A A A

Was ist die Basedow-Krankheit?

Die Basedow-Krankheit der Schilddrüse ist eine Autoimmunerkrankung, bei der das Abwehrsystem des Körpers gegen körpereigenes Gewebe reagiert. Zellen des Abwehrsystems produzieren dann Antikörper, die gegen das körpereigene Schilddrüsengewebe gerichtet sind und zu einer Entgleisung der Schilddrüsenfunktion führen.

Was sind Symptome der Basedow-Krankheit?

Die Basedow-Krankheit kann sehr unterschiedlich verlaufen. Symptome können sein:

  • Schmerzlose Vergrößerung der Schilddrüse (Kropf): Viele Patienten klagen dann über ein Kloßgefühl im Hals und können enge Kragen oder Halsketten nicht ertragen.
  • Schilddrüsenüberfunktion: Patienten berichten oft über innere Unruhe, Nervosität, Fahrigkeit, Schlafstörungen, Zittrigkeit, Schweißausbrüche, Unbehaglichkeit in warmen Räumen, Gewichtsverlust trotz gesteigerten Appetits, Durchfälle, Haarausfall, Muskelschwäche, Müdigkeit oder Erschöpfung. Patienten im fortgeschrittenen Lebensalter haben oft vergleichsweise diskrete Beschwerden und fallen erst durch Herzbeschwerden auf, oft ein Engegefühl im Brustkorb bei psychischer oder körperlicher Belastung (Angina pectoris) oder durch Herzjagen mit schnellem, unregelmäßigem Puls (Vorhofflimmern), zum Teil mit Luftnot.
  • Augensymptome: Bei 50-80% der Patienten richtet sich die fehlgeleitete körpereigene Abwehr auch gegen das Auge („Endokrine Orbitopathie“ (EO)). Das Gewebe hinter dem Auge schwillt dann an. Da der Platz in den knöchernen Augenhöhlen begrenzt ist, treten dann die Augen hervor („Glubschaugen“, Exophthalmus). Patienten berichten über Fremdkörpergefühl in den Augen, Augentränen und Blendungsempfindlichkeit. Ist der Schluss der Augenlider gestört, so kann sich die Hornhaut des Auges entzünden. Durch Entzündung der Augenmuskeln kann es zu Doppelbildern kommen.

Diese Symptome werden oft in der so genannten „Merseburger Trias“, bestehend aus: Struma (Schilddrüsenvergrößerung), Tachykardie (Herzrasen) und Exophthalmus zusammengefasst.

Wie behandelt man die Basedow-Krankheit?

In der Regel zunächst mit Medikamenten, dann aber auch mittels Schilddrüsenoperation oder Radiojodtherapie. Wichtig ist:
Meiden Sie unnötige Jodzufuhr bis zum Abschluss der Therapie.
Jod ist der "Treibstoff" für Ihre Schilddrüse. Befindet sich die Schilddrüse noch in einer Überfunktion, so kann Jodzufuhr zu einer Entgleisung der Stoffwechsellage führen. Jod ist enthalten in jodiertem Speisesalz, Jodtabletten, bestimmten Wundsalben und Desinfektionsmitteln. Ist eine Röntgenuntersuchung mit jodhaltigem Kontrastmittel nicht vermeidbar, sollte die Jodaufnahme in Ihre Schilddrüse medikamentös unterbunden werden.
Lassen Sie auch nach erfolgreicher Behandlung die Funktion Ihrer Schilddrüse mindestens einmal pro Jahr kontrollieren.
Auch wenn dies mit zunehmender Zeit immer unwahrscheinlicher wird, kann die Basedow-Krankheit auch nach Jahren noch wieder aufflammen; auch nach einer Schilddrüsenteilentfernung oder nach der Radiojodtherapie.
Lassen Sie sich augenärztlich überwachen, wenn bei Ihnen die oben beschriebenen Augensymptome (Fremdkörpergefühl, Brennen, Tränen) auftreten sind.
Wird die Behandlung der Augen unnötig verzögert, so drohen u. U. bleibende Schädigungen Ihres Sehvermögens.

Wie erfolgt die medikamentöse Behandlung der Basedow-Krankheit?

Die Schilddrüsenüberfunktion wird behandelt durch Medikamente, die die Produktion von Hormon durch die Schilddrüse hemmen: zumeist Thiamazol, Carbimazol oder Propylthiouracil oder, nur noch selten, Natrium-Perchlorat. Die Dosierung dieser Medikamente muss laufend an die aktuelle Schilddrüsenfunktionslage angepasst werden und erfordert dazu regelmäßige Kontrollen des Blutes durch Ihren Hausarzt.
Zusätzlich gibt man oft Betablocker (z.B. Propranolol), um die durch das Stresshormon vermittelten Folgen einer Schilddrüsenüberfunktion zu mildern.

Definitive Behandlung: Operation oder Radiojodtherapie?

Bei einem großem Kropf (Schilddrüsenvolumen >60ml) oder bestehender Augenbeteiligung, aber auch nach entsprechend langer medikamentöser Behandlung (über 12 Monate) ohne Erfolg, empfiehlt sich die "definitive" Behandlung der Krankheit durch eine Radiojodtherapie oder eine Schilddrüsenoperation. Ziel beider Behandlungen ist es, die Menge an Schilddrüsengewebe so weit zu vermindern, dass der verbliebene Schilddrüsen-Rest nicht mehr Hormon produzieren kann, als vom Körper benötigt wird. Um den Erfolg der Behandlung sicherzustellen, nimmt man dabei eine Schilddrüsenunterfunktion in Kauf. Anders als eine Schilddrüsenüberfunktion ist die Schilddrüsenunterfunktion aber einfach und nebenwirkungsfrei durch die Gabe von Schilddrüsenhormon-Tabletten zu behandeln.

Bei der Operation wird heute die komplette Entfernung der Schilddrüse empfohlen. Dies hat folgende Vorteile:
Sofortige Beseitigung der Schilddrüsenüberfunktion

  • Ausschluss eines Wiederauftretens der Erkrankung (Rezidiv)
  • wirksame Beseitigung der Kompressionssymptome großer Schilddrüsen
  • sofortige Eliminierung von Schilddrüsengewebe als Antigen und damit Besserung der Augenbeteiligung
  • In erfahrenen Zentren ist die Komplikationsrate gering und die Operation kann mittlerweile mit einem kleinen Schnitt als so genannte „Minimal Invasive Thyreoidektomie" durchgeführt werden.

Bei der Radiojodbehandlung schluckt der Patient eine Kapsel mit einer individuell berechneten Menge an radioaktivem Jod. Dieses wird dann in die Schilddrüse aufgenommen und verursacht innerhalb der ersten Wochen eine in der Regel symptomlose Entzündung der Schilddrüse, die dazu führt, dass die Schilddrüse teilweise vernarbt und schrumpft. Der wesentliche Effekt der Behandlung stellt sich nach ein bis drei Monaten ein.

Nachteile dieser Methode sind:

  • Voller Wirkungseintritt erst nach ein bis drei Monaten, und nicht immer schon nach der ersten Behandlung
  • Eine Schwangerschaft sollte innerhalb der ersten sechs Monate nach Behandlung vermieden werden
  • bei vorbestehender Augenbeteiligung kann es durch Antigenfreisetzung zu Verschlechterung der Augenbeschwerden kommen