A A A
-->

Speichelsteine schonend entfernen

Gießener HNO-Klinik setzt auf modernes Verfahren
Mit Mini-Endoskop können Speichelsteine ohne Operation geborgen werden

Wenn einem regelrecht die Lust am Essen vergeht, weil schon der erste Biss ins Brötchen schmerzhaft ist, das Schlucken beschwerlich wird und sich ein ständiges Druckgefühl im Mund bemerkbar macht, dann könnte ein Speichelstein die Ursache dafür sein. Weitaus weniger bekannt als Gallen- oder Nierensteine, kommen Speichelsteine dennoch häufig vor. Nach Schätzungen sind bundesweit jährlich über 10.000 Menschen davon betroffen.

Der Speichelstein

Die kalziumhaltigen Steine können stecknadelkopfgroß sein, aber auch größer als eine Bohne werden und finden sich meistens in der Unterkiefer- oder Ohrspeicheldrüse. Sie machen sich vor allem dann schmerzhaft bemerkbar, wenn der Stein den Ausgang der Speicheldrüse verstopft. Der Speichel staut sich zurück und die Drüse schwillt an. Dabei kann es häufig zu Entzündungen kommen, denn Bakterien, die sich hinter dem Stein im Speichel anstauen, können nicht mehr ausgeschwemmt werden. Das macht in der Regel eine Behandlung mit Antibiotika erforderlich. Wie und warum Speichelsteine entstehen, ist noch weitgehend unbekannt.
Die meisten Fälle treten bei Erwachsenen im Alter zwischen 30 und 40 Jahren auf.

Das endoskopische Verfahren

Bislang wurden Speichelsteine entweder durch eine Operation entfernt oder mit Hilfe der Stoßwellen-Therapie (Stoßwellen-Lithotripsie) in kleine Teile zertrümmert. Nun hat sich ein neues Verfahren etabliert, das in der Gießener HNO-Klinik am UKGM mit Erfolg eingesetzt wird: die Entfernung von Speichelsteinen mit Miniatur- Endoskopen (Sialendoskopie). Dabei wird ein gerade mal ein Millimeter dicker Metallschaft in den Ausgang der betroffenen Kopfspeicheldrüse geführt. In diesem Metallschaft befinden sich ein Licht, ein Spül- und ein Arbeitskanal, mit deren Hilfe der behandelnde Arzt den Stein sehen, freispülen und mit kleinsten Zangen bergen kann. Prof. Claus Wittekindt, leitender Oberarzt der Gießener HNO-Klinik, arbeitet im „Schwerpunkt Speicheldrüsenerkrankung“ seit geraumer Zeit mit dieser neuen Technik:
„Auch wenn das Verfahren bislang erst an einem Viertel aller deutschen HNO-Kliniken angeboten wird, setzt es sich erkennbar durch, weil es für den Patienten besonders schonend und komplikationsarm ist. Bei uns werden mittlerweile pro Jahr etwas 100 Speichelsteine erfolg-
reich endoskopisch geborgen.“

Die Vorteile

Werden Speichelsteine durch eine offene Operation entfernt, muss meist die gesamte Speicheldrüse herausgenommen werden, die Folge ist eine mehrere Zentimeter lange sichtbare Narbe. Es kann dabei zu Verletzungen des Gesichtsnervs kommen, die in seltenen Fällen eine bleibende Gesichtslähmung zur Folge haben können. Bei der Alternativmethode durch die Stoßwellen-Therapie ist zwar kein operativer Eingriff nötig, allerdings gibt es dabei mitunter Probleme, die zertrümmerten Steinfragmente zu entfernen. „Das neue endoskopische Verfahren ist dagegen risikoarm und kann meist ambulant durchgeführt werden. Die Patienten bekommen eine örtliche Betäubung und der Eingriff dauert in der Regel eine halbe Stunde. Zuvor wird jedoch in einer genauen Diagnostik festgestellt, ob das Verfahren für den Patienten in Frage kommt. Manche Steine sind bereits zu groß und lassen sich auch mit Hilfe der kleinen Zangen, die über das Endoskop eingeführt werden, nicht verkleinern“, betont Wittekindt.