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Landesgartenschau Gießen

Gießens neue Wege zum Wasser und zur Wissenschaft

Gießen blüht an allen Ecken. Zur 5. Hessischen Landesgartenschau leuchten überall in der Stadt bunte Blumenwiesen und laden zu Hessens größtem Gartenfest ein. „Auf zu neuen Ufern!“ lautet das Motto der Schau, bei der die Universitätsstadt Gießen vom 26. April bis zum 5. Oktober 2014 Gastgeber ist. Das zentrale Anliegen der Ausstellung ist es, das Wasser, das die Stadt prägt, mit allen Sinnen erlebbar zu machen. Dafür wurden die beiden zentralen Uferlandschaften, die Lahn- und die Wieseckaue, umgestaltet und aufgewertet.

Die Lahnaue ist während der Landesgartenschau frei zugänglich. Dort präsentiert sich auf mehr als zwei Kilometern Länge ein stadtnaher Freizeit- und Erholungsraum für Spaziergänger, Radler und Wassersportler gleichermaßen. Mit der Neugestaltung des Geländes ist es gelungen, auch langfristig den Fluss für die Stadt zurückzugewinnen. Die Besucher sind dort eingeladen, die Wasserlandschaft von Hessens wohl romantischstem Fluss über und unter der Oberfläche neu zu entdecken. Etwa mit einem Lahn-Fenster, das Einblicke in die Unterwasserwelt gibt, oder im hochwertig gestalteten Mühlengarten. Für den Bereich Lahnaue ist ein Rahmenplan für die kommenden Jahrzehnte erstellt worden. Die Flussufer sollen Schritt für Schritt den Menschen wieder erreichbar gemacht und so mancher städtebaulicher Wildwuchs beseitigt werden. Einzelne Maßnahmen sind bereits bis zum Beginn der Landesgartenschau realisiert worden, wie zum Beispiel der Christoph-Rübsamen-Steg als dritte Brücke über die Lahn.

Die Wieseckaue bildet das grüne Herz der Ausstellung und den eintrittspflichtigen Bereich. Der 35 Hektar große Park mit seinen ausgedehnten Wasserflächen lädt an vielen Stellen zum Verweilen ein und bietet besondere Ausblicke auf das reich blühende und mit besonderen Blickachsen gestaltete Freiland, aber zugleich auch wechselnde Blumenschauen, Anregungen für den eigenen Garten und viel Unterhaltung.

Eine Besonderheit ist die Verbindung beider Ausstellungsflächen durch die Gießener Innenstadt. An den 163 Tagen der Ausstellung wird damit die gesamte Stadt zur Gartenschau. Auch die Wege zwischen den beiden Geländen sind Teil des botanischen Erlebnisses. Drei Korridore durch die Stadt sorgen dafür, dass die Wieseck- und die Lahnaue näher zusammenrücken. Auf den rund 1,3 Kilometern Wegstrecke des zentralen Korridors etwa winken weitere Erlebnisse im historischen Botanischen Garten oder im neuen Gießkannenmuseum.

Da Gießen mit einem Studierendenanteil von 37 Prozent der Stadtbevölkerung die höchste Studierendendichte in Deutschland aufweist, lag es nahe, die Tradition der Wissenschaftsstadt auch in die Landesgartenschau aufzunehmen. Deshalb ist die Wieseckaue, die 1969 für den Hessentag als Stadtpark angelegt wurde, für die Dauer der Gartenschau und darüber hinaus zu einem „Wissenschafts-Volkspark“ umgestaltet worden.

Direkt hinter dem Eingang an der Ringallee wird die zentrale Achse aus der Innenstadt auch im Gartenschaugelände weitergeführt. In den dortigen sieben von Studierenden der Justus-Liebig-Universität und der Technischen Hochschule Mittelhessen konzipierten Wissenschaftsgärten werden die Besucher dazu angeregt, die Welt um sich herum aus neuen Blickwinkeln zu betrachten.
Namen wie „Paradiesgarten“, „Grünes Mathematikum“ oder „Garten der Biodiversiät“ verheißen spannende Einblicke in Themen wie Artenvielfalt und Umweltveränderungen. Den Studierenden ging es darum, Wissen rund um Lebewesen und deren Umwelt spielerisch zu vermitteln. So schafft der „Paradiesgarten“ Raum für die individuelle Vorstellung eines jeden Besuchers. In einem sechs Meter hohen Holz-Pavillon laden die mit Tafellack gestrichenen Wände dazu ein, mit eigenen Worten oder Bildern zu beschreiben, wie man sich das Paradies vorstellt. Unter dem Titel „Schlammbeisers Garten“ fordern die Studierenden den Besucher auf, sich auf eine Zeitreise in die botanische Vergangenheit Gießens, in Sumpf- und Auenlandschaften zu begeben. Ein „Grüner Hörsaal“ bietet sogar Platz für Seminare unter freiem Himmel. Umgeben sind diese Anlagen von Staudenbeeten, in denen Hahnenfuß-Gewächse, Knöteriche und Korbblütler die Vielfalt ihrer jeweiligen Pflanzenfamilie repräsentieren. Nur wenige Schritte weiter reihen sich auf einer Fläche von 12.000 Quadratmetern 13 kreisrunde Themengärten wie eine Molekularkette aneinander. In ihnen zeigen die hessischen Gärtner die Fülle ihrer Gestaltungsideen, mal asiatisch schlicht und reduziert, mal üppig duftend mit Rosenbögen und Kräutern. Der Gärtnertreff, eine Einrichtung der Fördergesellschaft Landesgartenschauen Hessen und Thüringen, präsentiert sich in unmittelbarer Nähe mit einem Gewächshaus und bietet während des gesamten Ausstellungszeitraumes viel Wissenswertes für Gartenfreunde. Zudem dokumentieren 27 Mustergräber den hohen Standard moderner Friedhofskultur. Im benachbarten Gartenforum erhalten die Besucher Informationen und Beratung rund um den Zier-, Obst- und Gemüsegarten und können sich beispielhafte Pflanzungen vor Ort anschauen. Ebenfalls auf dieser zentralen Fläche lädt der Gärtnermarkt mit 13 Pagodenzelten an 163 Tagen zum Schlendern und Entdecken ein. Gärtner, Handwerker und Künstler bieten den Besuchern dort die Möglichkeit, ein Stück Landesgartenschau mit nach Hause zu nehmen. In der Blumenhalle zeigen 13 abwechselnde Schauen, dass aus Schnittblumen und Pflanzen auch kleine Kunstwerke entstehen können. Je nach Jahreszeit sind dort Frühjahrsblüher, Rosen oder Herbstblumen zu sehen. Ein klassischer Senkgarten, wie er Ende des 19. Jahrhunderts in England modern war, gibt im Norden der Wieseckaue Duftpflanzen und Raritäten einen besonderen Rahmen. Ein malerischer Bach schlängelt sich durch diesen Quellgarten in den nahegelegenen Neuen Teich. Im Freiland entfaltet zudem gleich zu Beginn der Gartenschau ein Rhododendron-Hain seine Blütenpracht.

Für junge Besucher ist auf dem Gelände mehr als das übliche Spielgerät zu finden. Eigens für Jugendliche wurde ein neuer Skate-Park mit Elementen des urbanen Streetstyle angelegt, bei dessen Planung die Wünsche der jungen Nutzer berücksichtigt wurden. So sind natürlich Elemente wie Hips, Banks, Roundrails, Ledges, Curbs und Tables in verschiedenen Längen und Anordnungen gesetzt. Nebenan laden vier Spielschollen die Kinder ein, sich als Forscher und Entdecker auf den Spuren von Alexander von Humboldt zu betätigen. Die Reise des berühmten Naturforschers nach Südamerika im 19. Jahrhundert stand Pate für die hölzernen Spielgeräte, die mit Krokodil und Einbaum mal an seine Fahrt auf dem Orinoco erinnern und mal eine indianische Ausgrabungsstätte im mexikanischen Acapulco nachbilden. An jeder Station können die Kinder selbst Geräte bedienen und ihre Umwelt erforschen.

Darüber hinaus bieten mehr als 2000 Veranstaltungen an den 163 Tagen Unterhaltung für jeden Geschmack. Prominente Künstler wie die Comedians Bodo Bach, Kaya Yanar oder der Deutsch-Pop-Sänger Bosse stehen ebenso auf dem Programm wie Auftritte der besten örtlichen Newcomer-Bands, Open-Air-Kino, Zaubershows, Sportangebote, ein Unicef-Kinderwochenende oder eine romantische Lichternacht. Die Besucher der Landesgartenschau Gießen erwartet viel Wissenswertes, aber auch Spaß und Entspannung, egal zu welcher Tageszeit.