| Abbau von 500 Arbeitsplätzen „nicht im Plan“ | |
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Martin Menger, designierter Vorsitzender der UKGM-Geschäftsführung: Forschung und Lehre wie bisher - Umkehr „utopisch“
(hks). An der Fortführung von Forschung und Lehre am Universitätsklinikum Gießen und Marburg (UKGM) lässt er „keinen Zweifel“ bestehen. Sie wird nach Aussage von Martin Menger stattfinden wie bisher. Eine Umkehrung des bislang bundesweit einmaligen Prozesses, der vor sechs Jahren zur Privatisierung des Uniklinikums führte - eine Forderung, die zuletzt der Marburger Oberbürgermeister Egon Vaupel formuliert hatte -, hält der designierte Vorsitzende der Geschäftsführung des UKGM schlicht für „utopisch“. Und von einem geplanten Arbeitsplatzabbau in einer Größenordnung von 500 Stellen an den beiden Standorten kann nach den Worten Mengers keine Rede sein. Dieser Aspekt („Ich weiß nicht, woher diese Aussage kommt und wer sie überhaupt getroffen haben soll“) hatte in den vergangenen sechs Wochen für erheblichen Wirbel gesorgt und die Diskussionen um das privatisierte Klinikum wieder neu entfacht. Heute soll Menger vom Aufsichtsrat des Unternehmens zum Sprecher der Geschäftsführung berufen werden. Er habe „Respekt“ vor der neuen Aufgabe. „Angst“ dagegen vor der alles andere als leichten „Herausforderung“ habe er nicht, betont der künftige Vorsitzende im Gespräch mit dem Anzeiger. Bereits in der vergangenen Woche hatte das UKGM mitgeteilt, dass Dr. Irmgard Stippler, die Vorsitzende der Geschäftsführung, und Dr. Doris Benz, Kaufmännische Geschäftsführerin am Standort Marburg, ihr Ausscheiden angekündigt hatten und Menger als neuer Vorsitzender zur Verfügung steht (der Anzeiger berichtete). Der 52-Jährige weist dabei darauf hin, dass in der kaufmännischen Geschäftsführung eine komplett neue Mannschaft aufgestellt werde und man daran arbeiten wolle, „das Vertrauen der Mitarbeiter, der Patienten, der Klinikdirektoren, des Betriebsrates, des Personalrates, der Dekane und Universitätspräsidenten und der niedergelassenen Ärzte zurückzugewinnen“. Dies vor dem Hintergrund der anhaltenden Kritik, die seit Bekanntwerden von Stellenstreichungen an Deutlichkeit zugenommen hat. Menger sieht hier in der Tat ein Vermittlungsproblem. Die Kommunikation nach innen wie nach außen müsse verbessert werden. Menger tritt in diesem Zusammenhang den Spekulationen mit Nachdruck entgegen, Stippler und Benz sowie deren Vorgänger in der Geschäftsführung seien aufgrund des hohen Drucks und der Erwartungshaltung des Gesamtkonzerns Rhön-Klinikum AG aus der UKGM-Führung ausgeschieden. Dies sei mitnichten der Fall. Er hätte beide - Stippler wie Benz - gerne weiterhin in der Geschäftsführung gesehen. Einer der zentralen Vorwürfe lautet, das börsennotierte Unternehmen Rhön AG sei bei der Privatisierung von Anfang an von falschen beziehungsweise zu hohen Renditeerwartungen, die sich aber so nicht eingestellt hätten, ausgegangen. Deshalb werde nun zum Instrument der Stellenstreichung gegriffen zum Nachteil von Forschung und Lehre, zum Nachteil der Beschäftigten, die eine noch größere Arbeitsbelastung und -verdichtung befürchten, und nicht zuletzt zum Nachteil der Patienten. Diese Argumentation will Martin Menger nicht stehen lassen. Von einer zu hohen Renditeerwartung des Konzerns könne nicht die Rede sein. 70 Prozent des erzielten Überschusses würden vom Konzern direkt in alle Kliniken reinvestiert. Mit den restlichen 30 Prozent werde eine zwei- bis dreiprozentige Dividende für die Aktionäre erwirtschaftet. Menger: „Das ist ein Geschäftsmodell, das für alle nachvollziehbar ist.“ Man habe vor sechs Jahren den Beweis antreten wollen, ein Uniklinikum - ohne Abstriche in den Leistungen - auch privatwirtschaftlich führen zu können. Dies sieht Menger als gelungen an. Der designierte Vorsitzende der Geschäftsführung sieht den Erfolg der Privatisierung auch durch Zahlen belegt. Bei den Patienten sei bis Ende 2011 zusammen ein Plus von 12,4 Prozent zu verzeichnen. Und einer internen Befragung zufolge seien davon immerhin rund 90 Prozent mit den Leistungen des UKGM zufrieden. Zum Thema Stellen: Seit Anfang 2009 bis Januar 2012 sind einem Faktenpapier des Unternehmens zufolge mehr als 420 Vollzeitstellen vor allem im patientennahen Bereich neu geschaffen worden, davon über 160 Arztstellen (+14,6 Prozent) und mehr als 190 Stellen in der Pflege (+8,5 Prozent). Dies im Vorgriff auf geplante underwartete Leistungssteigerungen. Menger: „Wir haben jetzt deutlich mehr Personal als vor sechs Jahren.“ Es sei vereinbart worden, wie „Anpassungen“ an einen mit Abschluss der umfangreichen Baumaßnahmen zu erwartenden reduzierten Personalbedarf in den patientenfernen Dienstleistungsbereichen erfolgen sollten. Dies sei Anfang 2011 in Betriebsvereinbarungen für die Standorte Gießen und Marburg festgehalten worden. Bis heute seien nur wenige der ursprünglich benannten bis zu 250 Vollzeitstellen abgebaut. Nachdem die Umzugsphasen abgeschlossen sind, müssten die Ergebnisse der betrieblichen und baulichen Veränderungen jetzt erneut bewertet und die „notwendigen Anpassungen“ eingeleitet werden. Dies sei ein ganz normaler und üblicher Prozess, so Menger. Für alle Kliniken gelte im Übrigen ein ganz bestimmter Personalschlüssel. Und der werde natürlich auch am UKGM eingehalten. Wenn es zu Engpässen oder Verdichtungen komme, dann meist aufgrund kurzfristiger Ausfälle, die auf die Schnelle nicht kompensiert werden könnten. Auch für den Bereich der Forschung und Lehre sei eine positive Bilanz für das UKGM dokumentierbar, heißt es in dem Faktenpapier. „Erfolgreiche Bleibeverhandlungen sowie zahlreiche Neuberufungen von Medizinern konnten geführt und erreicht werden. (...) Um diese Entwicklung weiter fortzuschreiben, haben wir seit 2006 etwa 13 Millionen Euro in die Bereiche Forschung und Lehre reinvestiert. Diese Direktinvestitionen werden auch zukünftig mindestens zwei Millionen Euro pro Jahr betragen. Die Ergebnisse dieser Entwicklung hat der Wissenschaftsrat im Jahr 2010 positiv bewertet.“ Seit 2006 seien rund 400 Millionen Euro investiert worden. 280 Millionen „in Steine“ und 120 Millionen in die Ausstattung. Hinzu kämen 15 Millionen Euro pro Jahr in den laufenden medizintechnischen Betrieb. Menger sieht aber auch nachteilige Entwicklungen, die so nicht vorhersehbar gewesen seien. Die Rhön-Klinikum AG finanziert ihre Investitionen aus Eigenmitteln. Abschreibungen und Zinszahlungen müssten aus dem laufenden Geschäftsbetrieb erwirtschaftet werden. Dies war auch Bestandteil der Vereinbarung mit dem Land Hessen. Nach Fertigstellung der Neubauten bedeute dies, dass ab 2012 aktuell rund 29 Millionen Euro Abschreibungen und rund elf Millionen Euro Zinsen pro Jahr erwirtschaftet werden müssten. Rhön habe bei der Übernahme gegenüber dem Land Hessen einen weiteren Verzicht auf Fördermittel zugesagt. Man sei dabei davon ausgegangen, in das Hochschulbauförderungsprogramm (HBFG-Förderung) aufgenommen zu werden. Dieses wurde allerdings Ende des Jahres 2007 durch den Bund ersatzlos eingestellt. Das Land Hessen habe mit einer Ersatzförderung reagiert, deren Regelungen allerdings nur für „nicht-privatisierte“ Universitätskliniken gelten. Hier sieht man eine Benachteiligung der UKGM GmbH. Dies sei eine politische und keine unternehmerische Entscheidung gewesen. Die Überweisungen der Medizinischen Fakultäten an die beiden Universitätskliniken in Gießen und Marburg für die Übernahme von Aufgaben in den Bereichen Forschung und Lehre würden insgesamt lediglich rund 55 Millionen Euro pro Jahr betragen. Das deutlich kleinere Universitätsklinikum Frankfurt am Main soll dagegen für seine Aufgabenerfüllung in Forschung und Lehre rund 52 Millionen Euro pro Jahr erhalten. Die Landeszuschüsse für die Standorte Gießen und Marburg müssten daher um jeweils zehn Millionen Euro höher ausfallen als heute. |
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| Quelle: Giessener Anzeiger (2012-04-12) | |
| Webseite: http://www.giessener-anzeiger.de/ | |
| veröffentlicht von 2012-04-12 bis 2012-06-12 | |
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