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Marburger Kardiologen gegen verengte Herzkranzaterien

Marburger Kardiologen setzten gegen verengte Herzkranzarterien seit Jahresbeginn bereits über 100 Mal neuartige, selbstauflösende Stents ein

Sie sind eine neue Waffe im Kampf gegen Herzinfarkt und Herztod, der Todesursache Nummer 1 bei Männern und Frauen weltweit. Sie werden maschinell gewoben und bestehen aus einer Milchzuckerkette, die mit einem entzündungshemmenden Medikament getränkt und einem Polymer überzogen ist: Neuartige, selbstauflösende Stents. Seit Jahresbeginn wurden bereits über 100 Patienten auf den Marburger Lahnbergen damit versorgt.

Diese neuartigen Stents dienen der Bekämpfung von Ablagerungen in der Gefäßwand, über die es zu einer Verengung von Herzkranzgefäßen mit den Beschwerden Angina Pectoris (Enge in der Brust) oder plötzlicher Luftnot und Herzinfarkt kommt. Hieran sterben über 50.000 Menschen in Deutschland jährlich.

Zur Behandlung dieser Beschwerden werden seit über zwei Jahrzehnten von Kardiologen Stents eingesetzt, die ihre Spuren in den Herzkranzarterien hinterlassen, denn die herkömmlichen Gefäßstützen aus Metall-Legierungen wie Nickel-Titan halten zwar die Gefäße offen, zerstören aber die natürliche Gefäßstruktur und verbleiben ein Leben lang als Fremdmaterial im Herzkranzsystem. Bei einzelnen Patienten reihen sich diese Stents in den Herzkranzgefäßen über mehrere Zentimetern Gesamtlänge auf im Verlaufe der Jahre. In Europa werden pro Jahr mehrere hunderttausend Stents eingesetzt, in Deutschland allein mehr als 300.000.

Basierend auf Erfahrungen von selbstauflösendem Nahtmaterial aus der Chirurgie werden diese Stents in der Kardiologie des Marburger Uniklinikum seit Jahresbeginn erfolgreich eingesetzt. Diese neuen Stents lösen sich ähnlich wie Nahtfäden wieder auf, so dass kein Metallfremdkörper verbleibt und der Gefäßabschnitt anschließend ohne Narbenbildung wieder voll funktionsfähig ist, so Prof. Bernhard Schieffer, der Direktor der Klinik für Kardiologie.

Das bioresorbierbare Gefäßgerüst besteht aus einer Milchsäureverbindung, die sich auf natürliche Weise im Verlauf von wenigen Monaten auflöst und das Gefäß dabei heilen lässt, ohne dass Fremdmaterial im Herzkranzgefäß verbleibt.

Als eines von wenigen nationalen Zentren setzten die Ärzte des Uniklinikums diese Stents ein und haben durchweg positive Erfahrungen mit dieser neuartigen Therapieform sammeln konnten. Ein Wermutstropfen bleibt aber, denn „auch wenn Beobachtungen aus klinischen Studien in den letzten Monaten auf eine Überlegenheit dieser bioresorbierbaren Stents hinweisen, so sind diese neuen Stents nicht für jedermann oder jede Engstelle geeignet“ betonen der Direktor der Kardiologie, Prof. Bernhard Schieffer und sein Leiter des Katheterlabors, Dr. Michael Schoppet.

„Unsere eigenen Ergebnisse und Erfahrungen in den letzten Monaten mit dieser neuen Technik sind äußerst überzeugend“, sagte der Herzexperte der Uniklinik Marburg. Das ganze Team an der Uniklinik Marburg und Mitarbeiter am DRK-Krankenhaus in Biedenkopf wurden in dieser neuen Technik geschult, so dass sie rund um die Uhr auch im Notfall eingesetzt werden kann.

Weitere Fragen zum Einsatzgebiet dieser vielversprechenden Technik hofft das Team der Kardiologie um Prof. Schieffer in zukünftigen klinischen Untersuchungen klären zu können.