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Diagnostische Methoden

Krankengeschichte

Die erste und wichtigste Methode, die Hinweise darauf gibt, ob es sich bei Ihren Symptomen um eine Epilepsie handelt und falls ja, um welche Form der Epilepsie, ist das Gespräch zwischen Ihnen und Ihrem behandelnden Arzt (Anamnese). In diesem Gespräch möchten wir den genauen Ablauf und die Häufigkeit Ihrer Anfälle erfahren. Es kann dabei sehr hilfreich sein, auch mit Angehörigen zu sprechen, die Ihre Anfälle beobachtet haben. Sollte ein Video eines Ihrer Anfälle existieren, bringen Sie dieses gerne mit.

(Annahmnesegespräch in der Epilepsieambulanz)

EEG

Bei der Elektroenzephalographie (EEG) werden Ihre Gehirnströme aufgezeichnet. Hierbei können epilepsietypische Veränderungen aufgezeichnet und bestimmten Hirnregionen zugeordnet werden. 

(Ableitung eines EEGs)

epileptischer Anfall (Absence) im EEG mit spike wave-Komplexen normales EEG

Die Sensitivität des EEGs kann durch unterschiedliche Aktivierungsmethoden gesteigert werden. Hierzu gehören Hyperventilation (hierzu werden Sie während des EEGs gebeten, tief zu atmen), Fotostimulation (hierzu werden Ihnen während des EEGs Blitzlichter gezeigt) und Schlafentzug. Für ein Schlafentzugs-EEG werden Sie stationär für eine Nacht aufgenommen. In dieser Nacht sollten sie möglichst nicht schlafen. Das EEG wird dann am folgenden Morgen durchgeführt.
 

MRT

Die Kernspintomographie oder Magnetresonanztomographie (MRT) gehört zu den bildgebenden Verfahren und macht kleine Läsionen des Gehirns sichtbar, die möglicher Weise Ihre epileptischen Anfälle verursachen (epileptogene Läsionen). Hierzu gehören beispielsweise kleine Fehlbildungen (Dysplasien), Gefäßveränderungen, Hippokampussklerosen oder niedrigmaligne Gehirntumoren. Da diese unter Umständen operativ behandelt werden können, gehört die Magnetresonanztomographie zu den wichtigsten Untersuchungsmethoden in der Epilepsiediagnostik. 

MRT bei einem Epilepsiepatienten. Pfeil: Darstellung einer Fehlbildung der Hirnrinde (corticale Dysplasie) als Ursache der Epilepsie

Die Abteilung Neuroradiologie  am Universitätsklinikum Gießen und Marburg verfügt über ein weites Spektrum an unterschiedlichen MRT-Sequenzen, die für die Darstellung unterschiedlichster Hirnveränderungen optimiert sind Sollte das reguläre MRT keine Veränderungen zeigen, steht in Marburg ein hochauflösendes 3 Tesla-MRT zur Verfügung, das die Darstellung von epileptogenen Läsionen weiter verbessert. Des Weiteren verfügen wir über modernste Nachberechnungsmethoden, um Computer-gestützt Veränderungen sichtbar zu machen, die mit dem menschlichen Auge nicht zu erkennen sind, und die Volumen verschiedener Hirnregionen zu berechnen, um dadurch Hinweise auf die veränderte Hirnregion zu erhalten.

Computergestützte Nachberechnung eines MRTs; Pfeil: verändertes Areal in der Nachberechnung


Genetische Diagnostik

Für einige Epilepsieformen ist eine genetische Ursache bekannt. Wir bieten daher bei Verdacht auf bestimmte Syndrome eine genetische Testung an, für die Ihnen Blut abgenommen wird.
 

Nervenwasserentnahme (Liquorpunktion)

In einigen wenigen Fällen wird bei Epilepsiepatienten eine Nervenwasseruntersuchung durchgeführt, um immunologische oder entzündliche Veränderungen als Ursache der Epilepsie nachzuweisen oder auszuschließen
 

Therapieschwierige Patienten

Bei einigen Patienten kann mit Hilfe dieser in der Routine-Diagnostik in der Regel ambulant durchgeführten Untersuchungen keine sichere Diagnose gestellt werden oder aber es liegt eine Form der Epilepsie vor, die medikamentös nicht zufriedenstellend behandelt werden kann, aber möglicher Weise für einen epilepsiechirurgischen Eingriff geeignet ist. Für diese Patienten wird in unserer Epilepsieambulanz ein Termin zum Video-EEG Monitoring und zur weiteren prächirurgischen Diagnostik vereinbart.