A A A
-->

Telemedizin

Das telemedizinische Screening von Frühgeborenen mit Verdacht auf Frühgeborenenretinopathie (ROP) ist eine besondere Kompetenz der Giessener Augenklinik, da hier ein Readingcenter für die qualifizierte Auswertung der Bilder aus Kliniken der Region Mittelhessen aufgebaut wird.

Die Frühgeborenenretinopathie (retinopathy of prematurity, ROP) ist eine Komplikation, die aufgrund des zum Zeitpunkt der verfrühten Geburt nicht vollständig ausgereiften Gefäßnetzes im Auge entstehen kann. Da durch eine verbesserte intensivmedizinische Versorgung immer vorzeitiger geborenen Kinder gute Chancen auf ein Überleben haben, kommt stelle diese Erkrankung ein reales Risiko dar. Es ist daher enorm wichtig, dass frühgeborene Kinder regelmäßig von einem Spezialisten untersucht werden, was jedoch zu enormen Kosten führen und die Krankenversorgung, gerade im ländlichen Bereich, erheblich erschweren würde, da spezialisierte Augenärzte nicht in jeder Klinik vorhanden sind. Die Entwicklung eines telemedizinischen Netzes mit einem zentralen Auswertezentrum (reading center) kann die logistische Problematik ausgleichen.

 

An der Augenklinik in Giessen soll ein solches Reading Center aufgebaut werden, da hier mit Frau Prof. Lorenz eine ausgewiesene Spezialisting für die ROP Diagnostik vorhanden ist. Eine erste Zusammenarbeit wurde mit dem Perinatalzentrum der DRK Kinderklinik in Siegen (Chefarzt Prof. Dr. Rainer Burghard) begonnen. Bei allen Frühgeborenen mit einem Risiko für eine Frühgeborenenretinopathie entsprechend den Deutschen Leitlinien für das augenärztliche Screening von Frühgeborenen werden im Perinatalzentrum in Siegen von speziell trainierten Kinderärzten der Augenhintergrund mittels einer Spezialkamera (RetCam, Clarity Inc., USA) dokumentiert. Die Bilder werden elektronisch an das Reading Center an der Augenklinik des UKGM Standort Giessen geschickt und befundet. Das Reading-Center legt die weiteren Untersuchungen oder gegebenenfalls die notwendige Therapie fest, die in Abhängigkeit von dem Befund von den Augenärzten der Giessener Augenklinik entweder direkt im Perinatalzentrum in Siegen oder in der Giessener Augenklinik durchgeführt wird.  

 

Frau Prof. Lorenz hat langjährige Erfahrung mit diesem Verfahren, da sie 2001 ein Netzwerk in Ost- und Nordbayern aufgebaut hat. Die Sicherheit der Methode wurde im Rahmen eines Forschungsprojektes (DFG finanziert) evaluiert und kürzlich publiziert (Lorenz et al. Graefes Arch Ophth 2009).

Ansprechpartnerin: Univ.-Prof. Dr. med. B. Lorenz, Dr. med. M. Andrassi-Darida