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Kontrolliert die Pfunde purzeln lassen

Bei krankhaftem Übergewicht bietet das Adipositaszentrum Mittelhessen professionelle Hilfe und lebenslange Begleitung Von medizinisch fundierter Diät bis zur chirurgischen Magenverkleinerung

Adipositas (krankhaftes Übergewicht) ist eine chronische Krankheit, die sich in der westlichen Welt epidemieartig ausbreitet. Laut einer Studie der OECD (Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) haben Übergewicht und Adipositas das Ausmaß einer „gefährlichen Volkskrankheit“ angenommen: heutzutage ist bereits jeder zweite Erwachsene übergewichtig und jeder fünfte adipös. Übergewicht und Adipositas lassen sich durch den sogenannten Body-Mass-Index (BMI) errechnen: Dabei wird das Gewicht in Kilogramm durch die Körpergröße in Quadratmeter geteilt. Liegt der errechnete Wert über 25 gilt das als Übergewicht, bei Werten über 30 spricht man von Adipositas.

Das Angebot des Adipositaszentrums Mittelhessen am UKGM richtet sich an alle Betroffenen mit einem BMI über 25. Da extremes Übergewicht in der Regel eine Vielzahl an Folgeerkrankungen wie Diabetes, Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörungen, Herz- und Gelenkerkrankungen sowie unter Umständen Unfruchtbarkeit bei Frauen mit sich bringt, arbeiten am UKGM verschiedene Fachdisziplinen Hand in Hand für den Patienten. Der internistische Teil des Adipositaszentrums ist an der Medizinischen Klinik und Poliklinik III unter der Leitung von Prof. Andreas Schäffler angesiedelt. Alle Maßnahmen werden von Expertenteams besprochen und geplant. Grundsätzlich stehen zwei medizinisch fundierte Programme zur Verfügung:

1.Das 15-Wochen-Therapieprogramm bei einem BMI von 25 bis 30. Über diesen Zeitraum treffen sich die Teilnehmer regelmäßig und werden bei ihrer strukturierten Diät von einem Team aus Ärzten, Ernährungswissenschaftler und Verhaltenstherapeuten begleitet.2.Das Jahresprogramm bei einem BMI über 30. Hier wird das interdisziplinäre Team noch durch Bewegungstherapeuten ergänzt. Die Teilnehmer treffen sich ein Jahr lang wöchentlich.

Wer dran bleibt und die breitgefächerte Unterstützung annimmt, hat gute Erfolgsaussichten, sagt Programmleiterin Dr. Inga Busse: „Im Langzeittherapieprogramm ist es innerhalb eines Jahres möglich, im Durchschnitt etwa 25 Kilo zu verlieren. Das entspricht einem Gewichtsverlust von rund 34 Prozent. Im Kurzzeitprogramm verlieren die Teilnehmer innerhalb von 15 Wochen rund 10 Kilo.“ Ausschlaggebend für einen langfristigen Erfolg ohne den gefürchteten „Jo-Jo-Effekt“ ist jedoch nicht nur die Diät, sondern auch die Nachbetreuung der Teilnehmer. So besteht für alle die Möglichkeit, auch nach dem Ende des Programms, einmal im Monat kostenlos an Gruppentreffen teilzunehmen und sich mit den Experten auszutauschen. Auch eine individuelle kostenpflichtige Betreuung mit Ernährungsprotokoll und medizinischer Kontrolle ist jederzeit möglich.„Wir vermitteln auch immer wieder den Kontakt zu Selbsthilfegruppen, denn wir sehen, dass der regelmäßige Austausch nach Ende der Programme für die Teilnehmer wichtig und vor allem motivierend ist“, betont Ernährungswissenschaftlerin Dr. Annette Hauenschild.„Mit unserem lebenslangen Betreuungsangebot auf den verschiedenen Ebenen sind wir hessenweit einmalig.“

Wenn die konventionellen Programme nicht mehr helfen und die Voraussetzungen gegeben sind, bietet das Adipositaszentrum Mittelhessen auch die Möglichkeit zum chirurgischen Eingriff. In zwei verschiedenen Varianten wird dabei mit Hilfe der Schlüssellochchirurgie der Magen verkleinert. Entweder durch einen Magenschlauch oder einen Magenbypass. „Ein solcher Eingriff sollte jedoch ganz am Ende der möglichen Maßnahmen stehen. Deshalb sind die Hürden dafür bei uns durch entsprechende Leitlinien auch hoch gesteckt“, sagt Dr. Jens Uwe Albrecht, Facharzt für Allgemeine Chirurgie. Die Patienten müssen zunächst ein mindestens sechsmonatiges konventionelles Programm durchlaufen haben und eine Verhaltenstherapie nachweisen. Die Erfolgsaussichten des chirurgischen Eingriffs sind außerordentlich gut:„Bei einem Magenbypass verlieren die Patienten innerhalb eines Jahres nach OP durchschnittlich zwei Drittel ihres Übergewichts. Bei einem Magenschlauch kommt man auf etwa 55 Prozent“, erklärt Albrecht. Schlüssel zum langfristigen Erfolg ist hier jedoch auch die Verhaltensumstellung bei Ernährung und Bewegung: „Gegen Schokolade und Coca Cola sind die besten Operationen wirkungslos“, so der Mediziner.

Weitere Informationen

Wer sich unverbindlich über das Angebot des Adipositaszentrums am UKGM in Gießen und Marburg informieren will, kann dies in den regelmäßigen Sprechstunden tun: Am Standort Gießen finden sie jeweils am ersten Donnerstag im Monat um 17.00 Uhr im Neubau, Klinikstraße 33 statt.

In Marburg am jeweils zweiten Donnerstag im Monat um 17.00 im Klinikum auf den Lahnbergen, Seminarraum 1/2149.

Mehr Informationen unter: http://www.ukgm.de/ugm_2/deu/ugm_azm/index.html Die Selbsthilfegruppe findet man unter http://www.shggiessen.org/