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Interview mit einer angehenden Orthoptistin

„Man sollte Spaß am Kontakt mit den unterschiedlichsten Menschen haben“

Christine Bode im Interview mit Megan Schoch, 23 Jahre, im 3. Ausbildungsjahr an der Lehranstalt für Orthoptisten am UKGM in Gießen

Frau Schoch, wenn Sie erzählen, dass Sie Orthoptistin werden wollen, wie reagieren die Leute dann?

Lacht: Na ja, meist gucken sie dann etwas irritiert, weil in der Regel keiner auf Anhieb weiß, was das ist. Ich sag dann immer, ich klebe zum Beispiel Pflaster bei Kindern, die schielen. Da gibt‘s dann schon einen Aha-Effekt, denn das haben die meisten schon mal gesehen oder gehört.

Wie sind Sie auf die Ausbildung aufmerksam geworden?

Ich habe zuerst eine Ausbildung zur medizinischen Fachangestellten beim Augenarzt gemacht und da das Berufsbild kennen gelernt. Das hat mich so fasziniert, dass ich jetzt diese zweite Ausbildung noch hinten dran hänge.

Was macht denn die Begeisterung aus?

Ich finde es toll, dass man als Orthoptistin so selbstständig arbeiten kann, man stellt eigenständig Diagnosen, machteinen Behandlungsplan und begleitet die Patienten dann nicht selten auch über mehrere Jahre. Man arbeitet auch eng mit den Augenärzten zusammen, aber man ist in seinem Fachgebiet sozusagen der eigene Chef, natürlich noch nicht in der Ausbildung, aber wenn man dann ausgelernt hat, geht‘s los. Was mir außerdem richtig gut gefällt, ist der Kontakt mit so vielen unterschiedlichen Menschen in wirklich jeder Altersstufe, jeder ist anders, jede Erkrankung ist anders und man muss sich auch immer wieder neu auf den Einzelnen einstellen. Das ist total abwechslungsreich. Ein fünfjähriges Kind hat mich einmal zu seinem Geburtstag eingeladen, andere malen einem mal ein Bild, da freue mich dann total drüber!

Die Ausbildung ist ja sehr anspruchsvoll mit vielen theoretischen Fächern von Anatomie, über Kinderheilkunde, Physik, Hygiene bis zur Arzneimittelkunde, wie schwer ist das?

Klar es ist schon viel Stoff, gerade im ersten Ausbildungsjahr gibt es viel Theorie und man sollte Interesse an Anatomie und insgesamt an medizinischen Themen haben. Weil man ja aber immer auch praktische Übungen macht und nachmittags dann bei der Behandlung von Patienten dabei ist, sieht man auch, wofür das alles gut ist und wie es angewandt wird, so kann man‘s dann auch besser verstehen. Mich interessiert zum Beispiel besonders die Neurologie, also wie das Auge mit dem Gehirn verknüpft ist. Ich wusste vorher nicht, dass das System so komplex ist.

Was meinen Sie, welche Voraussetzungen braucht man, um die Ausbildung erfolgreich machen zu können?

Man sollte vor allem offen sein, auf andere zugehen können und Spaß am Kontakt mit den unterschiedlichsten Menschen haben. Außerdem sollte man Interesse für medizinische Zusammenhänge haben. Man muss dafür sicher kein Supertalent in den Naturwissenschaften sein, aber neugierig sollte man auf Fächer wie Anatomie und Neurologie schon sein.

Sie sind ja bald fertig mit Ihrer Ausbildung, wie sehen Sie denn die Chancen auf dem Arbeitsmarkt?

Die Aussichten sind ganz gut, man muss aber flexibel sein und sich in ganz Deutschland bewerben. Auch im Ausland sind Orthoptisten gefragt, zum Beispiel in Norwegen oder Neuseeland. Es gibt ja viele Einrichtungen, in denen man arbeiten kann von der Klinik über die Praxis bis zu Förderstätten für Sehbehinderte oder aber Reha-Häuser. Ich würde am liebsten in einer Augenarztpraxis arbeiten, das finde ich familiärer.

Frau Schoch, danke für das Gespräch und Ihnen viel Erfolg bei der Abschlussprüfung!