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Corona: Psychotherapeutische Krisenintervention für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des UKGM und der Philipps Universität Marburg

Die Patientenbehandlung unter den Bedingungen der Corona - (COVÌD-19) - Pandemie erfordert von Mitarbeiter*innen enorme Anpassungsleistungen und kann klinisch relevante Stressfolgesymptome  auslösen.

Häufige stressbedingte Symptome sind Nervosität, innere Unruhe, Schreckhaftigkeit, Gedankenrasen, Schlafstörungen, Angstgefühle, Panik, Unwirklichkeits- und Schwindelgefühle, Niedergeschlagenheit, psychophysiologische Erschöpfungszustände, körperliche Stresssymptome wie Engegefühle in der Brust, Beklemmungsgefühle und Atemnot ohne Hinweise auf eine Lungenerkrankung, Übelkeit und Bauchschmerzen, quälende zwischenmenschliche Konflikte oder Ängste, Angehörige anzustecken. 

Erste Erfahrungen aus China zeigen, dass viele Behandler*innen und ihre nächsten Angehörigen unter der Krise einen akuten Bedarf an psychotherapeutischer Unterstützung entwickeln.

Die Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie bietet für Mitarbeiter*innen und deren nächste Angehörige kurzfristig und kostenfrei psychotherapeutische Beratung und Krisenintervention persönlich und telemedizinisch an.

Weitere Informationen zum Umgang mit hohen Belastungen und Ängsten sowie Anregungen zur Aktivierung der eigenen Ressourcen und Kräfte finden Sie hier.

Terminvereinbarung und weitere Informationen:

Psychosomatische Ambulanz
Frau Schäfer / Frau Aschenbach
Baldingerstraße
35033 Marburg

Tel.: 06421 / 58 - 63165
Fax: 06421 / 58 - 66724

Wir sind Montag bis Freitag von 8:00 bis 14:00 Uhr für Sie telefonisch erreichbar.

 

 
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Empfehlungen für den Umgang mit psychischen Hochbelastungsphasen in der Versorgung von Patienten mit COVID-19

 

 

Stufe 1: Vorbereitungsphase – kompensierte Belastungsphase

Kraft gebende Elemente der Zusammenarbeit im Team aktiv leben!

  • Geben Sie sich im Team vermehrt positive Rückmeldungen, wenn Dinge gut laufen
  • Konzentrieren Sie sich verstärkt auf Ihre konkreten Aufgabenbereiche bzw. die Ihres Teams
  • Adressieren Sie negative Dynamiken in Teams explizit und zügig – achten Sie dabei ALLE verstärkt auf eine sachorientierte und konstruktive Weise des Miteinanders
  • Versuchen Sie Ihre persönlichen Ressourcen in der Freizeit aufrecht zu erhalten / zu stärken, (z.B. körperliche Bewegung, soziale Kontakte über Telefon/Online-Medien, Musik etc.)
  • Überlegen Sie für sich mögliche positive Gedanken, innere Bilder, Erinnerungen, die Ihnen in höheren Belastungsphasen „sichere innere Orte“ bzw. kraftgebende Motive sein können.

Stufe 2: Höchstbelastungsphase

Sachorientiert und achtsam mit sich und den Kollegen umgehen!

  • Unterscheiden Sie (im Team) klar worauf Sie aktuell Einfluss haben und worauf nicht -Konzentrieren Sie sich auf diese Bereiche und Prozesse die Sie beeinflussen können.
  • Leben Sie einen möglichst pragmatischen Umgang mit organisatorischen Herausforderungen.
  • Verabreden Sie explizit situationsgerechte Pausenstrukturen im Team - halten Sie diese ein!
  • Nutzen Sie Pausen aktiv auch zur inneren Ablenkung – suchen Sie Ihre „sicheren inneren Orte“ auf (z.B. schöne oder kraftgebende Erinnerungen, Motive, Gedanken, Zukunftspläne), die Ihnen helfen inneren Abstand vom Arbeitsgeschehen zu schaffen.
  • Verabreden Sie für Ihren Bereich passende Team-Time-Out-(TTO)-Regeln für Situationen mit negativen Team-Dynamiken. Ziel: gemeinsame Besinnung auf das Wesentliche, Rückkehr zur Sachorientierung und zur Identifikation organisatorischer Verbesserungsimpulse.
  • Nutzen Sie „Time-Out“-Bereiche am Klinikum nach Möglichkeit für längere Pausen.
  • Wenn Sie bei sich ernste Merkmale von psychischer Erschöpfung erleben, steht Ihnen das Beratungs-/Unterstützungsangebot unserer Psychosomatischen Ambulanz zur Verfügung (siehe oben)

Stufe 3: Extrembelastungsphase

Sich selbst und den Kollegen menschliches Maß zugestehen!

  • Bewahren Sie sich persönlich und als Team das Bewusstsein für Ihre exzellenten fachlichen Fähigkeiten – schenken Sie sich auch in Extremsituationen explizit gegenseitig Wertschätzung!
  • Anerkennen Sie, dass manche Herausforderungen während einer Pandemie die Grenzen des fachlich und menschlich Möglichen klar übersteigen
  • Vermeiden Sie ein „Alles oder Nichts“-Denken – die Devise ist: miteinander dranbleiben und das fachlich, organisatorisch und menschlich Mögliche in dieser konkreten Schicht umsetzen.
  • Gestehen Sie sich und Ihren Kollegen Gefühle z.B. der Verzweiflung, der Frustration, der Wut, der Trauer zu – es sind menschliche und natürliche Reaktionen auf Extremsituationen.
  • Versuchen Sie diesen Gefühlen außerhalb der unmittelbaren Arbeitssituation Raum zu geben.
  • Nehmen Sie beim Auftreten von psychischen Belastungsreaktionen z.B. auch die Unterstützungsangebote unserer Psychosomatischen Ambulanz in Anspruch (siehe oben).

Diese Empfehlungen wurden vom Zentrum für Psychische Gesundheit (ZpG) der Universitätsklinik Tübingen zusammengestellt. Wir bedanken uns ganz herzlich bei Herrn PD Dr. Florian Junne für die freundliche Genehmigung, diese Empfehlungen auch an unsere Mitarbeiter weitergeben zu dürfen.