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Kryoablation

Kryoablation

Minimal-invasive, bildgesteuerte Behandlungen sind ein etablierter Pfeiler der Tumortherapie. Am Universitätsklinikum Marburg haben wir neben der Radiofrequenzablation (RFA) und der Mikrowellenablation (MWA) als einzige Einrichtung in Deutschland die Möglichkeit die MR (Kernspintomographie)-gesteuerte Kryoablation anzubieten. Dabei werden unter MR-Führung perkutan Therapiesonden („Cryoprobes“) die eine Temperatur von -170°C erreichen punktgenau im Tumor platziert. Diese extreme Abkühlung des Gewebes führt zum Gefrieren von intrazellulärem Wasser mit Ausbildung von Eiskristallen. Die Kryoablation oder Kryotherapie ermöglicht es dadurch Krebs, aber auch gutartige Tumore wie beispielsweise Osteoid-Osteome, direkt unter MR Sicht zu erfrieren und so dauerhaft abzutöten. Gleichzeitig ist das Verfahren schmerzarm und kann in der Regel unter lokaler Betäubung durchgeführt werden.

Durch die strahlenfreie und äußerst präzise MR Steuerung kann der bei der Kryoablation erzeugte Eisball direkt während des Eingriffes dargestellt werden. Durch einen winzigen Einschnitt in der Haut werden die nur etwa 2 mm dicken Therapiesonden exakt in den Tumor eingebracht. Je nach Größe und Form des Tumors können gezielt individuell auf den Patienten und den Tumor abgestimmte Therapiesonden gewählt werden. Die Ausbildung der Eiskristalle kann in der MRT mit einem sehr guten Gewebekontrast direkt visualisiert werden. Dadurch lässt sich eine sehr hohe Präzision des Eingriffes bei maximaler Sicherheit für den Patienten erreichen. Während die offen chirurgische Kryoablation seit Jahrzehnten zur Behandlung des Nierenkrebs verwendet wird, kann die perkutane, bildgesteuerte Kryotherapie nicht nur bei Nieren- oder Leberkrebs eingesetzt werden, sondern bietet sich als alternative Behandlung auch für die organerhaltende Behandlung von Brustkrebs (Mammakarzinom) und Prostatakrebs an. Dieses Verfahren ist insbesondere sehr gut für die Behandlung schmerzhafter Knochenmetastasen geeignet und kann ggf. zusammen mit einer Zementeinspritzung (Osteoplastie) zur Stabilisierung und schnellen Schmerzreduktion durchgeführt werden. Dieser schnelle Wirkungseintritt ist ein wesentlicher Vorteil gegenüber alternativen Techniken. Auch in zuvor bereits bestrahlten oder operierten Zonen kann die Kryotherapie oft noch effektiv zum Einsatz gebracht werden.

Die Kryoablation bietet sich insbesondere für Patienten mit schweren Begleitkrankheiten an, die eine Therapiealternative zur klassischen operativen Therapie oder zur Strahlentherapie benötigen. Aufgrund der guten klinischen Ergebnisse kann diese Technik aber auch bei ausgewählten Patienten in einem Stufenkonzept als primäre Therapieoption erwogen werden. Die Kryotherapie ist organerhaltend und im Vergleich zur Operation schonender für den Patienten.

Gerne stehen wir Ihnen bei Fragen zu dieser Behandlungsmethode im Rahmen unserer Interventions-Sprechstunden zur Verfügung.

Tel.: +49 (0) 6421 58 66700
radiologie@med.uni-marburg.de

 

 


Patient mit einem Lokalrezidiv nach Nierenzellkarzinom links. Die MRT zeigt den kontrastmittelaufnehmenden Tumor (Pfeil) am linken M. psoas in unmittelbarer Nähe des Pankreasschwanzes.
Unter MR Steuerung wird die Kryotherapiesonde (Pfeile) präzise im Tumor platziert. Dabei wird eine auf Basis der Planungsbilder jeweils patientenindividuell, der Tumorgröße und –form angepasste Sonde verwendet, um ein möglichst ideales Therapieergebnis zu erreichen.
 Die Kryoablation kann während der MR-gesteuerten Therapie äußerst präzise überwacht werden. Die Ausdehnung des „Eisballs“ (Sternchen) ist während der gesamten Dauer der Ablation sichtbar und kann patientenindividuell angepasst werden. Dies ermöglicht eine personalisierte Medizin.
 Bereits direkt nach der Therapie ist das zerstörte Tumorgewebe als avitale Zone ohne Kontrastmittelaufnahme darstellbar. Damit besteht eine direkte Kontrolle des Behandlungsergebnisses.