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Patienteninformation Speiseröhre und Magen

Die Speiseröhre und der Magen bilden zusammen mit dem Zwölffingerdarm den oberen Teil des Verdauungstraktes. Die Speiseröhre (Ösophagus) beginnt am Kehlkopf, zieht durch den Mittelfellraum des Brustkorbes und geht nach ihrem Durchtritt durch das Zwerchfell in den Magen über. Den Übergangsbereich von der Speiseröhre zum Magen bezeichnet man als die Kardia-Region. An diese schließt sich der Fundus, der Korpus und das Antrum des Magens an. Der Magenpförtner (Pylorus) stellt die Grenze des Reservoir-Organes Magens dar und ermöglicht einen kontrollierten Übertritt des Speisebreies in den Zwölffingerdarm (Duodenum). In den Zwölffingerdarm münden an der Papille der Ausführungsgang der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) und der Hauptgallengang (Ductus choledochus) ein, die Gallensaft und wichtige Verdauungsenzyme in den Zwölffingerdarm transportieren.

Diagnostische Untersuchungsmöglichkeiten

Die innere Auskleidung (Schleimhaut) von Speiseröhre und Magen lässt sich sehr gut durch eine Spiegelung (Gastroskopie) beurteilen. Die Spiegelung stellt die Basis aller diagnostischen Untersuchungen des oberen Magen-Darm-Traktes dar. Hierbei wird ein flexibles, etwa 1cm durchmessendes schlauchförmiges Instrument zunächst geschluckt, dann bis in den Zwölffingerdarm vorgeschoben. Ergänzende Untersuchungen sind Kontrastmitteluntersuchungen (Röntgendurchleuchtung nach Schlucken eines Kontrastmittelbreis), die Endosonographie (wie eine Spiegelung, am Ende des Gerätes befindet sich jedoch keine Optik, sondern ein kleiner Ultraschallkopf) sowie Schnittbildverfahren wie die Computertomographie und die Magnetresonanztomographie.

Erkrankungen der Speiseröhre

1. Entzündungen

Entzündungen der Speiseröhre (Ösophagitis) findet man meist im unteren Anteil als Folge von ständig aus dem Magen übertretendem sauren Magensaft. Diese Refluxösophagitis wird in verschiedene Stadien eingeteilt und meist dauerhaft medikamentös behandelt (Magensäurehemmer). Regelmäßige endoskopische Kontrollen sollen den Verlauf überwachen und eventuell daraus entstehende bösartige Veränderungen rechtzeitig erkennen. Außerdem gibt es Entzündungen der Speiseröhre als Folge einer Pilzbesiedlung. Auch hier steht die medikamentöse Behandlung im Vordergrund.

2. Engstellen (Stenosen) der Speiseröhre

Stenosen in der Speiseröhre sind meist Folge von Entzündungen (chronisch oder akut) oder von Verätzungen nach versehentlichem Trinken von Laugen oder Säuren. Das Ausmaß kann mittels einer Spiegelung und einer Röntgenkontrast-Untersuchung der Speiseröhre festgestellt werden. Die Therapie bei durch Stenosen verursachten Beschwerden besteht in einer sequenziellen, wiederholten Aufdehnung der Engstelle (Bougierung oder Ballondilatation). Nur sehr selten ist eine Operation indiziert, die dann eine Entfernung der Speiseröhre bedeutet.

3. Wandausstülpungen (Divertikel)

Divertikel an der Speiseröhre sind selten, befinden sich meist im oberen Anteil der Speiseröhre kurz unterhalb des Kehlkopfes. Diese nennt man Zenker-Divertikel. Seltener findet man Speiseröhrendivertikel in den unteren Abschnitten des Organs. Bei Nachweis dieser Divertikel mittels Endoskopie (Spiegelung) und einer Röntgenkontrastuntersuchung besteht die Indikation zur operativen Therapie (Resektion des Divertikels). Zenker-Divertikel werden vom Hals aus operiert, können in speziellen Fällen auch endoskopisch durch den Mund in Form einer sog. Schwellenspaltung erfolgreich behandelt werden.

4. Störungen der Erschlaffung des unteren Schließmuskels beim Schlucken (Achalasie)

Hier liegt eine Funktionsstörung der Speiseröhre vor, die zu Schluckstörungen und Hervorwürgen von Nahrung führt. Die Störungen des sehr komplexen Transportmechanismus in der Speiseröhre erfordern eine ausführliche und spezielle Diagnostik mit Spiegelung, Röntgenkontrast-Untersuchungen, Messungen der Druckverhältnisse und der Veränderungen der pH-Werte über einen Zeitraum von 24 Stunden. Bei typischen Beschwerden und entsprechenden Untersuchungsergebnissen, die eine Einteilung der Funktionsstörung in verschiedene Stadien in Abhängigkeit von der Ausprägung der Veränderungen erlauben, ist auch hier in bestimmten Situationen eine operative Therapie in Form einer Erweiterungsplastik des Übergangsbereiches zwischen Speiseröhre und Magen angezeigt. Primär kommen medikamentöse und endoskopisch-interventionelle Verfahren (Ballondilatation) zur Anwendung.

5. Refluxerkrankung

Bei der Refluxerkrankung führt häufiges Übertreten von saurem Magensaft in die untere Speiseröhre zu entzündlichen Veränderungen in der Speiseröhre, die Sodbrennen, Schmerzen und Schluckbeschwerden hervorrufen. Auch die Refluxkrankheit wird durch umfangreiche Untersuchungen (Spiegelung, Röntgenkontrastuntersuchungen, Messungen der Druckverhältnisse in der Speiseröhre und 24-Stunden-Messung der pH-Wert-Veränderungen in der Speiseröhre) diagnostiziert. In den meisten Fällen kann mit einer dauerhaften medikamentösen Behandlung Beschwerdefreiheit und ein Abklingen der Entzündung erreicht werden. In seltenen Fällen ist eine operative Therapie in Form einer Manschettenbildung um die untere Speiseröhre aus Anteilen des Magenfundus (Fundoplikatio) angezeigt, die das Übertreten von saurem Magensaft in die Speiseröhre verhindert. Diese Fundoplikatio kann unter bestimmten Voraussetzungen auch minimal-invasiv (sog. "Schlüsselloch-Methode") durchgeführt werden.

6. Geschwülste (Tumoren) der Speiseröhre

Gutartige Tumoren der Speiseröhre sind selten und werden meist endoskopisch abgetragen oder chirurgisch lokal entfernt.
Bösartige Speiseröhren-Tumoren (Ösophagus-Karzinome) haben unbehandelt eine sehr schlechte Prognose. Nach ausführlicher Diagnostik, die die lokale Ausdehnung des Tumors abklärt und nach Fernabsiedlungen in anderen Organen fahndet, kann der bösartige Tumor einem Stadium zugeordnet werden. Das Tumorstadium und der Gesamtzustand des Patienten bilden die Grundlage für die Entscheidung über das weitere therapeutische Vorgehen. Diese individuelle Entscheidung bzw. Empfehlung für den Patienten wird in unserem interdisziplinären Tumorkolloquium getroffen, in dem sich alle beteiligten Fachdisziplinen (Radiologen, Onkologen, Chirurgen, Strahlentherapeuten) anhand der erhobenen Befunde beraten. In Frage kommen Chemotherapie, Bestrahlung, Operation oder eine Kombination dieser Therapieverfahren. Bei der Operation wird die Speiseröhre vom Bauchraum aus über das Zwerchfell (transhiatal) oder über eine Eröffnung des rechten Brustkorbes (Zweihöhleneingriff) komplett entfernt. Die Rekonstruktion der Passage erfolgt in den meisten Fällen mittels des zu einem Schlauch geformten hochgezogenen Magens oder aber durch einen zwischengeschalteten Dickdarmabschnitt. Diese sehr anspruchsvolle Operation erfordert neben umfassender chirurgischer Erfahrung eine leistungsfähige Intensivtherapiestation für die sich anschließende erste postoperative Phase.

Erkrankungen des Magens
1. Entzündungen der Magenschleimhaut (Gastritis)

Entzündungen der Magenschleimhaut führen zu Schmerzen im mittleren Oberbauch, die sich nach der Nahrungsaufnahme meist kurzfristig bessern, zu Übelkeit, Appetitlosigkeit und bei extremen Formen manchmal zu so genannten Teerstühlen (Schwarzverfärbung des Stuhls durch Beimengung von Blut-Abbauprodukten). Je nach Ursache werden sie in verschiedene Subtypen eingeteilt.
Bei der eher seltenen Typ A-Gastritis liegen Autoantikörper gegen die säurebildenden Schleimhautzellen vor, so dass der Magensaft weniger sauer ist. Dadurch werden aufgrund des körpereigenen Regelmechanismus andere Drüsen zur Produktion von Hormonen angeregt, die wiederum anregend (und vergeblich) auf die säurebildenden Zellen einzuwirken versuchen. Im Verlauf kann es dabei zur Bildung von Magenkrebs kommen. Des Weiteren können wichtige Nährstoffe, wie das Vitamin B12, aufgrund des Funktionsverlustes dieser Zellen nicht aufgenommen werden und es entsteht eine Störung in der Blutbildung. Regelmäßige Kontrollen mittels Spiegelung zur Früherkennung von Krebsbildungen sowie die lebenslängliche Substitution von Vitamin B12 sind unerlässlich.
Der häufigsten Form, der Typ B-Gastritis, liegt eine bakterielle Infektion zugrunde. Das Bakterium Helicobacter pylori wird über die Nahrung aufgenommen, siedelt sich im Magen an und kann zu Schleimhautentzündungen und Geschwüren in Magen und Zwölffingerdarm führen. Der Nachweis gelingt über die Entnahme von Proben aus der Magenschleimhaut im Rahmen einer Magenspiegelung. Bei Nachweis des Bakteriums wird in der Regel eine einwöchige Therapie mit zwei verschiedenen Antibiotika und die langfristige Gabe eines Säureblockers zur Heilung führen. Auch eine langjährig bestehende Typ B-Gastritis kann zu Magenkrebs führen.
Die Typ C-Gastritis wird durch die Einwirkung von Medikamenten (v.a. Schmerzmitteln) oder Galleflüssigkeit auf die Schleimhaut verursacht. Im schlimmsten Falle können Geschwüre entstehen, die auch perforieren („durchbrechen“) können, so dass eine Notfalloperation notwendig wird. Bei harmloseren Verläufen ist nach Weglassen der schädigenden Medikamente bzw. zusätzliche Einnahme von Säureblockern die Entzündung meist rasch rückläufig.

2. Geschwüre (Ulcera ventriculi)

Magengeschwüre entstehen in der Regel durch eine langfristige Einwirkung der schädigenden Substanzen, die auch zu einer Schleimhautentzündung führen. Dazu zählen bestimmte Schmerzmittel und auch das Bakterium Helicobacter pylori. Weitaus seltener liegt ein hormonbildender Tumor (Gastrinom) vor, dessen Sekretionsprodukt Gastrin im Magen eine Überproduktion an Säure bewirkt.
Viele Geschwüre können durch die Gabe von Säureblockern bzw. die Entfernung des Bakteriums mittels Antibiotika zur Abheilung gebracht werden. Beim Vorliegen eines Gastrinoms bzw. bei „durchgebrochenen“, also perforierten Geschwüren, ist eine Operation notwendig.

3. Zwerchfellbrüche (Hernien)

An der Stelle, an der die Speiseröhre durch das Zwerchfell tritt, um in den Magen zu münden, befindet sich eine angeborene Lücke im Zwerchfell. Wird diese zu weit, kann Magensaft in die Speiseröhre zurückfließen (Reflux), wodurch es häufig zu Sodbrennen und Schmerzen hinter dem Brustbein kommt. Bei langjährigem Reflux können im unteren Anteil der Speiseröhre Krebsgeschwüre entstehen.
Häufig hilft schon die Einnahme von Säureblockern gegen diese Beschwerden. Seltener kann einzig eine Operation, bei der die Zwerchfelllücke verkleinert wird, Linderung verschaffen.

4. Geschwülste des Magens

Zu den gutartigen Geschwülsten des Magens zählen Polypen bzw. Adenome, die aus Drüsengewebe entstehen und über eine Magenspiegelung entfernt werden können. Werden sie belassen, so können sie im Verlauf entarten. Des Weiteren können gutartige Tumoren unterhalb der Schleimhaut aus dem Muskel- und Nervengewebe entstehen. Die so genannten Gastrointestinalen Stromatumoren (GIST) entarten in der Regel erst ab einer gewissen Größe.
Die bösartigen Geschwülste des Magens unterscheiden sich je nach feingeweblicher Untersuchung in Prognose und Therapie. Wird bei einer Magenspiegelung und in der entnommenen Probe ein bösartiger Magentumor gefunden, werden zunächst seine Größe und das Vorliegen von etwaigen Tochtergeschwülsten (Metastasen) untersucht. Anschließend werden alle Befunde im interdisziplinären Tumorkolloquium besprochen und die geeignete Therapiestrategie für den einzelnen Patienten beschlossen. Je nach feingeweblichem Typ des Karzinoms und seinem Sitz im Magen werden nur Teile des Magens, meist aber der gesamte Magen einschließlich der benachbarten Lymphknotenstationen entfernt. Anschließend wird die Nahrungspassage durch ein Stück Dünndarm, welches an das Ende der Speiseröhre genäht wird, wieder hergestellt. Eine Chemotherapie ist in bestimmten Fällen schon vor der Operation sinnvoll, um den Tumor zu verkleinern. Bei befallenen Lymphknoten kann in bestimmten Fällen eine Chemotherapie auch nach Abheilung der Operationswunden empfohlen werden.