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Kinderneurologie und Sozialpädiatrie

Kinderneurologie – worum geht es?

 

Die Kinderneurologie (oder Neuropädiatrie) diagnostiziert und behandelt Kinder mit Erkrankungen des zentralen (Gehirn- und Rückenmark) und des peripheren Nervensystems (Nerven der Extremitäten). Dies beinhaltet organische Störungen (z.B. nach Verletzungen) wie auch Erkrankungen der Psyche, Kognition und des Verhaltens. Aufgabe der Kinderneurologie ist die bestmöglich Behandlung und Unterstützung der erkrankten Kinder und deren Familien mit dem Ziel einer normalen privaten und beruflichen Lebensprognose.

 

Für die Häufigkeiten der „klassischen“ neurologischen Krankheiten im Kindesalter liegen gute Anhaltszahlen vor, die die Größenordnung dieser Patientengruppe wiedergeben.

 

In Hessen leben ca. 50.000 Kinder mit neurologischen Erkrankungen. Etwa die Hälfte hiervon wurde in Hessen geboren (ca. 25.400). Diese Zahl errechnet sich aus der Summe der Geburtenraten in Hessen über 18 Jahre und der Inzidenz (Häufigkeit) neurologischer Krankheiten bei Kindern in Deutschland. Da jedoch viele Kinder im Rahmen von Migrationsprozessen mit ihren Familien nach Hessen kommen, überrascht es nicht, dass die Zahl der neurologisch kranken Kinder insgesamt etwa doppelt so hoch liegt.

 

Beispiele für häufige neurologische Erkrankungen bei Kindern:

 

Cerebralparese (2,5 pro 1000) 2.700 
ZNS-Traumata 1.050
Epilepsie (4 pro 1000) 4.320
Mentale Retardierung (12,5 pro 1000) 13.500
Fehlbildungen des ZNS 150
Entzündungen des ZNS 325
Neurometabolische Erkrankungen (0,7 pro 1000) 515
Neuromuskuläre Erkrankungen (0,3 pro 1000)   325
(Hirn-)Tumore (0,025 pro 1000) 30
Teilleistungsstörungen etc. 2.500
  ( 25.415)

 

(Kumulativ berechnet auf 18 Jahrgänge und eine Geburtenrate in Hessen von 60.000 Gebur­ten pro Jahr. Angelehnt an das Statuspapier der Gesellschaft für Neuropädiatrie).

 

Im Rahmen des schnellen Fortschritts der Kinderheilkunde, z.B. in der Neonatologie und Inten­sivmedizin, der pädiatrischen Kardiologie und der Onkologie sowie der Transplantationsmedizin steigt die Heilungsrate der erkrankten Kinder kontinuierlich. Es zeigt sich jedoch, dass eine beträchtliche Zahl der Kinder, die eine solche Erkrankung überstanden haben, neurologische Symptome aufweist. Kon­servative Schätzungen besagen, dass 25 % der stationär behandelten Kinder eines Kinder­krankenhauses an neurologischen Krankheitsbildern leiden oder entsprechende Störungen als relevanten Teilaspekt ihres Krankheitsbildes zeigen.

 

Die Kinderneurologie arbeitet prinzipiell in einem großen interdisziplinären Team. Hierzu gehören neben den Ärzten viele sich ergänzende Berufsgruppen von Pflegekräften, Physio- und Ergotherapeuten über Psychologen, Heil- und Sonderpädagogen, Sozialarbeiter, Logopäden, Diätassistentinnen bis hin zur Casemanagerin.

 

Prof. Dr. med. Bernd A. Neubauer

Leiter der Abteilung