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Urodynamische Sprechstunde

„Harninkontinenz bringt einen nicht um, aber sie nimmt einem das Leben.“

frei nach Prof. Dr. Hansjörg Melchior

In dieser spezialisierten Sprechstunde bemühen wir uns um Patientinnen und Patienten mit Blasenspeicher- und –entleerungsstörungen. Das häufigste Symptom oder Krankheitsbild stellt hierbei die Harninkontinenz dar, die umgangssprachlich auch als Blasenschwäche bezeichnet wird. Die häufigste Form der sogenannten Blasenschwäche bei Frauen ist die Belastungsinkontinenz, bei der ein Harnverlust zum Beispiel beim Husten, Lachen, Pressen, Heben oder anderweitiger körperlicher Anstrengung auftritt. Die zweithäufigste Form ist die so genannte Dranginkontinenz, wobei der Harnverlust mit überfallsartig verspürtem Harndrang einhergeht. Daneben gibt es durch neurologische Erkrankungen bedingte Formen, die Inkontinenz bei chronischer Harnverhaltung (tritt häufig bei Männern im Rahmen einer Prostatavergrößerung auf) sowie die Harninkontinenz bei Fisteln.

Dabei ist die Harninkonti¬nenz ein Erkrankungsbild, welches einen gewichtigen Einfluss auf die Le¬bensumstände der Betroffenen nimmt und deren soziales Umfeld mitprä¬gt. Bedenkt man die demographische Entwicklung, so kann heute bereits kalkuliert werden, dass die Anzahl der Inkontinenten über 60 Jah¬re, die gegenwärtig bei ca. einer Million liegt, in den nächsten 30 Jahren auf ca. 3,5 Mio. inkontinenter älterer Menschen stei¬gen wird.

Senkung und Vorfall bei Frauen

Als Ausdruck einer Schwäche der Haltestrukturen im kleinen Becken kann es zu einer Senkung der Gebärmutter und / oder der Scheide kommen. Dabei gibt es unterschiedliche Ausprägungsgrade der Senkung von leicht bis schwer. Bei der Scheidensenkung, die zum Beispiel nach Entfernung der Gebärmutter auftreten kann, unterscheidet man zwischen einer Senkung der vorderen und der hinteren Scheidenwand. Bei der Senkung der vorderen Scheidenwand kann sich auch der Blasenboden absenken, wobei sich die Blase dann in oder sogar ganz aus der Scheide wölbt.

Zu den typischen Senkungsbeschwerden gehören ein Druckgefühl nach unten und ein Fremdkörpergefühl in der Scheide, zum Beispiel beim Geschlechtsverkehr. Einige Frauen leiden unter diffusen Unterbauchschmerzen oder geben Schmerzen im Rücken an.

Häufig gehen Senkungserscheinungen auch mit Blasenbeschwerden einher. Bei ca. 50 % der Patientinnen kommt es zu einem unwillkürlichen Urinverlust. Bei anderen kommt es zu einer Blasenentleerungsstörung bis hin zum Harnverhalt. Die vermehrte Restharnbildung birgt die Gefahr von Harnwegsinfektionen.

Untersuchung

Bei der urodynamischen Untersuchung wird ein spezieller Meßkatheter in die Blase eingeführt. Nach Entleerung der Blase wird diese anschließend durch den Katheter mit warmer Infusionslösung gefüllt und gleichzeitig der Druck innerhalb der Blase gemessen. Ein weiterer Drucksensor, der über den After eingeführt wird, misst den Druck, der aus dem Bauchraum auf die Blase einwirkt. Die Aktivität des Beckenbodens bzw. des Schließmuskels wird durch Klebeelektroden gemessen. Die Untersuchung findet auf einem speziellen Toilettenstuhl statt. Auf diesem wird durch einen Auffangmechanismus, der sich darunter befindet, dokumentiert, ob und wie viel Urin der Patient bei der Blasenfüllung unwillkürlich verliert und wie viel Urin bei der abschließenden Blasenentleerung abgegeben wird. Die Durchführung dauert je nach Umfang der Untersuchungen und Kapazität der Blase zwischen 30 Minuten und 2 Stunden. Die gesamten Messwerte werden kontinuierlich aufgezeichnet. Die so erhaltenen Druck- und Flusskurven werden computergestützt ausgewertet und vom Untersucher interpretiert.

Mit der Untersuchung lassen sich die verschiedenen neurogenen und nicht neurogenen Harninkontinenzformen (Belastungsinkontienz, Dranginkontinenz, Mischformen oder chronische Harnretention) und  Blasenentleerungsstörungen unterscheiden und in Schweregrade einteilen. Dies ist für eine Erfolg versprechende Therapie notwendig.