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Neurologische Komplikationen der Zöliakie

Prof. Dr. Katrin Bürk 

Ambulanz für Neurologische Komplikationen der Zöliakie
(einheimische Sprue, Glutensensitivität)

Anmeldung: 

06421/58-65205 

Sprechstunde:

Auf Anfrage

Zielgruppe:

Wir bitten darum, zu den Vorstellungen Vorbefunde (z.B. Zöliakie-Pass, Biopsiebefunde) und Röntgen- bzw. MRI-Aufnahmen mitzubringen.

An der Neurologischen Klinik der Philipps-Universität Marburg werden im ambulanten und stationären Bereich Patienten mit verschiedenen neurologischen Symptomen bei Zöliakie (einheimische Sprue, Glutensensitivität) betreut.
Unser Anliegen ist, neben der umfassenden Diagnostik und Therapie auch eine Unterstützung bei der Krankheitsbewältigung, bei sozialmedizinischen Belangen und bei der Hilfsmittelversorgung zu gewährleisten. Wir wollen unsere Patienten ausführlich über ihre Erkrankung informieren und alle Fragen beantworten, sofern dies nach dem heutigen Kenntnisstand der Medizin möglich ist. Gesprächsangebote für Rat suchende Familienangehörige ergänzen das Angebot. Unsere klinische und wissenschaftliche Tätigkeit wird durch die Deutsche Zöliakie Gesellschaft (DZG) e.V. nachhaltig unterstützt.

Wissenswertes
Bei der Zöliakie besteht eine Unverträglichkeit gegen Gluten, einem Eiweißbestandteil der Getreidesorten Weizen, Roggen und Gerste. Die Erkrankung ist eng mit bestimmten HLA Klasse II Allelen assoziiert. Zwischen 80 % und 90 % aller Patienten tragen das HLA DQ2 Allel, während sich in den übrigen Fällen das HLA DQ8 Allel findet. Die histologischen Veränderungen der Darmschleimhaut sind meist vom Ausmaß der Glutenbelastung in der Nahrung abhängig. Von der normalen Schleimhaut bis hin zur totalen Zottenatrophie finden sich alle Übergänge. In der Regel lassen sich im Serum nicht behandelter Patienten Antikörper gegen Gliadin (AGA), Endomysium (EA) und gegen die gewebsspezifische Transglutaminase des Darmes nachweisen. Von einer Glutensensitivität wird bei Nachweis zirkulierender Antikörper ausgegangen, während die Diagnose ´Zöliakie´ oder ´einheimische Sprue´ den Fällen mit histologisch gesicherter Zottenatrophie vorbehalten bleiben sollte.

Bei 6 % bis 8 % der Patienten mit bioptisch gesicherten Veränderungen der Darmschleimhaut treten Komplikationen von Seiten des Nervensystems auf. In der Literatur finden sich Berichte über Neuropathien, Psychosen, Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitätssyndrome (ADHS) und auch dementielle Entwicklungen bei unbehandelter Sprue. Als häufigstes neurologisches Symptom gilt allerdings die ataktische Störung, die als afferente oder auch cerebelläre Störung auftreten kann. Bei 12 % bis 68 % der Patienten mit sporadischer Ataxie finden sich als Zeichen einer Glutensensitivität Antikörper gegen Gliadin im Blut.

Die Pathogenese der neurologischen Symptome bei der Zöliakie ist bislang unklar. Insbesondere haben viele Patienten mit Ataxie und Glutensensitivität keine typischen Darmveränderungen und weisen auch keine der möglichen Folgen wie eine Störung der Nahrungsresorption oder eine Hypovitaminose auf. Da die intestinalen Manifestationen der Zöliakie Folge eines immunologisch vermittelten Krankheitsprozesses sind, scheint es nahe liegend, dass die neurologische Symptomatik auf ähnlichen Pathomechanismen beruht. Allerdings ist unklar, ob die Immunantwort eher zellulär oder humoral vermittelt wird. Neuropathologische Untersuchungen deuten auf eine eher zellulär vermittelte Immunantwort hin. So wurden neben einem Verlust von Purkinje-Zellen und einer Degeneration der Hinterstränge T-Zellinfiltrate in Cerebellum, Rückenmark und peripheren Nerven beschrieben.
Therapie. Bei Patienten mit histologisch gesicherten Veränderungen der Darmschleimhaut ist eine lebenslange Gluten-freie Diät indiziert. Erste Befunde deuten darauf hin, dass sich auch neurologische Symptome unabhängig vom Ausmaß möglicher Darmveränderungen unter der Diät bessern können.

Forschung
An der Universität Marburg werden die Auswirkungen auf das kognitive Leistungsprofil und das Spektrum neurologischer Störungen bei Zöliakie systematisch untersucht. Eine weitere Studie untersucht den möglichen Zusammenhang zwischen Zöliakie und ADHS bei Kindern (in Zusammenarbeit mit der Universitätsklinik für Psychiatrie des Kindes- und Jugendalters Tübingen). Die Entstehungsmechanismen neurologischer Komplikationen bei Zöliakie werden in Zusammenarbeit mit der Deutschen Zöliakie Gesellschaft (DZG) e.V. und dem Institut für Zellbiologie, Abt. für Immunologie der Universität Tübingen untersucht. Durch ein verbessertes Verständnis der Krankheitsprozesse sollen neue Therapieansätze in Zukunft möglich werden.