
Am 7. April ist ein wichtiger Meilenstein am Partikeltherapiezentrum Marburg (PTZ) für die Inbetriebnahme des PTZ erreicht worden: Der erste Partikelstrahl/Therapiestrahl wurde mit der notwendigen Energie für die Patientenbehandlung in einen der Behandlungsräume des Zentrums gebracht. „Wir freuen uns, dass die Funktionstüchtigkeit unserer Partikeltherapieanlage für die Tumortherapie erfolgreich nachgewiesen ist. Hinter diesem Ereignis, das mit dem freien Auge nicht sichtbar ist, stehen jahrelange Forschungs- und Entwicklungsarbeiten, ohne die diese Anlage nicht entstanden wäre“, so Gerald Meder, stellvertretender Vorstandsvorsitzender und zuständiger Vorstand für das Universitätsklinikum Gießen und Marburg (UKGM), am Mittwoch in den Räumen des Zentrums. Dieser Meilenstein wurde in enger Kooperation mit der Firma Siemens erzielt und durch die grundlegenden Forschungs- und Entwicklungsergebnisse des GSI Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung unterstützt.
Die Übergabe der kompletten Bestrahlungstechnik von Siemens an das PTZ wird im Sommer 2011 erfolgen. Bis dahin werden für jeden der vier Bestrahlungsräume die Strahlapplikationen in rund drei Millionen mögliche Bestrahlungspunkte mit den beiden Partikelstrahlen Protonen und Kohlenstoffionen in je sieben Präzisionsstufen vorbereitet und validiert. Die am Standort Marburg des Universitätsklinikums künftig zur Verfügung stehende Partikeltherapieanlage wird weltweit als zweite eine sehr präzise und wirksame Behandlung von Krebserkrankungen mit Protonen und Kohlenstoffionen ermöglichen. Meder schätzt die Vorteile der engen Zusammenarbeit: „Siemens bietet die technischen Komponenten sowie diejenigen zur Unterstützung der optimalen Arbeitsabläufe und Patientensicherheit aus einer Hand, basierend auf der langjährigen Erfahrung als Hersteller hochwertiger Medizintechnikgeräte.“
Auch Joseph Rohrer, Vorsitzender der Geschäftsführung des UKGM, sieht die Entscheidung zum Bau und Betrieb des Partikeltherapiezentrums als zukunftsweisend: „Mit dem weltweit zweiten Zentrum zur Behandlung von Krebserkrankungen mit Protonen und Kohlenstoffionen wird sich Marburg als international führender Standort der Radioonkologie in Therapie und Forschung etablieren.“ Es ist das Ziel, mit der Marburger Partikeltherapieanlage den Patienten eine neue Behandlung anzubieten und eine überregionale Versorgung sicher zustellen. Hierzu wird die RHÖN-KLINIKUM AG über ein medizinisches Allianzkonzept kooperierende Kliniken und Strahlentherapeuten einbinden. Daraus ergeben sich auch ganz unmittelbar positive Auswirkungen auf die Region. Mit diesem Projekt werden 150 bis 200 direkte und indirekte Arbeitsplätze im Raum Marburg neu geschaffen.
Die medizinische Leitung des Zentrums wird Frau Professor Rita Engenhardt-Cabillic übernehmen, die bereits die Leitung der Klinik für Strahlentherapie und Radioonkologie am UKGM verantwortet. Sie freut sich über die Ausweitung des Therapieangebots für die Tumorpatienten: „Aus medizinischer Sicht stellt die Partikeltherapie den notwendigen Quantensprung dar, um Tumore zu behandeln, die vorher nicht oder kaum therapierbar waren. Durch die millimetergenaue Präzision der Bestrahlung und die scharfe Begrenzung der Strahlungswirkung am Tumorrand wird das umliegende gesunde Gewebe bestmöglich geschont und die Behandlung bisher nicht therapierbarer Tumore möglich.“ Auch Nebenwirkungen und Spätfolgen werden durch die neue Methode reduziert. Im Rahmen von Studien wurde die Partikeltherapie bereits an mehr als 50 000 Patienten mit großem Erfolg weltweit eingesetzt. Durch die nachgewiesene Wirksamkeit ist das Verfahren bei Krankheitsbildern wie z.B. Chordomen, Chondrosarkomen, Aderhautmelanomen und Adenoidzystischen Karzinomen bereits durch die Krankenkassen als Heilverfahren anerkannt, weitere Einsatzgebiete werden folgen. Zusammen mit den onkologischen Zentren und der bestehenden Strahlentherapie bieten wir nun eine umfassende Betreuung unserer Patienten in allen Phasen ihrer Erkrankung.
Kontakt:
Dr. Peter Grübling
Projektleiter Partikeltherapiezentrum
Peter.gruebling@rhoen-klinikum-ag.com
Tel.: 06421 58-66006
Frank Steibli
Leiter Kommunikation / Pressesprecher
Rudolf-Buchheim-Straße 8
35385 Gießen
Tel.: 0641 985-51020
Mobil: 0160 71 20 456
Fax: 0641 985-40017
Mail: frank.steibli@uk-gm.de