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Harnblasenkarzinom

Das Harnblasenkarzinom ist der zweithäufigste bösartige Tumor in der Urologie und stellt aufgrund seiner hohen Neigung zum Wiederauftreten (Rezidiv) eine besondere Herausforderung in der urologischen Medizin dar. Unsere Hauptschwerpunkte in diesem Bereich sind:

  • Die optimierte endoskopische Chirurgie unterstützt durch photodynamische Diagnostik.
  • Die bestmögliche Vorbeugung durch Hyperthermie Chemotherapie.
  • Die bestmögliche Nachsorge durch hochauflösende, flexible Cystoskopie in HD Qualität mit verstärkender Kontrastanhebung durch Narrow Band Imaging (NBI).
  • Dem längst möglichen Organerhalt durch die Kombination der Punkte 1-3.
  • Die effektivste Radikalchirurgie der Harnblase mit optimierter Harnableitung unter Berücksichtigung bestmöglicher Lebensqualität und biologischer Leistungsfähigkeit.

Die klinischen Zeichen

Der größte Teil aller Patienten wird durch klinische Symptome auffällig.  Das drastischste Zeichen ist die Makrohämaturie, die Patienten haben sichtbar blutigen Urin.  Außerdem fallen Patienten bei der ärztlichen Untersuchung durch mikroskopische Blut Beimengungen auf oder leiden an anhaltendem, quälenden Harndrang. In jedem dieser Fälle sollte eine urologische Kontrolle durch eine Zystoskopie (endoskopische Untersuchung durch die Harnröhre) erfolgen. In den meisten Fällen erfolgt dies über die niedergelassenen Urologinnen und Urologen, die den Patienten darauf hin zur stationären, operativen Behandlung einweisen.

Die Photodynamische Diagnostik unter TUR-Blase

Bereits seit 1997 beschäftigen wir uns mit dem Thema der Diagnosesicherung und Entfernung der Blasentumore mittels fluoreszenzgestützter Technik (photodynamische Diagnostik). Durch die langjährige Erfahrung in diesen Bereich sind wir ein Ausbildungszentrum für die photodynamische Diagnostik geworden. Bei der photodynamischen Diagnostik wird ein Medikament per Katheter in die entleerte Harnblase gegeben. Nach einer Einwirkzeit von einer Stunde wird dann die endoskopische Operation in Narkose durchgeführt. Hierzu wird ein spezielles Instrumentarium eingesetzt, welches ein blaues Anregungslicht in die Blase abgibt und den Fluoreszenzeffekt auslöst, so dass alles Tumormaterial in der Blase als rot leuchtendes Gewebe dem operierenden Arzt durch die verstärkte Kontrastierung sicher auffällt.

Hierdurch werden gleich mehrere Effekte erreicht, die sich vorteilhaft auf den weiteren Verlauf der Blasentumorerkrankung auswirken:

  1. Die Möglichkeit einen Blasentumor zu übersehen wird deutlich reduziert.
  2. Der Tumor kann durch die Fluoreszenz-Markierung insbesondere in den sonst leicht zu übersehenden Randbereichen viel häufiger vollständig entfernt werden.
  3. Insbesondere flache, aber besonders bösartige Tumore (Carcinoma in situ) können mit wesentlich höherer Genauigkeit erkannt und entfernt werden (Steigerungsrate zwischen 20 und 30 %). 

Zusammenfassend kann man sagen, dass diese Technologie die Effektivität der endoskopischen Resektionsbehandlung des Harnblasenkarzinoms deutlich verbessert und dazu beiträgt eine möglichst niedrige Rate an Rezidiven sicherzustellen.  Außerdem wird die Risikoklassierung der Tumore damit möglichst exakt vorgenommen und eine bestmögliche vorbeugende Nachbehandlung sichergestellt.

Optimierte, vorbeugende Rezidiv Vermeidung durch den Einsatz von Hyperthermie Chemotherapie nach der Synergo Methode

Zur Rezidiv Vermeidung wird bei mittelgradig- und hochgradig aggressiven Harnblasenkarzinomen eine vorbeugende Nachbehandlung notwendig. Nach den aktuellen Leitlinien der Urologie sind hierzu Chemotherapie Gaben in die Harnblase oder Immuntherapien mit BCG Instillation in die Harnblase angezeigt. Diese können ambulant durch niedergelassene Urologen durchgeführt werden.  Im Falle von Therapieversagen oder BCG-Unverträglichkeit dieser vorbeugenden Behandlungen bieten wir die Hyperthermie-Chemotherapie als alternative Therapie an. Im intermediären Risiko wird die Therapie als vorbeugende Behandlung mit 6 wöchentlichen Behandlungen (Induktionsphase) gefolgt von 6 Behandlungen alle 6 Wochen (Erhaltungstherapie) durchgeführt. Bei Hochrisiko Patienten die einen nicht-muskelinvasiven Harnblasentumor hatten, wird die Behandlung zur Ausmerzung von potenziell vorhandenen Resttumoren in einer intensivierten Form durchgeführt. In der Induktionsphase (8 Wochen) wird die Mitomycin Chemotherapie wöchentlich mit 2x40 mg über 1 Stunde mit Überwärmung auf 42° behandelt. Drei Wochen nach dieser Induktionstherapie wird eine erneute endoskopische Operation zur Prüfung auf verbliebenes Resttumormaterial durchgeführt. Sollte sich hierbei die Tumorfreiheit dokumentieren lassen, so wird die Therapie mit der Erhaltungstherapie (sechsmal alle 6 Wochen eine Behandlung) fortgesetzt. Unter der Behandlung erfolgen in beiden Therapieansätzen endoskopische Kontrolluntersuchungen alle drei Monate.

Optimierte endoskopische Nachsorge

Neben der kooperativen Zusammenarbeit mit unseren niedergelassenen Kolleginnen und Kollegen, die die Nachsorgekontrollen Ihrer Patienten in der Praxis übernehmen, wird in unserer uro-onkologischen Ambulanz auch der Service der flexiblen endoskopischen Cystoskopie-Nachsorge angeboten. Hierbei kommt ein System mit HD Technik und 4K Monitor der Firma Olympus zum Einsatz. Dieses System bietet die Möglichkeit mithilfe der Narrow Band Imaging Technologie (Filter basierte Kontrast Verstärkung zur Sichtbarmachung von flachen Läsionen und kleinen exophytischen Tumoren am Urothel) die Empfindlichkeit in der Nachsorge maximal zu steigern und eine bestmögliche Sicherheitsbeurteilung für unsere Patienten bei maximalem Komfort während der Endoskopie sicherzustellen.

Operative Entfernung der Harnblase (Zystektomie) und Harnableitung

Wird bei der endoskopischen Entfernung des Blasentumors ein Einbruch des Tumors in die Muskulatur der Harnblase oder eine so große Tumorausbreitung festgestellt, dass eine organerhaltende Therapie nicht vertretbar erscheint, so wird unseren Patienten eine radikal chirurgische Tumorentfernung (Cystektomie) mit einer für sie optimalen Harnableitung angeboten. Wir streben für geeignete Patienten immer die Rekonstruktion der Harnblase aus Dünndarmanteilen an, wobei der Patient auf natürlichem Wege urinieren kann (Ileum-Neoblase). Dabei wird eine aus Dünndarm geformte Tasche als Pouch zwischen Harnleitern und Harnröhre eingesetzt. Alternativ ist auch die Ausleitung der Harnleiter in ein Dünndarmstück welches auf der Haut endet (Ileum-Conduit) aus tumorbiologischen oder allgemein pathologischen Gründen notwendig und möglich. Die Vor- und Nachteile der verschiedenen Operationsverfahren werden in einem ausführlichen Gespräch mit dem Patienten und seiner Familie, sofern gewünscht, besprochen, wobei Tumorstadium, Patientenalter und allgemeiner körperlicher Zustand sowie Begleiterkrankungen des Patienten berücksichtigt werden.  Es liegt uns also nicht nur am "Behandlungsfall", sondern besonders an der ganzheitlichen Betreuung unserer Blasenkrebspatienten.

Selbsthilfe                           

Wir unterstützen den Blasenkrebs-Selbsthilfe-Gruppe Gießen , die sich regelmäßig im Klinikum trifft.

In Selbsthilfegruppen (ShG) kommen Menschen zusammen, die unter einem gemeinsamen Problem leiden, um mit vereinten Kräften etwas zu dessen Überwindung beizutragen. Ziel einer ShG ist die umfassende Information und der Erfahrungsaustausch zur Erkrankung und deren Behandlungsmöglichkeiten, Rat und Hilfe bei alltäglichen Dingen im Umgang mit der Krankheit und zur Steigerung der Lebensqualität.


Kontakt: www.Blasenkrebs-ShB.de. Weitere Informationen: www.SHGBH.de