveränderungen, Angststörungen, Depressionen, Somatisierungsstörungen und Schmerzsyndromen als Folgen konfrontiert. 
Seit etwa 150 Jahren beschäftigen sich Human- und Naturwissenschaftler mit traumatisierten Menschen, sie haben verschiedene Vorschläge und Kriterien für Diagnose und Therapie erarbeitet. Heute erscheint uns die Traumaforschung in ihrer Bandbreite kaum überschaubar, und sie hat sich in den Fachdisziplinen mehr und mehr ausdifferenziert. 

Auf welches Trauma-Konzept können wir uns heute verständigen? Welche Ergebnisse haben die neuesten Forschungen in der Neurobiologie und Neuroendokrinologie erbracht? Was ist „state of the art“ bei den Studien zu Traumafolgeerkrankungen? Gibt es neue Entwicklungen in der Traumatherapie, die der Komplexität der Aufgabe gerecht werden?

Wir laden Sie herzlich ein, diese Fragen mit uns und führenden internationalen Experten zu diskutieren und würden uns freuen, Sie im sommerlichen Gießen begrüßen zu dürfen.
Weitere Informationen finden Sie unter www.traumakongress-giessen.de .

The impact of interpersonal violence. International meeting on psychotraumatology in medicine and psychology 

Justus-Liebig University of Giessen, Germany, September 1st to 3rd, 2011
Clinic for Psychosomatic Medicine and Psychotherapy (Director Prof. Dr. med. Johannes Kruse)   

Dear ladies and gentlemen, dear colleagues,

interpersonal violence is known in many forms. Sexual abuse, physical mistreatment in families and intimate relationships, rape, torture, rampage or acts of war are affecting many people in our societies. 

The consequences of extreme violence can be severe and enduring traumatizations, showing themselves on physical, mental and social levels. Clinically, we are not only confronted with the symptoms of post traumatic stress disorder but in many cases also with sequelae such as personality changes, anxiety disorders, depression, somatization disorders, and pain syndromes. 

For about 150 years, human scientists as well as natural scientists have been engaged with traumatized people. They have developed diverse suggestions and criteria for diagnosis and therapy. Today, psychotraumatology seems to be almost too broad to be overlooked completely, it has become more and more differentiated among disciplines. 

Which concept of trauma do we agree upon today regarding extreme interpersonal violence, the so-called “man-made disasters”? Which results does recent research in neurobiology and neuroendocrinology provide? What is the “state of the art” in studies concerning the sequelae of trauma? Are new developments in trauma therapy able to cope with this complexity? 

We invite you to discuss these questions at the international meeting on “The impact of interpersonal violence”  in Giessen in September, where experts will lecture on their recent findings. 

You can get further information under www.traumakongress-giessen.de (Abstracts available either in German or English).

 
25.10.2010

"Entwicklungen in der Depressionsbehandlung"

Vortrag am 10.11.2010, 19 - 21 Uhr, Hörsaal der Frauenklinik, Klinikstraße 23

Depressionen und depressive Verstimmungen sind eine Volkskrankheit. In der ärztlichen Routine kommen sie bei ca. 10% aller Patienten vor. Sie gehören zu den häufigsten Beratungsanlässen in der Versorgung. In den letzten Jahren hat die Erforschung der Behandlungsmöglichkeiten deutliche Fortschritte gemacht und führte zu der jetzt seit Dezember 2009 neu herausgegebenen nationalen Versorgungsleitlinie Depression.

Dies möchten wir zum Anlass nehmen, Sie zu unserer bekannten Novemberfortbildung einzuladen. Es ist uns gelungen, einen der namhaftesten Vertreter der Entwicklung der Leitlinie, den stellvertretenden ärztlichen Direktor der Heidelberger Psychosomatik, Henning Schauenburg, als Referenten einladen zu können. Er hat als Vertreter der Deutschen Gesellschaft für Psychosomatische Medizin maßgeblich zur Gestaltung der Inhalte der Leitlinie Depression beigetragen und wird uns mit seinem Vortrag die neuesten Entwicklungen in der Therapie der Depression
vermitteln.

Wir würden uns freuen, Sie zu diesem Vortrag begrüßen zu dürfen. Eine Informationsbroschüre zu dieser Veranstaltung kann hier als PDF-Dokument heruntergeladen werden.

31.08.2010

Uniklinikum erweitert »Station Balint«

Schwerpunkt: Somatoforme Schmerzstörung – Prof. Kruse: »Gezieltere Behandlungsmöglichkeiten«

Gießen (if). Als eine »tragische Figur« wird er bezeichnet: »Einst vergöttert, dann gejagt«, lebe er heute »am Rande der Selbstzerstörung«, heißt es. Den Namen des ehemaligen Sportstars, der die Tour de France gewann und der jetzt das Rennrad wegstellte, um als eine Art Einsiedler zu leben, kennt jeder. Immer häufiger ist auch von anderen Prominenten die Rede, die sich »zurückziehen«, »eine Auszeit nehmen«, sich »beruflich anders orientieren«. Nicht jedem steht ein solcher Fluchtweg offen. Vor Kurzem erst haben Krankenkassen Alarm geschlagen: In den vergangenen zehn Jahren haben sich mit langen Ausfallzeiten verbundene psychische und psychosomatische – körperlich-seelische – Erkrankungen krankenversicherungspflichtiger Beschäftigter dramatisch gehäuft.

Die Einsicht, dass lang anhaltende seelische und soziale Belastungen, Konflikte und Lebenskrisen nicht nur körperliche Beschwerden auslösen, sondern auch deren Verlauf erschweren können, während andererseits körperliche Beschwerden das seelische Befinden über Depressionen bis hin zu Persönlichkeitsstörungen zu beeinträchtigen vermögen, hat Konsequenzen: Während das Gesundheitswesen allerorten unter Beschränkungen stöhnt und seit der Einführung der neuen Vergütungsmaßstäbe, den sogenannten »DRGs« Bettenabbau betrieben wird, ist die Zahl sogenannter psychosomatischer »Planbetten« in Hessen erhöht worden. Für die Klinik für Psychosomatik und Psychotherapie im Universitätsklinikum Gießen (UKGM) bedeutet das: Die Zahl der verfügbaren stationären Behandlungsplätze konnte vor Kurzem durch die Einrichtung einer neuen Stationseinheit, deren Schwerpunkt in der »somatoformen Schmerztherapie« liegt, von 22 auf 36 erweitert werden.

Mit der »Station Balint«, die in der Gaffkystraße Anfang Juni in Betrieb ging und der noch im Laufe dieses Jahres geplanten zusätzlichen Einrichtung einer »Tagesklinik«, so freut sich Prof. Johannes Kruse, der im Vorjahr neu berufene Ärztliche Direktor der Klinik, werde eine auf hohem universitärem Niveau betriebene Psychosomatik ermöglicht. Nachdem auch der Personalbestand entsprechend aufgestockt sei, könnten künftig Engpässe entschärft werden, die in der Vergangenheit immer wieder unerträglich empfundene Wartezeiten oder Überweisungen in andere Einrichtungen erzwangen.

»Die neue Entwicklung ermöglicht es uns, das psychotherapeutische und psychosomatische stationäre Behandlungsangebot noch gezielter den Problemen des Patienten anzupassen, insbesondere an sein Störungsbild und seine psychische Verfassung«, unterstreicht Kruse zusammen mit Prof. Uwe Gieler, seinem Stellvertreter und Leitenden Oberarzt sowie Prof. W. Lewecke, dem Leiter der Poliklinik und Stationseinheit Schmerztherapie. Auf dem Boden einer jahrzehntelangen Erfahrung in der multimodalen psychodynamischen stationären Therapie wolle man aktuelle psychotherapeutische Behandlungsmöglichkeiten einbeziehen.

Die jetzt erfolgte Ausweitung der Behandlungsmöglichkeiten erinnert gleichzeitig an die Tatsache, dass der inzwischen verstorbene Ehrensenator der Justus-Liebig-Universität, Prof. Thure von Uexküll, für den Körper und Seele stets als Einheit galten und der als der »Nestor« der deutschen Psychosomatik gilt, von 1955 bis 1967 in Gießen wirkte und hier die Grundlagen für die Psychosomatik als eigenständiges medizinisches Fachgebiet entwickelte.

Heute liegen die Schwerpunkte der Klinik, die Prof. Horst-Eberhard Richter mit damals sechs Betten begründete, in der Behandlung von Menschen mit psychosomatischen Störungen insbesondere Hauterkrankungen, funktionellen körperlichen Beschwerden, somatoformen Schmerzstörungen sowie von primär körperlichen Erkrankungen mit begleitenden seelischen Beschwerden in »Burn-out«-Situationen bei Depressionen, Angst- und Essstörungen.

Die neue Station »Balint« in der Gaffkystraße 9 (direkt am Hauptportal) lädt am kommenden Samstag, 4. September, die Fachöffentlichkeit zwischen 13 und 15 Uhr zu einem »Tag der offenen Tür« ein, um Gelegenheit zu bieten, die neuen Räumlichkeiten der Klinik kennenzulernen. Zuvor werden im Hörsaal der Krankenhaushygiene des Universitätsklinikums in der Rudolf- Buchheim-Straße 3 ab 9 Uhr bei einem Symposium »Psychotherapie – Update 2010« in Zusammenarbeit mit der Psychotherapie-Akademie Hessen neue Entwicklungen in Psychotherapie und Psychosomatik zur Sprache kommen. Auf der Station »Balint« werden die Behandlungsteams Psychodermatologie, Allgemeine Psychotherapie, die Psychotherapeutische Kriseneinheit und das Team »Somatoforme Schmerzstörungen« über ihre Arbeit berichten.

Quelle: Giessener Allgemeine Zeitung (2010-10-31) (http://www.giessener-allgemeine.de/)

 

18.03.2010

Diabetes-Symposium 2010: Positive Lebenseinstellung ist wichtig

In der Fülle der täglichen Nachrichten mag diese Meldung untergegangen sein: Zuckerkranke Hochrisiko-Patienten mit zu hohen Blutfetten und Bluthochdruck haben zusätzlich zu ihren Medikamenten für einige Wochen je eine halbe Stunde Lächeln in Form eines lustigen Filmes verordnet bekommen. Bereits nach zwei Wochen zeigte sich: Die Stresshormone sanken, die Werte für Blutfette und Entzündungsreaktionen besserten sich.

Symposium-Leiter Dr. M. Eckhard sprach über Krebsrisko bei Diabetes. (Foto: if) Was amerikanische Diabetologen im vorigen Jahr herausfanden, kann auch Professor Johannes Kruse, der Direktor der Klinik für Psychosomatik und Psychotherapie im Uniklinikum Gießen, aus eigener Erfahrung bestätigen: Eine positive Lebenseinstellung und der Abbau von Stress kann sich günstig auf den weiteren Verlauf einer Erkrankung an Diabetes Typ II (dem sogenannten »Altersdiabetes«) auswirken.

In Düsseldorf, von wo er im Vorjahr nach Gießen berufen wurde, hatte bereits ein wöchentlicher Anruf des behandelnden Arztes (»Wie geht es Ihnen?«) genügt, um eine messbare Verbesserung der Werte zu erzielen.

Auf die Wechselwirkungen zwischen psychischer Verfassung und Zuckerkrankheit ging Professor Kruse beim jüngsten Diabetes-Symposium der Medizinischen Klinik und Poliklinik III im Bürgerhaus Kleinlinden ein: Depressive Patienten haben, so weiß man, ein erhöhtes Diabetesrisiko, andererseits sind Diabetiker häufiger depressiv als die übrige Bevölkerung. »Physiologie und Verhalten schaukeln sich wechselseitig auf. Und Zuckerkranke sind eine Risikogruppe.« Bei der Therapie komme es darauf an, Stress und Belastungen zu reduzieren, die Patienten zu aktivieren und eine Veränderung des Gesundheitsverhaltens im Sinne eines Selbstmanagements zu erreichen.

Laut Gesundheitsbericht 2010 sind in Deutschland gegenwärtig acht Millionen Menschen an einem bekannten Diabetes mellitus erkrankt - davon 95 Prozent am Typ II. Es hat sich gezeigt, dass die Diagnose in der Regel erst mit zehnjähriger Verzögerung erfolgt. Zu diesem Zeitpunkt aber hat bereits die Hälfte der insulinausschüttenden Beta-Zellen in der Bauchspeicheldrüse ihre Funktion eingebüßt. Die Forschung richtet ihr Augenmerk daher vermehrt auf Möglichkeiten, bereits in der Vorlaufzeit den B-Zell-Verlust und die Verringerung der Insulin-Sekretion um jährlich vier bis sechs Prozent zu bremsen. Im Auftaktreferat unterstrich Professor Reinhard G.Bretzel, der Direktor der einladenden Medizinischen Klinik und Poliklinik, es komme darauf an, die Zellen, die aufgrund einer Lipo- und Glukosetoxizität nicht mehr angemessen reagieren könnten, zu entlasten, damit sie sich wieder erholen. Dass Beta-Zellen grundsätzlich zur Regeneration fähig sind, habe Professor Federlin, der dem Symposium aufmerksam folgte, im Tiermodell bereits Mitte der achtziger Jahre nachweisen können.

Neue Behandlungsmöglichkeiten eröffnen die »Darmhormone«: Das menschliche GLP-1 Hormon (Glukagon like peptide) regt bei Gesunden nicht nur die Insulinbildung in der Bauchspeicheldrüse an, sondern drosselt zugleich auch die Ausschüttung von Glukagon, dem Gegenspieler des Insulins. Bei Menschen mit Typ 2-Diabetes funktioniert dieser Mechanismus nicht mehr. Im Speichel einer seltenen amerikanischen Echsenart wurde jedoch ein Hormon gefunden, das dem menschlichen zwar ähnelt, aber nicht so rasch abgebaut wird. Inzwischen gentechnisch nachgebaute Substanzen ahmen die Wirkung der menschlichen Darmhormone nach und vermindern die bestehende Überlastung der Betazellen. Zugleich - und das werten Patienten als besonders erfreulich - reduzieren sie den Appetit und fördern die erwünschte Gewichtsreduzierung.

Im vierstündigen Programm des Symposiums sprach Prof. Gerald Klose, Direktor der Bremer Klinik für Innere Medizin, über die »multidimensionale Lipidtherapie«. Die »diastolische Herzinsuffizienz« wurde von Prof. Burkhard Pieske (Graz) beleuchtet. Prof. Eugen Domann (Gießen) referierte über die Wechselwirkungen zwischen Darmflora und Stoffwechsel und betonte die wichtige Rolle einer gesunden Ernährung bei gleichzeitig viel Bewegung. Oberarzt Dr. Michael Eckhard, wissenschaftlicher Leiter des Symposiums, ging schließlich aus der Sicht des Klinikers mit dem Thema »Krebsrisiko bei Diabetes« auf eine vor Jahresfrist aufgeflammte, leidenschaftliche Diskussion ein. Heute lautet die Auffassung der Fachwelt: »Es gibt keine Evidenz, dass Insulin Krebs auslöst«.

Quelle: Giessener Allgemeine Zeitung (2010-03-18) (http://www.giessener-allgemeine.de/)

 

 

08.03.2010

Echtes Arbeiten mit „falschen“ Patienten: Laienspieler für Medizin-Projekt gesucht

Depression, Angst, Schmerzen – mit diesen und anderen psychischen Beschwerden von Patienten werden im neuen Semester angehende Mediziner des Fachbereichs Medizin der Justus-Liebig-Universität (JLU) gezielt konfrontiert. Aber: Die Patienten sind dabei nicht echt und die Studierenden befinden sich im siebten Semester. Für dieses Projekt werden derzeit noch Laienschauspieler werden von der Universität gesucht.

„Arzt sein“ ist ein kommunikativer Beruf, und die Kommunikation muss gelernt – und geübt werden. Am Fachbereich Medizin der JLU wird seit einem knappen Jahr das Kommunikationstraining durchgeführt, bei dem die angehenden Mediziner ganz gezielt das ärztliche Gespräch üben: ab dem siebten Semester im Praktikum Psychosomatik. Die Laienspieler spielen dabei eine zentrale Rolle. Sie werden unter fachkundiger Anleitung eine Patientenrolle einüben: Sie sollen sich in die Rolle versetzen können von Patienten, die unter Depression, Angst oder Schmerzen leiden. Beim Training geht es um das medizinische Erkennen einer Krankheit durch das strukturierte Gespräch, samt Anamnese, Diagnose. Ebenso geht es um die Übermittlung weniger schöner Nachrichten. Wie verhalte ich mich gegenüber dem Patienten? Wie frage ich ihn? Wie bringe ich ihn dazu mir etwas zu erzählen und wie teile ich ihm mit, dass er wahrscheinlich Krebs hat? Eine Situation, die die Studierenden bisher nur aus der Theorie kennen, teilt die JLU mit.

Learning by doing: Ärztliche Kommunikation kann man nur in der Praxis am Patienten üben und erlernen. Die Stärken der Schauspielpatienten liegen darin, dass sie den angehenden Medizinern direkt Feedback geben können. Diese Rückmeldungen helfen den Studierenden, ihre Haltung und ihre Kommunikation zu verbessern. Das Training im Praktikum Psychosomatik ist ein fester Bestandteil des Lehrplans und trägt zur Qualitätsverbesserung des Medizinstudiums bei. Und dafür werden noch interessierte Laienschauspieler gesucht. Neben flexibler Tagesfreizeit sind Zuverlässigkeit und Engagement wichtige Voraussetzungen. Die Einsätze werden stundenweise vergütet.

Kontakt kann aufnenommen werden mit Dr. Sicco H. van der Mei unter der Telefonnummer 0641/99-45636, der Telefaxnummer 0641/99-45649 sowie der E-Mail-Adresse Sicco.H.VanDerMei@ psycho.med.uni-giessen.de.

Quelle: Giessener Anzeiger (2010-03-08) (http://www.giessener-anzeiger.de/)

 

08.12.2009

Für Patienten "Kompetenzen gebündelt"

Mit "multimodaler Schmerztherapie" erweitert Uniklinik Angebot - Stationärer Aufenthalt - Hausärzte mit im Boot

Akute Schmerzen kennt jeder, ob Kopfschmerzen, Muskel-, Gelenk-, oder Rückenschmerzen. Werden diese chronisch, ist eine deutliche Einschränkung der Lebensqualität zu beobachten. Als Folge ziehen sich Betroffene nicht selten aus ihrem sozialen Umfeld zurück. Unter anderem können sich Depressionen entwickeln. Um diesen Patienten Hilfe anzubieten, erweitert die Schmerzklinik des Universitätsklinikums Gießen mit der "multimodalen Schmerztherapie" ihr Angebot. Das ganzheitliche Konzept entsteht dabei in Zusammenarbeit "aller relevanten Disziplinen" unter Federführung der Klinik Anästhesiologie und Operative Intensivmedizin sowie der Klinik für Psychosomatik und Psychotherapie. Mit eingebunden sind auch die Hausärzte.

Die Behandlung von Schmerzen stellt Ärzte vor eine große Herausforderung. "Die Ursachen für Schmerzen sind genauso vielfältig wie die physischen und psychischen Folgeerscheinungen", erklärte gestern Prof. Markus A. Weigand, Direktor der Anästhesiologie. Chronische Schmerzen können vielfältige Ursachen haben. Oftmals werden in medizinischen Untersuchungen keine Gewebe- oder Organschädigungen gefunden. Schonhaltungen und schmerzhafte Verspannungen der Muskulatur verschlimmern die Beschwerden. Entsteht in Folge eines sozialen Rückzuges eine Depression, kann diese die Wahrnehmung des Schmerzes verstärken.

Ein Teufelskreis, dem die Gießener Experten nun die "multimodale Schmerztherapie" entgegensetzen. Sie wird in der Schmerzklinik in stationärem Rahmen angeboten, wofür zwölf Betten zur Verfügung stehen. Nach der Überweisung durch den Hausarzt und nach dem ersten Kontakt in der Klinik werden "die Patienten für zwei Wochen bei uns aufgenommen", erklärte Dr. Kerstin Diehlmann, die die Schmerzklinik leitet. "Wichtig ist für uns dabei die ganzheitliche Definition von Schmerz. Hierzu gehören das Symptom Schmerz, die Belastung beziehungsweise das Missempfinden, der Krankheitsverlauf und das Krankheitsverhalten sowie die daraus resultierenden sozialen Konsequenzen", so die Expertin.

Innerhalb der 14-tägigen Behandlung durchlaufen die Betroffenen in der Klinik insgesamt 21 Therapie-Einheiten, wie zum Beispiel Blockadebehandlungen, Krankengymnastik, medikamentöse Behandlungen und Progressive Muskelentspannung nach Jacobson. Die Patienten erhalten aber auch individuelle Gesprächsangebote, die helfen können, die Schmerzentstehung besser zu verstehen und eigenständig Bewältigungssstrategien zu entwickeln. "Wir ermöglichen den Patienten so einen niederschwelligen Zugang", sagte Prof. Johannes Kruse, Leiter der Klinik für Psychosomatik und Psychotherapie. Mit seinem Kollegen Prof. Frank Leweke betonte er, dass "es hier nicht um eingebildete, sondern um reale Schmerzen und um den Umgang mit den Beschwerden" geht. Studien belegten, so Kruse, dass 16 Prozent der hausärztlichen Patienten von Schmerzen betroffen seien. "Das verdeutlicht, wie groß das Problem ist." Als "Tüpfelchen auf dem i", um das Angebot an der Schmerzklinik "rund zu machen", bezeichnete Kerstin Diehlmann die Kooperation mit der Klinik für Psychosomatik und Psychotherapie. Als weitere, an dem neuen Konzept beteiligten Disziplinen nannte Prof. Werner Seeger die Neurologie, Orthopädie, die Onkologie oder auch die Chirurgie. "Unser Ziel ist die Bündelung der Kompetenzen, um so die besten Antworten auf die Schmerzproblematiken zu finden", so der Ärztliche Geschäftsführer des Uniklinikums.

Gemeinsam stelle sich das Team der Herausforderung, Patienten mit manifester oder drohender Beeinträchtigung der Lebensqualität und/oder Arbeitsfähigkeit, Patienten mit fehlgeschlagenen, vorausgegangenen schmerztherapeutischen Behandlungen, schmerzbedingten Operationen, bestehendem medikamentösen Fehlgebrauch, psychischen oder gravierenden somatischen Begleiterkrankungen eine neue Perspektive in der Bewältigung ihrer Schmerzen zu bieten.

Je früher der Schmerzpatient erreicht werde, desto besser sei der Behandlungserfolg, betonten die Experten unisono. Aus diesem Grund ist im Rahmen der "multimodalen Schmerztherapie" auch der enge Kontakt zu den Hausärzten verankert. "Wir hoffen das Bewusstsein schaffen zu können, dass die Hausärzte uns die Patienten früher schicken", sagte Kerstin Diehlmann. Nach der zweiwöchigen stationären Behandlung in der Schmerzklinik werde der Patient wieder an den Hausarzt zurückgeleitet. "Wir sind keine Konkurrenz zu den niedergelassenen Kollegen. Wir bieten sowohl mit der ambulanten als auch mit der stationären Schmerztherapie eine wichtige Ergänzung zu der hausärztlichen Behandlung", erklärte Prof. Weigand. "Der ganzheitliche Ansatz darf nicht an der Kliniktür enden. Daher stimmen wir die Therapie mit den Hausärzten ab - im Sinne der Patienten."

Quelle: Giessener Anzeiger (2009-12-08) (http://www.giessener-anzeiger.de/)

 

24.10.2009

Wo angehende Mediziner Kranke mimen

Gießen beschreitet bei der Ärzteausbildung neue Wege - Patientenschauspieler im Einsatz - Psychosomatik hat Federführung

Kerstin Wahl. Eigentlich ist René ja kerngesund. Dennoch drehen sich seine Gedanken in letzter Zeit gelegentlich um Schmerzen im Oberbauch oder um Übelkeit. Kein Wunder, werden diese Krankheitssymptome doch für ihn während des Semesters des Öfteren eine Rolle spielen. Der 25-Jährige gehört zu einer Gruppe von elf Personen, die sich derzeit auf ihre Einsätze als sogenannte Patientenschauspieler im Fachbereich Medizin, und hier im Zentrum für psychosomatische Medizin, der Justus-Liebig-Universität vorbereiten. Mit dem Projekt werden in der Ausbildung der Ärzte in Gießen neue Wege beschritten. Angehenden Ärzte sollen für die Kunst der ärztlichen Gesprächsführung sensibilisiert werden.

In Rollenspielen erhalten die Studierenden die Möglichkeit, realitätsnah den richtigen Umgang mit Patienten in ärztlichen Gesprächssituationen zu trainieren. "In ihrem späteren Berufsalltag geht es um den Aufbau einer hilfreichen und vertrauensvollen Beziehung zwischen Arzt und Patient", formuliert Prof. Renate Deinzer, Leiterin des Institutes für Medizinische Psychologie, die Zielrichtung. Gemeinsam mit ihrem Kollegen Prof. Johannes Kruse, dem Direktor der Klinik für Psychosomatik und Psychotherapie, hat sie das Patienten-Schauspiel-Programm aus der Taufe gehoben.

"Der Therapieerfolg steht und fällt mit der Arzt-Patienten-Beziehung", sagt Renate Deinzer. Das sei die zentrale Herausforderung, der sich Mediziner stellen müssten. "Untersuchungen haben gezeigt, dass zum Beispiel Kunstfehlerprozesse zu 80 Prozent auf Kommunikationsprobleme zurückzuführen sind", betont sie die Notwendigkeit für eine Weiterentwicklung der Lehre. Vernachlässigte man früher das Thema Kommunikation mit dem Hinweis, "dass Ärzte das einfach können müssen", geht es künftig darum, "wie wir die Kompetenz der Medizinstudenten schulen", erklärt Kruse.

In dem von beiden Professoren geleiteten Zentrum für psychosomatische Medizin reifte der Plan, Schauspielpatienten nach dem Vorbild zum Beispiel der Universitäten in Heidelberg und Jena einzusetzen. Entscheidend für die Realisierung des Projektes war die Bewilligung von so genannten QSL-Mitteln durch den Fachbereich Medizin, die der Verbesserung der Qualität der Studienbedingungen und der Lehre dienen.

Die Verantwortlich machten sich zunächst auf die Suche nach geeigneten Personen, die in die Rolle der Patienten schlüpfen sollen. Auf Aushänge und Anzeigen meldeten sich 63 Frauen und Männer, 24 folgten der Einladung zu einem persönlichen Gespräch, elf sind geblieben. Sie werden künftig in die Rollen von Menschen schlüpfen, die tagtäglich in einer hausärztlichen Praxis vorstellig werden. Sie leiden zum Beispiel unter Schlafstörungen oder Gastritis, oder müssen gar eine schwerwiegende Diagnose mitgeteilt bekommen. Zum Einsatz kommen die Frauen und Männer bei Studierenden im vierten Semester, also in der Vorklinik, noch bevor diese den ersten Kontakt mit Patienten haben, und bei Studenten im achten Semester. Ihre Krankengeschichte erzählen die Schauspieler vor einer Gruppe von maximal 15 Personen. Ihnen gegenüber nimmt für das Vier-Augen-Gespräch ein Studierender im weißen Arztkittel Platz. Die angehenden Mediziner können nun verschiedene Gesprächstechniken trainieren, sich ausprobieren und so beginnen, ihren eigenen Stil zu entwickeln. "Ganz ohne Druck, denn eine Benotung findet nicht statt", so Kruse.

"Die Stärken der Schauspielpatienten liegen darin, dass sie den Medizinstudenten umgehend ein Feedback geben können", beschreibt Renate Deinzer die Vorzüge des Programms. Die "konstruktiven" Rückmeldungen, in denen die Schauspieler ihre ganz persönlichen Wahrnehmungen und Empfindungen formulieren werden, sollen "ein kritisches Verständnis bei den Studenten entwickeln, sie aber auf keinen Fall entmutigen". Um dies gewährleisten zu können, schulten die Mitarbeiter eigens die künftigen "Kranken".

Kruse: "Bei den angehenden Ärzten soll eine professionelle Einstellung wachsen, die ihnen vor Augen führt, dass das Gespräch zwischen dem Arzt und dem Patient ein zentrales diagnostisches und therapeutisches Verfahren ist, dass man im Verlauf des Studiums erlernen und weiterentwickeln kann.." Wichtig sei dabei zu erfahren, so Renate Deinzer weiter, dass ein "gutes Gespräch nicht Stunden in Anspruch nimmt. Es geht darum, die richtigen Fragen zu stellen, sensibel zu reagieren und vor allem zuzuhören." Um ein therapeutisches Bündnis zwischen Arzt und Patient aufbauen zu können, seien daher vor allem drei Faktoren wichtig. Zum einen, dem Patienten eine positive Wertschätzung entgegenzubringen. "Ich lasse mich auf ihn ein, so wie er ist", erklärt die Leiterin des Instituts für Medizinische Psychologie. Zum anderen gehe es um die Fähigkeit zur Empathie, was bedeute, sein Gegenüber aus dessen Blickwinkel heraus "zu verstehen, zu reflektieren und wider zu spiegeln". Die Echtheit und Transparenz des Arztes sei ebenfalls von zentraler Bedeutung. "Es muss klar sein, dass er keine Rolle spielt, sondern seinen Patienten tatsächlich wertschätzt und an ihm und seinem persönlichen Erleben interessiert ist.", untermauert sie ihre Worte. Nur so könne ein Vertrauensverhältnis entstehen, das für einen Therapieerfolg ausschlaggebend sei. Die Studenten sollen, so Kruse, ein "konkretes Rüstzeug für die verschiedenen Gesprächssituationen in der ärztlichen Praxis erhalten, um als medizinischer Experte und empathischer Begleiter ihren Patienten begegnen zu können". Für Renate Deinzer und Johannes Kruse ist der Einsatz der Patientenschauspieler ein erster Schritt. "Unser Ziel ist eine Lernspirale zur Gestaltung der Arzt-Patient-Beziehung, die sich durch das gesamte Medizinstudium zieht", blickt der Direktor der Klinik für Psychosomatik und Psychotherapie in die Zukunft.

Quelle: Giessener Anzeiger (2009-10-24) (http://www.giessener-anzeiger.de/)

 

03.06.2009

Kliniksleiter tritt in große Fußstapfen

Prof. Johannes Kruse seit 1. Mai Leiter der Klinik für Psychosomatik und Psychotherapie am Uniklinikum - Tagesklinik

GIESSEN (fod). Die Klinik für Psychosomatik und Psychotherapie am Gießener Universitätsklinikum hat einen neuen Leiter: Prof. Johannes Kruse hat mit dem Ruf auf die W3-Professur am 1. Mai diese Aufgabe übernommen. "Es hat mich sehr gereizt, hierher zu kommen", erzählt der 50-Jährige bei seiner offiziellen Vorstellung vor Journalisten. "Gießen ist ein sehr guter Ort für Psychosomatik." Der gebürtige Niedersachse, der vorher als Leitender Oberarzt an der Düsseldorfer Uniklinik für Psychotherapeutische Medizin tätig war, tritt in die großen Fußstapfen renommierter Vorgänger, zu denen auch der bekannte Psychoanalytiker, Friedensaktivist und Gießener Ehrenbürger Prof. Horst-Eberhard Richter zählt. "Wir sind überzeugt, dass er diese nicht so ganz kleinen Schuhe ausfüllen wird", meint denn auch Prof. Werner Seeger, Ärztlicher Geschäftsführer der Universitätsklinikum Gießen und Marburg GmbH. Prof. Wolfgang Weidner, Dekan des Fachbereichs Medizin der Justus-Liebig-Universität (JLU), ist wie Seeger "sehr froh", dass man Johannes Kruse für diese wichtige Aufgabe gewinnen konnte. Denn für Weidner stellt seine Berufung "eine Brückenbildung zwischen der Psychosomatik und den somatischen Erkrankungen" dar. Ist doch der direkte Zusammenhang zwischen psychischen Störungen und körperlichen Krankheiten längst erwiesen, wie Kruse betont. "Zum Beispiel kann eine depressive Symptomatik den Verlauf von chronischen Herzerkrankungen oder von Diabetes mit beeinflussen." Andererseits würden Patienten häufig nach traumatischen Erlebnissen durch einen Unfall oder als Folge eines größeren operativen Eingriffs in eine schwere Lebenskrise geraten. "Wir haben heute evidenzbasierte Verfahren zur Verfügung, um in solchen Fällen schnell helfen zu können", sagt der Kliniksleiter. Mit dem Amtsantritt Kruses verbunden ist deshalb auch eine Erweiterung der Bettenzahl der Klinik für Psychosomatik und Psychotherapie von aktuell 22 auf 40 Betten. Dies soll wie die Ergänzung um eine psychosomatische Tagesklinik mit zehn Betten noch im Laufe dieses Jahres erfolgen. Laut Werner Seeger ist Ende 2010 zudem der Gesamtumzug der Klinik in einen dann fertiggestellten Neubau geplant, wobei hierzu noch einige Details zu klären sind. Johannes Kruse bezeichnet die Vergrößerung der Klinik als einen "sehr wichtigen Schritt, da wir dadurch das Angebot mehr spezialisieren können". So möchte er "störungsorientierte" Behandlungsmöglichkeiten schaffen, um Patienten individuell bei plötzlich eintretenden Lebenskrisen, Traumafolgestörungen, Depressionen, Ängsten oder funktionellen Störungen zur Seite zu stehen. Darüber hinaus seien Spezialsprechstunden im psychoonkologischen Bereich geplant, wofür "ein großer Versorgungsbedarf" bestehe. Bei alledem liegt ihm eine gute Kooperation mit den niedergelassenen Kollegen "sehr am Herzen", unterstreicht Kruse. Von seinen Erfahrungen soll ebenfalls das ärztliche Personal des Uniklinikums profitieren. Denn neben Psychosomatik-Vorlesungen für Medizin-Studierende möchte der Psychoanalytiker ab dem kommenden Winter ein Kommunikationstraining für im Onkologie-Bereich tätige Ärzte anbieten, das von der Deutschen Krebshilfe gefördert wird. Dort sollen auch Methoden der Gesprächsführung in der Arzt-Patient-Kommunikation vermittelt werden. Im Zentrum der Forschungsaktivitäten von Johannes Kruse werden passend zu seiner Klinikstätigkeit Fragen nach den psychosomatischen Zusammenhängen und den Therapieoptionen für Menschen mit psychischen Störungen stehen.

Quelle: Giessener Anzeiger (2009-06-03) (http://www.giessener-anzeiger.de/)


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