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Ursache für Brustschmerz

Man nennt es ein Joint Venture und es ist eine neue Art von Grenzgang, die dieses Jahr zum Wohle aller in der Stadt Marburg und dem Landkreis Marburg-Biedenkopf eingerichtet wurde. Eine Kooperation der besonderen Art zwischen dem DRK-Krankenhaus in Biedenkopf und dem Universitätsklinikum Marburg, die am 4. Juni nach sechsmonatiger Probephase offiziell an den Start gegangen ist: Eine „Chest Pain Unit“ (CPU), sprich eine Brustschmerzeinheit der Klinik für Kardiologie und Angiologie des UKGM am Standort Marburg und parallel eine zwei te CPU im DRK-Krankenhaus in Biedenkopf.

Die Besonderheit ist, dass diese speziellen Notaufnahmestationen mit sechs Überwachungsplätzen am Standort Marburg und vier am Standort Biedenkopf durch die gleichen Teams betrieben werden. In Marburg durch die Klinik für Kardiologie, Angiologie und Intensivmedizin des UKGM Marburg, am DRK-Krankenhaus in Biedenkopf wird die CPU betrieben von einem Team aus erfahrenen Intensivmedizinern der Klinik für Anästhesie und Intensivmedizin unter der Leitung von Prof. Hinnerk Wulf und der Klinik für Kardiologie des UKGM. Diese synchrone Eröffnung wurde an beiden Standorten mit Vertretern der Kliniken und der Lokalpolitik als ein großer Schritt zur weiteren Optimierung der Notfallversorgung von Patienten mit drohendem Herzinfarkt gefeiert.

Diese Überwachungseinheiten dienen speziell der Abklärung von akutem Brustschmerz, wie beispielsweise dem Verdacht auf Herzinfarkt oder andere lebensgefährliche Erkrankungen, die mit Brustschmerzen einhergehen, sagten die verantwortlichen Oberärzte Dr. Konstantinos Karatolios (Marburg) und Dr. Tilman Wächtershäuser und Dr. Alexander Sattler (beide Biedenkopf).

Gemeinsam hat dieses Team an Oberärzten angepasst an die örtlichen Gegebenheiten Behandlungspfade erstellt,
in denen die Patienten mit Brustschmerz an beiden Orten identisch und nach nationalen und internationalen Standards behandelt werden. Unterstützt wird dieses medizinische Joint Venture durch die Notärzte der Stadt und des Landkreises Marburg-Biedenkopf, die auch schwierige Transporte zwischen den Kliniken jederzeit leisten können, sagte der Leitende Notarzt Dr. Clemens Kill.

Ziel der Brustschmerzeinheit ist es, Patienten mit unklaren Brustschmerzen unmittelbar und ohne Umweg über die allgemeine Notfallaufnahme auf diese Station aufzunehmen und deren Symptome durch Spezialisten abzuklären. Wird ein Herzinfarkt festgestellt, kommt der Patient auf eine Intensivstation zur Überwachung und wird umgehend im Katheterlabor behandelt. Hierzu hält die Abteilung Kardiologie und Angiologie auf den Lahnbergen sechs Teams aus erfahrenen Notfallärzten in 24- Stunden-Bereitschaft vor.

Die Grundidee der „Chest Pain Unit“ ist es, allen Einwohnern in Stadt und Landkreis und ihren behandelnden Ärzten rund um die Uhr einen kompetenten Ansprechpartner anzubieten, der Patienten bei akutem Brust-schmerz, insbesondere mit Verdacht auf Herzinfarkt, Lungenembolie oder drohendem Hauptschlagader-Einriss unkompliziert übernimmt und eine rasche, qualitativ hochwertige Diagnostik und Therapie bereitstellt. Für diese Aufgabe wurde die CPU mit langjährig kardiologisch geschultem ärztlichen und pflegerischen Personal und einer spezialisierten technischen Ausstattung ausgerüstet. Die CPU hat Zugriff auf alle diagnostischen und therapeutischen Möglichkeiten des UKGM auf den Lahnbergen, wie beispielsweise Computertomographie der Koronararterien, Kernspintomographie, Herzkathetertherapie oder wenn notwendig, Herz- und Gefäßchirurgie. Abgerundet wird dieses Notfallkonzept durch eine Reihe von kreislaufunterstützenden Systemen, die bei Bedarf eingesetzt werden können.

Nach Ausschluss eines akuten Herzinfarktes oder anderer lebensgefährlicher Erkrankungen kann der Patient zur weiteren stationäre Diagnostik auf eine Station verlegt oder rasch - meist innerhalb der ersten 24 Stunden nach Hause entlassen werden. Durch dieses Vorgehen können stationäre Behandlungskosten reduziert, Fehlbelegungen vermieden und damit dringend benötigte Ressourcen für andere Patienten eingesetzt werden.

Entscheidend für die Umsetzung dieses Konzeptes sind die optimalen räumlichen Voraussetzungen, insbesondere die Nähe der CPU zu den drei Herzkatheterlaboren des UKGM in Marburg, die direkte Nähe zur kardiologischen Intensivstation und zu den Herz-Operationssälen. Das erlaubt eine schnelle und optimale Versorgung kritisch kranker Herzpatienten.

Ein weiterer Ausbau der engen Kooperation mit dem DRK-Krankenhaus Biedenkopf ist mit einer telemedizinische Anbindung für das nächste Jahr geplant, sagte Prof. Bernhard Schieffer, Direktor der Klinik für Kardiologie und Angiologie am UKGM Marburg, so dass alle Patienten mit einem hohen universitären Standard heimatnah behandelt werden können und nur für Spezialeingriffe ans UKGM gebracht werden müssen.