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Patienteninformation Pankreaskarzinom

Das Pankreaskarzinom (Bauchspeicheldrüsenkrebs) ist eine maligne (bösartige) Erkrankung der Bauchspeicheldrüse. Pro Jahr erkranken ca. 10.000 Patienten in Deutschland an einem Pankreaskarzinom. Es zählt damit nicht zu den häufigsten Krebserkrankungen, jedoch muss man davon ausgehen, dass die Anzahl der Neuerkrankungen ansteigen wird. Auf Grund seiner schweren Erkennbarkeit im Frühstadium und seiner eingeschränkten Empfindlichkeit gegenüber Tumormedikamenten und Bestrahlung zählt das Pankreaskarzinom zu einer sehr ernst zu nehmenden Krebserkrankung. Die einzige heilende Therapiemöglichkeit ist die Operation, die jedoch nur bei Tumoren ohne Hinweis auf Metastasen (Absiedlungen in anderen Organen) Erfolg verspricht.

Die Ursache der Entstehung eines Pankreaskarzinoms ist unbekannt. Bei einem kleinen Teil der Patienten findet sich ein familiär bedingtes Pankreaskarzinom. Bisher bekannte Risikofaktoren für die Entstehung eines Pankreaskarzinoms sind das Rauchen mit einem 2-3-fach erhöhten Risiko und die chronische Entzündung der Bauchspeicheldrüse, die Pankreatitis.

Symptome:

Als Symptome (klinisches Erscheinungsbild) können auftreten: schmerzloser Ikterus (Gelbsucht), Gewichtsverlust, neu aufgetretener Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit), Oberbauchschmerzen, Appetitlosigkeit, körperliche Schwäche, Übelkeit und Erbrechen, Steatorrhoe (Fettstühle), Phlebothrombose (Blutgerinnsel) der unteren Extremität, Rückenschmerzen.

Diagnostik:

Die Diagnostik (Untersuchungen) dient zum einen der Bestätigung oder des Ausschlusses des Verdachts auf das Vorliegen eines Pankreaskarzinoms und ggf. der Erkennung von Absiedlungen, der Tumorausdehnung und seiner Lokalisation. Hierfür erfolgen Untersuchungen des Blutes auf Erhöhung der Cholestasewerte (Hinweis auf Gallenstau) und des Tumormarkers CA 19-9 (zur postoperativen Kontrolle auf Rezidivfreiheit). An bildgebender Diagnostik bietet sich die Sonographie (Ultraschall) des Bauchraumes sowie die Schnittbilddiagnostik mit Kontrastmittel (Computertomographie/Magnetresonanztomographie) an. Die Endosonographie (endoskopischer Ultraschall) ermöglicht eine Darstellung der Bauchspeicheldrüse von der Magenhinterwand aus. Im Rahmen einer solchen Untersuchung kann auch eine Feinnadelpunktion durchgeführt werden, um Gewebe oder wenigstens einzelne Zellen für eine feingewebliche Untersuchung zu gewinnen. Der Begriff ERCP (Endoskopische Retrograde Cholangio-Pankreaticographie) ist die Abkürzung für eine endoskopische Methode zur Darstellung der Gallen- und Pankreasgänge. Im Rahmen einer ERCP-Untersuchung kann eine Verengung des Gallengangs infolge Tumorkompression behoben oder auch eine Gewebeprobe entnommen werden.

Histologisch (feingeweblich) werden unterschiedliche Formen von Pankreaskarzinomen unterschieden. Mit über 90% sind duktale Adenokarzinome (Tumor aus dem Drüsengewebe der kleinen Pankreasgänge) am häufigsten. Seltenere Formen sind das azinäre Pankreaskarzinom, das muzinöse Adenokarzinom sowie endokrine Tumoren des Pankreas.

Therapieoptionen:

Um die bestmöglichen Therapieoptionen optimal aufeinander abzustimmen, werden alle Untersuchungsergebnisse eines Patienten im interdisziplinären Tumorkolloquium unter Beisein aller an der Diagnostik und Behandlung beteiligten Fachdisziplinen (Gastroenterologie, Radiologie, Pathologie, Onkologie, Strahlentherapie und Chirurgie) besprochen.

Konservative (nicht operative) Therapie

Bei Verengung oder Verschluss des Gallengangs sollte endoskopisch eine Endoprothese in den Gallengang gelegt werden. Bei Inoperabilität wird eine palliative Chemotherapie auch in Kombination mit einer Strahlentherapie durchgeführt. Eine Verbesserung des Befindens ist beim inoperablen Pankreaskarzinom und palliativer Chemotherapie möglich.

Operative Therapie

Die klassische Operation beim Pankreaskopfkarzinom ist die Operation nach Kausch-Whipple, im täglichen Sprachgebrauch meist nur „Whipple“. Bei dieser Operation wird der Pankreaskopf, der gesamte Zwölffingerdarm, die Gallenblase, der Gallengang, die unteren 2/3 des Magens sowie alle umgebenden Lymphknoten entfernt. In der größten Zahl der Fälle ist heute bei Patienten mit resektablem (operativ entfernbarem) Pankreaskopftumor alternativ zur Whipple-Operation die pyloruserhaltende Pankreaskopfresektion möglich, bei der der Magen belassen werden kann.
Bei nicht resektablem Tumorbefund kann eine Ableitung des Gallengangs angelegt werden, dass heißt der Gallegang wird in einer Dünndarmschlinge neu "eingepflanzt", um einen Abfluss der Gallenflüssigkeit zu gewährleisten. Bei Verschluss des Magenausganges oder des Zwölffingerdarms kann eine Gastrojejunostomie durchgeführt werden, dass heißt eine Verbindung zwischen Magen und Dünndarm hergestellt werden, um die Nahrungsaufnahme und ihren Weitertransport wieder zu ermöglichen.