A A A
-->

Video-EEG-Monitoring und prächirurgische Diagnostik

Video-EEG-Monitoring

Für das Video-EEG-Monitoring werden die Patienten für 1-2 Wochen stationär aufgenommen. Während dieser Zeit wird eine dauerhafte EEG-Ableitung und Video-Überwachung durchgeführt, mit dem Ziel, Anfälle aufzuzeichnen. Während Ihres Aufenthaltes werden Sie rund um die Uhr von unserem Team betreut.

Das Video-EEG-Monitoring dient als diagnostisches Video-EEG-Monitoring zum einen dazu, epileptische von nicht-epileptischen Anfällen abzugrenzen. Zum anderen kann bei einem Teil der Patienten durch medikamentöse Behandlung keine Anfallskontrolle erreicht werden, während ein epilepsiechirurgischer Eingriff jedoch häufig zu Anfallsfreiheit führt. Bei diesen Patienten wird mittels prächirurgischem Video-EEG-Monitoring geklärt, in welchen Hirnregionen die Anfälle beginnen, ob ein epilepsiechirurgischer Eingriff erfolgversprechend ist und mit welchen Risiken dieser verbunden wäre.

(Auswertung des EEGs im Video-EEG-Monitoring durch das Monitoring-Team)

Für das prächirurgische Monitoring ist bei einigen Patienten die Anlage von weitere EEG-Elektroden sinnvoll, die teilweise vom behandelnden Arzt eingestochen werden (Sphenoidalelektroden).

Bei einigen wenigen Patienten führt dieses Video-EEG-Monitoring noch nicht zu ausreichenden Erkenntnissen. Für diese Patienten besteht in Marburg die Möglichkeit zum invasiven Video-EEG-Monitoring. Dabei werden EEG-Elektroden operativ unter den Schädelknochen auf die Gehirnoberfläche aufgebracht und Anfälle dann direkt von der Gehirnoberfläche bzw. über Tiefenelektroden von den verschiedenen Hirnregionen abgeleitet.
 

Neuropsychologische Testung

Ausführliche neuropsychologische Untersuchungen sind ein wichtiger Bestandteil der Diagnostik, Behandlung und Verlaufskontrolle von Epilepsien. Untersucht werden unterschiedliche kognitive Funktionen wie Gedächtnisleistung, psychische Leistungs­fähigkeit und spezielle Sprachfunktionen. Die neuropsychologische Testung liefert Hinweise auf den Entstehungsort der Epilepsie und assoziierte kognitive und psychische Funktionsstörungen und dient in der prächirurgischen Diagnostik dazu, mögliche Funktionseinbußen durch einen epilepsiechirurgischen Eingriff abzuschätzen. Postoperativ erfolgen Verlaufskontrollen, um den Erfolg der Operation und Veränderungen beispielsweise der Gedächtnisleistung oder Sprachfunktionen zu beurteilen. Desweiteren dient die neuropsychologische Testung auch dazu, Nebenwirkungen der Antiepileptika einzuschätzen und trägt damit zur Auswahl eines geeigneten Medikaments bei. 

(Neuropsychologische Testung)
 

fTCD

Die funktionelle transkranielle Dopplersonographie (fTCD) ist eine gut verträgliche, nicht schmerzhafte Ultraschallmethode mit Hilfe derer der Blutfluss in Blutgefäßen dargestellt werden kann, die das Gehirn und speziell für die Sprache wichtige Hirnareale mit Blut versorgen. Über Veränderungen des Blutflusses während Sprachaufgaben können Rückschlüsse darüber gezogen werden, in welcher Hirnhälfte die Sprachfunktionen liegen. Die Kenntnis der sprachdominanten Hemisphäre ist wichtig zum Abschätzen des Risikos epilepsiechirurgischer Eingriffe.
 

Funktionelles MRT

Ähnlich wie die fTCD Untersuchung dient auch das funktionelle MRT (fMRT) dazu, die Lokalisation von wichtigen Hirnfunktionen darzustellen. Neben Spracharealen können auch unter anderem visuelle oder motorische Hirnareale sichtbar gemacht werden, die bei einem epilepsiechirurgischen Eingriff vermieden werden sollten.

Darstellung der Sprachregion (Aktivierung in gelb) im fMRT


Traktographie

Mittels Nachberechnung des MRTs können wichtige Nervenbahnen im Gehirn dargestellt werden wie beispielsweise die Sehbahn oder die Pyramidenbahn, die die Bewegung des Körpers steuert, um diese bei einer Operation zu schonen.
 

SPECT

Beim SPECT (single photon emission computed tomography) handelt es sich um ein nuklearmedizinisches bildgebendes Verfahren, mit dem nicht der anatomische Aufbau, sondern die Funktion des Gehirns dargestellt wird. Hierzu wird Ihnen ein schwach radioaktiver Stoff gespritzt, der sich entsprechend der Durchblutung im Gehirn verteilt. In der Epileptologie wird dieses Verfahren beispielsweise eingesetzt, um die Aktivität während und außerhalb von Anfällen zu vergleichen und so Hinweise auf den Anfallsursprung zu erhalten, der zu Beginn eines Anfalls stärker durchblutet wird.

Iktales (d.h. im Anfall erzeugtes) vs. interiktales (im anfallsfreien Intervall) SPECT, Pfeil: verstärkte Aktivierung am Anfallsursprung


PET

Bei der PET (Positronenemissions-Tomographie) wird der Zuckerstoffwechsel des Gehirns untersucht. Hirnregionen, in denen Anfälle entstehen, weisen eine verminderte Zuckeraufnahme auf und können so erkannt werden. Diese Untersuchung wird in Zusammenarbeit mit der Universität Mainz angeboten.
 

Wada-Test

Eine wesentliche Frage vor epilepsiechirurgischen Eingriffen ist die Frage nach der Lokalisation bzw. Lateralisation von Sprach- und Gedächtnisfunktionen, die mehr oder weniger stark in einer Hirnhälfte (meistens der linken) überwiegen können. Bei geplanten epilepsiechirurgischen Eingriffen in Hirnregionen, die Sprach- oder Gedächtnisfunktionen tragen, kann daher ein Wada-Test notwendig werden, um postoperative Ausfälle abschätzen zu können. Angiographisch wird bei dieser Untersuchung Amobarbital, ein kurz wirksames Narkosemittel, zuerst in eine und dann in die andere Arteria carotis interna (ein das Gehirn versorgendes Blutgefäß) gespritzt, wodurch die entsprechenden Hirnareale kurzfristig in ihrer Funktion gestört werden. Verschlechterungen von Sprach- und Gedächtnistests im Seitenvergleich lassen Aussagen darüber zu, wie stark diese Funktionen in einer Hirnhälfte überwiegen.