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| Meilenstein für Transplantationsmedizin | |
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Internationales Team unter Gießener Leitung entwickelt Methoden, um Spender vor Reperfusionsschaden zu schützen
GIESSEN (fod). Jedes Kind, das nach einer Schneeballschlacht seine Hände wieder aufwärmt, kennt den Schmerz, der mit dem erneut einsetzenden Blutfluss in die Finger schießt. Dieses bei winterlichen Kinderhänden harmlose Phänomen kann jedoch tödlich enden, wenn Organe wie die Lunge, das Herz oder das Gehirn davon betroffen sind. Man spricht vom sogenannten Reperfusionsschaden, der sowohl im Bereich der Transplantationsmedizin als auch bei Herzinfarkt und Hirnschlag eine entscheidende Rolle spielt. „Wenn in einem auch nur kurzzeitig von der Sauerstoffversorgung abgeschnittenen Organ die Durchblutung wieder einsetzt, wirken Mechanismen, die zu einer noch viel schlimmeren Zerstörung von Gewebe führen, als der initiale Sauerstoff- und Blutmangel selbst“, sagte Prof. Friedrich Grimminger, einer der Koordinatoren des UGMLC (Universities of Giessen and Marburg Lung Center), an dem genau diese Phänomene erforscht werden. Unter der Leitung der hessischen Forscher ist es nun einem internationalen Team unter anderem aus München, Genf, Maastricht, London und Boston gelungen, eine neue Methode zu entwickeln, Spenderorgane zukünftig besser vor dem Reperfusionsschaden zu schützen und somit einen wichtigen Beitrag zur Überwindung des dringlichen Spenderorganmangels zu leisten. Erst kürzlich war dieses Thema auch Gegenstand des ersten standortübergreifenden Lungentransplantationssymposiums des Universitätsklinikums Gießen und des Transplantationsteams der Kerckhoff-Klinik in Bad Nauheim. Prof. Ardeschir Ghofrani, Lehrstuhlinhaber für Pulmonalvaskuläre Forschung an der Justus-Liebig-Universität (JLU) Gießen, erläuterte hierzu, „dass durch Aufklärungsarbeit die Spendebereitschaft der Bevölkerung verbessert werden kann, aber auch die Wissenschaft ihren Beitrag dazu leisten muss, die Knappheit an geeigneten Organen durch neue gewebeschonende Verfahren zu überwinden“. „Wir hoffen, dass die von uns neu beschriebenen Signalwege und Methoden zur Vermeidung des Organschadens, die aktuell in der Zeitschrift Nature veröffentlicht wurden, schnell Eingang finden in den Bereich der Lungentransplantationsmedizin. Dies wäre ein weiteres Beispiel dafür, wie Grundlagenwissenschaft schnell zum Wohle von Patienten umgesetzt werden kann“, erläuterte Prof. Norbert Weissmann, der sich mit seiner Forschergruppe an der JLU seit Jahren mit Lungenerkrankungen beschäftigt und Koordinator des internationalen Forscherkonsortiums war. |
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| Quelle: Giessener Anzeiger (2012-02-08) | |
| Webseite: http://www.giessener-anzeiger.de/ | |
| veröffentlicht von 2012-02-08 bis 2012-04-09 | |
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| Gießen als Standort der Krebsforschung »nachhaltig fördern« | |
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Verein erhält 150000 Euro für Nachwuchsforscher – Studie zu Blutgefäßwachstum findet weltweit Beachtung
Gießen (if). Nur drei Beispiele: Ein Organ ist von Krebs befallen – wie verändert sich das Gewebe rund um die Tumoren? Oder: Ionenstrahlen können Krebsherde im Gehirn zerstören. Aber was geht dabei vor sich? Ein drittes, ganz spezielles Problem: Wie lässt sich die Kau- und Schluckfähigkeit wieder herstellen, wenn Krebs den Kieferknochen zerstört hat? Junge Gießener Mediziner unterschiedlicher Fachrichtungen werden solchen und ähnlichen Fragen, mit denen sie sich teilweise bereits schon im Vorjahr beschäftigt haben, auch im eben begonnenen neuen Jahr weiter nachgehen können. Andere dürfen damit rechnen, die erforderlichen Mittel zu erhalten, um offene Probleme in Angriff zu nehmen: Der traditionsreiche »Verein für die Förderung der Krebsforschung in Gießen e.V.«, dessen Wurzeln ursprünglich bis in die siebziger Jahre des vorigen Jahrhunderts zurückreichen und damals aus Planungen zur Etablierung eines »Krebszentrums Gießen-Marburg« erwuchsen, machen es möglich. Bereits 2011 namhafte Beträge Wie der Hämatologe Prof. Hans Pralle, ehemals Direktor der Medizinischen und Poliklinik im Klinikum der Justus-Liebig-Universität, am Rande der Vorlage des Jahresberichtes 2011/12 und bei der Präsentation des Haushaltsplans für 2012 mitteilte, sind aus den demVerein zurVerfügung stehenden Mitteln im abgelaufenen Jahr bereits der Krebsforschung in Gießen 130000 Euro an Fördermitteln zugeflossen – namentlich Zuwendungen aus der »Uta-Korzilius-Kern«-Stiftung aus Ransbach-Baumbach, die seit Jahren »die akademische Krebsmedizin für die Menschen der Region« mit namhaften Mitteln unterstützt. Für das Jahr 2012 sieht der Haushaltsplan eine Erhöhung der Fördermittel auf weitere rund 150000 Euro vor. »Unser Ziel ist es, Gießen als Standort für Krebsforschung nachhaltig zu fördern und für Ärzte mit wissenschaftlichem Anspruch attraktiv zu machen«, erläutert Pralle, als dieser Tage junge Gießener Mediziner in der Uniklinik Überblicke über den Stand ihrer bereits vomVerein geförderten Forschungsarbeiten gaben oder in absehbarer Zeit anlaufende Projekte vorstellten. Die Förderung solle, so präzisierte Pralle, gezielt modernen Denkansätzen und fortschrittlichen Behandlungsstrategien für eher seltene Tumorerkrankungen zufließen. »Inzwischen haben wir Hinweise dafür gewonnen, dass es uns in den beiden vergangenen Jahren gelungen ist, junge, engagierte Wissenschaftler und Ärzte für Gießener Kliniken und die Fakultät zu gewinnen, die sich dem Wettbewerb an der vorderen Front der Krebsforschung stellen.« Die Vereinsmitglieder seien über diese Entwicklung erfreut und entschlossen, sie auch weiter zu unterstützen. Eine mit Vereinsmitteln geförderte, in Zusammenarbeit mit Darmstädter Schwerionenforschern entstandene erste Studie (Dr. Florentine Kamlah) ist inzwischen in einer weltweit gelesenen wissenschaftlichen Zeitschrift veröffentlicht worden. Dabei geht es um die Beeinflussung des Blutgefäßwachstums in Tumornähe. Der Verein unterstützt die weiterführenden Arbeiten durch die Beschaffung von Sachmitteln. Im Institut für Anatomie hat Tilman Graulich – Doktorand in einer Arbeitsgruppe von Prof. D. Mühlfeld – ebenfalls unterstützt durch den Verein, nach Erklärungen für die bei auszehrenden Krebserkrankungen häufig als Todesursachen auftretenden Lungenentzündungen geforscht. Dabei zeigten sich im Elektronenmikroskop Schäden der Nerven der größeren Atemwege und Defekte im Bereich der Lungenbläschen. Verschleimungen und Infektanfälligkeit von Krebspatienten sind damit besser verständlich geworden. Große Beachtung fand selbst auf internationalen Fachkongressen das vom Verein im Rahmen eines Promotionsstipendiums geförderte dritte Gießener Projekt, diesmal aus dem Bereich der Palliativmedizin. Der Ersatz von krebszerstörten Unterkieferknochen durch ein Stück mit Zahnimplantaten bestücktem Wadenbein ermöglicht den betroffenen Patienten wieder die Nahrungsaufnahme und verständliches Sprechen. Der junge, in Gießen promovierte ägyptische Zahnarzt Dr. Sameh Attia aus der Arbeitsgruppe der Mund-Kiefer-Gaumen-Spezialisten um Prof. Hans-Peter Howaldt berichtete von bemerkenswerten Behandlungserfolgen bei bisher insgesamt 20 Patienten. Attia will die Methode auch in seiner Heimat einsetzen, wo sie dringend benötigt wird, weil dort künstliche Ernährung für solche Patienten nur selten verfügbar ist. Im Zusammenhang mit dem in Gießen im Entstehen begriffenen interdisziplinären Schwerpunkt Hämostaseologie unter Leitung von Prof. Bettina Kemkes-Matthes will der Förderverein Hilfestellung bei der Entwicklung einer Software sozusagen als »Leitstelle« für Termin- und Ortsvereinbarungen für die von Marburg und Gießen aus zu betreuenden, in ganz Hessen verstreut lebenden Patienten mit seltenen Blutgerinnungsstörungen leisten. »Hier fördern wir ein Pilotprojekt, das sich ebenso für Patienten mit anderen seltenen Tumoren eignen wird«, betonte dazu Pralle. HNO!Forschungslabor entsteht Dass Viren auch an der Krebsentstehung beteiligt sind, ist seit der Nobelpreisverleihung an Prof. Harald zur Hausen nicht mehr umstritten und hat bekanntlich zur Entwicklung eines Impfstoffes gegen Gebärmutterhalskrebs geführt. In der Gießener Hals- Nasen-Ohrenklinik (Prof. Klußmann) ist derzeit ein Forschungslabor im Entstehen begriffen, das – geleitet von Dr. Steffen Wagner- im Verbund mit anderen HNO-Kliniken der Frage nachgehen wird, ob und wie sich namentlich im Hinblick auf bösartigeVeränderungen in der Kopf-Hals-Region ähnliche Möglichkeiten eröffnen. Der Förderverein unterstützt den Ausbau des Labors und die Arbeiten ebenso wie er plant, in der Pathologie (Prof. Stefan Gattenlöhner) mit Sachund Personalmitteln (Dr. Alexander Benz) die Arbeit im Speziallabor zur Untersuchung von Zellen des Immunsystems bei bösartigen, seltenen Erkrankungen der Lymphknoten zu unterstützen. * Spenden erreichen den Verein über die Konten Commerzbank Gießen, Konto 2122901 BLZ 51340013 Sparkasse Gießen, Konto 205001920 BLZ 51350025. |
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| Quelle: Giessener Allgemeine (2012-02-08) | |
| Webseite: http://www.giessener-allgemeine.de/ | |
| veröffentlicht von 2012-02-08 bis 2012-04-09 | |
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| Lungenerkrankung: | |
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GIESSEN (fod). Auf dem Gebiet schwerer Lungenerkrankungen fehlt es häufig noch an effizienten und nebenwirkungsarmen Therapien. So liegt Schätzungen zufolge beim Akuten Lungenversagen die Sterblichkeit bei 30 bis 40 Prozent, während Patienten mit Idiopathischer Pulmonaler Fibrose nach Diagnosestellung im Schnitt nur noch drei Jahre Lebenserwartung haben. Ein Forscherteam am University Giessen Lung Center der Justus-Liebig- Universität (JLU) unter Leitung von Prof. Andreas Günther will hier in den nächsten drei Jahren gemeinsam mit der Freiburger Firma Greenovation auf der Basis eines neuen Proteinkomplexes, der passenderweise abgekürzt SPUC (Surfactant Protein B-Urokinase Conjugate) heißt, eine effektive und schonende Behandlungsoption für diese Lungenkrankheiten entwickeln. Das zugrundeliegende Konzept hat auch das Bundesministerium für Bildung und Forschung überzeugt. Dort stellt man den Giessenern knapp 480000 Euro für ihre weiteren Forschungen zur Verfügung. 353000 Euro gehen an den Kooperationspartner in Freiburg, mit dem die Entwicklung des Protein-Herstellungsprozesses mithilfe von Mooszellen geplant ist. Nach Ende der drei Jahre hofft man, erste klinische Erprobungen an Patienten durchführen zu können. Bescheide über die jeweiligen Summen übergab gestern Staatssekretär Dr. Helge Braun an Andreas Günther, gleichzeitig Oberarzt und Leiter des Schwerpunkts Fibrosierende Lungenerkrankungen an der Medizinischen Klinik II des Uniklinikums, sowie Dr. Andreas Schaaf von Greenovation. Erste Gratulanten waren JLU-Präsident ´Joybrato Mukherjee und Prof. Trinad Chakraborty, Dekan des Fachbereichs Medizin, die beide die wichtige Bedeutung des Projekts und der Bundesförderung für Universität wie auch den Gießener Forschungsschwerpunkt Lungenkrankheiten betonten.
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| Quelle: Giessener Anzeiger (2012-01-31) | |
| Webseite: http://www.giessener-anzeiger.de/ | |
| veröffentlicht von 2012-01-31 bis 2012-04-01 | |
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| Lungenerkrankung: Forschung zu innovativer Therapie | |
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GIESSEN (fod). Auf dem Gebiet schwerer Lungenerkrankungen fehlt es häufig noch an effizienten und nebenwirkungsarmen Therapien. So liegt Schätzungen zufolge beim Akuten Lungenversagen die Sterblichkeit bei 30 bis 40 Prozent, während Patienten mit Idiopathischer Pulmonaler Fibrose nach Diagnosestellung im Schnitt nur noch drei Jahre Lebenserwartung haben. Ein Forscherteam am University Giessen Lung Center der Justus-Liebig- Universität (JLU) unter Leitung von Prof. Andreas Günther will hier in den nächsten drei Jahren gemeinsam mit der Freiburger Firma Greenovation auf der Basis eines neuen Proteinkomplexes, der passenderweise abgekürzt SPUC (Surfactant Protein B-Urokinase Conjugate) heißt, eine effektive und schonende Behandlungsoption für diese Lungenkrankheiten entwickeln. Das zugrundeliegende Konzept hat auch das Bundesministerium für Bildung und Forschung überzeugt. Dort stellt man den Giessenern knapp 480000 Euro für ihre weiteren Forschungen zur Verfügung. 353000 Euro gehen an den Kooperationspartner in Freiburg, mit dem die Entwicklung des Protein-Herstellungsprozesses mithilfe von Mooszellen geplant ist. Nach Ende der drei Jahre hofft man, erste klinische Erprobungen an Patienten durchführen zu können. Bescheide über die jeweiligen Summen übergab gestern Staatssekretär Dr. Helge Braun an Andreas Günther, gleichzeitig Oberarzt und Leiter des Schwerpunkts Fibrosierende Lungenerkrankungen an der Medizinischen Klinik II des Uniklinikums, sowie Dr. Andreas Schaaf von Greenovation. Erste Gratulanten waren JLU-Präsident ´Joybrato Mukherjee und Prof. Trinad Chakraborty, Dekan des Fachbereichs Medizin, die beide die wichtige Bedeutung des Projekts und der Bundesförderung für Universität wie auch den Gießener Forschungsschwerpunkt Lungenkrankheiten betonten.
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| Quelle: Giessener Anzeiger (2012-01-31) | |
| Webseite: http://www.giessener-anzeiger.de/ | |
| veröffentlicht von 2012-01-31 bis 2012-04-01 | |
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| „Neue Ära der Universitätsmedizin eingeleitet“ | |
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Neujahrsempfang von JLU-Fachbereich Medizin und UKGM-Standort Gießen – Forschung wichtig für Patientenversorgung
GIESSEN (fod). Ein sehr ereignisreiches und turbulentes Jahr 2011 hinter sich, und ein Jahr 2012 mit kaum minder großen Herausforderungen vor sich: Dieses Fazit lässt sich nach dem Neujahrsempfang ziehen, zu dem gemeinsam der Fachbereich Medizin der Justus- Liebig-Universität (JLU) und der Standort Gießen der Universitätsklinikum Gießen und Marburg GmbH (UKGM) eingeladen hatten. In Anwesenheit zahlreicher Würdenträger von beiden Klinikstandorten und Fachbereichen, aus Politik und Wirtschaft betonten die Redner die Notwendigkeit zur Kooperation. „Wir brauchen auch 2012 wieder einen fairen, sachorientierten Dialog aller Beteiligten“, brachte es Dr. Irmgard Stippler, Vorsitzende der UKGM-Geschäftsführung, auf den Punkt. Während JLUPräsident Joybrato Mukherjee unterstrich, dass es „dem Uniklinikum nur gut geht, wenn Forschung und Lehre gedeihen, es also auch der Universität gut geht“. Unterstützung gab es von Staatssekretär Ingmar Jung vom hessischen Wissenschaftsministerium: „Zusammen sind Sie deutlich stärker als alleine“, meinte er damit sowohl beide Klinika als auch Fachbereiche. Im Rückblick auf 2011 nannte Dr. Christian Höftberger, kaufmännischer Geschäftsführer am Standort Gießen, den „lang ersehnten“ Bezug des Neubaus im vergangenen April „eine Zäsur für uns“. Im laufenden Betrieb sei es gelungen, rund 400 zum Teil schwerkranke Patienten verschiedener Kliniken zu verlegen, „dabei ist alles reibungslos gelaufen“. Sein Dank ging neben Mitarbeitern auch an Rettungsdienste und Spediteure. Für Prof. Trinad Chakraborty, Dekan des JLU-Fachbereichs Medizin, wurde „eine neue Ära der Universitätsmedizin in Gießen eingeleitet. In einem der modernsten Krankenhäuser Deutschlands stehen nun (fast) alle Fachrichtungen in der Medizin für die Patientenversorgung sowie die Ausbildung von Medizinstudenten unter einem Dach zur Verfügung“. Trotz des Umzugs seien die Patientenzahlen weiter gestiegen, vermeldete Irmgard Stippler, räumte aber auch ein, er sei „nicht ganz ohne Spuren geblieben“. Mukherjees augenzwinkernden Hinweis, dass man nun „ins verflixte siebte Jahr nach der Privatisierung“ gehe, konterte Stippler, „keine Angst“ davor zu haben. Das UKGM habe ein „gutes Fundament gelegt“, um den Anforderungen an hochwertige Medizin gerecht zu werden, bilanzierte sie. Staatssekretär Ingmar Jung zeigte sich überzeugt, „das Uniklinikum Gießen wäre in staatlicher Hand heute nicht so weit“. Dennoch beschrieb Geschäftsführer Christian Höftberger die derzeitigen politischen Rahmenbedingungen als „so herausfordernd wie selten zuvor“. Und das nicht nur, weil laut Jung am 29. Juni die Frist ausläuft, in der Klinikangestellte zum Land zurückkehren können, sondern vor allem, da man immer mehr Leistungen in der Krankenversorgung nicht vollständig vergütet bekomme, so Höftberger. Irmgard Stippler verdeutlichte hierzu die Position des UKGM: „Zuerst kommt die Patientenversorgung, dann eine bestimmte Wirtschaftlichkeit, und nicht umgekehrt.“ Voraussetzung sei, dass der Zugang zur Wissenschaft gesichert bleibe. Was auch Fachbereichs-dekan Trinad Chakraborty und Unipräsident Joybrato Mukherjee gerne gehört haben dürften. So berichtete Letzterer, der Fachbereich Medizin als größter der JLU werbe alleine 45 Prozent aller uniweiten Drittmittel ein. „Die Medizin ist existenziell wichtig für die Universität und ihren lebenswissenschaftlichen Schwerpunkt.“ Umso froher sei man, dass das Land Rückendeckung für die Nachnutzung der freigewordenen Klinikflächen zur Einrichtung von Science- und Teaching-Towers, also Forschungs- und Lehrflächen, gegeben habe, betonte Mukherjee. „ |
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| Quelle: Giessener Anzeiger (2012-01-30) | |
| Webseite: http://www.giessener-anzeiger.de/ | |
| veröffentlicht von 2012-01-30 bis 2012-03-31 | |
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| 500 Mal im Einsatz für ein Menschenleben | |
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Unfallchirurg Dr. Szalay berichtet Medizin-Senioren aus der Praxis eines Notarztes – Hubschrauber kommt Mitte des Jahres
GIESSEN (fod). Der 18. September ver-gangenen Jahres ist Dr. Gabor Szalay unvergessen geblieben. Mitten in den damals ruhigen Sonntagnachmittag hinein kam die Meldung von einer Massen-karambolage auf der A5 zwischen Grünberg und Homberg/Ohm, in die mehr als 30 Fahrzeuge verwickelt waren. Für den Oberarzt an der Klinik für Unfall-chirurgie des Gießener Universitätsklinikums und seine Kollegen bedeutete das einen Großeinsatz. „Innerhalb von 30 Minuten hatten sich rund 150 zusätzliche Mitarbeiter im Klinikum eingefunden, um bei Versorgung und Operation der Verletzten zu helfen“, berichtete der Unfallchirurg seinen Zuhörern beim Seniorenprogramm des Fachbereichs Medizin der Justus-Liebig-Universität. Um die 33 teils schwerstverletzten Personen zu bergen und lebensrettende Maßnahmen zu leisten, seien neben sechs Hubschraubern auch zwölf Rettungswagen (RTW), drei Notarzt-einsatzfahrzeuge (NEF) und ein Intensivtransportwagen (ITW), „eine rollende Intensivstation“, im Einsatz gewesen, schilderte Szalay. Zusätzlich hätten über 100 Feuerwehrleute beim Befreien eingeklemmter Menschen geholfen, „alleine in der Zentralen Leitstelle waren für die Koordination des Ganzen 13 Personen im Dienst“. Auch im Uniklinikum ging es an diesem Tag rund: Die per Hubschrauber und RTW angelieferten Verletzten wurden sofort in den Schockraum, „der nur für Not-fälle frei gehalten wird“, gebracht. „Unser Ziel ist es, dort nach 15 Minuten mit jedem Patienten fertig zu sein“, möchte man ihn von Kopf bis Fuß mit einem Computertomographen (CT) durchleuchtet und eine genaue Diagnose haben. Rund um die Uhr sei dafür ein 14- köpfiges Team unter anderem aus Unfall- , Allgemein-, Kinder- und Neurochirurg, aus Radiologe und Pflegepersonal im Einsatz. „Dieser Riesenaufwand ist notwendig, weil man vorher nicht weiß, ob nicht doch mehr passiert ist“, erläuterte Gabor Szalay. Er verglich daher die Rettungsdienste verschiedener Hilfsorganisationen und das Personal in Unfallchirurgie und angeschlossenen Disziplinen mit einem „Uhrwerk, in dem alle Rädchen zusammengreifen“. Und das ist auch unbedingt erforderlich, sollen die vom hessischen Rettungsdienstgesetz vorgeschriebenen Anrückzeiten, nach denen ein Notarzt „spätestens 15 Minuten nach der Alarmierung vor Ort sein muss“, eingehalten werden. Gerade in Mittelhessen könne man sich sehr sicher fühlen, gehörten hier doch insgesamt 37 RTW – jeder davon mit einem Wert von etwa 150 000 Euro, inklusive EKG, Beatmungsmaschine, Instrumenten und Medikamenten, „um den Verletzten schon am Unfallort vollständig versorgen zu können“ –, sechs NEF, plus eines für Babys, fünf ITW (jeweils 230 000 Euro teuer) und weitere Fahrzeuge zum riesigen Fuhrpark der Rettungsdienste, berichtete der Unfallchirurg. Die Rettungswachen seien dabei so auf-geteilt, dass innerhalb des jeweiligen Umkreises in zehn Minuten ein Krankenwagen den Einsatzort erreicht. Sollte einer unterwegs sein, werden die übrigen Regionen ent-sprechend verschoben, um die Zeit nicht zu überschreiten. Szalay schätzte, ein Notarzt komme im Kreis Gießen jährlich auf annähernd 500 Einsätze. Die von der Zentralen Leitstelle in der Feuerwache in der Steinstraße versorgte Region umfasse 854 Quadratkilometer und fast 250 000 Einwohner. „Pro Tag werden von den dortigen Mitarbeitern rund 1800 Telefongespräche geführt.“ 2010 wurden über 17 000 Notfälle und 6733 Notarzt-einsätze koordiniert. Zudem habe die Zahl der Hubschrauberflüge in Gießen „deutlich zugenommen“, von zehn bis 20 pro Jahr früher auf etwa 150 alleine im Zeitraum April bis Dezember 2011. Dank des auf dem Klinikneubau errichteten Landeplatzes, von dem ein Aufzug direkt hinunter in den Schockraum führt, würden heute „viele Patienten nach Gießen geliefert, die früher noch nach Frankfurt oder Kassel geflogen wurden“. Mitte 2012 soll der jetzt noch in Reichelsheim stationierte Hubschrauber ganz nach Gießen verlegt werden, kündigte der Arzt an. Letztlich aber stehe immer der Ersthelfer am Beginn der Rettungskette: Eigenschutz, Notruf über 112 (mit den fünf Ws: Wo, Was, Wie viele Verletzte, welche Verletzungen, Warten auf Rückfragen) und Sofortmaßnahmen wie stabile Seitenlage oder Reanimation sind seine Aufgaben. „Man darf als Ersthelfer keine Angst haben, etwas falsch zu machen“, betonte Gabor Szalay. Denn schon diese wenigen Handgriffe würden oftmals das Leben entscheidend verlängern, bis der Rettungsdienst eintrifft. |
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| Quelle: Giessener Anzeiger (2012-01-26) | |
| Webseite: http://www.giessener-anzeiger.de/ | |
| veröffentlicht von 2012-01-27 bis 2012-03-28 | |
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| Notruf 112 – und was dann? | |
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Dr. Gabor Szalay informierte Medizin-Senioren über den Rettungsdienst
Gießen (if). Es ist kein Freitag und auch kein 13., sondern der 19. September 2011. Fünf Rettungs- und ein Polizeihubschrauber kreisen über Haufen zerbeulten Bleches in der Nähe von Grünberg. 35 Verletzte, darunter elf Schwerverletzte, gilt es zu versorgen. Vor Ort sind 135 Rettungskräfte im Einsatz. Zwölf Rettungswagen, drei Notarztwagen, ein Intensivtrans-portwagen bewältigen zusammen mit den Hubschraubern den Transport. Zur selben Zeit drängen sich schon rund 150 Mit-arbeiter teils aus eigenem Antrieb, teils alarmiert, im gerade eröffneten neuen Gießener Universitätsklinikum, um die Erstversorgung zu übernehmen. Bilanz des Massenunfalls: Alle erwachsenen Verletzten des spektakulären Szenarios können gerettet werden. Schauplatz-Wechsel, Gießener Innen-stadt: In der Nähe der Kongresshalle hält am Straßenrand scheinbar abrupt ein NAW. Es wird grün, es wird gelb. Es wird rot und wieder grün. Warum nur fährt er nicht? Weil der Herzpatient drinnen nicht mehr atmet. Während der Verkehrsstrom verärgert das vermeint-liche Hindernis umfährt, ist die Besatzung mit der Wiederbelebung beschäftigt. Zweihundert Meter weiter ein zweiter Halt. Erneute Reanimation. Endlich: Der Patient ist stabilisiert. Später macht er, selbst Mediziner, die Erfahrung publik: »Ihnen verdanke ich mein Leben«, schreibt er dem Team. Zwei Beispiele aus der Arbeit des Gießener Rettungsdienstes – vom spektakulären Massenunfall bis zum scheinbar unauffälligen, gleichwohl lebensrettenden Einzeleinsatz. Dr. Gabor Szalay, Oberarzt der Klinik und Poli-klinik für Unfallchirurgie, nahm in der letzten der von Prof. Henning Stürz organisierten und moderierten Vor-lesungsreihe des Wintersemesters die »Medizin-Senioren« mit hinter die Kulissen von »Notruf 112«. Mit beeindruckenden Zahlen machte er dabei klar: Hinter den drei unauffälligen Ziffern steckt eine enorme Leistung, zu der ehrenamtliche Helfer ent-scheidende Beiträge liefern. In der Gießener Rettungsdienst-Leitstelle in der Steinstraße, die 24 Stunden besetzt ist, werden pro Tag rund 1800 Telefon- und Funkgespräche abgewickelt. 2010 beispielsweise wurden von hier aus 33 337 Rettungsdienst-Einsätze koordiniert, darunter 17 284 Notfälle. 6733-mal war der Notarzt im Einsatz. Zu den häufigsten Ursachen der »112«-Anrufe gehören Unfälle, wobei Stürze im häus-lichen Bereich – allen voran die Schenkel-Hals-Frakturen mit bundesweit rund 414 000 pro Jahr – eine erschreckende Spitzenposition ein-nehmen. Die Unfallchirurgen haben es aber auch mit Arbeitsunfällen zu tun. Und was die Stürze von der Leiter angeht: Nicht nur zur Obsternte im Sommer, sondern auch später, beispiels-weise bei der Dachrinnen-Säuberung im Herbst, haben sie Hochkonjunktur. Dass die Zahl derVerkehrstoten bundesweit von 19 000 im Jahr 1970 ungeachtet der gewachsenen Verkehrsdichte im Jahr 2010 auf 3700 gesunken ist, schreibt Szalay auch dem inzwischen gesetzlich geregelten Rettungsdienstwesen zu. »Viele Menschen, zuvor noch vom Tod bedroht, konnten durch den Rettungs-dienst gerettet werden«. Dabei gelten die deutschen Regelungen als bei-spielhaft. Im Gegensatz zur US-Devise: »Load and Go«, wobei die Feuerwehr den schnellstmöglichen Transport ins nächstgelegen Krankenhaus – egal welche Qualifikation – übernimmt, wurde in Deutschland vor rund 50 Jahren ein »Notarzt«-System entwickelt, das heute weltweite Anerkennung genießt. Schon vor Ort strebt der jeweilige Notarzt die Stabilisierung der Vitalfunktionen an, bis dann der Patienten-Transport entfernungsunabhängig ins am besten geeignete Krankenhaus erfolgen kann. Dass zuvor allerdings dem »Ersthelfer« eine ganz entscheidende Rolle zufällt, schärfte Szalay seinen Hörern abschließend dringend ein: »Man darf keine Angst haben, etwas falsch zu machen. Nur wer nichts macht, macht etwas falsch«, ermutigte er sie. Offenbar haben aber zuweilen selbst »Profis« ihre Probleme. »Bitte, lass es keine Schwangere sein«, soll, so erfährt man, ein Stoßgebet von auf andere Fachrichtungen spezialisierten Notärzten bei Reanimierungs-Einsätzen lauten. |
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| Quelle: Giessener Allgemeine (2012-01-26) | |
| Webseite: http://www.giessener-allgemeine.de/ | |
| veröffentlicht von 2012-01-27 bis 2012-03-28 | |
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| „Optimale Behandlung unter einem Dach“ | |
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Prof. Eberhard Uhl als neuer Leiter der Klinik für Neurochirurgie am Gießener Uniklinikum vorgestellt – 51-Jähriger verfügt über „große Expertise“
Keine Frage, die Neurochirurgie dürfte zu den anspruchsvollsten Fach-disziplinen in der Medizin gehören. Kann doch schon die kleinste Ungenauigkeit bei einem Eingriff am Gehirn oder am Rückenmark für den Patienten lebensbedrohende Folgen haben. Am Gießener Universitätsklinikum freut man sich, mit Prof. Eberhard Uhl einen ausgewiesenen Experten als neuen Leiter der Klinik für Neurochirurgie gewonnen zu haben. Der 51-jährige gebürtige Waiblinger, der vom Klinikum Klagenfurt am Wörthersee in Österreich nach Gießen wechselt, hat die Klinik-leitung zum 1. Januar übernommen und wurde gestern von Prof. Werner Seeger, Ärztlicher Geschäftsführer des Uni-versitätsklinikums Gießen und Marburg, und Prof. Trinad Chakraborty, Dekan des Fachbereichs Medizin der Justus-Liebig-Universität, offiziell vorgestellt. Seeger betonte, dass Uhl über eine „große Expertise“ sowohl in der neuro-vaskulären Chirurgie als auch im Bereich der Wirbelsäulenchirurgie verfüge. Weitere seiner Gebiete sind die Tumorchirurgie, Behandlung der Ursache von Hirnblutungen und Schlag-anfällen, chronischen Schmerzen und Schädel-Hirn-Verletzungen als Folge von Unfällen. Durch die künftige Kooperation der Neurochirurgie mit der Klinik für Neuroradiologie sei es jetzt möglich, Patienten „eine optimale Behandlung unter einem Dach anzubieten“, betonte der Ärztliche Geschäftsführer. Vorbei sind damit die Zeiten, als Patienten mit schwierigen Gehirnver-letzungen an Spezialkliniken, oftmals per Hubschrauber, verlegt werden mussten. „Ich war sehr begeistert von dem, was ich hier vorgefunden habe“, gab Eberhard Uhl das Lob gleich zurück. Am Gießener Uniklinikum verfüge er über „ausgezeichnete Bedingungen mit allen intensivmedizinischen Möglichkeiten“. Und die werden sich noch weiter verbessern, da der Neuro-chirurg in Kürze einen intraoperativen Computertomografen (CT) für Eingriffe am Gehirn erhält, die eine besonders hohe Präzision und zwischenzeitliche Kontrollen erfordern. Überdies wird mit der Verpflichtung eines weiteren Fach-arztes das Behandlungsangebot um die periphere Nervenchirurgie und die rekonstruktive Neurochirurgie ausge-baut. Die zur Klinik gehörende Station im Neubau weist 45 Betten auf, davon 17 der speziell für solche Krankheits-bilder eingerichteten Intensivstation mit umfassenden berwachungsmöglichkeiten des Neuromonitorings. Trinad Chakraborty freut sich zudem, Uhl für die Fortführung dessen Forschungen zur zerebralen Mikrozirkulation neue Räumlichkeiten im sogenannten Science Tower des Fachbereichs anbieten zu können, wodurch eine Zusammenarbeit mit Kollegen aus anderen Fachdisziplinen wie etwa der Physiologie möglich ist. Und natürlich profitieren auch die angehenden Ärzte des Fachbereichs von den Kenntnissen des Neurochirurgen. Eberhard Uhl, der der an den Uni-versitäten Bochum, Heidelberg und Durham (USA) studierte, war vor seiner Chefarzt-Tätigkeit in Klagenfurt Oberarzt an Klinika in München und Aachen. In Gießen tritt er die Nach-folge von Prof. Dieter-Karsten Böker an. Seit zwei Jahren hatte Privatdozent Dr. Matthias Oertel die kommissarische Leitung der Neurochirurgischen Klinik inne. Laut Dekan Trinad Chakraborty hatte man zwischenzeitlich aufgrund einer langwierigen Verhandlungsphase mit früheren Kandidaten ein neuerliches Auswahlverfahren durchführen müssen. |
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| Quelle: Giessener Anzeiger (2012-01-20) | |
| Webseite: http://www.giessener-anzeiger.de/ | |
| veröffentlicht von 2012-01-20 bis 2012-03-21 | |
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| Klinikleitung neu besetzt | |
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Prof. Eberhard Uhl ist Direktor der Neurochirurgie
Nach nahezu drei Jahren Vakanz ist die Stelle des Leiters der Klinik für Neurochirurgie am Standort Gießen des Uniklinikums Gießen und Marburg (UKGM) wieder regulär und nicht nur kommissarisch besetzt. »Mit Professor Eberhard Uhl haben UKGM und der Fachbereich Medizin an der Justus-Liebig-Universität (einen Mediziner gewinnen können, der sich im Besonderen in der neurovaskulären Chirurgie, der Tumorchirurgie, der Schmerztherapie, der Wirbelsäulenchirurgie und der neurochirurgischen Intensivmedizin durch große Expertise auszeichnet «, freute sich der ärztliche Geschäftsführer Professor Werner Seeger bei der Vorstellung des neuen Kollegen. Der 51-jährige Uhl stammt aus Waiblingen in Baden-Württemberg, ist verheiratet und vierfacher Vater. Nach seinem Studium in Bochum, Heidelberg, Mannheim und Durham, führte ihn seine wissen-schaftliche Laufbahn unter anderem an die Ludwig-Maximilians-Universität München, wo er seine Facharztausbildung absolvierte. Zuletzt war er Chefarzt der Abteilung für Neurochirurgie des Klinikums Klagenfurt am Wörthersee. »Wir bieten unseren Patienten eine Versorgung auf höchstem Niveau in allen Bereichen des Fachgebietes«, sagte Seeger zur medizinischen Infrastruktur am Klinikum. »Besonders wichtig für die regionale Versorgung ist, dass wir jeden neurochirurgischen Notfall auf-nehmen und nun absolute Versorgungs-sicherheit bieten können«, betonte Seeger. Die im Neubau untergebrachte neurochirurgische Abteilung verfügt über 45 Betten, davon allein 17 für Intensivpatienten. »Für Arbeiten im Bereich Forschung und Wissenschaft stehen uns ebenfalls neue räumliche Möglichkeiten offen «, sagte der Dekan des medizinischen Fachbereichs, Professor Trinad Chakraborty. »Im Rahmen der Berufung wurde die Zusage zur Etablierung eines Labors zur Untersuchung der zerebralen Mikro-zirkulation gegeben«, sagte der Dekan. Neben dem neurovaskulären Labor werde die Neurochirurgische Klinik auch die langjährige vaskuläre Forschung fortsetzen können, für die der Fach-bereich Medizin modernste Labors mit der neuesten technischen Ausstattung im neuen Science Teaching Tower zur Verfügung stelle. Zudem sei in Gießen in naher Zukunft die Implementierung eines intraoperativen Computer-tomografen geplant, mit dessen Anwendung sich Uhl beiWirbelsäuleneingriffen und Operationen von Hirntumoren beschäftigt hat. Uhl zeigte sich von den Möglich-keiten am Gießener Universitätsklinikum beeindruckt. »Ich bin sehr begeistert von den Bedingungen, die ich hier vorgefunden habe und freue mich auf die Arbeit«. |
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| Quelle: Giessener Allgemeine (2012-01-20) | |
| Webseite: http://www.giessener-allgemeine.de/ | |
| veröffentlicht von 2012-01-20 bis 2012-03-21 | |
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| Landrätin Schneider | |
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Gießen (pm). Die Aussicht vom Landeplatz
für Rettungshubschrauber hinunter auf die Stadt ist beeindruckend. Landrätin Anita Schneider erlebte das exklusive Panorama während eines Rundgangs auf dem Dach des zentralen Neubaus der Universitätsklinikum Gießen und Marburg GmbH (UKGM). Wer über Gießen zur zentralen Notaufnahme geflogen wird, kämpft schlimmstenfalls um das Überleben.Wie Schwerverletzte in der privatisierten Uniklinik der Rhön-Klinikum AG versorgt werden, darüber konnte sich die Landrätin zusammen mit Dr. Simon Little (Ärztlicher Leiter Rettungsdienst) und Horst Jeckel (Sachgebiet Rettungsdienst) bei einem Informationsbesuch ein eigenes Bild machen. »Ich habe sehr viel beeindruckendes gesehen, und es ist beruhigend zu wissen, im Fall der Fälle hier gut aufgehoben zu sein«, sagte sie danach. Die Landrätin war mit den Mitarbeitern des Sachgebiets Rettungs-dienst gekommen, um sich über die Schnittstelle zur zentralen Notaufnahme UKGM zu informieren. Als Träger des Rettungsdienstes sei der Landkreis in der besonderen Verantwortung, dessen Qualität sicherzustellen, sagte sie. »Ich konnte mich in beeindruckender Weise davon überzeugen, dass die zentrale Notaufnahme nicht nur eine reibungslose und schnelle Übergabe der Patienten ermöglicht, sondern auch eine hohe Qualität bei der Versorgung der Patienten«, unterstrich Schneider ihre Eindrücke im Gespräch mit den Ärzten und der Klinikleitung. |
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| Quelle: Giessener Allgemeine (2012-01-19) | |
| Webseite: http://www.giessener-allgemeine.de/ | |
| veröffentlicht von 2012-01-19 bis 2012-03-20 | |
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| Aus für Glimmstängel mit dem Klinikum | |
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Kurs zur Raucherentwöhnung startet am 24. Januar Gute Vorsätze zum Jahreswechsel
Das Universitätsklinikum Gießen bietet mit dem Kursangebot „Zigaretten ade“ die Chance, erfolgreich, stressfrei und ohne Angst vor großer Gewichtszunahme zum zufriedenen Nichtraucher zu werden. Der neue Kurs startet mit einer kosten-losen Informationsstunde am 24. Januar um 18 Uhr im Bildungszentrum (Gaffkystraße 20). Der Jahreswechsel bot wieder Anlass für gute Vorsätze. Endlich mit dem Rauchen aufhören stand bei vielen Menschen ganz oben auf der Liste. Leider wird die Schwere der Nikotin-sucht oft unterschätzt und so schafft es im ersten Versuch nur jeder zwanzigste alleine, sein Ziel zu erreichen. Auch die Angst vor Gereizt-heit und die Sorge vor einer großen Gewichtszunahme nach dem Rauchstopp hindert viele daran, das Rauchen aufzugeben. |
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| Quelle: Giessener Anzeiger (2012-01-19) | |
| Webseite: http://www.giessener-anzeiger.de/ | |
| veröffentlicht von 2012-01-19 bis 2012-03-20 | |
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| Mit einem Kurs | |
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Das Universitätsklinikum Gießen bietet mit dem Kursangebot „Zigaretten ade“ die Chance, erfolgreich, stressfrei und ohne Angst vor großer Gewichtszunahme
zum zufriedenen Nichtraucher zu werden. Der neue Kurs startet mit einer kosten-losen Informationsstunde am 24. Januar um 18 Uhr im Bildungszentrum, Gaffkystraße 20, Raum 5. Bis zu 80 Prozent des Kursentgeltes werden von den Krankenkassen zurückerstattet, teilt das Uniklinikum mit. |
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| Quelle: Giessener Anzeiger (2012-01-19) | |
| Webseite: http://www.giessener-anzeiger.de/ | |
| veröffentlicht von 2012-01-19 bis 2012-03-20 | |
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| „Bestrahlung trägt entscheidend zu Heilung bei“ | |
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Radiologin Rita Engenhart-Cabillic stellt Medizin-Senioren Behandlung und moderne Verfahren vor – 200 000 Patienten unterziehen sich Strahlentherapie
Krebserkrankungen sind in Deutschland mit jährlich rund 380 000 neuen Fällen die zweithäufigste Todesursache nach Herz-Kreislauf-Krankheiten. Während bei Frauen das Mammakarzinom, also der Brustkrebs,auf Platz eins der Statistik der jährlichen Neuerkrankungen liegt, ist es bei Männern das Prostata-karzinom. In beiden Fällen hat die Medizin im Laufe der vergangenen beiden Jahrzehnte eine enorme Verbesserung bei Behandlungsmöglichkeiten und vor allem in der Heilungs- und Überlebens-rate erzielt. Dies erfuhren jetzt die Teilnehmer des Seniorenprogramms des Fachbereichs Medizin der Justus-Liebig- Universität (JLU) von Prof. Rita Engenhart-Cabillic. Die Ärztin,Leiterin der Klinik für Strahlentherapie und Radioonkologie des Universitäts-klinikums Gießen-Marburg, und das sogar an beiden Klinikstandorten, stellte in ihrem Vortrag verschiedene moderne Verfahren der Strahlentherapie vor. „Fast die Hälfte aller Krebserkrankungen kann heute geheilt werden“, hatte sie eine gute Nachricht mitgebracht. Was vor allem daran liege, dass sich pro Jahr ungefähr 200 000 Patienten einer Strahlentherapie unterziehen. „Neben der Operation trägt die Bestrahlung, zur Unterstützung der OP und für den Organerhalt, entscheidend zur Heilung bei.“ Quer durch alle Krebsformen zeigten sich hiermit Steigerungen der Heilungsraten von zehn bis 40 Prozent. Durch eine Kombination von Bestrahlung und Operation würde man an Behandlungseffekt fünf bis zehn Prozent dazugewinnen. Zum anderen biete sich eine Radiotherapie zur Palliation – wenn eine OP zu gefährlich beziehungsweise mit einem zu hohen Risiko verbunden ist – und bei gutartigen Erkrankungen an, etwa zur Schmerzlinderung bei einer Trigeminusneuralgie, führte Engenhart-Cabillic aus. Doch jede Bestrahlung will vorher sorgfältig geplant sein. Und so würden zunächst einmal mit einem Computertomographen (CT) Aufnahmen der vom Tumor betroffenen Körperregion gemacht, „wodurch wir einen dreidimen-sionalen Datensatz bekommen“. Ist die Lage und Ausbreitung des Karzinoms genau bekannt, wird die Dosisapplikation fest-gelegt. Je höher die Dosis, also die Bestrahlungsmenge, sei, „umso größer ist der Effekt und auch die Wahrschein-lichkeit einer Heilung“, sagte die Radiologin. Die in das Tumorgewebe gebündelt eindringenden elektro-magnetischen Wellenstrahlen hätten eine ganz geringe Reichweite, könnten jedoch bei zu starker Dosis in der Tiefe des Körpers einen Schaden ähnlich einem Sonnenbrand auslösen, gab sie zu bedenken. Deshalb werde die Behandlung meist auf mehrere Sitzungen aufgeteilt und „das therapeutische Fenster auseinandergezogen“. Die heute mögliche exakte Bestrahlung einzelner Felder des Tumors „führt dazu, dass umliegendes gesunde Gewebe geschont werden kann“. Gerade bei der Behandlung des Brust-krebses „hat es in den vergangenen 25 Jahren eine enorme Revolution gegeben“. Musste bis dahin noch die Brust komplett abgenommen und die Frau zusätzlich danach bestrahlt werden, werde heute brusterhaltend operiert. Durch die Kombination mit Strahlen würde nun bei weniger als vier Prozent der Patientinnen nach fünf Jahren wieder ein Tumor auftreten, damals waren es nach der Brustentfernung noch 40 Prozent, zusammen mit Bestrahlung zehn Prozent. „Erheblicher Zugewinn“ Die Männer hingegen profitieren beim Prostatakarzinom vom Verfahren der Brachytherapie, einer direkten Bestrahlung des Tumorgewebes über eingebrachte Hohlnadeln. „Was das Ergebnis betrifft, ist sie absolut vergleichbar mit einer Operation“, so Engenhart-Cabillic. Jeder Mann könne aber selbst entscheiden, welche Methode ihm lieber sei. Zudem könnten nun inoperable und nicht komplett entfernbare Tumore und Metastasen etwa im Gehirn oder in der Lunge punktgenau bestrahlt werden. Als Verfahren der nahen Zukunft stellte sie die Partikeltherapie, die Bestrahlung mit Protonen und Kohlenstoff-Ionen, vor. „Für bestimmte Tumorarten lässt sich dadurch ein erheblicher Zugewinn erreichen.“ Vorteile seien eine „höhere biologische Wirksamkeit“ und stärkere Abgrenzung des umliegenden Gewebes, berichtete die Radiologin. Sie ist zuversichtlich, dass das in Marburg bislang nur zu Forschungszwecken eingesetzte Partikeltherapie-Zentrum in zwei, drei Jahren auch zur Patienten-Behandlung genutzt wird. Das Medizin-Seniorenprogramm dieses Semesters endet am Dienstag, 24. Januar, um 17 Uhr mit dem Vortrag des Unfallchirurgen Dr. Gabor Szalay, der seinen Zuhörern einen „Blick hinter die Kulissen des Rettungsdienstes“ vermitteln wird. |
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| Quelle: Giessener Anzeiger (2012-01-19) | |
| Webseite: http://www.giessener-anzeiger.de/ | |
| veröffentlicht von 2012-01-19 bis 2012-03-20 | |
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| Landrätin Schneider besucht zentralen Neubau | |
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Die Aussicht vom Landeplatz für Rettungshubschrauber hinunter auf
die Stadt ist beeindruckend. Landrätin Anita Schneider erlebte das exklusive Panorama während eines Rundgangs auf dem Dach des zentralen Neubaus der Universitätsklinikum Gießen und Marburg GmbH (UKGM). Wer über Gießen zur zentralen Notaufnahme geflogen wird, kämpft schlimmstenfalls um das Über-leben.Wie Schwerverletzte in der privatisierten Uniklinik der Rhön-Klinikum AG versorgt werden, darüber konnte sich die Landrätin zusammen mit Dr. Simon Little (Ärztlicher Leiter Rettungsdienst) und Horst Jeckel (Sachgebiet Rettungsdienst) bei einem Informationsbesuch ein eigenes Bild machen. »Ich habe sehr viel beein-druckendes gesehen, und es ist beruhigend zu wissen, im Fall der Fälle hier gut aufgehoben zu sein«, sagte sie danach. Die Landrätin war mit den Mitarbeitern des Sachgebiets Rettung-sdienst gekommen, um sich über die Schnittstelle zur zentralen Notauf-nahme UKGM zu informieren. Als Träger des Rettungsdienstes sei der Landkreis in der besonderen Verantwortung, dessen Qualität sicherzustellen, sagte sie »Ich konnte mich in beeindruckender Weise davon überzeugen, dass die zentrale Notaufnahme nicht nur eine reibungslose und schnelle Übergabe der Patienten ermöglicht, sondern auch eine hohe Qualität bei der Versorgung der Patienten«, unterstrich Schneider ihre Eindrücke im Gespräch mit den Ärzten und der Klinikleitung. |
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| Quelle: Giessener Allgemeine (2012-01-19) | |
| Webseite: http://www.giessener-allgemeine.de/ | |
| veröffentlicht von 2012-01-20 bis 2012-03-21 | |
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| Arbeitsbedingte Erkrankungen nehmen zu | |
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GIESSEN (fod). Nicht nur Arbeiter beim Wolkenkratzer-Bau oder am Hochofen leben gefährlich. Auch einem Bäcker oder Schweißer können Arbeitsunfälle oder -krankheiten zustoßen. Letztere jedoch häufig erst zu dem Zeitpunkt, wenn das Berufsleben sich dem Ende zuneigt oder gar im Ruhestand.
„Typisch für alle Berufskrankheiten sind industrielle Latenzschäden, deren Auswirkungen sich erst dann zeigen, wenn keiner mehr daran denkt“, erfuhren die Zuhörer im Seniorenprogramm des Fachbereichs Medizin der Justus-Liebig-Universität (JLU) jetzt von Prof. Joachim Schneider, dem Leiter des Gießener Instituts und Poliklinik für Arbeits- und Sozialmedizin. Jahrzehntelang haben sie sich durch das Einatmen von Stäuben und Rauch unbemerkt im Körper und in Organen wie der Lunge angesammelt: Winzigste, oft nur wenige nanometergroße Partikel von Arbeitsstoffen wie Asbest, Chrom, Nickel oder Quarz. Vor allem das seit 1993 zur Nutzung verbotene Asbest hat einen sehr schlechten Ruf, weshalb Schneider auch von einem „Teufelszeug“ sprach. In den Jahren von 1960 bis 1970 sei es beim Bau mit mehreren tausend Tonnen jährlich am häufigsten verwendet worden, berichtete der Arbeitsmediziner. Da sich die Latenzschäden auch noch 60 Jahre später zeigen könnten, rechnet Schneider bis 2020 mit einer weiteren Zunahme der Zahl von Tumorerkrankungen, die auf Asbest zurückzuführen sind, allen voran das Mesotheliom. „Etwa die Hälfte“ der Betroffenen dieser Krebs-Form, die am meisten in der Pleurahöhle der Lungen, am Herzbeutel und dem Zwerchfell auftrete, „versterben schon neun Monate nach Diagnosestellung. Eine zweijährige Überlebenszeit ist sehr selten“, teilte der Arzt seinen Zuhörern mit. Die Zahlen, die der Arbeitsmediziner zu Berufskrankheiten in Deutschland präsentierte, sprechen eine deutliche Sprache: Alleine im Jahr 2009 erlitten von rund 37,8 Millionen Erwerbstätigen fast zwei Millionen einen meldepflichtigen Arbeitsunfall. 622 davon verliefen tödlich, weitere 375 kamen in jenem Jahr auf dem Weg zur oder von der Arbeitsstelle ums Leben. Fast die Größe der Einwohnerzahl Gießens wies damals die Anzahl der Anzeigen wegen des Verdachts einer Berufskrankheit auf - nämlich 70 100 Fälle. Davon wurden letztlich knapp 17 000 als Berufskrankheit anerkannt, was für die gesetzliche Unfallversicherung über 13 Millionen Euro Kosten zur Folge hatte. Erschreckend ist hier aber - wie auch in anderen Jahren - die Zahl der Todesfälle Berufserkrankter, die 2009 bei 2803 Menschen lag, also fast das Fünffache der tödlichen Unfälle. „Mittlerweile geht jeder zehnte Kranke auf eine Erkrankung zurück, die arbeitsbedingt ist“, wusste Joachim Schneider zu berichten. Doch das seien längst nicht alle Fälle, vermutet der Arbeitsmediziner hier eine „besonders hohe Dunkelziffer“ und prognostiziert eine weitere Zunahme. Das Problem: „Oft wird von Ärzten beim Stellen einer Diagnose nicht an eine Berufskrankheit als Ursache gedacht.“ Obwohl es eine Anzeigepflicht für Ärzte gebe, damit Berufsgenossenschaften und Versicherungsträger über jeden Fall informiert werden. Wie auch das Unternehmen und die Industriebranche, in welcher der jeweilige Erkrankte tätig ist. „Denn wir wollen nicht Jahrzehnte warten, bis Latenzschäden auftreten, sondern präventiv vorgehen“, appellierte der Mediziner an seine Kollegen. Prognosen abzugeben, wie sich neue Materialien auf die Gesundheit auswirken, sei jedoch nahezu unmöglich, „wir kennen nämlich nur bei einem geringen Anteil ihre Wirkung“ auf den Organismus. Zudem sei bei ihrer Zulassung keine Gesundheitsprüfung vorgeschrieben. Doch selbst wenn dies der Fall wäre, bliebe immer noch das Problem, keine Aussage über Latenzschäden treffen zu können, weil zu wenig Zeit seit der Einführung des Materials verstrichen ist. Daher konnte er seinen Zuhörern auch noch keine Auskunft über eine eventuelle Gefährlichkeit neuer Stoffe wie Nanopartikeln in Sprays oder Glas-/Keramikfasern geben. Da letztere jedoch als biologisch aktiv bekannt seien, „können wir auch keine Entwarnung geben“, sagte Schneider. |
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| Quelle: Giessener Anzeiger (2012-01-12) | |
| Webseite: http://www.giessener-anzeiger.de/ | |
| veröffentlicht von 2012-01-12 bis 2012-03-13 | |
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| Volkskrankheit Diabetes: Heute vor 90 Jahren wird erstmals ein Patient mit Insulin behandelt - Ein Betroffener berichtet | |
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Von Benjamin Lemper
GIESSEN. Nach einer Erkältung fühlte er sich ständig müde und niedergeschlagen, kam gar nicht mehr richtig in Schwung. Auch dieser starke Durst, die häufigen Toilettengänge und der Gewichtsverlust sind ihm noch in Erinnerung. Gerade mal fünf Jahre war er alt, als die Ärzte bei ihm Diabetes des Typs 1 diagnostizierten, 42 Jahre lebt er nun schon mit der sogenannten Zuckerkrankheit und den Folgeerscheinungen. Sein Fuß musste 2010 teils amputiert werden, das Auge ist geschädigt und inzwischen braucht der 47-Jährige aus dem Kreis Gießen auch eine Dialyse. Aber trotz aller möglichen schweren Komplikationen einer langjährigen Diabetes-Erkrankung, akut sterben muss daran dank der Behandlung mit Insulin niemand mehr, sagt Dr. Michael Eckhard, Ärztlicher Leiter des Universitären Diabeteszentrums Mittelhessen am Uniklinikum Gießen. Heute ist es genau 90 Jahre her, dass erstmals einem Diabetiker, dem 14-jährigen Leonard Thompson, im kanadischen Toronto Insulin injiziert wurde. Die Ärzte Frederick Banting und John Macleod erhielten später den Nobelpreis für ihre Entdeckung. Mit zirka zehn Millionen Diabetikern in Deutschland - etwa 100 000 sind es in Mittelhessen - kann zweifellos von einer Volkskrankheit gesprochen werden, Tendenz steigend. Und Diabetes kann jeden treffen, egal wie gesund er sich ernährt. Bisweilen wird das jedoch unterschätzt. „Es tut nichts weh und die Anzeichen werden nicht immer frühzeitig erkannt. Der Patient erfährt die Diagnose dann oft erstmalig auf der Intensivstation“, weist Michael Eckhard auf die Tücken bei einer Überzuckerung des Blutes und die hohe Dunkelziffer hin. Und er fügt hinzu: „Diabetes ist eine ernstzunehmende Krankheit mit ernstzunehmenden Folgen. Ein ‚bisschen Zucker‘ gibt es jedenfalls nicht.“ Das weiß auch der 47-jährige Ingenieur aus dem Kreisgebiet, der namentlich nicht genannt werden möchte. Obwohl schon seine Mutter daran erkrankt und Diabetes somit in der Familie bekannt war, bedeutete die Diagnose auch für ihn einen „riesigen Einschnitt“, denn sie hatte zunächst einmal Ausgrenzung zur Folge. „Ich wurde damals gerade eingeschult und fühlte mich immer als Außenseiter“, blickt er zurück. Gerade im Sportunterricht habe er sich nicht richtig zu verhalten gewusst, auch die Lehrer konnten vor vier Jahrzehnten mit der Krankheit offenbar noch nicht allzu viel anfangen. Und vor allem ging er an Weihnachten immer leer aus, wenn andere Kinder Süßigkeiten bekamen. Ohnehin sei Diabetes früher eher vertuscht worden, statt offen darüber zu sprechen. Vieles habe er daher nur „im Blindflug gemacht“. Freilich hat sich inzwischen der Umgang mit der Krankheit geändert, gleichwohl der 47-Jährige gerade auch bei Einstellungen so manche Befürchtung der Arbeitgeber erst beseitigen musste. Diabetes „nicht zu stigmatisieren“, sondern dazu zu stehen, rät Michael Eckhard seinen Patienten daher nach wie vor. Im eigenen Umfeld, sei es familiär oder beruflich, solle klar sein, dass ein Diabetiker regelmäßige Mahlzeiten braucht, regelmäßig den Blutzuckerwert messen und Insulin spritzen muss - „denn ohne Insulin kein Leben“, betont der Mediziner. Betroffene zu unterstützen, zu begleiten und zu einem „bestmöglichen Grad an Selbstständigkeit“ zu führen, das ist auch das Ziel des Diabeteszentrums - etwa mithilfe von Einzelberatungen oder ambulanten Gruppenschulungen, die durch den Austausch auch helfen zu erkennen, dass man nicht allein ist. Für die Umsetzung im Alltag freilich sei jeder Patient selbst verantwortlich, erklärt Eckhard, „aber mit einem aktiven und kontrollierten Management ist Diabetes gut zu bewältigen“. Deshalb hält es der Mediziner für Eltern von Kindern mit Diabetes sinnvoll, betroffene Kinder und Jugendliche nicht übermäßig beschützen und kontrollieren zu wollen. Denn wenn sie im Erwachsenenalter beginnen, sich von ihren Eltern zu lösen, könne es passieren, dass ihnen dieses erforderliche selbstständige Management später nur schwer gelingt. Längst aber haben Diabetiker eine gute Lebenserwartung sowie Lebensqualität, sie können zudem extrem leistungsfähig sein. Bestes Beispiel ist Matthias Steiner, der immerhin Europameister und Olympiasieger im Gewichtheben geworden ist. Weil sein Sohn es gerne wollte, hat der 47-Jährige aus der Region vor kurzem ebenfalls wieder damit begonnen, Tischtennis zu spielen und Rad zu fahren. Trotz teilamputierten Fußes, trotz anfänglicher Probleme mit dem Gleichgewicht, trotzdem es nicht immer leicht falle, sich aufzuraffen und zu motivieren. Ohnehin habe er bisher sogar noch Glück gehabt, ist der Ingenieur überzeugt. „Manchmal war es dennoch knapp.“ Dann nämlich, wenn er aufgrund eines Insulinüberschusses kurz davor war zu unterzuckern und ohne schnelle Zuckerzufuhr eine Ohnmacht drohte, erklärt der 47-Jährige, spricht davon, dass die „Waage immer ausgeglichen“ sein müsse - etwa durch die Zugabe von Insulin in einem ganz bestimmten Verhältnis: Nach einer Mahlzeit zum Beispiel steigt der Blutzuckerspiegel, und er muss Insulin spritzen. Wenn er jedoch Sport treibt und somit Kohlenhydrate verbrennt, muss er entweder auf Insulin verzichten oder wieder kohlenhydratreiche Kost zu sich nehmen. In Stresssituationen aber könne die Waage schon mal ordentlich aus dem Gleichgewicht geraten, weil Stresshormone dann den Insulinbedarf erhöhen. Vor allem häufige Belastungswechsel würden es schwerer machen, das Insulin richtig zu dosieren. Und manchmal verstehe er die Reaktionen seines Körpers auch einfach nicht. Da könne er drei Tage lang das Gleiche essen, den gleichen Aktivitäten nachgehen, und trotzdem komme es zu Schwankungen. „Natürlich könnte ich den ganzen Tag jammern und mich fragen ‚Warum ausgerechnet ich?‘“, erzählt der Familienvater. Das jedoch habe er längst aufgegeben, denn Vieles könne er ja noch erledigen. Geholfen hat ihm insbesondere, dass er den Humor nicht verloren hat, „und es tut gut, immer nach dem halbvollen Glas zu schauen“. * Weitere Infos zu Diabetes gibt es telefonisch unter 0641/985-57010 oder per E-Mail an dsz@uniklinikum-giessen.de. |
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| Quelle: Giessener Anzeiger (2012-01-11) | |
| Webseite: http://www.giessener-anzeiger.de/ | |
| veröffentlicht von 2012-01-11 bis 2012-03-12 | |
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| Hüft-Operationen nun blut- und schmerzärmer | |
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Gießen (if). In den vergangenen vier Jahren wurden in der Uniklinik mit schonender Schlüssellochchirurgie 400 Hüftoperationen durchgeführt.
In einer »Hitliste« der Operationen in deutschen Krankenhäusern zählt – laut jüngster Daten des Statistischen Bundesamtes – neben Darmoperationen und arthroskopischen Gelenkknorpel- und Meniskusoperationen auch die Implantation von künstlichen Hüftgelenken zu den häufigsten Eingriffen, und dies mit steigender Tendenz: Zusätzlich zu den Erstimplantationen künstlicher Hüften – man rechnet mit 160 000 dieser Eingriffe pro Jahr – werden, trotz mittlerweile erreichten »Standzeiten« dieser Prothesen von bis zu 20 Jahren, neuerdings immer häufiger Prothesen-Wechseloperationen erforderlich. Das Bemühen der operativ tätigen Orthopädie ist es daher, bereits im Vorfeld beispielsweise über schonendere »wiederverwendbare« Operationszugänge und möglichst viel Knochen erhaltende Prothesen solchen eventuell erforderlich werdenden Wechseloperationen Rechnung zu tragen. Dieser Tage zog Dr. Bernd Ishaque, leitender Oberarzt und stellvertretender Direktor der Klinik und Poliklinik für Orthopädie und orthopädische Chirurgie im Uniklinikum, eine Zwischenbilanz: In den vergangenen vier Jahren wurden in der Uniklinik mit dem dort praktizierten Vorgehen – Muskelschonende Schlüssellochchirurgie kombiniert mit Kurzschaftprothesen und keramischen Gleitpaarungen – 400 Hüftoperationen durchgeführt. Ishaque: »Das bedeutete schnellere Regeneration, weniger Wundschmerz, geringerer Blutverlust und raschere postoperative Mobilisation zusammen mit einer verkürzten Rehabilitationszeit«.Der in Gießen eröffnete »antero-laterale minimalinvasive Zugang« zur Hüfte« (»ALMI«) ermöglicht bei Rückenlagerung die Prothesen-Implantation ohne Ablösung der hüftgelenksstabilisierenden Muskulatur. Stattdessen werden die Muskeln gespreizt, die Implantation kann ohne Verletzungen der Muskelsehnen erfolgen. Der verkürzte Zugang kann – falls erforderlich – jederzeit erweitert und bei einer Wechseloperation genutzt werden. »Die Kombination mit neuen Knochen sparenden und abriebresistenteren Kurzschaftendoprothesen«, so das Resümee von Dr. Ishaque, biete sich besonders für jüngere, aktive Patienten an, bei denen noch keine Osteoporose vorliegt. Das Weichteiltrauma werde minimiert, die Hüftfunktion verbessert und es bleibe noch genügend Knochensubstanz, um im Falle einer später erforderlich werdenden Wechseloperation eine sogenannte »Standardprothese« erfolgreich verankern zu können. »Eine sehr viel aufwändigere, langschaftige Revisionsprothese wird dadurch umgangen«, erläutert der Mediziner. |
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| Quelle: Giessener Allgemeine (2012-01-07) | |
| Webseite: http://www.giessener-allgemeine.de/ | |
| veröffentlicht von 2012-01-09 bis 2012-03-10 | |
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| Schlüsselloch-Chirurgie und moderne Prothesen bringen Patienten Vorteile | |
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Schnellere Wundheilung möglich
GIESSEN (fod). Alljährlich brauchen in Deutschland etwa 160 000 Menschen ein künstliches Hüftgelenk. Tendenz steigend. An der Klinik für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie des Gießener Universitätsklinikums hat der leitende Oberarzt Dr. Bernd Ishaque ein neues Verfahren der sogenannten Schlüssellochchirurgie etabliert, das für viele Patienten deutliche Vorteile mit sich bringt: Einen kürzeren Krankenhausaufenthalt, schnellere Wundheilung, weniger Schmerzen und kaum noch Blutverlust. „Bei dieser neuen Technik muss die Muskulatur rund um das Hüftgelenk nicht mehr durchtrennt werden, um die Prothese einzusetzen“, nennt der Orthopäde als größten Vorteil. Stattdessen werden Muskeln und Sehnen mit speziellen Instrumenten gespreizt und sind somit unmittelbar nach der Operation wieder funktionsfähig während sie beim herkömmlichen Verfahren erst wieder am Knochen befestigt werden müssen und auch die Blutversorgung wiederherzustellen ist. „Studien zeigen, dass auf diese Weise die Muskeln nicht mehr die gleiche Stärke wie vorher gewinnen“, weiß Ishaque zu berichten. Doch dieses Problem tritt nun mit der neuen minimal-invasiven Methode, die zudem nur noch einen etwa halb so langen Hautschnitt wie bisher erfordert, gar nicht mehr auf. Und Blutkonserven sind nicht mehr länger nötig, da Gefäße wie auch Muskelgewebe geschont werden. Eine weitere Neuerung stellen die von dem Orthopäden immer häufiger in den Oberschenkelknochen eingesetzten Kurzschaftprothesen dar, die im Vergleich zu herkömmlichen Implantaten um etwa zwei Drittel kürzer sind. Ihr Kopf ist bis zu acht Millimeter dicker im Durchmesser, wodurch die Wahrscheinlichkeit, aus der künstlichen Hüftpfanne hinaus zu gleiten, wesentlich gemindert wird. „Sie sind aus einer Spezialkeramik gefertigt, die viel weniger Abrieb als bisherige Materialien erzeugt“, betonte Ishaque. Somit sinkt das Entzündungsrisiko durch abgesonderte Partikel um ein Vielfaches. Einzig Patienten mit einer manifestierten Osteoporose würden für Kurzschaftprothesen nicht infrage kommen. Ansonsten sei es wichtig, die jeweils passende Lösung, so zum Beispiel bei knöchernen Fehlstellungen, zu finden, machte der Arzt deutlich. Bernd Ishaque, der die Technik gemeinsam mit Prof. Werner Seeger, Ärztlicher Geschäftsführer der Universitätsklinikums Gießen und Marburg GmbH (UKGM), vorstellte, konnte von rund 400 Patienten berichten, die bislang in Gießen erfolgreich damit behandelt wurden. In diesem Zusammenhang lobte er die sehr gute Kooperation mit den Anästhesisten des Klinikums, die dafür verantwortlich sind, während der 50 bis 70 Minuten dauernden Operation für eine ausreichende Muskelentspannung zu sorgen, was den Eingriff enorm erleichtert. Anfangs vorrangig nur für jüngere Patienten gedacht, ließen sich aufgrund der gewonnenen Erfahrung mittlerweile auch Menschen in einem Alter ab 60 Jahren „prima damit operieren“, hob der Orthopäde hervor. Und sollte eine gelockerte Hüftgelenksprothese ersetzt werden müssen, verfüge man durch das neue, schonendere Verfahren nun über „wesentlich bessere Voraussetzungen für eine Wechsel-OP“, die derzeit durchschnittlich alle 15 bis 20 Jahre notwendig ist. Bei den bislang von ihm implantierten Kurzschaftprothesen sei dieses Problem allerdings noch nicht aufgetreten. Derzeit werden an der Klinik jährlich 80 bis 120 Prothesenwechsel - gegenüber rund 200 erstmaligen Implantaten - vorgenommen. Aufgrund der demographischen Entwicklung sei hier jedoch mit einer Zunahme zu rechnen, sagte Ishaque. |
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| Quelle: Giessener Anzeiger (2012-01-06) | |
| Webseite: http://www.giessener-anzeiger.de/ | |
| veröffentlicht von 2012-01-06 bis 2012-03-07 | |
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| „Hilfe für besondere Lebenslagen“ | |
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Programme von ERF Medien sind künftig an 1150 Betten im Uniklinikum zu empfangen
GIESSEN (rl). Das Universitätsklinikum Gießen und Marburg (UKGM) speist an seinem Standort Gießen die Programme ERF Plus (Radio) und ERF 1 (Fernsehen) für seine Patienten ein. Die digital ausgestrahlten Sendungen des christlichen Unternehmens ERF Medien aus Wetzlar konnten im Zuge des Klinikum-Neubaus aufgeschaltet werden. Zurzeit ist die Ausrüstung aller 1150 Krankenhausbetten mit modernsten Einzelplatzbildschirmen in vollem Gange. Der Ärztliche Geschäftsführer des UKGM, Prof. Werner Seeger, begrüßte die Einspeisung der Programme von ERF Medien. „Sie bieten den Patienten über das normale Medienangebot mit Unterhaltung und Information hinaus Hilfestellung für besondere Lebenslagen. Etwa, wenn durch Unfälle, schwierige Diagnosen oder eine bevorstehende Operation krisenhafte Situationen aufkommen“, so Prof. Seeger. Er sieht in den christlichen Programmen des ERF eine Möglichkeit, Patienten Hoffnung zu vermitteln, den Prozess der Heilung zu unterstützen und die Arbeit von Ärzten, Pflegepersonal und Seelsorgern sinnvoll zu ergänzen. Bereits wenige Tage nach Einspeisung der neuen Programme reagierte ein Nierentransplantierter und schrieb dem Sender direkt vom Krankenbett aus eine begeisterte E-Mail. Er habe sich gefreut, in den ersten Tagen nach der Transplantation, als er noch sehr geschwächt gewesen sei, ein passendes Fernsehangebot zu finden: „Die Lieder der französischen Kommunität Taizé, kombiniert mit Psalmlesungen und meditativen Bildern aus einem Kirchenraum, haben mir richtig gutgetan, obwohl ich sonst eher ein rationaler Typ bin“, schrieb er. Programme von ERF Medien gibt es mittlerweile in über 70 Krankenhäusern und rund 90 Senioreneinrichtungen. Der 1959 gegründete ERF ist seit 1961 auf Sendung. Gemeinsam mit seinem internationalen Partner TWR verbreitet er „Gute Nachrichten“ in mehr als 200 Sprachen rund um den Globus. ERF Medien strahlt bundesweit täglich rund um die Uhr das Fernsehprogramm ERF 1 und die drei Radioprogramme ERF Plus, ERF Pop und Cross Channel.de aus. Die Verbreitungswege sind Satellit, Kabel, Internet, Apps, Telefon und für bisher ein Radioprogramm auch die neue Technik DAB+. Daneben werden zahlreiche Online-Angebote gemacht, wie zum Beispiel www.weihnachten-der-film.de, in dem die User einer Figur der Weihnachtsgeschichte ihr Gesicht leihen können oder www.jesus-experiment.de, das zweifelnde Zeitgenossen einlädt, den christlichen Glauben auszuprobieren. Diese Seite wird jährlich etwa 10 000 Mal angeklickt. |
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| Quelle: Giessener Anzeiger (2011-12-28) | |
| Webseite: http://www.giessener-anzeiger.de/ | |
| veröffentlicht von 2011-12-28 bis 2012-02-27 | |
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| Damit krebskranke Kinder nicht allein sein müssen | |
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Großzügige Spende für Familienzentrum in Friedrichstraße
GIESSEN (juf). Ein Zuhause auf Zeit und ein Ort, an dem Eltern krebskranker Kinder sich zurückziehen, übernachten und Kraft schöpfen können: all das umfasst das Haus in der Friedrichstraße 30. Dort nämlich hat das Familienzentrum für krebskranke Kinder Gießen seinen Sitz und bietet seit bereits 25 Jahren für die Zeit, in der das kranke Kind auf der Station „Peiper“ der Kinderklinik behandelt wird, den Eltern, Großeltern und Geschwistern einen Rückzugsort. Diese Arbeit kann aber nur getan werden, wenn sie durch Spenden unterstützt wird. Und mit einem Scheck über 10 000 Euro unterstützt nun die Sparda-Bank in Gießen dieses Projekt. Filialleiter Rüdiger Fritz überreichte den unscheinbaren Briefumschlag mit der großen Wirkung an den Vorstandsvorsitzenden des Vereins, Gisbert Müller, sowie an seine Stellvertreterin Angelika Schäfer und würdigte die Arbeit des Vereins. Fritz war es wichtig, „wofür das Geld gespendet“ wird, und freute sich, dass durch die Spende es Eltern weiterhin ermöglicht wird, in der Nähe ihres kranken Kindes zu sein. Die kleinen Patienten leiden an Leukämie oder einer Tumorerkrankung und müssen teilweise mehrere Wochen oder gar Monate in der Klinik verbringen. Und wenn dann der Wohnort der Eltern weit weg liegt, können sie nicht einfach jeden Tag zu Besuch kommen. Bisweilen reisen sie sogar aus dem Ausland an und können dank des Vereins über längere Zeit im Familienzentrum leben. Das Haus bietet zehn Zimmer. Auch über Weihnachten sind sieben der Zimmer belegt und die Eltern verbringen mit ihren Kindern die Festtage in der Klinik. Seit Gründung des Vereins im Jahre 1986, damals war es das erste Haus dieser Art in ganz Deutschland, gab es etwa 60 000 Übernachtungen. Fast immer sind die Zimmer belegt. Das Haus ist rund um die Uhr offen und die Mitarbeiterinnen jederzeit erreichbar. Die Spende der Sparda-Bank soll dazu diesen, die laufenden Kosten zu decken. Zwar übernehmen die Krankenkassen einen Großteil der Übernachtungskosten, allerdings fallen in jedem Jahr bis zu 100 000 Euro an Kosten an, die nicht durch die Kassen gedeckt werden. Die Geldsumme stammt aus dem Gewinn-Spar-Programm der Bank und hessenweit wurden so in diesem Jahr etwa 1,2 Millionen Euro an wohltätige Organisationen und Vereine gespendet. Fritz sagte auch, dass jeder, der so sein Geld spart, auch „immer etwas Gutes“ tue. Damit das Familienzentrum Eltern und deren krebskranke Kinder weiter unterstützen kann, bitten Müller und Schäfer um weitere Spenden. |
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| Quelle: Giessener Anzeiger (2011-12-27) | |
| Webseite: http://www.giessener-anzeiger.de/ | |
| veröffentlicht von 2011-12-27 bis 2012-02-26 | |
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| Gut versorgt bei Neigung zu Blutungen | |
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UKGM: Interdisziplinärer Schwerpunkt für Hämostaseologie ist Referenzzentrum
Gießen (pm). Die Deutsche Hämophilie Gesellschaft (DHG) hat den interdisziplinären Schwerpunkt für Hämostaselogie am Universitätsklinikum Gießen und Marburg zum Referenzzentrum ernannt. Das berichtet das Klinikum in einer Pressemitteilung. Die Hämostaseologie beschäftigt sich mit der Blutgerinnung. Im Zentrum stehen Patienten mit Neigung zu Thrombosen und Blutungen und die Betreuung von stationären Patienten mit Gerinnungsstörungen. Eine besonders aufwändige und verantwortungsvolle Aufgabe ist die Betreuung von »Blutern«, Patienten mit Hämophilie A oder B, aber auch anderen Erkrankungen, die Blutungsneigung verursachen. Die Betreuung dieser speziellen Patienten erfordert in hohem Maße Kompetenz und Erfahrung. Der interdisziplinäre Schwerpunkt für Hämostaseologie wurde im Jahr 2006 unter Leitung von Prof. Bettina Kemkes-Matthes gegründet und hat sich seitdem zu einem der führenden deutschen hämostaseologischen Zentren entwickelt. Um die Qualitätssicherung und eine optimale Patientenversorgung zu gewährleisten, werden Zentren, in denen Bluter betreut werden, von der DHG in Anlehnung an internationale Richtlinien in drei Kategorien eingeteilt: Das »Comprehensive Care Center für Hämophilie« ist dabei den »HBE« (Hämophilie Behandlungseinheiten) und den »HB« (Hämophiliebehandlung regional) übergeordnet und somit »oberste« Behandlungsinstanz für Hämophile. Das »Comprehensive Care Center« garantiert eine 24-Stunden-Erreichbarkeit von Ärzten, die in Gerinnungsproblemen erfahren sind (Hämostaeologen), zudem rund um die Uhr die Möglichkeit von Laboruntersuchungen, die für Diagnostik und Therapie von Blutungserkrankungen notwendig sind. Darüber hinaus ist die Verfügbarkeit von Faktorenkonzentraten garantiert, um jederzeit Blutungskomplikationen behandeln zu können oder Patienten für Operationen vorzubereiten. Interdisziplinäre Zusammenarbeit mit den unterschiedlichsten Fachrichtungen im UKGM gewährleiste eine optimale, standortübergreifende Patientenversorgung, so das Klinikum. |
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| Quelle: Giessener Allgemeine (2011-12-24) | |
| Webseite: http://www.giessener-allgemeine.de/ | |
| veröffentlicht von 2011-12-27 bis 2012-02-26 | |
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| Gießener Mediziner suchen Impfstoff gegen Keim MRSA | |
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GIESSEN (red). Der Fachbereich Medizin der Justus-Liebig-Universität (JLU) Gießen widmet sich in einem neuen Forschungsprojekt der Bekämpfung des gefürchteten Krankenhaus-Keims MRSA. Die Klinik und Poliklinik für Unfallchirurgie hat gemeinsam mit dem Department of Orthopaedic Surgery, Rochester, New York, USA, die Ausschreibung für das „Clinical Priority Programm: Bone Infection“ der renommierten wissenschaftlichen Gesellschaft AO Trauma (Arbeitsgemeinschaft für Osteosynthesefragen) gewonnen, das mit Forschungsgeldern in Höhe von drei Millionen Schweizer Franken verbunden ist. Hiervon wird in zwei Abschnitten insgesamt etwa eine Million Schweizer Franken in die Gießener Unfallchirurgie fließen.
Ziel ist die Entwicklung und Erprobung eines passiven und aktiven Impfstoffes gegen den „Hospitalkeim“ MRSA zur Verbesserung der Prävention und Therapie bei Knocheninfektionen mit diesem Bakterium. Des Weiteren soll durch weltweite Datensammlung von Patienten mit Knocheninfektionen ein „Infektionsregister“ entstehen, von deren Auswertung ein besseres Verständnis über Risiko- und Prognosefaktoren bei Knocheninfektionen erwartet werden kann. |
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| Quelle: Giessener Anzeiger (2011-12-23) | |
| Webseite: http://www.giessener-anzeiger.de/ | |
| veröffentlicht von 2011-12-27 bis 2012-02-26 | |
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| Einigung für rund 4500 Beschäftigte | |
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Rückkehrrecht für Ex-Landesbedienstete:Uniklinikum und Verdi handeln Tarifvertrag aus
(red/hks). Das Universitätsklinikum Gießen und Marburg (UKGM) und die Gewerkschaft Verdi haben sich nach fünf Verhandlungsrunden auf einen Tarifvertrag geeinigt. Hintergrund ist das beschlossene Rückkehrrecht für ehemalige Landesbeschäftigte in den Landesdienst. Die Verhandlungen hatten sich seit dem Spätsommer hingezogen. Kernpunkt ist die Vereinbarung eines betriebsbedingten Kündigungsschutzes sowie eine Verbesserung für die von der Umstellung des Tarifrechtes des Landes Hessen auf die Tarifverträge des UKGM besonders betroffenen Arbeitnehmer. Damit hätten die Spitzen bezüglich der Abschmelzung beziehungsweise Aufzehrung von Besitzstandsregelungen abgebaut und auch ein kleiner Bonus für den größten Teil der Beschäftigten erzielt werden können, teilten Jens Ahäuser, Verdi-Verhandlungsführer, und Marita Kruckewitt, zuständige Gewerkschaftssekretärin, mit. Die Einigung kam in den „ersten Stunden des Donnerstags“ zustande. Die Tarifeinigung sieht vor, dass allen UKGM-Beschäftigten, die am 1. Juli 2005 bereits beschäftigt waren, ein betriebsbedingter Kündigungsschutz bis zum 31. Dezember 2015 eingeräumt wird. Für diesen Personenkreis ist zusätzlich eine Treueprämie in Höhe von 600 Euro vereinbart worden. Beschäftigte in den Servicebereichen behalten 60 Prozent ihres Besitzstandes, der durch den Trägerwechsel entstanden ist. Außerdem wird es ab dem 1. Januar 2016 keine Anrechnung von Tarifsteigerungen auf Besitzstände für diejenigen mehr geben, die ein gesetzliches Rückkehrrecht haben. Mit diesem Tarifvertrag setze das UKGM ein positives Zeichen, das Verdi auch vonseiten des Landes erwartet hätte, heißt es in einer Pressemitteilung. Die Verhandlungen seien vor einigen Wochen aufgenommen worden, um „Anreize zu schaffen, damit die Beschäftigten beim Universitätsklinikum Gießen-Marburg bleiben“, sagte Kruckewitt. Nach einer Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts hatte Wiesbaden ehemaligen Landesbediensteten ein Rückkehrrecht einräumen müssen. Der Landtag stimmte Mitte Dezember über ein entsprechendes Gesetz ab. Es geht dabei um Verträge von rund 4600 Beschäftigten. |
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| Quelle: Giessener Anzeiger (2011-12-23) | |
| Webseite: http://www.giessener-anzeiger.de/ | |
| veröffentlicht von 2011-12-27 bis 2012-02-26 | |
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| Gießener Forscher sagen Klinikkeim den Kampf an | |
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Forscher des Fachbereichs Medizin der Universität Gießen wollen nach einem Impfstoff gegen einen gefährlichen Krankenhauskeim suchen.
Die hiesigen Wissenschaftler haben gemeinsam mit Kollegen aus den USA Fördergelder von der »Arbeitsgemeinschaft für Osteosynthesefragen« bekommen. Etwa eine Million Schweizer Franken (819 000Euro) werden in zwei Absc nitten an die Gießener Klinik und Poliklinik für Unfallchirurgie fließen. Antragsteller waren Prof. Volker Alt und Kliniksdirektor Prof. Reinhard Schnettler. Zentrales Ziel ist die Entwicklung und Erprobung eines passiven und aktiven Impfstoffes gegen den »Hospitalkeim« MRSA (Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus). Damit sollen Prävention und Behandlung bei Knocheninfektionen mit diesemm Bakterium verbessert werden. Des Weiteren soll durch weltweite Datensammlung von Patienten mit Knocheninfektionen ein »Infektionsregister« entstehen, von deren Auswertung ein besseres Verständnis über Risiko- und Prognosefaktoren bei Knocheninfektionen erwartet werden kann. |
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| Quelle: Giessener Allgemeine (2011-12-22) | |
| Webseite: http://www.giessener-allgemeine.de/ | |
| veröffentlicht von 2011-12-27 bis 2012-02-26 | |
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| Gießener Ehrenbürger Horst-Eberhard Richter ist tot | |
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Gießen (ta). Der Gießener Ehrenbürger Prof. Horst-Eberhard Richter ist tot. Er sei am Montag nach kurzer schwerer Krankheit gestorben, teilte seine Familie am Dienstagmittag mit. Der 88-jährige Psychoanalytiker, Publizist und Friedensforscher war der bundesweit wohl bekannteste Gießener.
Prof. Horst-Eberhard Richter ist tot. Die Ehrenbürgerschaft der Stadt Gießen war ihm vor vier Jahren verliehen worden. (Archivfoto: Schepp) P 1923 als Sohn eines Ingenieurs in Berlin geboren, studierte Richter dort Medizin, Philosophie und Psychologie (Promotion zum Dr. phil. 1948, Dr. med. 1957). 1962 wurde der ausgebildete Psychiater und Psychoanalytiker – damals leitete er das Berliner Psychoanalytische Institut – auf den neu eingerichteten Psychosomatik-Lehrstuhl der Justus-Liebig-Universität berufen. In Gießen baute der Wissenschaftler ein beispielhaftes, fächerübergreifendes Zentrum für Psychosomatik auf und leitete es 30 Jahre lang. Nach seiner Emeritierung wechselte er 1992 als Direktor des Sigmund-Freud-Institutes nach Frankfurt. Erst mit 79 Jahren ging Richter in den Ruhestand. Der Pionier der psychoanalytischen Familienforschung (»Eltern, Kind, Neurose«, 1963) entwickelte sich mit seinen Bestsellern (»Der Gotteskomplex«, »Umgang mit Angst«, »Das Ende der Egomanie«) zu einem Experten für die Seelenlage der Nation. Und er war bis zuletzt viel beschäftigt: Unverändert arbeitete er als Therapeut, hielt Vorträge und schrieb Bücher. Auch körperlich war der passionierte Bergsteiger und Jogger lange ein Phänomen. Richter ist vielfach ausgezeichnet worden. Zu den bedeutendsten Ehrungen gehören der Theodor-Heuss-Preis (1980) und die Goethe-Plakette der Stadt Frankfurt (2002). 1985 erhielt die von ihm mitbegründete deutsche Sektion der »Ärzte gegen den Atomkrieg«, deren Ehrenvorsitzender Richter ist, den Friedensnobelpreis. Zuletzt kamen der US-Friedenspreis (2003) und 2007 die erstmals vergebene Ehrenmedaille des Fachbereichs Medizin der Justus-Liebig-Universität dazu. Nach langer politischer Debatte war Richter Ende 2007 die Ehrenbürgerschaft der Stadt Gießen verliehen worden. Einen Namen erworben hatte der Wissenschaftler sich auch durch sein bürgerschaftliches Engagement im sozialen Brennpunkt Eulenkopf in den siebziger Jahren, das auch zur Gründung des Sportvereins ACE Gießen geführt hatte. |
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| Quelle: Giessener Allgemeine (2011-12-21) | |
| Webseite: http://www.giessener-allgemeine.de/ | |
| veröffentlicht von 2011-12-21 bis 2012-02-20 | |
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| Zum Tode von Prof. Horst-Eberhard Richter - „Eine außerordentliche Persönlichkeit unserer Zeit“ | |
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Die frühere Bundestagspräsidentin Prof. Rita Süssmuth bezeichnete ihn einmal als „eine außerordentliche Persönlichkeit unserer Zeit“. Würdigungen wurden ihm vielfach zuteil, zuletzt die Gießener Ehrenbürgerschaft. Nach kurzer schwerer Krankheit ist Prof. Horst-Eberhard Richter, international renommierter Psychoanalytiker, Sozialphilosoph, erfolgreicher Buchautor und Leitfigur der Friedensbewegung, im Alter von 88 Jahren gestorben. Er hinterlässt seine Ehefrau Bergrun, drei Kinder und Enkelkinder.
Anlässlich seines 85. Geburtstags hatte Rita Süssmuth im Gießener Anzeiger geschrieben: „Sein Leben ist mir und vielen Beispiel und Vorbild. Er kämpft für ein friedliches Miteinander gegen eines von Macht und Herrschaft bestimmtes Verhältnis zwischen den Menschen. Er hört nicht auf, für eine andere, eine humanere Welt beharrlich und unbeirrt von aller Kritik an seinen Positionen einzutreten.“ Horst-Eberhard Richter mahnte, mischte sich ein, war manchen unbequem. So freundlich, aufmerksam zuhörend er auftrat, so streitbar konnte er in der Sache sein. Unbeirrbar eben. Doch als Psychoanalytiker wusste er, mit Kritik umzugehen, auch dann, wenn sie polemisch daherkam. Natürlich sei er auch dünnhäutig, räumte er einmal im Interview mit dem Anzeiger ein: „Wäre man nicht verwundbar, könnte man kein Psychoanalytiker sein.“ Prof. Horst-Eberhard Richter genoss als Psychoanalytiker auch international großes Ansehen. Die psychoanalytische Familienforschung und -therapie ist auf das Engste mit seinem Namen verbunden. Er studierte in Berlin Medizin, Philosophie und Psychologie, wurde dort Nervenarzt und Psychoanalytiker. Ab 1952 leitete er eine Beratungs- und Forschungsstelle für seelische Störungen im Kindes- und Jugendalter und ab 1959 das Berliner Psychoanalytische Institut. 1962 kam Richter nach Gießen. Hier baute er zunächst die Psychosomatische Klinik, später das dreigliedrige Zentrum für Psychosomatik an der Justus-Liebig-Universität auf, das er 30 Jahre leitete. In Gießen setzte er seine in Berlin begonnenen Forschungen über unbewusste Elterneinflüsse auf die kindliche Entwicklung fort. Die Justus-Liebig-Universität Gießen werde ihm ein ehrendes Andenken bewahren, erklärte JLU-Präsident Prof. Joybrato Mukherjee. „Horst-Eberhard Richter habe sich in ganz außergewöhnlicher Weise um unsere Universität und den Fachbereich Medizin verdient gemacht, so Mukherjee. „Sein Wirken reichte jedoch weit über die Grenzen seines Fachs hinaus in die Gesellschaft hinein.“ Ein Beispiel dafür ist der Eulenkopf: Gemeinsam mit Studenten entwickelte Richter ein Selbstorganisations-Projekt in der Gießener Siedlung, das zu einem Modell für zahlreiche deutsche Städte wurde. Mehr als zehn Jahre engagierten Richter und die Studenten sich dort. Aus der einstigen Obdachlosensiedlung wurde ein menschenwürdiger Ort. Die Menschen am Eulenkopf seien es selbst gewesen, die sich aufgerichtet haben. Er habe das Ganze lediglich ein wenig moderiert, sagte er einmal. Aus seinem Engagement erwuchs eine lebenslange, enge Verbindung des Ehepaares Richter zu den „Eulis“. Die frühere Bundestagspräsidentin Prof. Rita Süssmuth bezeichnete ihn einmal als „eine außerordentliche Persönlichkeit unserer Zeit“. Würdigungen wurden ihm vielfach zuteil, zuletzt die Gießener Ehrenbürgerschaft. Nach kurzer schwerer Krankheit ist Prof. Horst-Eberhard Richter, international renommierter Psychoanalytiker, Sozialphilosoph, erfolgreicher Buchautor und Leitfigur der Friedensbewegung, im Alter von 88 Jahren gestorben. Er hinterlässt seine Ehefrau Bergrun, drei Kinder und Enkelkinder. Anlässlich seines 85. Geburtstags hatte Rita Süssmuth im Gießener Anzeiger geschrieben: „Sein Leben ist mir und vielen Beispiel und Vorbild. Er kämpft für ein friedliches Miteinander gegen eines von Macht und Herrschaft bestimmtes Verhältnis zwischen den Menschen. Er hört nicht auf, für eine andere, eine humanere Welt beharrlich und unbeirrt von aller Kritik an seinen Positionen einzutreten.“ Horst-Eberhard Richter mahnte, mischte sich ein, war manchen unbequem. So freundlich, aufmerksam zuhörend er auftrat, so streitbar konnte er in der Sache sein. Unbeirrbar eben. Doch als Psychoanalytiker wusste er, mit Kritik umzugehen, auch dann, wenn sie polemisch daherkam. Natürlich sei er auch dünnhäutig, räumte er einmal im Interview mit dem Anzeiger ein: „Wäre man nicht verwundbar, könnte man kein Psychoanalytiker sein.“ Prof. Horst-Eberhard Richter genoss als Psychoanalytiker auch international großes Ansehen. Die psychoanalytische Familienforschung und -therapie ist auf das Engste mit seinem Namen verbunden. Er studierte in Berlin Medizin, Philosophie und Psychologie, wurde dort Nervenarzt und Psychoanalytiker. Ab 1952 leitete er eine Beratungs- und Forschungsstelle für seelische Störungen im Kindes- und Jugendalter und ab 1959 das Berliner Psychoanalytische Institut. 1962 kam Richter nach Gießen. Hier baute er zunächst die Psychosomatische Klinik, später das dreigliedrige Zentrum für Psychosomatik an der Justus-Liebig-Universität auf, das er 30 Jahre leitete. In Gießen setzte er seine in Berlin begonnenen Forschungen über unbewusste Elterneinflüsse auf die kindliche Entwicklung fort. Die Justus-Liebig-Universität Gießen werde ihm ein ehrendes Andenken bewahren, erklärte JLU-Präsident Prof. Joybrato Mukherjee. „Horst-Eberhard Richter habe sich in ganz außergewöhnlicher Weise um unsere Universität und den Fachbereich Medizin verdient gemacht, so Mukherjee. „Sein Wirken reichte jedoch weit über die Grenzen seines Fachs hinaus in die Gesellschaft hinein.“ Ein Beispiel dafür ist der Eulenkopf: Gemeinsam mit Studenten entwickelte Richter ein Selbstorganisations-Projekt in der Gießener Siedlung, das zu einem Modell für zahlreiche deutsche Städte wurde. Mehr als zehn Jahre engagierten Richter und die Studenten sich dort. Aus der einstigen Obdachlosensiedlung wurde ein menschenwürdiger Ort. Die Menschen am Eulenkopf seien es selbst gewesen, die sich aufgerichtet haben. Er habe das Ganze lediglich ein wenig moderiert, sagte er einmal. Aus seinem Engagement erwuchs eine lebenslange, enge Verbindung des Ehepaares Richter zu den „Eulis“. Die Nachricht vom Tode des ACE-Ehrenvorsitzenden wurde in der Siedlung mit tiefer Trauer aufgenommen. „Der ganze Verein ist sehr betroffen und traurig“, sagte ACE-Vorsitzender Theo Strippel. „Für die Leute vom Eulenkopf war Horst-Eberhard Richter ein ganz besonderer Mensch, ein Wegbegleiter über gut und gerne vier Jahrzehnte, der mit seiner Schule machenden Initiative den Eulenköpflern in den siebziger Jahren nicht nur zu Selbstbewusstsein und besseren Lebensbedingungen verhalf, sondern sie auch Stück für Stück aus Stigmatisierung und Ausgrenzung in die Mitte der Gesellschaft führte.“ Richter, der den ACE Gießen 1974 mitgegründet hatte, „bleibt bei uns im Herzen und in den Gedanken“, sagte Strippel, der am Freitag nach Berlin fahren wird, um Abschied zu nehmen „von unserem Horst.“ Prof. Richter war darüber hinaus im Zuge der Psychiatrie-Reform maßgeblich an der Planung und Neuordnung der psychosozialen Versorgung im Land als Leiter von Arbeitsgruppen beteiligt. Der Aufbau eines netzwerkartigen Versorgungsmodells im Landkreis Gießen, von Zentren in Laubach und Grünberg mit Jugend-, Drogen- und Suchtberatung, Erziehungsberatung, Tagesstätte und betreutem Wohnen, folgte dem Konzept, gerade im ländlichen Raum mehr Gewicht auf Prävention und auf ganzheitliche Betreuung zu legen. Richter, der nach seiner Emeritierung von 1992 bis 2002 das Frankfurter Sigmund-Freud-Institut leitete, war zudem ein sehr erfolgreicher Autor. Fast 30 Bücher belegen sein breites Interessenspektrum. Sein Buch „Eltern, Kind und Neurose“ (1962) wurde zum Standardwerk der Kinderpsychologie und Erziehungswissenschaft. Zu seinen älteren Werken zählen neben anderen „Die Gruppe“ (1972) und „Lernziel Solidarität“ (1974). In „Die Krise der Männlichkeit in der unerwachsenen Gesellschaft“ (2006) knüpft er an den kulturphilosophischen und kulturpsychologischen Band „Der Gotteskomplex“ an, den Richter als sein Hauptwerk bezeichnete. In dem Buch „Die seelische Krankheit Friedlosigkeit ist heilbar“ behandelte Richter entscheidende Stationen und Wendepunkte seines persönlich und politisch bewegten Lebens. Sein letztes Buch „Moral in Zeiten der Krise“ erschien 2010. Der Gießener Psychosozial-Verlag hat fast alle älteren Werke Richters neu herausgegeben. Der Verlag ging aus der von Horst-Eberhard Richter gegründeten Zeitschrift »psychosozial« hervor und verfolgt mit seinem Programm die Ziele, für die er sich engagierte, nämlich: die Erkenntnisse der Psychoanalyse auch für das Verständnis sozialer und politischer Konflikte nutzbar zu machen, erklärte Prof. Hans-Jürgen Wirth. Sein konsequentes Eintreten für eine humane Gesellschaft, sein friedenspolitisches Engagement sind in Richters Biografie begründet. Am 28. April 1923 in Berlin geboren, wurde er im Alter von 18 Jahren zum Militär eingezogen. Er gehörte einem Artillerieregiment an der Russlandfront an. „Ich habe gesehen, was wir in diesem furchtbaren Angriffskrieg mit unseren Kanonen in russischen Dörfern angerichtet haben.“ Kurz vor der Verlegung seiner Truppe nach Stalingrad erkrankte er an einer lebensgefährlichen Diphtherie. Mit 22 Jahren geriet er in Kriegsgefangenschaft. Erst bei seiner Rückkehr erfuhr er vom Tod seiner Eltern, die zwei Monate nach Kriegsende bei einem Spaziergang von Russen ermordet worden waren. Seit Beginn der achtziger Jahre wurde Richter mehr und mehr zur Leitfigur der Friedensbewegung. 1982 wurde er zu einem der Gründer der westdeutschen Sektion der Organisation IPPNW, die 1985 den Friedensnobelpreis erhielt. Bis zuletzt bezog Horst-Eberhard Richter Stellung. Im Zusammenhang mit der Finanzkrise sprach er von einem systematischen Werteverfall. Er engagierte sich im globalisierungskritischen Bündnis Attac. Und er war stets ein gefragter Redner. Die Liste der Auszeichnungen, die ihm zuteil wurden, ist lang. Der Ehrung durch seine Wahlheimatstadt Gießen jedoch war ein Parteienstreit vorausgegangen, der sich an seinem Friedensengagement entzündet hatte. Der Universitätsstadt trugen die Querelen auch überregional wenig schmeichelhafte Schlagzeilen ein. Von einer „Provinzposse“ war die Rede - und davon, dass Richter der „ehrenwerteste Nicht-Ehrenbürger Gießens“ sei. Bei der Verleihung der ersten Ehrenmedaille des Fachbereichs Medizin der JLU an Horst-Eberhard Richter zeigte sich Rita Süssmuth über die Diskussionen in der Universitätsstadt gut informiert. Richter habe der Gießener Psychosomatik weltweite Anerkennung verschafft, sagte sie in ihrer Laudatio. Ironisch fügte sie hinzu: „Manchmal ist man in der Heimatstadt ja dieser Gewissheit am fernsten.“ Mit dem Festakt in der Aula der Universität fand das Kapitel Ehrenbürgerschaft im Dezember 2007 ein versöhnliches Ende. |
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| Quelle: Giessener Anzeiger (2011-12-21) | |
| Webseite: http://www.giessener-anzeiger.de/ | |
| veröffentlicht von 2011-12-21 bis 2012-02-20 | |
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| „Nicht nur Träger eines sanierungsbedürftigen Gebisses“ | |
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Examensfeier an JLU für 24 frischgebackene Zahnärzte - „Empathische Wertschätzung für hilfesuchende Patienten“ - „Praxiskonzept entwickeln“
GIESSEN (fod). Sie haben über alle Semester hinweg fast täglich „geübt“, Behandlungsräume und Arbeitsplätze geputzt, unzählige Klammern zurechtgebogen oder bei Kindern mit einer Betäubungsspritze „Zähne schlafen gelegt“: Die nun hinter ihnen liegenden Studienjahre an der Zahnklinik der Justus-Liebig-Universität (JLU) haben für 24 frischgebackene Zahnärztinnen und Zahnärzte so einiges mit sich gebracht. „Es war insgesamt eine sehr schöne Zeit, in der wir auch persönlich sehr gereift sind“, blickte Absolventin Ghezal Asef jetzt bei der feierlichen Verabschiedung in der Uniaula zurück. Zusammen mit Kommilitonin Sophia Steffan vermittelte sie den zahlreich erschienenen Eltern, Lebenspartnern und Freunden einen Einblick in jene Jahre mit „vollgepackten Stundenplänen“, „nur zehn Minuten dauernden Mittagspausen“ und einer sich scheinbar endlos hinziehenden Phase der Abschlussprüfungen, die nun hinter ihnen liegt und sie dank Approbation berechtigt, fortan zahnärztlich tätig zu sein. „Liebe Kolleginnen und Kollegen“, begrüßte denn auch Prof. Jörg Meyle, geschäftsführender Direktor des Zentrums für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde, seine jungen Zuhörer. Bezug nehmend auf das für sämtliche Ärzte geltende Genfer Gelöbnis forderte Meyle sie zu einer „empathischen Wertschätzung für hilfesuchende Patienten“ auf. „Stellen Sie Ihr fachliches Können in den Dienst der Menschlichkeit und sehen Sie den Patienten nicht als Träger eines sanierungsbedürftigen Gebisses“, mahnte er. Gleichwohl wusste der Kliniksdirektor um das „Spannungsfeld“ zwischen Hinwendung zu Hilfesuchenden und Finanzierungsfragen, in denen man sich heutzutage mit einer eigenen Praxis befinde. Und so legte er den Absolventen ans Herz, vor der Gründung oder Kauf einer solchen, „erst einmal ein Praxiskonzept zu entwickeln“. „Es würde uns freuen, wenn Sie Ihre Alma Mater in guter Erinnerung behalten“, betonte Prof. Bernd Wöstmann, Vorsitzender des Prüfungsausschusses. Hätten die meisten, nachdem sie damals ihren Studienplatz in Gießen erhalten hatten, wohl wenig begeistert ob der Ortswahl reagiert, habe doch jeder schnell das an der Zahnklinik herrschende „sehr kollegiale Miteinander“ schätzen gelernt, sagte Wöstmann und erntete prompte Zustimmung aus dem Auditorium. Zudem „ist es auch Ihr Verdienst, dass die Zahl der zu uns kommenden Patienten wieder zunimmt“, lobte er den jetzigen Jahrgang, der allesamt die Abschlussprüfungen mit den Noten „Sehr gut“ und „Gut“ bestanden hat. Erstere Note wurde sechs Mal vergeben, wofür Matthias Feyka, Teresa Häußling, Karen Kretschmar, Nathalie Lorenz, Philipp Stark und Sophia Steffan mit Präsenten ausgezeichnet wurden. Ebenfalls Glückwünsche an das gesamte Examenssemester übermittelten Dr. Dieter Nolte vom Vorstand der Landeszahnärztekammer, der bei den in Hessen bleibenden Absolventen für einen Kammerbeitritt warb, und Prof. Trinad Chakraborty, Dekan des Fachbereichs Medizin der JLU, dem auch die Zahnmedizin angehört. Letzterer lobte die Gießener Zahnmedizin, „die in den letzten Jahren durchweg Spitzenplätze bei der Bewertung von Lehre und Forschung erzielt hat“, in den höchsten Tönen. Gleichzeitig sah er in der Zwei-Standort-Lösung gemeinsam mit den Kollegen an der Marburger Universität und einer Kooperation bei Studium, Forschung und Patientenversorgung die genau richtige Entscheidung. „Das Konzept wird vom hessischen Wissenschaftsministerium als wegweisend angesehen“, wusste Chakraborty zu berichten. |
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| Quelle: Giessener Anzeiger (2011-12-21) | |
| Webseite: http://www.giessener-anzeiger.de/ | |
| veröffentlicht von 2011-12-21 bis 2012-02-20 | |
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| Fortbildung unterstreicht Ausnahmestellung | |
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Experten aus ganz Europa bilden sich in Gießen auf dem Gebiet der Blutgerinnung weiter - Gendiagnostikgesetz
GIESSEN (fm). Mit seinem Interdisziplinären Schwerpunkt für Hämostaseologie nimmt das Universitätsklinikum Gießen und Marburg (UKGM) auf dem Gebiet der klinischen Hämostaseologie in Deutschland bereits einen Spitzenplatz ein. Hämostaseologie ist die Lehre von der Blutgerinnung (griech. Haima = Blut und stasis = Zustand) und beschäftigt sich mit Diagnostik und Therapie angeborener und erworbener Thrombose- und Blutungsneigung. Der 16. Intensivkurs für Klinische Hämostaseologie der Gesellschaft für Thrombose- und Hämostaseforschung (GTH) beweist, dass Gießen in diesem Fachgebiet auch auf dem Fort- und Weiterbildungssektor eine führende Rolle einnimmt. Zum einen weil die von 92 Teilnehmern aus Deutschland, Österreich, der Schweiz, Großbritannien und den Niederlanden besuchte Veranstaltung erneut von Prof. Bettina Kemkes-Matthes, Leiterin des Interdisziplinären Schwerpunkts (ISP) für Hämostaseologie am Universitätsklinikum Gießen und Marburg GmbH, geleitet wurde. Unterstützt wurde sie von ISP-Mitarbeiterin Susanne Rossi. Zum anderen weil die entsprechende transfusionsmedizinische Veranstaltung in Händen von Prof. Gregor Bein, dem Leiter des ZTH (Zentrum für Transfusionsmedizin und Hämotherapie) des UKGM, liegt. An der in Fachkreisen hoch geschätzten Fortbildung nahmen Experten aus den Fachgebieten Innere Medizin, Pädiatrie, Anästhesie, Klinische Chemie, Transfusionsmedizin, Humangenetik - überwiegend aus universitären Einrichtungen, vom Chefarzt bis zum fortgeschrittenen Assistenten und Wissenschaftler - und aus der forschenden Pharma-Industrie teil. In rund zwei Dutzend Fachreferaten wurde das gesamte Gebiet der Blutgerinnung, einschließlich Physiologie und Molekularbiologie, behandelt. Erörtert wurden ferner der aktuelle Stand von angeborenen und erworbenen Gerinnungsstörungen sowie die Therapie mit Faktorenkonzentraten und gerinnungshemmenden Substanzen wie den neuen oralen Antikoagulantien. Ein wichtiges neues Thema war diesmal das Gendiagnostikgesetz, das ab 2012 eine umfangreiche Weiterbildung aller Ärzte fordert, die genetische Untersuchungen anfordern oder selbst durchführen. Laut Kemkes-Matthes wird das Thema „Gerinnung“ immer wichtiger, weil sie nicht nur die Blutstillung ermöglicht, sondern weil ihr eine wichtige Funktion bei der Infektabwehr, beim Wachstum und der Metastasierung von Tumoren und in der Schwangerschaft - insbesondere bei Abortneigung - zukommt. „Gerinnung spielt in nahezu jedes klinische Gebiet“, betont die Leiterin des Interdisziplinären Schwerpunkts für Hämostaseologie am UKGM. „Hämostaseologen sind gefragter denn je.“ Dies belegen die langen Wartelisten für diesen Kurs, den seit Beginn der Veranstaltung im Jahre 1996 bereits mehr als 1000 Teilnehmer absolviert haben. Die Anmeldungen für 2012 sind bereits in vollem Gange. |
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| Quelle: Giessener Anzeiger (2011-12-19) | |
| Webseite: http://www.giessener-anzeiger.de/ | |
| veröffentlicht von 2011-12-19 bis 2012-02-18 | |
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| Atmosphäre des Willkommen-Seins | |
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Was das künftige Hospiz-Haus Samaria ausmachen soll - Weichen für die inhaltliche Arbeit werden gestellt
Eine Atmosphäre des Willkommens schaffen: Robert Cachandt, Vorsitzender des Hospiz-Vereins Gießen, bringt in einfachen, dafür aber umso eingängigeren Worten auf den Punkt, was die künftige Herberge für Sterbenskranke ausmachen soll. Die Gäste, die auf dem letzten Weg ihres Lebens sind, sollen sich so gut es eben geht wohlfühlen in dieser für sie neuen Umgebung. Behütet, begleitet und umsorgt. Das gilt gleichsam für Angehörige, die den bevorstehenden schweren Gang mitgehen. „Qualitätsmerkmal im Alltag eines Hospizes“, nennt Robert Cachandt das. Die äußeren Rahmenbedingungen für das Hospiz-Haus Samaria, das Ende 2013 in Gießen eröffnet werden soll, sind gesetzt. Parallel dazu werden jetzt bereits die Weichen für die inhaltliche Arbeit in der kommenden Einrichtung gestellt. In Gießen gibt es bislang kein stationäres Hospiz. Einzig in Wetzlar, das Haus Emmaus, und in Marburg existieren solche Einrichtungen. Im Großraum Gießen, Wetterau- und Vogelsbergkreis ist bislang nichts Vergleichbares zu finden. Dabei ist Bedarf allemal vorhanden. Der Gießener Anzeiger will helfen, die Lücke zu schließen. Gemeinsam mit den Gesellschaftern des Projekts ist eine Spendenaktion ins Leben gerufen worden, um finanzielle Unterstützung zu generieren (der Anzeiger berichtete). Das künftige Hospiz-Gebäude liegt auf dem Gelände des Evangelischen Krankenhauses in der Paul-Zipp-Straße. Die drei Gesellschafter des Projekts sind die Agaplesion Evangelisches Krankenhaus Mittelhessen gemeinnützige GmbH als Betreiber des „EV“, der Hospiz-Verein und der Verein für Kranken-, Alten- und Kinderpflege in Gießen. Das als Hospiz-Haus vorgesehene jetzige Verwaltungsgebäude des Krankenhauses muss umgebaut werden. Die Kosten dafür belaufen sich auf circa 1,1 Millionen Euro. Für die Innenausstattung des Hauses sind nach derzeitigem Stand maximal 500 000 Euro eingeplant. Für das Raumprogramm gibt es laut Robert Cachandt klare Anforderungen: Einzelzimmer, Abschiedsraum, Küche und Gemeinschaftsraum soll es in Samaria geben. „Wichtig bei all dem ist“, so der Hospiz-Vereinsvorsitzende, „die familiäre Atmosphäre.“ Daher ist auch die Bettenzahl begrenzt. Im Falle der Gießener Einrichtung auf zehn Stück. Rücksichtnahme auf das Befinden jedes einzelnen Gastes, die Sicherheit gewünschter Privatheit sowie auch die Förderung der noch möglichen Selbstständigkeit - all dies sind bedeutende Punkte, die das Qualitätsmerkmal des Hospiz-Hauses Samaria beschreiben. Die Verantwortlichen des Projekts „nehmen dabei auf, was andere Hospize dazu entwickelt haben“, sagt Cachandt. Insbesondere von der Arbeit und den Erfahrungen im Wetzlarer Haus Emmaus profitiere man. Dort werde Hervorragendes geleistet. Bis Ende 2012 sollen die künftigen hauptamtlichen Mitarbeiter mit „ins Boot“ gezogen werden. Ein gewisser Vorlauf ist da von Nöten, denn schließlich sollen sie sich „als Team kennenlernen und finden“, sagt Cachandt. Zumal sie auf engem Raum zusammenarbeiten müssen und dabei auf menschlich schwierige Situationen stoßen werden. Vorab müsse eine Alltagsstruktur fürs Haus entwickelt werden, um die gewünschte Willkommens-Atmosphäre gewährleisten zu können. Der vorgegebene Personalschlüssel sieht pro Gast 1,5 hauptamtliche Mitarbeiter vor. Benötigt werden also 15. Das Hospiz ist als gemeinnützige GmbH organisiert. Diese Gesellschaft ist als Träger damit auch Arbeitgeber. Neben hauptamtlichen werden aber auch ehrenamtliche Mitarbeiter benötigt, die für die Angehörigen, etwa in der Trauerbegleitung, eine Stütze sind. Ein stationäres Hospiz kann nur unter klar definierten Bedingungen in Anspruch genommen werden. Vorliegen muss eine ärztliche Einweisung, aus der hervorgeht, dass der Betroffene unheilbar krank ist, keiner Behandlung mehr in einem Krankenhaus bedarf und ambulant nicht mehr versorgt werden kann. Wenn überdies eine häusliche Versorgung, die so lange als möglich durch einen Arzt, durch Pflegepersonal und Palliativkräfte aufrechterhalten werden soll, nicht mehr gesichert werden kann - dann ist eine Aufnahme in ein Hospiz geboten. Allerdings: „Die Zustimmung des Betroffenen gilt als Grundvoraussetzung“, betont Robert Cachandt. Außerdem: Wenn sich Patienten mit dem Gedanken tragen, im Fall der Fälle ein Hospiz-Haus aufsuchen zu wollen, so sei es hilfreich, wenn dies in einer Patientenverfügung vorab dokumentiert ist. Die Entscheidung, in ein Hospiz als letzten Weg zu gehen, sei enorm schwierig. „Die Schwelle, darüber zu gehen, ist sehr hoch“, weiß der Vorsitzende des Hospiz-Vereins, der seit Jahren in der ambulanten Arbeit engagiert ist. „Es ist ein schwieriger Prozess. Wir von unserer Seite tun unser Möglichstes, dass die Schwelle so niedrig, wie es nur geht, liegen wird.“ |
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| Quelle: Giessener Anzeiger (2011-12-17) | |
| Webseite: http://www.giessener-anzeiger.de/ | |
| veröffentlicht von 2011-12-19 bis 2012-02-18 | |
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| Poliklinik für Zahnärztliche Prothetik erhält Zertifikat für qualitätsorientiertes Arbeiten | |
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GIESSEN (fod). Das nötigte selbst den externen Gutachtern Respekt ab: Innerhalb von nur einem Jahr ist es der Poliklinik für Zahnärztliche Prothetik des Gießener Zentrums für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde gelungen, ein nach internationalen Normvorgaben entsprechendes Qualitätsmanagement aufzubauen.
„So etwas wie hier haben wir noch an keiner anderen Klinik erlebt“, zeigte sich Auditleiterin Marion Lesny begeistert, als sie gestern Prof. Bernd Wöstmann, Direktor der Poliklinik, das Zertifikat des Tüv Nord überreichte. An drei Tagen waren im November alle Arbeitsabläufe begutachtet worden. Dabei wurde ein besonderes Augenmerk auf die qualitätsorientierte Behandlung der Patientinnen und Patienten, Ausbildung der Studierenden, Durchführung von wissenschaftlichen Studien und Organisation gelegt. Mit jeweils herausragendem Ergebnis, wie die 33 Mitarbeiter der Poliklinik nun dank Urkunde Schwarz auf Weiß in den Händen halten können. Laut Bernd Wöstmann werden alleine in diesem Bereich der Zahnklinik jährlich an die 4000 Patienten behandelt und kämen rund 1000 neue hinzu. In der Prothetik dreht sich hierbei alles um den Zahnersatz, von Teillösungen bis hin zu Implantaten. „Über die erfolgreiche Zertifizierung freuen wir uns sehr, denn sie belegt die hervorragende Qualität unserer Arbeit“, sagt Wöstmann, der die Einführung des Qualitätsmanagement-Systems gemeinsam mit der Qualitätsmanagementbeauftragten Dr. Sandra Schierz initiiert hatte. Gerade auch die abteilungsintern entwickelte Software wurde vom Tüv Nord als besonders beispielhaft und einmalig herausgehoben. Die Poliklinik für Zahnärztliche Prothetik ist derzeit die einzige zahnklinische Abteilung in Deutschland, die die komplette Patientenverwaltung, Testatpläne sowie Vorlesungen der Studierenden und das QM-System mittels der in Gießen entwickelten Software papierlos verwaltet. Zur Sicherung der Qualität wird zudem im Bereich der Krankenversorgung die Patientenzufriedenheit und in der Lehre die Zufriedenheit der Studierenden evaluiert. Erste Gratulanten zum Erfolg waren gestern Prof. Jörg Meyle, geschäftsführender Direktor der Zahnklinik, und Prof. Trinad Chakraborty, Dekan des Fachbereichs Medizin der Justus-Liebig-Universität, zu dem auch die Zahnmedizin gehört. „Das Zertifikat ist für uns nicht nur Auszeichnung, sondern vor allem Ansporn, die Qualität unserer Leistungen dauerhaft auf dem derzeitigen hohem Niveau zu halten“, versichert Bernd Wöstmann. Dazu wird sich die Poliklinik für Zahnärztliche Prothetik in Zukunft einmal pro Jahr einer Überprüfung ihrer Qualitätsstandards stellen. |
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| Quelle: Giessener Anzeiger (2011-12-17) | |
| Webseite: http://www.giessener-anzeiger.de/ | |
| veröffentlicht von 2011-12-19 bis 2012-02-18 | |
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| 1000. Geburt des Jahres | |
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Gießen (jri). Neun Monate hatte Leonie
Sophie Theiß im Bauch ihrer Mutter verharrt, jetzt war es soweit: Das 3030 Gramm leichte und 50 Zentimeter kleine Mädchen erblickte am vergangenen Mittwoch um 14.15 Uhr per Kaiserschnitt das Licht der Welt. Es war die 1000. Geburt dieses Jahres am Uniklinikum Gießen. Für die Familie Theiß aus Leun-Stockhausen stand dieses »Jubiläum« erst einmal im Hintergrund – Mama Severine, Papa Oliver und das zweijährige Brüderchen Niclas freuten sich in erster Linie über den gesunden Nachwuchs, den sie herzlich in den Arm nahmen. Stationsärztin Julia Ionesi-Pasacica (r.) gratulierte mit einem Blumenstrauß und erläuterte, dass am Klinikum in erster Linie die Zahl der gebärenden Mütter erfasst werde – da sei Severine Theiß die Nummer 1000 des Jahres. Weil jedoch am neuen Klinikum auch Mehrlingsgeburten statistisch als eine Geburt gelten, liegt die Zahl der tatsächlich auf der gynäkologischen Station geborenen Kinder in diesem Jahr bei derzeit rund 1070, denn es gab zahlreiche Zwillingsgeburten sowie einmal Drillinge. Das katholische St. Josefs- Krankenhaus als weiteres Geburts-Krankenhaus in Gießen hatte sich vor rund zwei Wochen über den 1000. Säugling des Jahres gefreut. |
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| Quelle: Giessener Allgemeine (2011-12-17) | |
| Webseite: http://www.giessener-allgemeine.de/ | |
| veröffentlicht von 2011-12-19 bis 2012-02-18 | |
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| Mit Schlüsselloch-Methode kompletten Lungenflügel entfernt | |
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Am Uniklinikum erstmals deutschlandweit neuartiges Operationsverfahren angewendet
Drei gerade einmal ein bis drei Zentimeter kurze Schnitte in die Brusthöhle reichten für die Operation des Lungenkrebses von Günter Paukert aus. Kein Vergleich zum herkömmlichen Verfahren, das einen bis zu 25 Zentimeter langen Schnitt am Brustkorb mit auseinander-spreizen der Rippen erfordert hätte. Mittels der Schlüsselloch-Methode der Video-Assistierten Thorakoskopie (VATS) ist es jetzt am Giessener Universitätsklinikum erstmals überhaupt in Deutschland gelungen, einen kompletten Lungenflügel auf diese Weise zu entfernen. Bei fünf Patienten ist bisher dieses neuartigen Operationsverfahren angewendet worden. Günter Paukert war der zweite Patient, bei dem dieser Eingriff an der Chirurgie des Uniklinikums vorgenommen wurde. 68 Jahre war der Holzheimer zu diesem Zeitpunkt alt und wies zwei große Krebsherde am Ober- und Unterlappen der linken Lunge auf. „Ich habe mich nicht als Versuchskaninchen gefühlt“, blickt der jetzt 69-Jährige auf den Tag seiner Operation zurück. Prof. Johannes Bodner, Leiter der Sektion Thoraxchirurgie an der Chirurgischen Klinik, hatte sofort das Vertrauen seines Patienten gewonnen, nachdem er diesem die Vorteile dargelegt hatte. Als da wären weniger Schmerzen, eine kürzere Erholungsphase, geringere Beeinträchtigung der Atemfunktion und ein kürzerer Krankenhausaufenthalt. Bodner war es auch, der das VATS-Verfahren im Februar mitgebracht hatte, als er von Innsbruck nach Gießen wechselte, um hier die Leitung der Thoraxchirurgie zu übernehmen. „Ziel ist es, möglichst viel Lunge zu erhalten“, erläutert der 40-Jährige den medizinischen Hintergrund. „Und durch die kleinen Schnitte ist der Eingriff mit deutlich weniger Belastung für den Patienten verbunden.“ Der Chef des Operateurs, Prof. Winfried Padberg, Direktor der Klinik für Allgemein-, Viszeral-, Thorax-, Transplantations- und Kinderchirurgie, weiß aus eigener Erfahrung, wie viel belastender das bisherige Verfahren ist. So berichtet er von einer Patientin, die nach der alten Methode „zehn Tage unter starken Schmerzen litt“. Als sie jetzt ein weiteres Mal wegen Lungenmetastasen operiert werden musste, dann aber mit dem VATS-Verfahren, „saß sie am dritten Tag nach der OP schon wieder putzmunter im Bett“, so Padberg. Laut Johannes Bodner wolle man am Brustkorb künftig „immer wenn es die Lage und Größe des Tumors zulässt“, die neue Technik anwenden. Die Lunge biete dabei gegenüber anderen Organen den Vorteil, dass nur Segmente von ihr entfernt werden können und der Rest erhalten bleibt, da der linke Lungenflügel in zwei Einzellappen und der rechte in drei Lappen – die wiederum aus abgegrenzten Segmenten bestehen – unterteilt ist. Zudem könne ein Mensch auch mit nur einem Lungenflügel, wenngleich mit einigen Einschränkungen in der körperlichen Leistungsfähigkeit, sehr gut weiterleben. Wie jetzt der Fall von Günter Paukert beweist. Dennoch sei das herkömmliche Verfahren mit großem Schnitt und Aufspreizen der Rippen weiterhin notwendig, gibt Bodner zu bedenken. Und zwar dann, „je näher ein Tumor an Atemwege, Blutgefäße und Herz heranreicht oder wenn Teile der Atemwege entfernt werden müssen“. Wie der Österreicher betont, sei es in den vergangenen Monaten gelungen, „Gießen als minimal-invasives Zentrum in der Thoraxchirurgie zu etablieren“. Das freut auch Prof. Werner Seeger, den Ärztlichen Geschäftsführer der Universitätsklinikum Gießen und Marburg GmbH (UKGM), der zu berichten weiß, dass Lungenkrebs der mittlerweile für die meisten Tode in Deutschland verantwortliche Tumor ist. „Er kann nur dann geheilt werden, wenn der Patient frühzeitig operiert wird.“ Was bei Günter Paukert gelang. |
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| Quelle: Giessener Anzeiger (2011-12-16) | |
| Webseite: http://www.giessener-anzeiger.de/ | |
| veröffentlicht von 2011-12-16 bis 2012-02-15 | |
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| Blick ins Herz nach einem Infarkt | |
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Radiologin Prof. Gabriele Krombach berichtet von Möglichkeiten des MRT- und CT-Einsatzes bei Herzkrankheiten
In der Röhre eines Magnetresonanztomographen (MRT) zu liegen, und dann auch noch für eine halbe Stunde oder länger, bereitet vielen Menschen arges Unbehagen. Doch gerade Personen, die einen Herzinfarkt hatten, sollten für diese diagnostische Möglichkeit dankbar sein. Lässt sich damit anhand dreidimensionaler und bewegter Bildgebung doch exakt feststellen, wie weit das Herzmuskelgewebe (Myokard) schon geschädigt ist und welche blutversorgende Koronararterie einen Verschluss aufweist, wie jetzt die Zuhörinnen und Zuhörer beim Vortrag von Prof. Gabriele A. Krombach im Seniorenvorlesungsprogramm des Fachbereichs Medizin der Justus-Liebig-Universität (JLU) erfuhren. Die Direktorin der Abteilung für Radiologie am Gießener Universitätsklinikum vermittelte dort auch mittels verschiedener Fallbeispiele aus ihrer Praxis den großen Nutzen von MRT und Computer-tomographie (CT) für Diagnostik und Therapie. So konnte sie berichten, dass dieses Jahr am Uniklinikum erstmals die Zahl von rund 300 Herz-MRTUntersuchungen erreicht wird. Tendenz weiter steigend. Vor zehn Jahren dagegen sei die Kernspintomographie, so die andere Bezeichnung, allenfalls zehnmal jährlich eingesetzt worden, und dann auch nur bei Tumoren. Seit 2001 jedoch stieg die Zahl kontinuierlich, denn „erst seitdem ist die Technik entwickelt, um auch Ischämien (verminderte oder aufgehobene Durchblutung, d.Red.) und Koronarstenosen darstellen zu können“, erläuterte die Ärztin. Zeit ist nach einem Herzinfarkt der entscheidende Faktor. „Ist die Durchblutung 30 Minuten gestört oder unterbrochen, ist es noch möglich, die Funktionsfähigkeit des Herzgewebes wieder hundertprozentig herzustellen“, so Krombach. Darüber jedoch bestehe die Gefahr, dass immer mehr Gewebe abstirbt, nekrotisch wird. „Die kritische Schwelle liegt bei drei Stunden, danach ist kein vitales Myokard mehr zu finden.“ Um festzustellen, wie weit ein Herzinfarkt ausgeprägt und welche Therapie angeraten ist, werden bei einem 40 Minuten dauernden Herz-MRT Aufnahmen auf verschiedenen Ebenen gemacht, lassen sich sowohl die vier Kammern als auch Herzklappen, Muskelanteil und Blutfluss voneinander unterscheiden. Und nach Injektion von Kontrastmittel auch der Bereich, der kaum noch oder gar nicht mehr durchblutet ist. „Bei einem Infarkt zeigt sich ein weißer Rand, der von innen nach außen läuft“, erklärte die Radiologin anhand von Aufnahmen. Doch werde dieser erst nach rund 20 Minuten sichtbar - daher die lange Dauer eines MRT, das, wenn der Patient für etwa sechs Sekunden den Atem anhält, zudem bewegte Bilder des schlagenden Herzens ermöglicht. Während das vom Infarkt betroffene Herzgewebe Aufschluss darüber gibt, welches hier für die Blutversorgung zuständige Koronargefäß verstopft ist und somit durch eine Ballondilatation erweitert oder mit einer Gefäßstütze (Stent) zum Offenhalten versehen werden muss. Doch das ist noch längt nicht alles, was sich bei einer solchen Untersuchung herausfinden lässt. „Mit einem MRT bekommen wir auch Angaben zu Schlagvolumen, Myokardmasse oder Herzauswurfleistung“, zählte die Ärztin auf. Werte, die eine genaue Aussage über die Funktionsfähigkeit des Organs erlauben und von ihren Arztkollegen in Klinik und Praxen zur Entscheidung über die Therapie herangezogen werden. Während ein MRT für den Patienten mit keiner Strahlenbelastung verbunden sei, da das Gerät laut Krombach „mit einem Magnetfeld arbeitet“, beträgt die Belastung durch Strahlung bei einem CT rund fünf Millisievert. Neben einer Risikoeinschätzung erlaube es auch eine Quantifizierung des Koronarkalks, der sich im Laufe des Lebens in Herz und Blutgefäßen ablagert. „Wir wissen, dass bei Überschreitung eines gewissen Schwellenwerts das Risiko für die koronare Herzkrankheit stark ansteigt“, sagte die Radiologin. Der nächste Termin im Rahmen der Senioren-Medizinvorlesungen steht erst wieder am 10. Januar 2012 auf dem Programm. Arbeitsmediziner Prof. Joachim Schneider widmet sich dann dem Thema „Wenn Arbeit krank macht“. |
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| Quelle: Giessener Anzeiger (2011-12-16) | |
| Webseite: http://www.giessener-anzeiger.de/ | |
| veröffentlicht von 2011-12-16 bis 2012-02-15 | |
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| Ganze Lungenflügel minimal-invasiv entfernt | |
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Uniklinikum: Prof. Johannes Bodner etabliert wohl bundesweit einmalige Operationsmethode »durchs Schlüsselloch«
Gießen (kw). Zehn Tage lang litt die Patientin starke Schmerzen, nachdem Prof. Winfried Padberg Teile ihrer Lunge mit Krebs-Metastasen herausoperiert hatte – mit einem 20 Zentimeter langen Schnitt und Auseinanderspreizen von Rippen. Jüngst hat der Chirurg die Frau wieder gesehen, nachdem ihr gleich ein ganzer Lungenflügel entfernt wurde. Diesmal »saß sie schon am dritten Tag nach dem Eingriff putzmunter im Bett und strahlte mich an«, erzählt Padberg. Denn Prof. Johannes Bodner hatte die Patientin »durchs Schlüsselloch« operiert. Der 40-jährige Österreicher, der seit Februar am Gießener Universitätsklinikum arbeitet, hat seit Juni bereits fünfmal ganze Lungenflügel minimal-invasiv enfernt – wohl als bisher einziger in Deutschland, hieß es gestern bei einem Pressegespräch. Video-assistierte Thorakoskopie – kurz VATS – heißt die Schlüsselloch-Operationsmethode im Bereich des Brustkorbs, vergleichbar mit der Laparoskopie für Eingriffe in der Bauchhöhle. Dabei wird auf den herkömmlichen großen Schnitt mit 15 bis 25 Zentimetern Länge verzichtet. Stattdessen werden Kamera und Instrumente durch drei kleine Schnitte, je ein bis vier Zentimeter lang, eingeführt. Die Hände des Chirurgen bleiben außerhalb der Brusthöhle, es muss kaum Muskulatur durchtrennt oder verschoben werden. Die Patienten erholen sich danach schneller, haben weniger Schmerzen, ihre Atemfunktion ist geringer beeinträchtigt, sie haben nur kleine Narben. Außerdem zeige der verbliebene Lungenflügel mehr Kraft als vorhergesehen, schildert Prof. Bodner – Leiter der Sektion Thoraxchirurgie – die ersten positiven Erfahrungen. Nach zwei Wochen fit zum Holzhacken Schon zwei Wochen nach seiner Operation fühlte sich Günter Paukert fit genug zum Holzhacken. »Aber meine Ärztin hat es mir damals verboten«, berichtet der Lungenkrebs-Patient aus Pohlheim-Holzheim, der im Juni als zweiter minimal-invasiv operiert wurde. Der 69-Jährige ist dem Zufall dankbar dafür, dass er als einer der ersten von dieser modernen Methode profitierte. »Wir machen natürlich keine Experimente mit Menschen«, unterstreicht Bodner ebenso wie Prof. Padberg, Direktor der Klinik für Allgemein-, Viszeral-, Thorax-, Transplantations- und Kinderchirurgie. Mit den einzelnen Schritten einer solchen Operation hätten die Ärzte viel Erfahrung; schließlich seien auch bisher schon kleinere Eingriffe im Brustkorb so durchgeführt worden. Auch Lungenlappen wurden in einigen deutschen Zentren bereits durch die kleinen Schnitte herausoperiert. Bundesweit an der Spitze sei Gießen nun mit der Ausweitung auf die Entfernung ganzer Lungenflügel; sie wird nötig bei mehreren oder zwischen zwei Lappen liegenden Tumoren. Das hebt Prof. Werner Seeger hervor, Ärztlicher Geschäftsführer des Uniklinikums Gießen und Marburg. »Wir hatten das Glück, mit Professor Bodner einen Experten zu gewinnen, der besonders ausgewiesen ist für minimal-invasive Verfahren.« Diese seien technisch besonders anspruchsvoll. Schließlich gilt es unter anderem, einen ganzen Lungenlappen – verpackt in einen Sack – durch einen kleinen Schnitt zu ziehen. Das könne eine Viertelstunde dauern, so Bodner. Sein Wissen und Können gibt der 40-Jährige nun »Schritt für Schritt« an die Kollegen im Team weiter. Man wolle »die Grenzen weiter verschieben«, so Bodner. Freilich werde es immer Fälle geben, in denen minimal-invasive Eingriffe nicht in Frage kommen: Etwa wenn sich Lungentumore zu nah am Herzen oder an Blutgefäßen befinden. Während eines per »Schlüsselloch« begonnenen Eingriffs sei es ohne große Probleme möglich, doch noch den Brustkorb zu öffnen. Bei Lungenkrebs spiele die Chirurgie eine besonders große Rolle, erläuterte Seeger: Er könne nur mit einer rechtzeitigen Operation geheilt werden. Lungenkrebs sei weltweit »ein Riesenthema«: In Deutschland seien diese Tumore diejenigen, die am häufigsten zum Tode führen, in China sei die Krankheit gar Todesursache Nummer eins. Hauptursache sei das Rauchen, so die Ärzte. |
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| Quelle: Giessener Allgemeine (2011-12-16) | |
| Webseite: http://www.giessener-allgemeine.de/ | |
| veröffentlicht von 2011-12-16 bis 2012-02-15 | |
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| Vom Schwertschlucker stammte einst die Idee | |
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Das Universitätsklinikum hat »ZIVE« – die Zentrale Interdisziplinäre Viszeralmedizinische Endoskopie – eingerichtet
Als er nach Gießen kam, schaffte der Lungenemphysem-Patient schwer atmend gerade noch 154 Meter beim Sechs-Minuten-Lauftest: Weil die geschädigten Lungenbläschen die Atemluft nicht mehr auspressen können, kommt es beim Emphysem zu schwererAtemnot. Nach der neuen Behandlung im Universitätsklinikum bewältigt dieser Patient heute mit 283 Metern in sechs Minuten nahezu die doppelte Laufstrecke. Der Zustand eines anderen Patienten verbesserte sich so nachhaltig, dass auf eine Lungentransplantation verzichtetet werden konnte. Die krankhafte Überblähung der Lunge wurde bei beiden auf neuartige Weise beseitigt. »Endobronchialventile«, »unblutig« in die Atemwege eingesetzt, sorgen inzwischen dafür, dass geschädigte Lungenbezirke sich wieder entfalten und ihre Funktionsfähigkeit wiedergewinnen können. Das innovative Verfahren – dieser Tage von Privatdozent Dr. Frank Reichenberger aus der Medizinischen Klinik II vor Kollegen beschrieben –, ist nur ein Beispiel für eine ganze Reihe moderner, schonender Behandlungsverfahren, die sich aus der ursprünglich lediglich diagnostischen Zwecken dienenden Endoskopie – der Inspektion innerer Organe – entwickelt haben. Bei der Eröffnung der neuen »Zentralen Interdisziplinären Viszeralmedizinischen Endoskopie « informierte er zusammen mit Prof. Philip Hardt und Dr. Wilhelm Doppl über jüngste Entwicklungen und Zukunftsperspektiven endos-kopischerVerfahren. Der heute mögliche Blick ins Innere des lebenden Menschen – »als Magenspiegelung« im Mund- Speiseröhren- und Magen-Darmtrakt, als Koloskopie zur Früherkennung von Darmkrebs oder als Bronchoskopie in der Lungenheilkunde – ist letztlich einem biederen badischen Landarzt zu verdanken. Mitte des 19. Jahrhunderts unternahm es Adoph Kußmaul – inspiriert von einem Schwertschlucker – Speiseröhre und Magen zu inspizieren. Die dazu eingesetzten, ursprünglich starren Rohre sind inzwischen bleistiftdünn und schlangenhaft beweglich geworden. Über Glasfaserbündel werden Bild und Licht übertragen, mit winzigen Werkzeugen bestückt, mit Ultraschallsystemen aufgerüstet, lässt sich heute beispielsweise in Entartung befindliches Gewebe entfernen, noch ehe es sich zu Krebs verändert hat. Ehemals belastende chirurgische Eingriffe können vielfach durch schonenderes endoskopisches Vorgehen ersetzt werden . Gastroenterologen setzten es erstmals ein, Lungenspezialisten entwickelten es für ihre Zwecke weiter. Zu der in Gang gekommenen stürmischen Entwicklung trugen parallel dazu Chirurgen und Gynäkologen bei. Bei der Planung der im Vorjahr bezogenen Gießener Uniklinik hat man weitsichtig der bereits eingetretenen Entwicklung der Endoskopie über Fachgrenzen hinweg Rechnung getragen: Die Chefs der Medizinische Klinik II, IV und V sowie der Klinik für Allgemein und Kinderchirurgie – die Professoren Werner Seeger, Friedrich Grimminger und Winfried Padberg – kamen zum Entschluss, in einem interdisziplinären Zentrum fachspezifisches endoskopisches Know-how zu bündeln. Mit der Zentralen Interdisziplinären Viszeralmedizinischen Endoskopie ist jetzt die wegweisende Vorstellung interdisziplinärer Kooperation auf der Basis fachübergreifender Kompetenz realisiert worden. Die Einheit – angesiedelt auf Ebene 0 des Klinikneubaus und ausgestattet mit modernster Medizintechnik, die auch Kurznarkosen erlaubt – wird von Dr. Peter Collet geleitet. Er bringt Erfahrungen aus dem Mannheimer Endoskopiezentrum der Universität Heidelberg mit, das bei Fachleuten als international führend gilt. Die Vertretung haben Prof. Philip Hardt und Oberarzt Dr.Wilhelm Doppl. »Die Endoskopie hat inzwischen einen Spezialisierungsgrad erreicht, der neben hoher technischer Expertise eine differenzierte Spezialisierung verlangt«, erläuterten Seeger, Grimminger und Padberg bei der Besichtigung der neuen Räume. »Sie hat sich durch |
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| Quelle: Giessener Allgemeine (2011-12-15) | |
| Webseite: http://www.giessener-allgemeine.de/ | |
| veröffentlicht von 2011-12-16 bis 2012-02-15 | |
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| Zahl der Herzuntersuchungen steigt | |
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Gießen (ck). In Deutschland sterben pro Jahr rund 160 000 Menschen am Herzinfarkt. Damit ist diese Erkrankung hierzulande die Todesursache Nummer eins.
Entsprechend groß war das Interesse am Vortrag von Prof. Gabriele A. Krombach, Direktorin der Abteilung Radiologie am Uniklinikum, als sie am Dienstag im Rahmen des Seniorenprogramms des Fachbereichs Medizin der Justus-Liebig-Universität zum Thema »Kernspintomographie und Computertomographie des Herzens« im Großen Anatomischen Hörsaal sprach. Sowohl die Kernspin- oder Magnetresonanztomographie (MRT) als auch die Computertomographie (CT) sind bildgebende Verfahren, die vor allem in der medizinischen Diagnostik zur Darstellung von Struktur und Funktion der Gewebe und Organe im Körper eingesetzt werden. Während die CT mit einer Strahlenbelastung einhergeht, sind bei der MRT magnetische Wechselwirkungen ausschlaggebend. Zu verdanken haben beide Methoden ihren zunehmenden Einsatz der technischen Entwicklung in den zurückliegenden zehn Jahren. Spielten sie im Jahr 2001 noch kaum eine Rolle (keine zehn MRT-Untersuchungen am Gießener Universitätsklinikum), so dürfte die Zahl im kommenden Jahr auf mehr als 300 steigen, wie Krombach erläuterte. Dabei fällt der MRT die Aufgabe zu, nach einer diagnostizierten Einengung von Herzkranzgefäßen zu überprüfen, ob und wenn ja welche Auswirkungen die Stenose auf den Herzmuskel bereits hatte. »Bei der Hälfte aller Patienten ist der Infarkt das erste Symptom«, verdeutlichte die Expertin die Bedeutung einer möglichst frühen Erkennung der Erkrankung. Bei der Beantwortung der Frage nach den Auswirkungen eines Gefäßverschlusses spielt auch die Zeit eine wesentliche Rolle: Wird der Verschluss innerhalb von 30 Minuten aufgelöst, was der Körper selbst bewerkstelligt, sind keine Schäden zu erwarten. Je länger aber mit dem Beginn der ärztlichen Behandlung gewartet wird, desto schlimmer können die Folgen für das betroffene Herz sein. Nach drei Stunden kann – so Krombach – die komplette Herzwand betroffen sein, wodurch auch die Möglichkeiten der Ärzte eingeschränkt seien, da auch eine anschließende Bypass-Operation mit einem deutlich höheren Risiko verbunden sei. Die hohe Aussagekraft, die MRT-Aufnahmen durch die Anlagerung des zuvor gespritzten Kontrastmittels haben, demonstrierte die Radiologin anhand etlicher Bilder, an denen die Ausprägung verschiedener Stadien von Herzerkrankungen deutlich sichtbar wurden. Doch wie sollte man sich verhalten, um gar nicht erst in solche Situationen zu kommen? »Vorbeugen« ist für Krombach das Maß alle Dinge. Und dazu gehören: Übergewicht reduzieren (wobei eine »Birnenfigur« günstiger ist als eine »Apfelfigur«), fettarme Ernährung, jeden Tag 30 Minuten moderate Bewegung, nicht rauchen sowie Stress reduzieren. Die zahlreichen Fragen der Zuhörer zum Abschluss belegten das große Interesse am Thema und zeigten zugleich, dass einige bereits Erfahrungen mit Herzerkrankungen gemacht haben. Januar-Thema: »Wenn Arbeit krank macht« Veranstaltungsleiter Prof. Henning Stürz dankte der Referentin für ihre Ausführungen und kündigte den nächsten Vortrag im Seniorenprogramm für den 10. Januar an. Dann spricht der Arbeits- und Sozialmediziner Prof. Joachim Schneider zum Thema »Wenn Arbeit krank macht«. |
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| Quelle: Giessener Allgemeine (2011-12-15) | |
| Webseite: http://www.giessener-allgemeine.de/ | |
| veröffentlicht von 2011-12-19 bis 2012-02-18 | |
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| Lungenpatienten kommen deutlich weiter | |
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Gießen (if). Als er nach Gießen kam, schaffte der Patient schwer atmend gerade noch 154 Meter beim Sechs-Minuten-Lauftest: Weil die geschädigten Lungenbläschen die Atemluft nicht mehr auspressen können, kommt es beim Emphysem zu schwerer Atemnot. Nach der neuen Behandlung im Unklinikum bewältigt er heute mit 283 Metern in sechs Minuten nahezu die doppelte Laufstrecke.
Der Zustand eines anderen Patienten verbesserte sich so nachhaltig, dass auf eine Lungentransplantation verzichtetet werden konnte. Die krankhafte Überblähung der Lunge wurde bei beiden auf neuartige Weise beseitigt. »Endobronchialventile«, »unblutig« in die Atemwege eingesetzt, sorgen inzwischen dafür, dass geschädigte Lungenbezirke sich wieder entfalten und ihre Funktionsfähigkeit wiedergewinnen können. Das innovative Verfahren – dieser Tage von Privatdozent Dr. Frank Reichenberger aus der Medizinischen Klinik II vor Kollegen beschrieben –, ist nur ein Beispiel für eine ganze Reihe moderner, schonender Behandlungsverfahren, die sich aus der ursprünglich lediglich diagnostischen Zwecken dienenden Endoskopie – der Inspektion innerer Organe – entwickelt haben. Bei der Eröffnung der neuen »Zentralen Interdisziplinären Viszeralmedizinischen Endoskopie« informierte er zusammen mit Prof. Philip Hardt und Dr. Wilhelm Doppl über jüngste Entwicklungen und Zukunftsperspektiven endoskopischer Verfahren. Der heute mögliche Blick ins Innere des lebenden Menschen – »als Magenspiegelung« im Mund- Speiseröhren- und Magen-Darmtrakt, als Koloskopie zur Früherkennung von Darmkrebs oder als Bronchoskopie in der Lungenheilkunde – ist letztlich einem biederen badischen Landarzt zu verdanken. Mitte des 19. Jahrhunderts unternahm es Adoph Kußmaul – inspiriert von einem Schwertschlucker – Speiseröhre und Magen zu inspizieren. Die dazu eingesetzten, ursprünglich starren Rohre sind inzwischen bleistiftdünn und schlangenhaft beweglich geworden. Über Glasfaserbündel werden Bild und Licht übertragen, mit winzigen Werkzeugen bestückt, mit Ultraschallsystemen aufgerüstet, lässt sich heute beispielsweise in Entartung befindliches Gewebe entfernen, noch ehe es sich zu Krebs verändert hat. Ehemals belastende chirurgische Eingriffe können vielfach durch schonenderes endoskopisches Vorgehen ersetzt werden . Gastroenterologen setzten es erstmals ein, Lungenspezialisten entwickelten es für ihre Zwecke weiter. Zu der in Gang gekommenen stürmischen Entwicklung trugen parallel dazu Chirurgen und Gynäkologen bei. Bei der Planung der im Vorjahr bezogenen Gießener Uniklinik hat man weitsichtig der bereits eingetretenen Entwicklung der Endoskopie über Fachgrenzen hinweg Rechnung getragen: Die Chefs der Medizinische Klinik II, IV und V sowie der Klinik für Allgemein- und Kinderchirurgie – die Professoren Werner Seeger, Friedrich Grimminger und Winfried Padberg – kamen zum Entschluss, in einem interdisziplinären Zentrum fachspezifisches endoskopisches Know-how zu bündeln. Mit der Zentralen Interdisziplinären Viszeralmedizinischen Endoskopie ist jetzt die wegweisende Vorstellung interdisziplinärer Kooperation auf der Basis fachübergreifender Kompetenz realisiert worden. Die Einheit – angesiedelt auf Ebene 0 des Klinikneubaus und ausgestattet mit modernster Medizintechnik, die auch Kurznarkosen erlaubt – wird von Dr. Peter Collet geleitet. Er bringt Erfahrungen aus dem Mannheimer Endoskopiezentrum der Universität Heidelberg mit, das bei Fachleuten als international führend gilt. Die Vertretung haben Prof. Philip Hardt und Oberarzt Dr. Wilhelm Doppl. »Die Endoskopie hat inzwischen einen Spezialisierungsgrad erreicht, der neben hoher technischer Expertise eine differenzierte Spezialisierung verlangt«, erläuterten Seeger, Grimminger und Padberg bei der Besichtigung der neuen Räume. »Sie hat sich durch kontinuierliche Weiterentwicklung zu einem kurativen und palliativen Behandlungsverfahren emanzipiert. Mit der Einrichtung des Zentrums haben wir dieser Entwicklung Rechnung getragen.« |
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| Quelle: Giessener Allgemeine (2011-12-15) | |
| Webseite: http://www.giessener-allgemeine.de/ | |
| veröffentlicht von 2011-12-19 bis 2012-02-18 | |
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| Geübter „Blick durchs Schlüsselloch | |
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Neu am Uniklinikum: Zentrale Interdisziplinäre Viszeralmedizinische Endoskopie – Fachrichtungen arbeiten zusammen
GIESSEN (fod). Medizinische Laien sprechen gerne von der „Schlüssellochtechnik“. Ärzte dagegen lieber von minimal-invasiven operativen Eingriffen. Egal wie man es nun nennen mag, die Endoskopie, was frei übersetzt so viel wie „Blick ins Innenleben“ bedeutet, hat in den vergangenen zwei Jahrzehnten einen rasanten Fortschritt erlebt. War sie zunächst nur zu rein diagnostischen Zwecken im Einsatz, hat sich diese Technik in der Zwischenzeit auch zu einer überaus erfolgreichen Therapiemethode entwickelt. Wobei beides häufig in einem Eingriff miteinander kombiniert wird. Der interdisziplinären Entwicklung trug man auch beim Bau des vor einigen Monaten eingeweihten Universitätsklinikums Rechnung. Und schuf die Abteilung Zentrale Interdisziplinäre Viszeralmedizinische Endoskopie (ZIVE), in der Ärzte und Fachpersonal der Medizinischen Kliniken II, IV und V sowie der Chirurgischen Klinik zusammenarbeiten. Vertreten sind dabei Fachrichtungen wie Gastroskopie (Magen), Koloskopie (Darm) oder Bronchoskopie (Lunge). „Alte Paradigmen haben ihre Bedeutung verloren. In den letzten Jahren vollzieht sich ein unaufhaltsamer Systemwandel“, betonte der geschäftsführende ZIVE-Leiter Dr. Peter Collet jetzt bei der Vorstellung der neuen Abteilung. Die Idee für eine interdisziplinäre Endoskopie sei schon so alt wie die Endoskopie selbst. Und so wäre es mit der technischen Weiterentwicklung schnell zu „Grenzverletzungen“ gekommen. Da die historisch bedingte Trennung in eine internistische und chirurgische Endoskopie heute längst überholt und ökonomisch nicht mehr vertretbar ist, fiel die Entscheidung, im Erdgeschoss des Neubaus dies auf einem langen Flur mit mehreren Behandlungsräumen und modernster Ausstattung in Bildgebung oder Röntgentechnik zu kombinieren, und gleich noch eine dazugehörige Station mit 17 Betten zu schaffen. Wobei natürlich die bisherigen Einzel-Abteilungen und teils noch viel größeren Bettenstationen weiterhin ihren Dienst versehen. Auf über 12 000 endoskopische Eingriffe pro Jahr in Diagnostik und Therapie schätzt Peter Collet die Zahl in Gießen. Damit ist das Ende der Fahnenstange aber noch längst nicht erreicht: „Die Zukunft der Endoskopie liegt in therapeutischen Anwendungen“, weiß der Mediziner. Während Prof. Friedrich Grimminger, Direktor der Medizinischen Klinik IV und V, prophezeit, dass gerade die endoskopische Chirurgie anderen Fachdisziplinen „immer mehr Aufgaben abnehmen wird“, und das vor allem im Bereich „komplexer Interventionen“. Im Rahmen eines von Prof. Werner Seeger, Ärztlicher Geschäftsführer der Universitätsklinikum Gießen und Marburg GmbH (UKGM), und Grimminger eröffneten Symposiums, das zur offiziellen Eröffnung der neuen Abteilung gehörte, stellten mehrere dort mitarbeitende Fachärzte Beispielfälle aus der Praxis vor. So zeigte etwa Privatdozent Dr. Frank Reichenberger, wie sich mittels Bronchoskopie tief in die Atemwege der Lunge blicken lässt, um Krankheiten wie Lungenemphysem oder Asthma bronchiale therapieren zu können. Während Dr. Wilhelm Doppl auf Fälle wie Magenkarzinom oder Gallengangsstenose einging. Prof. Philip Hardt hingegen erläuterte verschiedene Anfärbungstechniken, mit denen sich krankes Gewebe inmitten des gesunden sichtbar machen lässt, und präsentierte Neuentwicklungen der Endoskopie. |
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| Quelle: Giessener Anzeiger (2011-12-13) | |
| Webseite: http://www.giessener-anzeiger.de/ | |
| veröffentlicht von 2011-12-13 bis 2012-02-12 | |
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| Schritt in die richtige Richtung | |
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Transplantationskolloquium: Zentrum stellt Zahlen vor – Zustimmungslösung begrüßt – Aufwärtstrend gestoppt
Zur Entwicklung der Zahlen der transplantierten und gespendeten Organe am Giessener Universitätsklinikum gibt es gute und schlechte Neuigkeiten. So konnte Prof. Rolf Weimer jetzt beim Transplantationskolloquium von einem „deutlichen Anstieg“ 2010 berichten. Doch der Aufwärtstrend ist mittlerweile wieder vorbei, denn 2011 seien die Zahlen „leider wieder abfallend“ gewesen, vermeldete der Sprecher des hiesigen Transplantationszentrums. Wie sie am Gießener Uniklinikum genau aussehen, erfuhren die Zuhörer von Inge Köhler vom Administrationsbüro: Demnach wurden vom 1. Januar bis 7. Dezember 2011 am Uniklinikum neun Herzen bei Kindern, 13 Lungen sowie 33 Nieren, davon 15 Lebendspenden inklusive sieben blutgruppeninkompatiblen Transplantationen, verpflanzt. Der Blick auf die Giessener Warteliste zeigt jedoch einen weitaus größeren Bedarf: Hier warten derzeit 120 Menschen auf eine Niere, acht Kinder sowie ein Erwachsener auf ein Herz, 26 Patienten auf eine Lunge und 13 auf eine Transplantation Insulin produzierender Inselzellen der Bauchspeicheldrüse (Pankreas). Mit 16 realisierten Organspenden in 2010 sollte sich das Gießener Klinikum unter den zehn besten Unikliniken der Region Mitte, der neben Hessen auch Rheinland-Pfalz und das Saarland angehören, wiederfinden, wie Dr. Sabine Moos von der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) vermeldete. Dem gegenüber stehen für 2011 aber nur ganze fünf Organspenden. Sodass in Gießen wie auch Hessen die letztjährigen Zahlen, als die Region Mitte mit 18,2 Spenden sogar erstmals bundesweit auf Rang zwei lag, nicht mehr erreichbar sind. Zudem sei laut Sabine Moos das durchschnittliche Alter der Organspender von 53 Jahren in 2009 auf mittlerweile 61 Jahre angewachsen, mit einer größeren Wahrscheinlichkeit einer schlechteren Organfunktion. Wie auch herausgefunden wurde, dass für eine Organentnahme die Ablehnungsquote durch in dieser Situation oftmals überforderte Angehörige, die den Willen des Sterbenden meist nicht kennen, nicht wie bisher vermutet zwischen 30 und 40 Prozent, sondern bei über 60 Prozent liege. Die aktuelle Gesetzesinitiative aus der Politik, die in Deutschland geltende Zustimmungslösung durch eine Entscheidungslösung zu ersetzen, also von Menschen schon zu Lebzeiten eine Entscheidung für oder gegen Organspende zu verlangen, wurde von Sabine Moos „sehr begrüßt“. Eine aktuelle Umfrage unter Versicherten der Barmer Ersatzkasse hätte hier eine Zustimmung von zwei Dritteln der Befragten ergeben, berichtete sie. Rolf Weimer, der auch Leiter der Gießener Abteilung Nierentransplantation ist, sieht darin zwar ebenfalls einen Schritt in die richtige Richtung. Allerdings gab er zu bedenken, dass damit „das in Kliniken größte Problem ungelöst bleibt“: die in Deutschland nach wie vor zu niedrige Zahl von Personen, die eigens für die Betreuung von Krankenhäusern mit potenziellen Organspendern und Angehörigen zuständig sind. In Spanien etwa, mit rund 32 Spendern pro einer Million Einwohner einer der Spitzenreiter, werde dies von der Politik viel besser finanziert. In weiteren Vorträgen des Kolloquiums präsentierte Rolf Weimer Forschungsergebnisse aus verschiedenen Studien zu der Wirkweise von körpereigenen Calcineurin-Inhibitoren und ging der Frage nach, ob diese nun für eine optimale Immunsuppression sorgen oder Ursache für spätes Transplantatversagen sind. Privatdozentin Dr. Cornelia Blume von der Medizinischen Hochschule Hannover stellte danach das als Immunsuppressivum ganz neu entwickelte Medikament Belatacept vor, das in Studien hervorragende Resultate gezeigt hat und zu weniger Abstoßungen nach Transplantationen führte. Während Wojciech Dombrowsky vom Arzneimittelunternehmen Bristol- Myers Squibb auf die praktische Anwendung einging. Da das Medikament nur intravenös alle vier Wochen verabreicht wird, verspricht sich Weimer davon neben einem besseren Outcome für Empfänger und Organfunktion eine größere Therapietreue (Compliance) seitens des Patienten. |
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| Quelle: Giessener Anzeiger (2011-12-10) | |
| Webseite: http://www.giessener-anzeiger.de/ | |
| veröffentlicht von 2011-12-13 bis 2012-02-12 | |
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| Ehrung für einen Großen bei Treffen der Generationen | |
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Promotionsfeier des Fachbereichs Medizin – Prof. Konrad Federlin erhält Ehrenmedaille – Dr. Andreas Hecker zweifacher Preisträger – 149 Doktoren
GIESSEN (fod). Bei der Promotionsfeier des Fachbereichs Medizin der Justus- Liebig-Universität (JLU) kam es am Donnerstagabend zu einem Treffen der Generationen. Während 149 frischgebackene Doktoren der Medizin, Zahnmedizin und Humanbiologie erst ihre Ernennungsurkunden zum „Dr.“ entgegennehmen konnten, wurde mit Prof. Konrad Federlin „eine der herausragenden Persönlichkeiten der Gießener Medizin“, wie Dekan Prof. Trinad Chakraborty den 83- Jährigen würdigte, mit der Ehrenmedaille des Fachbereichs bedacht. Dies sollte nicht die einzige Auszeichnung bleiben. Mit Dr. Andreas Hecker, Assistenzarzt der Gießener Chirurgischen Klinik, gab es gleich einen zweifachen Preisträger zu feiern. Er wurde für seine Doktorarbeit zu Abstoßungsreaktionen bei Nierentransplantaten sowohl mit dem Sanitätsrat Dr. Becker-Preis als auch dem Promotionspreis der Landesärztekammer Hessen ausgezeichnet. Doch sämtliche Ehrungen wurden an diesem Abend von Konrad Federlin überstrahlt. Laudator Prof. Mathias Brendel, der letzte Doktorand in einer langen Reihe von Schülern des weit über Gießen hinaus bekannten Mediziners, rief die lange Liste von Verdiensten seines Doktorvaters in Klinik und Forschung in Erinnerung. So war Federlin von 1976 bis 1996 Direktor der Medizinischen Klinik III des Gießener Universitätsklinikums. Der Internist, Endokrinologe und Diabetologe hat seine Klinik zum lange Jahre weltweit führenden Zentrum der Transplantation von insulinproduzierenden Inselzellen der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) ausgebaut und in der Forschung entscheidende Beiträge geleistet, die Lebensqualität von unzähligen Diabetikern deutlich zu verbessern. Auch nach seiner Emeritierung blieb Federlin sehr aktiv und war unter anderem mehrere Jahre Leiter der Ethikkommission. Der 83-Jährige bedankte sich herzlich für den Empfang der Ehrenmedaille, was für ihn „eine große Überraschung“ gewesen wäre, sagte Federlin. Sonderpreise gingen zudem an die Verfasser der besten Promotionsarbeiten: Matthias Günter Broll, Sebastian Harth, Wisam Iraqui, Philipp-Sebastian Koch, Uwe Harald Krieger und Cäcilia Sabine Zöller. Beim Rückblick auf 2011 konnte Dekan Trinad Chakraborty ankündigen, dass nach dem diesjährigen Umzug ins neue Klinikum 2012 mit der „Konsolidierung der Forschungsflächen der Fakultät“ begonnen wird. So werden dann von Medizinern 4500 Quadratmeter des Biomedizinischen Forschungszentrums Seltersberg und der sogenannte Science und Teaching Tower mit einer Fläche von 2100 Quadratmetern, jeweils „mit modernster Laborausstattung“, bezogen. Zusammen mit dem Gebäude des Exzellenzclusters Kardiopulmonales System und dem ab 2014 fertiggestellten Medizinischen Forschungsbau würden somit künftig rund 10 000 Quadratmeter neue Forschungsflächen zur Verfügung stehen. 2013 werde zudem die Komplettsanierung der Alten Chirurgie zur Nutzung für Lehrzwecke abgeschlossen sein, vermeldete Chakraborty, der überdies von weiteren Erfolgen bei der Einwerbung von Drittmitteln und Forschungsprojekten berichtete. Im Anschluss an die Übergabe der Promotionsurkunden verpflichtete Prof. Norbert Katz die frischgebackenen Doktoren auf das Genfer Gelöbnis, eine zeitgemäß aktualisierte Version des Hippokratischen Eides. Katz rief seine jungen Kollegen dazu auf, ihre Arbeit im Sinne der Menschlichkeit auszuüben und dabei Tugenden wie Gewissenhaftigkeit, Ehrlichkeit und Würde zu zeigen. Auf das Thema Ehrlichkeit beim wissenschaftlichen Arbeiten ging auch Promovend Dr. Philipp-Sebastian Koch in seiner Ansprache ein. So hätten er und andere Promovierende sich während des Skandals um Ex-Verteidigungsminister Karl- Theodor zu Guttenberg des Öfteren die Frage stellen lassen müssen, „ob wir unsere Doktorarbeit denn überhaupt selbst geschrieben haben“. Aber auch ohne dies „galt es für uns, so manche Frustration und Enttäuschung zu verkraften und Privates ganz hinten anzustellen“, erinnerte er sich. Sein Dank für die Unterstützung ging neben den Familien auch an Doktormütter und -väter. Im Festvortrag berichtete Dr. Horst Haferkamp aus Kassel vom Aufstieg und Niedergang der deutschen Chirurgie in der Zeit von 1810 bis 1945. Seine Zuhörer erfuhren von Pioniertaten zur Etablierung dieses Fachgebiets wie der Entwicklung von Operations- und Betäubungstechniken, aber auch den dunklen Kapiteln während der Jahre des Nationalsozialismus. |
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| Quelle: Giessener Anzeiger (2011-12-10) | |
| Webseite: http://www.giessener-anzeiger.de/ | |
| veröffentlicht von 2011-12-13 bis 2012-02-12 | |
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| Mittelhessische Hochschulen rücken zusammen | |
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Universitäten Gießen und Marburg und FH Gießen-Friedberg erneuern ihren 2008 ausgelaufenen Kooperationsvertrag
Gießen (si). Die Universitäten Gießen und Marburg sowie die Fachhochschule Gießen-Friedberg wollen in Lehre, Forschung, bei den Dienstleistungen und in der Verwaltung noch enger zusammenarbeiten. Das bekräftigt eine Kooperationsvereinbarung, die die Präsidenten der drei mittelhessischen Hochschulen gestern unterzeichneten. Sie versprechen sich davon eine bessere Verwertung ihrer Ressourcen und damit eine größere Wettbewerbsfähigkeit. Der alte, 2005 geschlossene Vertrag war 2008 unbemerkt ausgelaufen. Allerdings sind die drei Partner in der Zwischenzeit auch ohne förmliche Vereinbarung näher aneinandergerückt. Darin erinnerte FH-Präsident Prof. Günther Grabatin, der die kleine Feier in den Räumen der Gesellschaft für Technologietransfer (TransMIT) – ebenfalls ein Gemeinschaftsprojekt – eröffnete. So gibt es inzwischen drei übergreifende Studiengänge, an denen mindestens zwei Hochschulen beteiligt sind. In der Spitzenforschung sind es Loewe-Projekte, ein Promotionsprogramm, auf Universitätsebene etwa auch die neu bewilligten Zentren für Infektions- bzw. Lungenforschung. Zur Weiterbildung gibt es das Hochschuldidaktische Netzwerk Mittelhessen. Existenzgründern steht das Entrepreneurship Cluster zur Seite. Die Informationstage für Oberstufenschüler richten die zwei Gießener Hochschulen schon seit Langem gemeinsam aus. Die Kooperationsvereinbarung verstehe er als »Aufruf«, die Zusammenarbeit auszubauen, sagte Grabatin vor geladenen Gästen, darunter die Stadtoberhäupter von Gießen und Marburg sowie mehrere Landtagsabgeordnete. Dass die Kooperation ganz im Sinne der Landesregierung erfolgt, versicherte Wissenschaftsstaatssekretär Ingmar Jung. Für Regierungspräsident Dr. Lars Witteck haben die Hochschulen eine kaum zu überschätzende Bedeutung für ganz Mittelhessen. Die insgesamt 60 000 Studierenden und 8000 Beschäftigten seien wirtschaftlich von großer Bedeutung, das dort vorhandene Know-how ein wichtiger Standortfaktor. Den Hochschulen gehe es ebenso wie den Regionen. Sie müssten im zunehmend europaweit geführten Wettbewerb zusammenrücken, um bestehen zu können. Mit ihrer Kooperation seien die Universitäten Gießen und Marburg sowie die FH Vorbild für andere Einrichtungen. Die Präsidentin der Philipps-Universität, Prof. Katharina Krause, lobte das »partnerschaftliche Verhältnis«, das auf allen Ebenen spürbar sei. Und JLU-Präsident Prof. Joybrato Mukherjee bekräftigte, dass sich die Profile der drei Hochschulen »sehr gut ergänzen«. Die Konkurrenz untereinander – etwa um Studierende und Forschungsmittel – bleibe zwar bestehen. Aber »der Erfolg des anderen ist immer auch der eigene Erfolg«, sagte Mukherjee. Im Einzelnen setzt der Vertrag zunächst auf eine stärker miteinander verzahnte Entwicklungsplanung – etwa bei der Ausschreibung von Professuren oder auch bei den Lehrveranstaltungen, die so aufeinander abgestimmt werden sollen, dass Schwerpunkte gebildet oder eine größere fachliche Breite geschaffen werden. Lehrleistungen, die an einer Nachbarhochschule erbracht worden sind, sollen leichter anerkannt werden. Ganz neu aufgenommen wurde die »strukturierte Kooperation« der medizinischen Fachbereiche in Gießen und Marburg – das war vor fünf Jahren, kurz vor der Fusion und Privatisierung der beiden Kliniken, noch »hoch vermintes« Gelände. Erklärtes Ziel ist auch eine enge Zusammenarbeit der Hochschulpräsidien. Die dezentralen Ebenen wie die Fachbereiche und Institute werden ebenfalls zur Kooperation und gegebenenfalls eigenen Vereinbarungen aufgefordert. Der neue Rahmenvertrag verlängert sich künftig, wenn nicht ein Partner kündigt, nach drei Jahren automatisch. |
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| Quelle: Giessener Allgemeine (2011-02-10) | |
| Webseite: http://www.giessener-allgemeine.de/ | |
| veröffentlicht von 2011-02-10 bis 2012-04-12 | |
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| Lediglich zwei Aminosäuren mehr und »es juckt« | |
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Prof. Matthias Goebeler erklärt in Seniorenvorlesung, warum Menschen, aber keine Mäuse Nickelallergien bekommen
Gießen (if). »Von Mäusen und Menschen« und damit um das Thema der Verschiedenheit kreist ein Roman des amerikanischen Literatur-Nobelpreisträgers John Steinbeck. Wie verschieden Menschen und Mäuse selbst bis hinein in molekulare Dimensionen tatsächlich sind, haben Wissenschaftler der Universität Gießen vor nicht allzu langer Zeit bei ihrer Suche nach den Ursachen von Kontaktallergien bestätigt bekommen: Dem Geheimnis der Kontaktallergieentstehung am Beispiel der Nickelallergie nachgehend, fand eine Arbeitsgruppe um Professor Matthias Goebeler und Dr. Marc Schmid in enger Zusammenarbeit mit Freiburger Kollegen: Lediglich zwei ganz bestimmte zusätzliche Aminosäuren auf TLR4 – einem entwicklungsgeschichtlich alten Rezeptor auf Zellen der »angeborenen körperlichen Abwehr- sind es, die , von Nickel aktiviert, über einen intrazellulären Signalübertragungsweg die Bildung von entzündungsfördernden Botenstoffen beim Menschen anstoßen und damit die Nickelallergie auslösen. Mit ihrer Identifizierung steht nun nicht nur der Weg offen, um spezifische Hemmstoffe zu entwickeln, die das Zustandekommen von Kontaktallergien verhindern können.. »Unsere Daten« – so Professor Goebeler bei der letzten Seniorenvorlesung des Wintersemesters im Anatomischen Hörsaal – »liefern einen weiteren Beleg für die Vermutung, dass Allergien im Wesentlichen fehlgeleitete Immunreaktionen darstellen.« Der aus Heidelberg nach Gießen berufene Dermatologe öffnete sozusagen die Türen der Forschungslabors und schilderte minutiös, Schritt um Schritt, den mühsamen Weg, der bis zur Lösung des Rätsels »Kontaktallergie-Entstehung« führte. Die gespannt folgenden Hörer gewannen darüber hinaus für sich selbst eine Erklärung auf die Frage, die viele Laien umtreibt: Warum wird es um so viele, ursprünglich mit scheinbaren Hoffnungen verbundenen Nachrichten über verheißungsvolle Forschungsergebnisse später so ruhig? Die lapidare, wenngleich unbefriedigende Antwort lautet: Weil Mäuse eben keine Menschen sind. Auch im Falle der Kontaktallergien stellte sich die Frage: Warum reagieren zwar schätzungsweise 65 Millionen Europäer mit Juckreiz, Rötung und Schuppung auf Nickel – auf Modeschmuck, Jeansknöpfe oder auf importiere billige Handys – aber keine einzige Maus? Verfügen nicht Maus und Mensch beispielsweise über die gleichen Abwehrzellen, die – mit sogenannten TLR-Rezeptoren bestückt – auf der Jagd nach bakteriellen Erregern pausenlos durch den Körper patroullieren? Als es gelang, ein experimentelles Mausmodell zu entwickeln, stellte sich heraus: Mäuse, die statt ihres Maus-eigenen TLR-Rezeptors mit einem menschlichen TLR-Rezeptor ausgestattet worden waren, reagierten plötzlich doch mit einer Nickelallergie: Der ursprüngliche Rezeptor muss wohl über eine Mutation die Fähigkeit gewonnen haben, zusätzlich zu bakteriellen Infektionen auch Nickel zu erkennen und darauf zu reagieren. Dass dies im Laufe der stammesgeschichtlichen Entwicklung geschehen sein muss, liegt deshalb nahe, weil neben dem Menschen nur noch Affen über die inzwischen identifizierte Histidin-Gensequenz für die Programmierung der beiden zusätzlich in den menschlichen TLR-Rezeptor eingebauten Aminosäure-Moleküle verfügen. Professor Henning Stürz, der die Seniorenvorlesungen in der Nachfolge von Professor Oehmke organisiert und moderiert, konnte – dafür mit viel Beifall bedacht – die Hörer mit einem Ausblick auf das kommende Sommersemester verabschieden. Es beginnt am ersten Dienstag nach Ostern wie üblich um 17 Uhr im Anatomischen Hörsaal im Aulweg 123. |
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| Quelle: Giessener Allgemeine (2011-02-08) | |
| Webseite: http://www.giessener-allgemeine.de/ | |
| veröffentlicht von 2011-02-08 bis 2012-04-10 | |
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| Versuchsreihe am Operationstisch bestätigt | |
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Universität: Studie zu Blutplasma-Ersatzstoff HES lief möglichweise schon in den 90er Jahren – Vieles ist noch unklar
Gießen (si). Die Justus-Liebig-Universität hat einen Bericht der Gießener Allgemeinen bestätigt, wonach der Fachbereich Medizin noch im Jahre 2005 einen Mediziner mit einer Arbeit über den umstrittenen Blutplasma-Ersatzstoff HES promoviert hat. Die zugrunde liegende Studie ist höchstwahrscheinlich am Gießener Klinikum und ganz sicher unter Regie des Mediziners Joachim Boldt durchgeführt worden, eines außerplanmäßigen Professors am Fachbereich, der im November als Chefanästhesist des Ludwigshafener Klinikums entlassen wurde, nachdem ihm Betrug in Zusammenhang mit weiteren HES-Studien nachgewiesen worden war. Wann die Untersuchung erstellt worden ist, lässt sich nach Hochschulangaben noch nicht mit Gewissheit sagen. Internen Nachforschungen zufolge könnte das schon 1993/94 gewesen sein – was weitere Fragen aufwirft. In der Untersuchung war, wie berichtet, die Wirkung von HES und anderen Wirkstoffen an 60 schwerstkranken Patienten getestet worden – ohne deren persönliches Einverständnis und während sie ohne Bewusstsein auf dem Operationstisch lagen. Deswegen wiegen die Vorwürfe auch so schwer. Sie passen genau zu den Verdachtsmomenten, unter denen die Staatsanwaltschaft vor sechs Jahren bundesweit gegen elf Mediziner ermittelte, die damals am Gießener Klinikum arbeiteten oder früher dort beschäftigt waren – darunter Boldt, der als Arzt dort bis in die 90er tätig war und darüber hinaus noch viele Jahre später wissenschaftlich. Professor ist er hier bis heute. Der 56-Jahrige hat wie kaum ein anderer deutscher Mediziner zum Blutplasma-Ersatzstoff »Hydroxyethil-Stärke« geforscht, häufig im Auftrag der Pharmaindustrie, und fast immer fielen die Ergebnisse zugunsten von HES aus. Der Stoff kann Flüssigkeiten binden, Blut beispielsweise, und wird deshalb in der Intensivmedizin eingesetzt. Neuere Studien halten ihn allerdings für weitgehend nutzlos, potenziell sogar für gefährlich. Unter anderem soll er starke Blutungen und Nierenversagen verursachen. Ob die jetzt in den Blick geratene Gießener HES-Studie tatsächlich schon in den 90er Jahren erstanden ist, will die Justus-Liebig-Universität in den kommenden Wochen klären. Sie hat die Beteiligten um eine schriftliche Stellungnahme gebeten. Erste Befragungen haben ergeben, dass die Untersuchung damals auf der operativen Intensivoperation des Gießener Klinikums durchgeführt wurde. Dass die Ethikkommission informiert war – wie in der Dissertation behauptet wird –, konnte die Hochschule bislang nicht bestätigen. Vermutlich hat das der Fachbereich damals nicht überprüft, und heute dürfte es kaum mehr möglich sein. Unterlagen der Ethikkommission seien damals nur zehn Jahre aufbewahrt worden. Das habe die Hochschule erst 2003 – im Zusammenhang mit einem staatsanwaltschaftlichen Ermittlungsverfahren – geändert, teilte die Universität jetzt mit. Dass der Fachbereich Medizin 2004/05 eine Doktorarbeit angenommen hat, in der über zehn Jahre alte Daten verwertet wurden, entspreche »nicht dem Regelverlauf eines Promotionsverfahrens«, räumte die Hochschule ein. Es sei aber »nicht völlig unüblich«. Prinzipielle Bedenken gegen den Versuch gibt es dort offenbar bis heute nicht. Boldt habe am Fachbereich »mindestens seit 2007« keine Vorlesungen mehr gehalten, hatte Dekan Prof. Trinad Chakraborty auf Nachfrage dieser Zeitung Anfang Dezember erklärt. Inzwischen hat sich jedoch herausgestellt, dass der Wissenschaftler noch bis zum vergangenen Jahr im Vorlesungsverzeichnis geführt wurde: So im letzten Wintersemester mit der Veranstaltung »Überwachungsverfahren in der Anästhesie und Intensivmedizin«, im Winter 2008/09 mit »Praktische Übungen zur Operativen Intensivmedizin«. Diesen Widerspruch konnte die Universität bisher nicht auflösen. Auch hier liefen Untersuchungen, teilte sie mit. Unabhängig davon überprüft die Hochschule Boldts Status als außerplanmäßiger Professor. Über den Fall haben inzwischen auch andere Medien berichtet, zuletzt am Sonntagabend die hr-Sendung »defacto«. |
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| Quelle: Giessener Allgemeine (2011-01-25) | |
| Webseite: http://www.giessener-allgemeine.de/ | |
| veröffentlicht von 2011-01-25 bis 2012-03-27 | |
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| Ziel der Anästhesie ist die schmerzfreie Operation | |
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Narkosepraxis war Thema bei der Vorlesung der »Medizin-Senioren« – »Awareness«-Fälle sind absolute Ausnahmen
Gießen (if). Die wenigen Hörer wollten ihren Ohren nicht trauen, wenngleich der Tatbestand, um den es gerade im Gießener Amtsgericht ging, lediglich »Körperverletzung« und nicht etwa »Duell Arzt-Anästhesist« lautete. Zwar habe sie schon vorher ein mulmiges Gefühl gehabt, aber von dem, was sich dann im OP des kleinen Provinzkrankenhauses abspielte, habe sie nichts mitbekommen, berichtete eine Patientin. Dass die vorgesehene Unterleibsoperation damals nicht erfolgt und ihr seither zwei Zähne fehlten, treffe aber zu. Die zweite Zeugin – Krankenschwester – konnte zur Klärung des strittigen Sachverhalts ebenfalls nicht viel beitragen. Als der Frauenarzt, der ungeduldig geworden, weil er rasch wieder in seine Praxis zurückkommen wollte, den Anästhesiepfleger attackierte und ihm das Laryngoskop entriss, um selbst die Intubation vorzunehmen, sei sie entflohen. Zwar hat das kleine Krankenhaus längst seine Pforten geschlossen, der Gynäkologe nach milder Geldstrafe Hessen verlassen, der Richter seinen Talar an den Pensions-Nagel gehängt. Doch das »mulmige Gefühl«, von dem die Patientin berichtet hatte, beschleicht noch heute, nahezu ein halbes Jahrhundert nach dem geschilderten – wahren – Vorfall viele Patienten, denen eine Operation bevorsteht. Rund vierzehn Millionen operativer Eingriffe werden jährlich in deutschen Krankenhäusern vorgenommen, die Männer führt in den meisten Fällen ein Leistenbruch in den OP. Bei Frauen stehen nach wie vor gynäkologische Eingriffe im Vordergrund. Doch das, was man echte Narkosezwischenfälle nennt und in der Frühzeit der Vollnarkose durchaus nicht selten war, ist zunehmend eine Rarität geworden. Bedeutete der »Sieg über den Schmerz« für Hippokrates noch ein »göttliches Werk«, so markiert die erste Intubationsnarkose vor über 160 Jahren den eigentlichen Auftakt für den Siegeszug der modernen Chirurgie. Das Thema der jüngsten Seniorenvorlesung »Schmerzfreie Operation« gab den Hörern im Anatomiehörsaal dieser Tage die Möglichkeit, Prof. Markus A. Weigand, den Direktor der Klinik für Anästhesie, Operative Intensivmedizin und Schmerztherapie des Uniklinikums kennenzu- lernen. Unterstützt durch einen eigens zur Patienteninformation gedrehten Kurzfilm ging er, vor zweieinhalb Jahren aus Heidelberg nach Gießen berufen, auf die inzwischen gängigen Anästhesieverfahren ein, die von der reinen Schmerzausschaltung in der Lokalanästhesie über die Regionalanästhesie – die Empfindungslosigkeit einzelner Körperbezirke – bis zur sozusagen »klassischen« Vollnarkose reichen, bei der der schmerzfreie Patient sich im Tiefschlaf befindet und unerwünschte Muskelaktivitäten unterbleiben und womit jene heute oft stundenlang dauernden, komplizierten Eingriffe der modernen »Hochleistungschirurgie« erst möglich geworden sind. Die Rolle des Anästhesisten beginnt im Vorgespräch: Sieben Stunden vor dem Eingriff nichts mehr zu essen, nicht zu rauchen, keine »trüben Flüssigkeiten« und zwei Stunden vorher überhaupt nichts mehr zu trinken, wird er seinen Patienten ans Herz legen. Hat der Chirurg das Skalpell schließlich aus der Hand gelegt, sind die Nähte geschlossen und ist der Patient aufgewacht, dann ist die Aufgabe des Anästhesisten noch nicht beendet: Die moderne postoperative Schmerztherapie, die nach einem ausgefeilten Stufenschema erfolgt und beispielsweise über eine kathetervermittelte Infiltration von Lokalanästhetika den Wundschmerz auszuschalten vermag, zählt dann zu seinen Aufgaben. Nicht allein, dass eine effektive postoperative Schmerztherapie Folgeschäden und damit -kosten vermeiden und einer Schmerzchronifizierung vorzubeugen vermag: Berufs- und selbst zivil- und strafrechtlich ist der Arzt dazu verpflichtet. In der abschließenden, von Prof. Stürz moderierten Diskussion wurde auch die Frage nach der Stichhaltigkeit von Berichten aufgeworfen, wonach Patienten trotz Vollnarkose glaubten, ihre Operation phasenweise in einer Art Wachzustand erlebt zu haben. Bei den in den vergangenen zweieinhalb Jahren seit Aufnahme seiner Tätigkeit in Gießen durchgeführten rund 40 000 Narkosen sei ihm lediglich eine einzige solcher »Awareness«-Erfahrung zu Ohren gekommen, lautete die Antwort Weigands. |
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| Quelle: Giessener Allgemeine (2011-01-21) | |
| Webseite: http://www.giessener-allgemeine.de/ | |
| veröffentlicht von 2011-01-24 bis 2012-03-26 | |
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| Exzellenzinitiative fest im Blick | |
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Wichtige Vorentscheidung im März – Neue Angebote in Lehrerausbildung – Uni-Senat tagte
Gießen (fd). Das Präsidium der Justus-Liebig-Universität erwartet ein ereignisreiches Jahr 2011: Wegweisende Veränderungen und Entscheidungen sind etwa in Sachen Exzellenzinitiative, Zahnklinik und medizinisches Forschungszentrum zu erwarten. Bei der Lehrerbildung sollen mittelfristig neue Fächer angeboten werden. Die Tagesordnung der ersten Senatssitzung des Jahres war dennoch überschaubarer als sonst. Ein entscheidendes Datum im neuen Jahr ist bereits in Sicht: Am 2. März werde eine vom Bundesforschungsministerium eingesetzte Kommission bekanntgeben, welche Antragsskizzen es in die Finalrunde der Exzellenzinitiative schaffen, kündigte JLU-Präsident Prof. Joybrato Mukherjee an. Die Universität Gießen geht (wie berichtet) mit drei Großprojekten – einer Graduiertenschule, einem Exzellenzcluster sowie einem Zukunftskonzept jeweils aus dem Bereich der Lebenswissenschaften – ins Rennen. Die Entscheidungen darüber, welche Projekte aus der Finalrunde dann letztlich finanziert werden, soll im Sommer 2012 fallen. Im Vergleich zu 2007 wurde das Fördervolumen um 30 Prozent auf rund 2,7 Milliarden Euro mit einer Laufzeit bis 2017 gesteigert. Veränderungen bringt das neue Jahr auch für die Zahnklinik: Die für die Sanierung des in Teilen mit PCB belasteten Gebäudes benötigten finanziellen Mittel in Höhe von rund drei Millionen Euro seien im Landeshaushalt 2011 und 2012 eingestellt, freute sich der JLU-Präsident. Eine Million Euro steht bereits im Haushalt 2011 zur Verfügung, so dass die Sanierungsmaßnahmen umgehend eingeleitet werden können. In einigen besonders belasteten Bereichen wurde bereits mit einer Probesanierung begonnen. Mukherjee sprach von einer »Feuerwehraktion des Landes« und erklärte: »Ich bin dem Land ausdrücklich dankbar für die kurzfristige Ermöglichung dieser Maßnahme.« Die weiteren Mittel werden im kommenden Jahr fließen (auch darüber berichtet die AZ ausführlich). Die Sanierung solle nun forciert und Forschung wie Lehre aufrecht erhalten werden. »Hier sind wir auf einem guten Weg«, sagte der Präsident. Auch mit Blick auf das medizinische Forschungszentrum für die klinischen Fächer des Fachbereichs Medizin könnten »die Planungsgestaltungen nun zügig vorangetrieben werden«, kündigte Mukherjee an. Der Bedarf nach einem entsprechenden Gebäude war schon lange bekannt, mussten mit dem Neubau des Klinikums doch bestehende Labore und Seminarräume abgerissen werden. Der Fachbereich hatte den Flächenverlust auf rund 6000 Quadratmeter beziffert. Diese Lücke gelte es mit dem medizinischen Forschungszentrum zu schließen. Dessen Bau hatte JLU-Kanzler Michael Breitbach bereits vor zwei Jahren angekündigt. Nun, erklärte Mukherjee, werde man mit einem Interimsszenario umzugehen haben. Finanziert wird das Bauprojekt über das von der Landesregierung aufgelegte Hochschulbauförderprogramm »Heureka«. Prof. Eva Burwitz-Melzer, als Erste Vizepräsidentin der Hochschule für die Bereiche Lehre und Studium verantwortlich, nutzte die erste Senatssitzung im neuen Jahr, um Perspektiven für die Lehrerbildung anzukündigen: So plane man ab dem Wintersemester 2012/13 erstmals das Angebot der Fächer Kunst und Musik für L3 (Gymnasien), Informatik für L2 (Sekundarstufe I), L5 (Förderschulen), Darstellendes Spiel für L3 sowie Ethik für L1 (Grundschulen). Hier bestehe kein Zeitdruck, aber man befinde sich in den Planungen, sagte Burwitz-Melzer. |
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| Quelle: Giessener Allgemeine (2011-01-20) | |
| Webseite: http://www.giessener-allgemeine.de/ | |
| veröffentlicht von 2011-01-20 bis 2012-03-22 | |
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| Nobelpreisträger rät zu durchgebratenen Steaks | |
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Der Mediziner Prof. Harald zu Hausen sprach in der Ringvorlesung des Uni-Präsidenten über infektiöse Krebsursachen
Gießen (fd). Den richtigen Garpunkt eines Steaks exakt zu treffen, ist eine Kunst für sich. Wenn ein Steak zartrosa aus dem Ofen kommen soll, ist eine Kerntemperatur von 60 Grad zu empfehlen. Vor zwei Jahren bekam Prof. Harald zur Hausen den Medizin-Nobelpreis für seine Entdeckung, dass Infektionen mit Papillomaviren die Ursache für Gebärmutterhalskrebs bilden. Im fünften Vortrag der Ringvorlesung des Präsidenten der Justus-Liebig-Universität, die sich in diesem Jahr den großen Seuchen widmet, sprach er nun in der Aula des Uni-Hauptgebäudes über infektiöse Krebsursachen und erklärte in diesem Zusammenhang, warum er seine Steaks lieber durchgebraten isst. »Eigentlich sind wir in der Lage, bestimmte Krebsarten weitgehend auszurotten«, sagte der ehemalige Leiter des Deutschen Krebsforschungszentrums und verwies etwa auf den von ihm untersuchten Gebärmutterhalskrebs. Schon früh lag die Vermutung der Ausbreitung über den Geschlechtsverkehr nahe, weil Prostituierte häufig und Nonnen so gut wie nie betroffen waren. Bereits 1984 fand zur Hausen dann heraus, dass Papillomviren in allen untersuchten Tumoren nachgewiesen werden konnten. Inzwischen hat man auch bei weiteren Krebssorten infektiöse Krebsursachen ausmachen können: »Magenkrebse entstehen häufig aus einer Ansteckung mit dem Bakterium Helicobacter pylori und Leberkrebse als Folge von Hepatitis-Viren.« Mindestens 21 Prozent aller global auftretenden Krebse seien auf eine Infektion zurückzuführen. Da stellt sich die Frage: Welche infektiösen Krebsursachen sind noch auszumachen? Und hier kommt wieder der richtige Garpunkt eines Steaks ins Spiel: »Wir wissen aus epidemiologischen Daten, dass Dickdarmkrebs entscheidend mit dem Verzehr von rotem Fleisch zu tun hat. Wenn Sie viel blutiges Rindfleisch verzehren, ist das ein Risikofaktor«, erklärte der Nobelpreisträger. So seien die entsprechenden Krebsraten in Argentinien, Uruguay, den USA oder auch Deutschland vergleichsweise hoch, hingegen trete Dickdarmkrebs etwa in Nordafrika und den arabischen Ländern, wo etwa Hammelfleisch bevorzugt wird, viel seltener auf. Auch Indien habe keine Probleme. Die Erkrankungsrate an Dickdarmkrebs schoss in Japan in die Höhe, als man dort in den 1970er Jahren begann, Unmengen von US-amerikanischem Rindfleisch einzuführen. Einen Verweis auf die Entstehung krebserregender Substanzen bei der Zubereitung wollte zur Hausen nur bedingt gelten lassen: So würden die selben Stoffe etwa auch beim Grillen von Fisch oder Geflügel freigesetzt, solch weißes Fleisch sei aber bisher nicht in Verdacht geraten. Also liege die Vermutung nahe, dass die Krebsursache im Rindfleisch selbst zu suchen ist. »Es ist in Mode gekommen, Rindfleisch oft in relativ rohem Zustand zu verzehren. Es gibt Viren, die einen solchen Bratprozess mühelos überstehen.« So können Polyomaviren für eine halbe Stunde Temperaturen von 80 Grad ertragen. Viren, die von Tieren aufgenommen würden, seien beim Menschen häufig nicht infektiös. Dennoch seien sie aber sehr wohl in der Lage, Gene in menschlichen Zellen abzulagern, was dort zur Umwandlung in eine Krebszelle führen könne. Und wie sieht es aus mit möglichen Impfungen? In einer solchen mündete auch zur Hausens Forschungen zu Papillomaviren als Ursache für Gebärmutterhalskrebs. »Inzwischen wurden weltweit mehr als 50 Millionen junge Frauen geimpft«, sagte er nun. In Deutschland sei die Impfrate allerdings aufgrund »negativer Propaganda« der deutschen Presse wenig befriedigend. Der Hintergrund: Vor anderthalb Jahren entzweite ein Streit über Sinn und Unsinn der Impfung die Ärzteschaft. Der Nobelpreisträger blieb bis heute bei seiner Meinung und spricht sich für eine Impfung aus. »Ich plädiere sogar für eine Impfung der jungen Männer. Das Papillomvirus führt nämlich nicht nur zu Gebärmutterhalskrebs, sondern zu verschiedenen Tumoren.« So könnte man das Virus letztlich ganz ausrotten. Bei der letzten Veranstaltung im Rahmen der diesjährigen Ringvorlesung des JLU-Präsidenten am kommenden Montag sprich Prof. Stefan Kaufmann, Direktor am Max-Planck-Institut für Infektionsbiologie Berlin und Professor für Mikrobiologie und Immunologie an der Charité Berlin, über empfundene und reale Bedrohungen. Beginn ist um 19.15 Uhr in der Uni-Aula. |
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| Quelle: Giessener Allgemeine (2011-01-19) | |
| Webseite: http://www.giessener-allgemeine.de/ | |
| veröffentlicht von 2011-01-19 bis 2012-03-21 | |
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| »Macht der Bilder« verantwortungsvoll nutzen | |
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Prof. Elke Gizewski sprach vor Medizinsenioren über Möglichkeiten der Kernspintomographie – Geräte sind teuer
Gießen (if). Unter der knöchernen Schädeldecke schützen drei Häute die hundert Milliarden Nervenzellen in unserer »körpereigenen Schaltzentrale«, dem Gehirn. Was aber geht dahinter wirklich vor? Zwar kann die Magnet-Resonanz-Tomographie (MRT) – 1970 gab es dafür bereits den Nobelpreis – heute schon im Vorfeld eines Eingriffes den Neurochirurgen ein schonendes Vorgehen erleichtern. Doch wie steht es mit der faszinierenden Perspektive, über diese nichtinvasive Erfassung der unterschiedlichen Durchblutung bestimmter Areale sozusagen dem Gehirn »beim Denken« zusehen zu wollen? Mit dem Hinweis, die »Macht« dieser bunten Bilder verantwortungsvoll zu nutzen, beschloss die Direktorin der Abteilung Neuroradiologie, Prof. Elke Gizewski, die jüngste »Seniorenvorlesung« des Fachbereiches Medizin an der Justus-Liebig-Universität. Die rund 200 Hörer, die ungeachtet widriger Wetterverhältnisse in den Anatomie-Hörsaal gekommen waren, lernten in der im Frühjahr nach Gießen berufenen Radiologin eine ausgewiesene Expertin kennen: Ihr wissenschaftlicher Schwerpunkt ist die »funktionelle Kernspintomographie«. An der Universität Essen-Dortmund hat sie bereits eine Reihe von Studien zusammen mit Partnern aus Psychiatrie, Psychosomatik und Medizinischer Psychologie koordiniert. Zwar biete, so schilderte einführend Prof.Gizewski, die Magnet-Resonanz-Tomographie eine ganze Reihe von Vorzügen: sie gewinnt mit Hilfe eines wechselnden, starken Magnetfeldes aus so erzeugten Veränderungen des Blutflusses Signale, die schmerzlos und ohne Strahlenbelastungen aus dem Körper aufgenommen und im Rechner zu einem Bild weiterverarbeitet werden. Dabei ist die Darstellung von Gewebe sehr viel aussagekräftiger als bei herkömmlichen Röntgenverfahren. Allerdings sind die Veränderungen der individuell gewonnenen Signale nur sehr gering ausgeprägt, die Nachbearbeitung erfordert »viel Statistik«. Schließlich kann auch nicht jeder Patient davon profitieren: Herzschrittmacher und »Stents« – Gefäßstützen aus Metall – verbieten den Einsatz. Die erforderliche »Hardware« ist kostenträchtig. Die inzwischen aus den 1,5 Tesla-Anlagen – ihr Magnetfeld verfügt über die 30 000-fache Stärke des Erdmagnetismus – weiterentwickelten jüngsten Ultra-Hochfeld-Anlagen mit bis zu acht Tesla Leistung aus einem 32 Tonnen schweren Magneten benötigen allein über 400 Tonnen zur Abschirmung. Doch dem stehen bereits jetzt erstaunliche Ergebnisse in der Forschung gegenüber: Die Sehbahnen beispielsweise sind bis zur »Sehrinde« zu verfolgen – daraus hat man Grundlegendes über die Verarbeitung der Blindenschrift ableiten können. Im MRT-Test fanden sich geschlechtspezifische Verarbeitungsmuster verschiedenster Reize. In der präoperativen Abklärung leistet MRT in der Tumorchirurgie wertvolle Dienste, und in der Rehabilitationswissenschaft hat die Entdeckung der »Spiegelneuronen« zu neuen Ansätzen geführt. Allerdings, so Prof. Gizewski in ihrem Schlusswort: Die Aussagen über die Hirndurchblutungsverteilung reichen noch immer nicht. Was entscheidend weiterführen werde, sei die direkte Beobachtung der Nervenzelle selbst. Am kommenden Dienstag (18. Januar) berichten in der Reihe der Seniorenvorlesungen Prof. Markus Weigand, Direktor der Klinik für Anästhesie, Operative Intensivmedizin und Schmerztherapie, über die »Schmerzfreie Operation«. Er will unter anderem erklären, warum Furcht vor der Narkose unbegründet sei. |
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| Quelle: Giessener Allgemeine (2011-01-14) | |
| Webseite: http://www.giessener-allgemeine.de/ | |
| veröffentlicht von 2011-01-14 bis 2012-03-16 | |
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| Zwei Gießener Projekte in bundesweitem Verbund | |
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Übertragung von Influenza-Viren von Tieren auf Menschen im Blickpunkt – Staatssekretär Braun übergibt Bescheide
Gießen (pd). Wie entstehen neue Virusgruppen? Wie werden sie auf den Menschen übertragen? Diese und viele weitere Fragen untersucht der bundesweite Forschungsverbund »FluResearchNet«. An der aktuellen Erforschung von Influenza-Viren, die als Krankheitserreger von Tieren auf Menschen übertragen werden können, sind auch zwei Projekte der Gießener Justus-Liebig-Universität beteiligt. Mit den Pathogenitätsmechanismen von Influenza-Viren beschäftigen sich die Arbeitsgruppen von Prof. Stephan Pleschka (Institut für Medizinische Virologie) und Prof. Jürgen Lohmeyer (Zentrum für Innere Medizin, Medizinische Klinik II). An beide Projekte übergab am Donnerstag Dr. Helge Braun als parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium für Bildung und Forschung Förderbescheide in Höhe von insgesamt 315 000 Euro. Braun bezeichnete die Forschungsförderung als »Herzstück unserer Tätigkeit«. Nach dem Auftreten von SARS, Vogel- und Schweingrippe gehöre es zu den politischen Prioritäten des Ministeriums, Gelder gezielt in die Erforschung von Influenza-Viren zu investieren, die von Tieren auf Menschen übertragen werden können. Die sogenannten Zoonosen breiteten sich aufgrund zunehmender globaler Mobilität immer schneller aus. Deshalb seien unmittelbare Reaktionsmöglichkeiten umso wichtiger. Braun erwähnte exemplarisch die Schweinegrippe, für die dreieinhalb Monate nach der Erreger-Identifizierung ein Impfstoff entwickelt worden sei. »Eine gute Leistung«, so der Staatssekretär, die auch nicht dadurch geschmälert werde, dass sich der Verlauf der Krankheit in den meisten Fällen als nicht so gravierend wie zunächst befürchtet herausgestellt habe. Eine Fehleinschätzung hätte »fatal und gefährlich« werden können. Die grundsätzliche Entscheidung, einen Impfstoff gegen die Schweinegrippe zu entwickeln, sei richtig gewesen, sagte rückblickend auch Prof. John Ziebuhr. Der Leiter des Instituts für medizinische Virologie räumte einerseits ein, dass das »pathogene Potenzial« der Schweinegrippe überschätzt worden sei, andererseits habe sich das H1N1-Virus etabliert und werde sich in der Bevölkerung halten. Der entwickelte Impfstoff sei Bestandteil der aktuellen Grippeschutzimpfung, bekräftigte Ziebuhr. Vor einer Unterschätzung der Influenza-Viren warnte auch Prof. Werner Seeger. Der Ärztliche Geschäftsführer der Uniklinikum Gießen und Marburg GmbH nannte exemplarisch die Spanische Grippe, die zwischen 1918 und 1920 mehr Todesopfer gefordert habe als der gesamte Erste Weltkrieg. Noch heute gehörten Infektionen der Lunge zu den weltweit häufigsten Todesursachen. Um die Entstehung neuer Virusgruppen und ihre Übertragung auf den Menschen zu ergründen, sei die Vernetzung von Grundlagenforschung und klinischer Forschung deshalb besonders wichtig. Mit 187 000 Euro werden Prof. Pleschka und seine Arbeitsgruppe von Januar 2011 bis Dezember 2013 gefördert. In den vergangenen drei Jahren war der Virologe bereits mit 218 000 Euro vom Ministerium unterstützt worden. Schwerpunkte der Gruppe werden Untersuchungen zur Rolle der genetischen Neuverteilung zwischen verschiedenen Influenza-Viren und von Mutationen bei der Übertragung von Influenza-A-Viren zwischen verschiedenen Spezies sein. Bei unterschiedlichen Virus-Stämmen sollen gezielt Segmente des Genoms ausgetauscht werden. Ferner sollen ausgewählte Virusvarianten im Tierversuch getestet werden. »Wie macht das Virus wirklich krank?« Mit diesen und anderen Fragestellungen beschäftigen sich Prof. Lohmeyer und Co-Projektleiterin Dr. Susanne Herold. Sie wollen mit ihrer Arbeitsgruppe, die seit Oktober 2010 für drei Jahre mit knapp 130 000 Euro unterstützt wird, unter anderem Pathogenitätsfaktoren von pandemischen und hochpathogenen Influenza-Viren untersuchen, die zu schweren Lungenentzündungen mit Lungenversagen führen können. »Wir wollen neue therapeutische Zielstrukturen finden«, nannte Dr. Herold ein zentrales Vorhaben der Forschungsgruppe. Als »wichtige Bestätigung für den Kurs der Universität« hatte eingangs JLU-Kanzler Dr. Michael Breitbach die Unterstützung durch das Ministerium bezeichnet. »Der Bund ist einer der herausragenden Förderer der Forschung in Deutschland«, sagte Breitbach und bedankte sich ausdrücklich für die Gewährung der Fördergelder in Form einer Programmpauschale. Damit würden die Hochschulen in die Lage versetzt, bei der Nutzung der Gelder auch die infrastrukturellen Voraussetzungen zu gewährleisten. |
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| Quelle: Giessener Allgemeine (2011-01-14) | |
| Webseite: http://www.giessener-allgemeine.de/ | |
| veröffentlicht von 2011-01-14 bis 2012-03-16 | |
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| Gefälschte Medizinstudie zieht weitere Kreise | |
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Professor Joachim Boldt muss mit Aberkennung seines Titels rechnen – Noch 2005 HES-Arbeit am Klinikum betreut
Gießen (si). Der Mediziner Joachim Boldt muss mit der Aberkennung seines Gießener Professorentitels rechnen. Dessen »Status als außerplanmäßiger Professor« werde »überprüft«, teilte die Justus-Liebig-Universität auf Anfrage dieser Zeitung mit. Der 56-jährige Anästhesist wird – wie berichtet – dringend verdächtigt, bei wissenschaftlichen Studien betrogen zu haben. Seine Stelle als Chef-Anästhesist des Ludwigshafener Klinikums hat er deshalb bereits verloren. Für Boldt und seine Forschungen interessiert sich mittlerweile auch die Staatsanwaltschaft – wieder einmal, denn bereits vor sechs Jahren hatte sie gegen ihn und zehn weitere Mediziner ermittelt. Alle waren damals am Gießener Klinikum beschäftigt oder hatten dort zumindest ihre wissenschaftliche Karriere gestartet. Obwohl die Verfahren eingestellt wurden, rückt das Gießener Klinikum in der bundesweiten Berichterstattung über Boldt und dessen Forschungen jetzt noch einmal in den Blick. Boldt, der in Gießen promoviert wurde und sich hier auch habilitierte, hat sich wissenschaftlich vor allem mit seinen Studien zum Blutplasma-Ersatzstoff HES (Hydroxyethil-Stärke) einen Namen gemacht. Die Substanz bindet Flüssigkeiten. Blut beispielsweise kann so, etwa nach Unfällen, in den Gefäßen gehalten werden. Unter Intensivmedizinern gelte HES als »wahres Wundermittel«, schreibt der »Spiegel«. Zumindest meinten bei einer Umfrage fast 70 Prozent der befragten Mediziner, dass der Ersatzstoff die Prognose von Schwerstkranken und Verletzten deutlich verbessere. Boldt selbst hat wie kaum ein anderer Mediziner Studien zu HES veröffentlicht. »Etwa 70« hat das Nachrichtenmagazin gezählt, »fast alle fielen positiv aus«. Etliche Studien entstanden in der Abteilung für Anästhesiologie und Intensivmedizin des Gießener Universitätsklinikums, auch bei Boldts eigener Habilitation stand HES im Mittelpunkt. Neuere Studien zeigen, dass HES offenbar völlig überschätzt worden ist. Danach bringt der Stoff beim Blutstillen wohl nicht mehr als einfache Salzlösungen. Allerdings könnte er für Nierenversagen, starke Blutungen und andere Nebenwirkungen verantwortlich sein. HES sei nach der derzeitigen Erkenntnislage ein »überflüssiges, potenziell gefährliches Medikament«, zitiert der »Spiegel« einen Gutachter, der die vorliegenden Studien mit Fachkollegen überprüft hat. Boldt ist nicht über eine fremde Studie gestolpert, sondern über eine eigene, in der er HES wieder einmal einen großen Nutzen bescheinigt hatte. Denn inzwischen steht fest, dass der Mediziner – ehemalige Gießener Weggefährten nennen ihn »Dirty Harry« – zumindest Teile seiner vor einem Jahr veröffentlichten Arbeit glatt gefälscht hat. Zudem hatte er die Studie ohne Einverständnis der Patienten und ohne Zustimmung der Ethikkommission erstellt. Es sind genau die Vorwürfe – Datenmanipulation und illegale Studien am Menschen im Zusammenhang mit HES – unter denen die Gießener Staatsanwaltschaft gegen Boldt und Kollegen 2005 ermittelte. Die Akten mussten damals geschlossen werden, weil die von einem Zeugen gegebenen Hinweise zwar glaubhaft erschienen, aber nicht belegt werden konnten. »Wir waren uns sicher, dass an der Sache etwas dran war«, erinnert sich der inzwischen pensionierte Oberstaatsanwalt Reinhard Hübner an den Fall, der nach einer Veröffentlichung in der Gießener Allgemeinen Zeitung bundesweit Schlagzeilen machte. Den Vorwürfen zufolge soll seinerzeit mindestens ein Patient gestorben sein, nachdem er im Operationssaal HES erhalten hatte. Diese Vorgänge ereigneten sich in den 90er Jahren. Nach neuen Recherchen der Gießener Allgemeinen steht jedoch fest, dass es noch weit über das Jahr 2000 hinaus HES-Studien am Gießener Klinikum gegeben hat, und zwar auch mit Testreihen am Patienten. So wurde 2005 ein Mediziner mit einer Arbeit über die »Auswirkungen einer Volumenersatztherapie« bei »kritisch kranken Patienten« promoviert. Erstgutachter: Prof. Joachim Boldt. Untersucht wurden 30 vielfach traumatisierte Patienten und weitere 30, die in der Folge von postoperativen Komplikationen ein septisches Krankheitsbild entwickelten. Das – nicht ganz unerwartete – Ergebnis: HES sei hier zu empfehlen. Bei traumatisierten Patienten biete sie zumindest eine gleichwertige, bei septischen Patienten eine überlegene Alternative. Der Doktorand hatte damals erklärt, dass die Ethikkommission informiert und die Unterschriften der Angehörigen eingeholt worden seien. Ob das überprüft wurde, ist unklar. Mediziner bezweifeln allerdings, dass die Untersuchung ohne Einwilligung der Patientin überhaupt zulässig war. Möglicherweise hätte sie gar nicht genehmigt werden dürfen. Mit Boldts Arbeiten befasst sich an der Liebig-Universität auch die Kommission, die Vorwürfen wissenschaftlichen Fehlverhaltens nachgeht. |
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| Quelle: Giessener Allgemeine (2011-01-12) | |
| Webseite: http://www.giessener-allgemeine.de/ | |
| veröffentlicht von 2011-01-12 bis 2012-03-14 | |
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| Strahlende Kinderaugen | |
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Spieler von Handballbundesligist HSG Wetzlar besuchen Kinderklinik - Süßigkeiten und Geschenke mit dabei
(ee). Im Wohnzimmer unter dem Weihnachtsbaum herumtollen und die Geschenke auspacken: Davon konnten die rund 70 Kinder nur träumen. Denn sie durften das Zentrum für Kinderheilkunde und Jugendmedizin über Weihnachten nicht verlassen. Obwohl sich die Kinderklinik nach den Worten ihres Leiters Prof. Klaus-Peter Zimmer darum bemüht hatte, möglichst vielen Kindern die Festtage in den heimischen vier Wänden zu „schenken“. Für die kranken Mädchen und Jungen, die in den Krankenzimmern bleiben mussten, gab es jedoch in diesem Jahr eine besondere Überraschung. Mit Nikolai Weber, Tobias Hahn, Lars Friedrich, Philipp Müller und Alois Mraz schauten zusammen mit Pressesprecher Björn Seipp gleich fünf Handballer des Bundesligisten HSG Wetzlar bei den kleinen Patienten vorbei. Natürlich war das Sextett nicht mit leeren Händen gekommen, sondern hatte neben Autogrammkarten auch Schokolade, kleine Stoffbären und grüne HSG-Trikots mit dabei. Und damit sorgten sie für glänzende Kinderaugen. Was gibt es Schöneres, als am Heiligen Abend Kindern eine Freude zu machen? „Nichts“, war sich das HSG-Sextett nach seinem Rundgang einig, bei dem sie allerdings auch einige schwere Schicksale, ebenso wie hoffnungsvolle Entwicklungen kennenlernten. In Begleitung von Zimmer, dem kaufmännischen Geschäftsführer Dr. Christian Höftberger, Pflegedirektor Lothar Zörb, Pressesprecher Frank Steibli und Helga Tröller von der Pflegedienstleitung machten sich die Handballer auf ihre eineinhalbstündige Tour über fünf Stationen in der Kinderklinik. Mit dabei auch ein Fernsehteam des Hessischen Rundfunks, das über diese Aktion berichtete, die bei der HSG auch einen aktuellen Hintergrund hat. Denn das Kind eines Ehepaares, das seit Jahren die HSG bei ihren Heim- und Auswärtsspielen unterstützt, muss über Weihnachten in der Gießener Kinderklinik bleiben. „Einfach verschieben“ Sichtlich überrascht über so zahlreichen Besuch zeigte sich gleich auf der Station Peiper Johannes Lichtenthäler aus Seinerholz/Westerwald. Eine mittlerweile abklingende Lungenentzündung fesselte ihn ans Krankenbett, an dem die Handballer nach einem passenden Trikot in ihren Geschenktüten kramten und dabei das Gespräch mit dem Patienten suchten. Der wäre natürlich am Heiligen Abend lieber zu Hause. „Aber wir verschieben ganz einfach Weihnachten und feiern nach, wenn ich wieder zu Hause bin“, verriet der 16-Jährige. Auf der Station Köppe warteten die Geschwister Vanessa und Sandra bereits voller Vorfreude auf ihren Stühlchen vor dem Stations-Weihnachtsbaum auf den angekündigten Besuch. Die sechs und acht Jahre alten Geschwister aus Leipzig waren am Vortag nach einem Verkehrsunfall zur Beobachtung eingeliefert worden - und waren von den HSG-Trikots so begeistert, dass sie diese sofort überstreiften. Nach dem Besuch der Station Pfaundler trafen die HSG-Akteure auf der Station die gerade mal ein halbes Jahr alte und am Herzen operierte Marietta auf dem Arm von Schwester Martina auf Station Czerny. Erfreut über die Aktion der Handballer zeigte sich Klaus-Peter Zimmer. „Gerade am Heiligen Abend ist diese eine gewisse Anerkennung ein ganz toller Einfall.“ Dabei wies er darauf hin, dass nicht nur Handball ein Teamspiel sei, sondern auch die Behandlung der Patienten, bei dem das Zusammenspiel von Ärzten, Pflegern und Psychologen gefragt sei. Auch Höftberger freute sich darüber, den kleinen Patienten gerade an diesem Tag etwas nicht Alltägliches bieten zu können. „Sie haben Kinderaugen strahlend machen können. Und das ist es ja, was all dies wegmacht, was wir hier investieren“. Ebenfalls bereits erwartet wurde der Tross auf der Station Moro, der Frühchenstation, wo - zusammen mit der Intensivstation - die meisten Kinder über Weihnachten in der Klinik verweilen mussten. Familie Mülich aus Wißmar konnte sich bereits am 6. November über die Geburt ihrer Drillinge freuen - jedoch zwei Monate zu früh. Denn erst für den 12. Januar waren Christin (1610 Gramm bei Geburt/heute 2400 Gramm), Niki (1410/2500 Gramm) und Tim (1550/2420 Gramm) erwartet worden. Auch sollten die Frühchen eigentlich an Heiligabend entlassen werden, doch leichte Komplikationen sorgten für eine dreitägige Verlängerung „über die Feiertage hinaus“, wie Sven und Agi Mülich berichteten. Der stolze Papa freute sich ganz besonders über den Besuch der HSGler, die Trikots überreichten, in die das Trio erst noch hineinwachsen muss. „Allesamt eine tolle Aktion, die hoffentlich Schule macht. Niemand ist gerne im Krankenhaus, erst recht nicht an Weihnachten und erst recht keine Kinder“, so Zörb. |
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| Quelle: Giessener Anzeiger | |
| Webseite: http://www.giessener-anzeiger.de/ | |
| veröffentlicht von 2011-12-27 bis 2012-02-26 | |
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