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Hessisches Aortenzentrum am UKGM

Startschuss für Hessisches Aortenzentrum am UKGM in Gießen Fachübergreifendes Expertenteam versorgt Patienten mit Erkrankungen der Hauptschlagader rund um die Uhr an 365 Tagen im Jahr / Notrufnummer geschaltet

Erkrankungen der Hauptschlagader (Aorta) sind vielfältig und manche verlaufen trotz moderner Operationstechniken tödlich. Umso mehr ist sowohl bei der Diagnose als auch der anschließenden Behandlung, sei es im Notfall oder im Rahmen eines planbaren Eingriffs, eine möglichst große Expertise gefragt. An der Klinik für Herz-, Kinderherz- und Gefäßchirurgie unter der Leitung von Prof. Andreas Böning wurden im vergangenen Jahr (2012)
allein bei Erwachsenen 172 Aorteneingriffe durchgeführt. Hierbei sind die Gießener Spezialisten in der Lage, Erkrankungen und Verletzungen an der gesamten Hauptschlagader von ihrem Ursprung im Herzbeutel bis hinunter in den Beckenbereich zu versorgen. Prof.
Böning: „Keine andere Klinik in Hessen und kaum Herzzentren in Deutschland sind wie wir Einrichtungen für kombinierte Herz- und Gefäßchirurgie. In vielen anderen Herz- und Gefäßkliniken gilt das Zwerchfell als anatomische Grenze für Herz- und Gefäßspezialisten. Diese Grenze ist aber gerade bei vielschichtigen Aortenerkrankungen nicht sinnvoll. Als ein Gießener Alleinstellungsmerkmal sind wir in der Lage, gemeinsam mit dem hessischen Kinderherzzentrum alle Erkrankungen der Aorta vom ersten Lebenstag bis ins hohe Alter behandeln zu können. Vor diesem Hintergrund möchten wir hier das 1. Hessische Aortenzentrum etablieren.“

Die Aorta ist die größte Schlagader des Körpers und hat eine Länge von 30 bis 40 Zentimetern. Ihre Form gleicht einem aufrecht stehenden Spazierstock. Sie sorgt für einen pulsierenden Blutfluss im Körper wobei sich ihre elastischen Wände mit jedem Herzschlag ausdehnen und wieder zusammen ziehen. Im Laufe eines Lebens sind die Aortenwände großen Belastungen ausgesetzt. Die häufigsten Krankheitsbilder der Aorta entstehen daher durch Schwachstellen der Gefäßwände. Wenn diese im Alter dünner werden, können sich auch aufgrund zusätzlicher Belastungen wie Bluthochdruck, Diabetes oder starkes Rauchen über mehrere Jahre ballonartige Aussackungen (Aortenaneurysma) bilden. Die große Gefahr: ein solches Aortenaneurysma wird von den Patienten meist nicht bemerkt und kann ab einer gewissen Größe platzen. Der Patient droht innerlich zu verbluten. Zudem können sich Blutgerinnsel festsetzen und die Gefäße verstopfen, so dass Organe von der Blutversorgung abgeschnitten werden. Dies kann auch durch Kalkablagerungen an den Gefäßwänden geschehen. Ein weiteres Krankheitsbild ist die sogenannte Aortenruptur, der Riss der Gefäßwand. Ein solcher Riss kann sowohl durch einen Unfall als auch durch eine altersbedingt immer dünner werdende Gefäßwand entstehen. „ Früh erkannt, lassen sich diese verschleißbedingten Krankheitsbilder meist gut behandeln“, sagt Ahmed Koshty, Leiter der Hessischen Aortenzentrums. „Wir haben hier auch durch das Vorhandensein eines der ersten Hybrid- Operationssäle in Hessen die Möglichkeit und die Expertise, sowohl offene als auch neueste minimalinvasive Operationen inerhalb des Gefäßes (endovaskulär) vorzunehmen.“ Bei diesen Eingriffen werden die brüchigen Stellen in der Gefäßwand durch Prothesen oder Stents (Gefäßstützen) überbrückt.

Im Hessischen Aortenzentrum arbeiten die Spezialisten aus verschiedenen Disziplinen fachübergreifend Hand in Hand. Das Team besteht aus Experten der Klinik für Herz- Kinderherz- und Gefäßchirurgie, der Klinik für Kardiologie und Angiologie (Direktor Prof. Christian Hamm), der Klinik für diagnostische und Interventionelle Radiologie (Direktorin: Prof. Gabriele Krombach) und der Klink für Kinderkardiologie (Direktor: Prof. Dietmar Schranz).

Neben den regelmäßigen ambulanten Sprechzeiten und geplanten Operationen bietet das Zentrum zudem eine Notfallversorgung rund um die Uhr an 365 Tagen im Jahr. Unter der Notfallnummer: 0641 985 56008 ist das Team Tag und Nacht zu erreichen.