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Elektrophysiologie und Psychophysik

In der Augenheilkunde beschäftigt sich die "Elektrophysiologie" mit den körpereigenen elektrischen Spannungen der Netzhaut oder der Sehrinde, die „Psychophysik“ mit Messungen von Empfindungen anhand der Antworten in speziellen Testszenarien, z.B. Sehschärfe, Farbsinn, Gesichtsfeld und Kontrastwahrnehmung, z.B. auch im Dunkeln.

Die Elektrophysiologie beschäftigt sich in der Augenheilkunde mit den körpereigenen elektrischen Spannungen der Netzhaut oder der Sehrinde, die an der Hautoberfläche neben/über dem Auge bzw. dem Hinterkopf gemessen werden können. Dies ist vergleichbar mit dem EKG (Elektrokardiogramm = Ableitung von Herzströmen). Die elektrischen Impulse z.B. nach einem Blitzlicht geben je nach Messmethode Auskunft über die Summe oder Teile der elektrischen Funktion der Sehzellen, der Verstärkerzellen oder der Ganglienzellen der Netzhaut, oder über die Weiterleitung der Sehinformation an die Sehrinde am hinteren Pol des Gehirns.

Hierdurch können Erkrankungen, die zu verminderter Sehschärfe, eingeschränktem Gesichtsfeld oder Störung des Dämmerungssehens führen, erkannt und voneinander abgegrenzt werden, häufig bevor sie mit anderen Methoden sichtbar sind. In der bei uns durchgeführten Art, sind diese Messungen praktisch nicht belastend, so dass je nach Mitarbeit auch Kinder oder sogar Babies untersucht werden können, z.B. bei unklaren Sehstörungen. Bisweilen helfen die Untersuchungen auch bei der Eingrenzung komplexer Erkrankungen, die andere Organsysteme (z.B. Herz, Gehirn, Nieren) mit betreffen..

Mit „Psychophysik“ wird allgemein eine Messung durch eine streng kontrollierte Abfrage der eigenen Wahrnehmung der Patienten beschrieben (Paradigma) – es handelt sich um ein Überschneidungsgebiet der Psychologie und Physiologie. Hierunter fällt neben der Bestimmung der Sehschärfe das Farbensehen unter standardisierten Beleuchtungsbedingungen, des Gesichtsfelds (z.B. im Hellen und Dunklen oder unter direkter Beobachtung und Nachführung des Augenhintergrunds), oder das Kontrastsehen und die Fähigkeit, sich an Dunkelheit anzupassen.

Häufig lassen sich die für die Diagnostik wichtigen nächsten Schritte nur in Kenntnis der Anamnese und bisheriger Untersuchungsergebnisse bzw. deren Veränderung im Verlauf sinnvoll planen. Im Zweifelsfall kann eine Voruntersuchung bei uns mehr Klarheit über den kürzesten Weg zur Diagnose verschaffen, auch wenn hierzu mehr als ein Besuch in der Klinik notwendig ist.

Die Untersuchungen in unserem Labor finden in enger Kooperation mit den Sprechstunden der Klinik, insbesondere der „Kinderophthalmologie und Ophthalmogenetik“, statt. Ziel ist, bestimmte Erkrankungen auszuschließen, oder zwischen stabilen oder fortschreitenden Erkrankungen zu unterscheiden. Häufig ist es mit unseren Untersuchungsergebnissen möglich, das Spektrum möglicher Diagnosen so stark einzugrenzen, dass eine genetische Ursache hinreichend wahrscheinlich wird und über die Ophthalmogenetik eine sinnvolle molekulargenetische Untersuchung eingeleitet werden kann. Diese dauert dann häufig Monate, teilweise auch deutlich länger und führt trotz der Vorselektion nicht immer zu einer abschließenden Diagnose.

Ansprechpartner: OA Dr. med. C. Friedburg