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Psoriasis (Schuppenflechte)

Ansprechpartner: Prof. Dr. Uwe Gieler, Geschäftsführender Oberarzt der Klinik für Dermatologie und Allergologie

Die Schuppenflechte (Psoriasis) ist die häufigste immunologisch bedingte Erkrankung der Haut. Etwa 2 % der Bevölkerung leiden an einer Psoriasis, die durch schuppende, rötliche, mitunter auch stigmatisierende Hautläsionen gekennzeichnet ist. Bei etwa 20 % der Betroffenen kommt es darüber hinaus zu einer entzündlichen Gelenkbeteiligung, der sog. Psoriasisarthritis. Befunde der letzten Jahre deuten darauf hin, dass Psoriatiker häufiger an kardiovaskulären und metabolischen Erkrankungen leiden, zudem treten chronisch-entzündliche Darmerkrankungen und Depressionen gehäuft auf.

Wenngleich die Ursachen der Psoriasis noch im Dunkeln liegen, so ist doch gesichert, dass bestimmte Blutzellen (T-Lymphozyten), die in die Haut einwandern, eine Entzündungskaskade in Gang setzen, die schließlich zu einer überschießenden Vermehrung der Deckzellen der Haut (Keratinozyten) führt, die dann als Schuppung wahrgenommen wird. Die familiäre Häufung der Schuppenflechte deutet auf einen genetischen Hintergrund der Erkrankung; zudem können verschiedene Faktoren (z.B. Streptokokkeninfekte, Medikamente wie ß-Blocker, ACE-Hemmer und Stress) eine Schuppenflechte auslösen bzw. verschlechtern.

Für die Behandlung der Schuppenflechte stehen heute unterschiedliche und erfolgversprechende Therapieansätze zur Verfügung. Äußerlich (topisch) anzuwendende Dermatika mit Wirkstoffen wie Salicylat oder Harnstoff (Urea) dienen der Lösung von Schuppen. Topische Glukokortikoide und Vitamin D-Analoga wirken antientzündlich während topische Vitamin A-Präparate in erster Linie die abnorme Vermehrung der Deckzellen hemmen. Das seit über 90 Jahren eingesetzte Cignolin (Dithranol) ist bis heute ein wichtiges Therapeutikum in der stationären Dermatologie.
Bei mittelschwerer Psoriasis wird die äußerliche Behandlung häufig mit einer UV-Bestrahlung kombiniert. Hier haben sich in den letzten Jahren die monochromatische UVB 311 nm-Lichttherapie und die Bade- oder Creme-PUVA-Therapie durchgesetzt, bei der die Haut vor Bestrahlung mit einem Photosensibilisator behandelt wird.
Für schwerere Ausprägungsgrade der Erkrankung sind innerliche Therapieformen unumgänglich, wobei hier Fumarate, Methotrexat, Ciclosporin A und Acitretin zur Verfügung stehen. Methotrexat eignet sich insbesondere für Patienten, bei denen gleichzeitig eine Psoriasisarthritis besteht. Sollten die klassischen Systemtherapeutika oder eine PUVA-Behandlung nicht zum Erfolg führen, mit unerwünschten Wirkungen einhergehen oder kontraindiziert sein, so können Biologika eingesetzt werden. Diese erstmals im Jahr 2004 für die Behandlung der Psoriasis zugelassenen Medikamente sind gentechnisch hergestellte Antikörper oder Fusionsproteine, die relativ spezifisch in Entzündungsvorgänge eingreifen. Hier stehen Antagonisten des entzündungsfördernden Botenstoffs TNF zur Verfügung, nämlich der lösliche TNF-Rezeptorblocker Etanercept und die Antikörper Inflximab, Adalimumab und, seit Oktober 2009 für die Indikation Psoriasisarthritis zugelassen, Golimumab. Anfang 2009 wurde als neuer Therapieansatz für die Behandlung der Psoriasis mit Ustekinumab erstmals ein Antikörper zugelassen, der gegen eine gemeinsame Untereinheit der Zytokine IL-12 und IL-23 wirkt und hocheffektiv schwere Psoriasisformen bessert. 2015 wurde der Il-17-Antikörper Secucinumab sowohl für Psoriasis und Psoriasis-Arthritis als Therapieoption zugelassen, der ebenfalls bei vielen Psoriatikern gute Erfolge zeigt. Alle Biologica werden als Spritzen verabreicht und können in vielen Fällen auch selbst zuhause angewendet werden. Ebenfalls seit 2015 wurde ein weiteres Medikament zur Therapie zugelassen, dass als Enzym eine Phosphodiesterase-4-Hemmung bewirkt (Apremilast) und damit ebenfalls die Entzündung der Psoriasis eindämmt.


Die Fortschritte im Verständnis der molekularen Entstehung der Psoriasis haben in den letzten Jahren zu völlig neuen Therapiekonzepten geführt, die es uns erlauben, eine Schuppenflechte so effektiv und nachhaltig zu behandeln wie niemals zuvor. Eine Herausforderung ist es, gemeinsam mit dem Betroffenen die individuell beste Behandlungsoption zu finden. Hierbei werden in der Hautklinik auch die psychosozialen Aspekte und sonstige Kofaktoren mit in das Therapiemanagement einbezogen.