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Die Nase und ihre Nebenhöhlen

Die innere Nase wird durch die Nasenscheidewand in eine rechte und linke Nasenhaupthöhle geteilt. Bei der Mehrheit aller Menschen ist die Nasenscheidewand nicht exakt in der Mittellinie, sondern nach einer Seite deviiert („verbogen“). In den meisten Fällen verursacht dies jedoch keine Beschwerden, so dass keine Intervention notwendig ist.

Die Nasenmuscheln stellen eine Ausbuchtung der seitlichen Nasenwand zur Vergrößerung der Nasenschleimhautoberfläche dar. Sie werden in untere, mittlere und obere Nasenmuscheln unterteilt und haben einen knöchernen Anteil, welcher von Schleimhaut ummantelt ist. Die untere Nasenmuschel ist für die respiratorische Funktion der Nase zuständig (Anwärmung, Anfeuchtung und Reinigung der Atemluft). Die Nasenmuscheln durchlaufen einen Zyklus, d.h., die Nasenmuscheln einer Seite schwellen in regelmäßigen mehrstündigen Abständen an und ab. Wenn sie dauerhaft stark angeschwollen bleiben, dann behindern sie Nasenatmung. Die mittlere Nasenmuschel ist Teil des s.g. Infundibulum, welches den Eingang zu den Nasennebenhöhlen darstellt. Die obere Nasenmuschel trägt einen Teil der Riechzellen.

Die Hauptfunktionen der Nase sind: die Immun-Abwehr gegenüber Viren, Bakterien und die Reinigung von Fremdstoffen, die von außen durch die Nase gelangen (Flimmehärchen). Das Riechen, das durch spezielle Riechzellen im oberen Bereich der Nase erfolgt. Die Klimatisierung der Atemluft durch Befeuchten und Anwärmen (90-95% und 31-34°C).

 

Die Nasennebenhöhlen (NNH) sind luftgefüllte Nebenräume der Nasenhaupthöhle. Auf jeder Seite gibt es vier NNH: die Stirnhöhle, das Siebbeinzellsystem, die Kieferhöhle und die Keilbeinhöhle. Die Wände der Augenhöhle und die Schädelbasis sind Grenzen der Nasennebenhöhlen. Die Kieferhöhle hat zudem Kontakt zu den Oberkieferzähnen und durch die Wand der Keilbeinhöhle laufen der Sehnerv und die innere Hauptschlagader. Die Drainage von Sekret und der Luftaustausch der Nasennebenhöhlen erfolgt über enge Kanäle (Ostien) in die Nasenhaupthöhle und von dort in den Rachen.

Die Nasennebenhöhlen entwickeln sich erst nach der Geburt. Zum Zeitpunkt der Geburt ist nur das Siebbein und rudimentär die Kieferhöhle vorhanden. Die Entwicklung der Stirn- und Keilbeinhöhle beginnt ab dem 4. Lebensjahr und ist in der Regel erst mit dem Erwachsenenalter abgeschlossen. Die Funktion der Nasennebenhöhlen ist bisher nicht geklärt, es werden jedoch unterschiedliche Ansätze diskutiert (z.B. Reduktion des Kopfgewichtes, Resonanzraum für die Stimme, Schutzwirkung bei Unfällen, respiratorische Funktionen, Schleim zur Befeuchtung der Riechschleimhaut abgeben).

 

Akute Entzündungen

Man spricht von einer Rhinitis (Schnupfen), wenn nur die Nasenschleimhaut betroffen ist. Von einer Sinusitis wird gesprochen, wenn  die Nasennebenhöhlen betroffen sind. Eine Rhinosinusitis liegt vor, wenn alle Schleimhäute betroffen sind. Die häufigste Ursache von Infekten der oberen Atemwege ist eine virale Kontamination. Es kann jedoch auch bakterielle oder allergische Auslöser geben. In der Regel klingen die äußeren Symptome der Erkältung nach ein bis maximal zwei Wochen deutlich ab, die entzündlichen Veränderungen der Nasenschleimhaut brauchen bis sechs Wochen bis zur vollständigen „Heilung“.

Typische Symptome der Erkrankung sind eine Nasenatmungsbehinderung, eine vermehrte Nasensekretion, eine Riechminderung, Niesreiz sowie Druckgefühl bzw. Schmerz im Gesichtsbereich und Kopf.

Diagnostiziert wird die akute Rhino-/Sinusitis anhand o.g. klinischer Symptome. Es sollten mindestens 2 dieser Symptome (s.g. Majorsymptome) vorliegen und die Symptome sollten über 7 (-10) Tage anhalten. Röntgenaufnahmen werden nicht empfohlen. Eine Ultraschalluntersuchung kann in bestimmten Fällen sinnvoll sein. Eine CT- Untersuchung der Nasennebenhöhlen ist im Einzelfall bei Verdacht auf Komplikationen oder bei akuten rezidivierenden Rhinosinusitiden sinnvoll. Ein routinemäßiger Nasenabstrich ist nicht erforderlich.

Die Therapie ist symptomorientiert und umfasst die Gabe von Schmerzmitteln und / oder abschwellenden Nasentropfen. Hilfreich sind auch Nasenspülungen mit isotoner Salzlösung, Inhalationen und Kortison-Nasenspray (topische nasale Steroide). In ausgeprägteren Fällen oder wenn die Erkrankung länger als 14 Tage andauert muss eine Antibiotikatherapie erwogen werden. Die Therapiedauer beträgt 5 – 10 Tage.

 

Chronische Entzündungen

Die Diagnose chronische Nasennebenhöhlenentzündung (chronische Rhinosinusitis = CRS) kann gestellt werden, wenn mindestens zwei der folgenden Symptome über mehr als 12 Wochen vorliegen:

·    Nasenatmungsbehinderung,

·    Vermehrte nasale Sekretion (Rhinorhoe anterior/posterior)

·    Druckgefühle oder Schmerzen im Bereich des Gesichtes

·    Geruchsminderung.

Zudem sollte ein pathologischer Endoskopiebefund vorliegen, hierzu zählen endoskopische Zeichen wie Nasenpolypen oder gelbliche Sekretion im mittleren Nasengang oder ödematöse Obstruktionen im mittleren Nasengang sowie radiologische Veränderungen (CT, DVT, MRT) mit Schleimhautschwellungen im Bereich der Nasennebenhöhlen.

Unter dem Begriff CRS werden verschiedene Krankheitsbilder zusammengefasst, welche teilweise mit Asthma oder einer Schmerzmittel-Unverträglichkeit assoziiert sind. Derzeit werden zwei Haupt-Gruppen unterschieden - CRS mit und ohne Nasenpolypen. Diese unterscheiden sich klinisch, endoskopisch und histopathologisch. Nach neuesten Untersuchungen leiden in Deutschland 11% der Menschen an einer chronischen Entzündung der Nasennebenhöhlen. Eine chronische Entzündung mit Nasenpolypen kommt in 1-4% vor.

Die CRS ist häufiger mit anderen Erkrankungen oder Veränderungen verbunden wie

·    Allergie der oberen Atemwege

·    Bronchialasthma

·    Unverträglichkeit für Schmerzmittel (ASS-Intoleranz/Aspirinunverträglichkeit/ Analgetikaintoleranz)

·    Mikroanatomische Veränderungen im Inneren der Nase (anatomische Engstellen, Pathologika nach Voroperationen oder Unfällen)

·    Einseitige Kieferhöhlenentzündungen (Zahnerkrankungen)

·    Bestimmte angeborene Erkrankungen wie Mukoviszidose (zystische Fibrose) oder primäre Zilienfunktionsstörungen (Kindheit)

·    Pilzerkrankungen (Aspergillom)

·    Immunschwäche (HIV - AIDS, Antikörpermangel)

·    Mangelzuständen an essentiellen Mineralstoffen oder Vitaminen (Eisen, Vitamin D).

Die Therapie erfolgt zunächst konservativ medikamentös: topische nasale Steroide, Nasenspülungen mit isotoner Salzlösung. In Einzelfällen werden Antibiotika, systemische Steroide oder andere Medikamente eingesetzt. Bei nicht ausreichend erfolgreicher medikamentöser Therapie wird häufig eine Operation der Nasennebenhöhlen durchgeführt. Bei der Nachbehandlung wird neben der Okklusion (Zukleben der Nase für 7-14 Tage) als sehr wichtig Maßnahme die regelmäßige Nasenspülung empfohlen, sowohl postoperativ als auch dauerhaft.