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»Innere Motivation« von Patienten ist verbesserungsfähig
Ehemaliger Weltklasse-Athlet Harald Schmid sprach vor über 100 Ärzten beim »Gießener Diabetes-Symposium«

Gießen (if). Der Umgang mit Diabetes
fällt Menschen leichter, die die Zuckerkrankheit
verstehen. »Mondiab«, eine Studie von
Wissenschaftlern der Universitäten Luxemburg
und Metz, hat dies jetzt bestätigt. Allerdings
ergab sich dabei, dass jeder dritte der
rund 400 befragten Diabetiker die »innere
Motivation« vermissen ließ, selbst auf gesunde
Blutzuckerwerte zu achten. Eine Lektion,
wie man Diabetiker dazu bewegen kann, eine
aktive Rolle im Umgang mit der Krankheit
zu übernehmen, erfuhren dieser Tage auf
höchst unterhaltsame Weise weit über hundert
Ärzte im Bürgerhaus Kleinlinden.
Zum »Diabetes-Symposium 2012« hatte
Gastgeber Dr. Michael Eckhard, Leiter des
neu formierten »Universitären Diabeteszentrum
Mittelhessen« an der Medizinischen
und Poliklinik III Dr. Harald Schmid eingeladen.
Während auf dem Bildschirm das Hürden-
Finale der Weltmeisterschaft 1987 in
Rom ablief, schilderte der heute 54-jährige
frühere Weltklasse-Hürdenläufer am eigenen
Beispiel sowie anhand einer von ihm geleiteten
Diabetiker-Gruppe, aus welchen Quellen
Motivation gespeist wird: Er hatte die Gruppe
in kurzer Zeit bis zum Halbmarathon geführt.
Seine eigene Motivation zur Spitzenleistung
hatte er aus dem Vorsatz bezogen:
»Ich will das Training jeden Tag genießen«.
Eckhard hatte einleitend das neue Zentrum
vorgestellt: Es betreut in der Hochschulambulanz
Patienten mit komplizierten Krankheitsverläufen
oder ist präsent, sofern eine
weiterführende Diagnostik erforderlich wird
und wenn in hausärztlichen oder in diabetologischen
Schwerpunktpraxen die individuellen
Ziele nicht erreicht werden.
»Wir brauchen eine breite Versorgung«, betonte
Dr. Eckardt angesichts der aktuellen
Zahlen: 80 bis 90 Prozent der schätzungsweise
100000 Diabetiker allein in Mittelhessen
befinden sich in hausärztlicher Betreuung,
jede der hessischen Schwerpunktpraxen versorgt
überschlägig rund 4000 Patienten. Angesichts
der steigenden Erkrankungszahlen
gelte es, in Netzwerken verzahnt zu arbeiten.
»Wir sind auf gutemWege dazu«.
Häufig kommen spritzende Patienten mit
unerklärlich scheinenden Blutzuckerschwankungen
in Diabetesberatungen und
Sprechstunden. Viele dieser Schwankungen,
so stellt sich dann heraus, beruhen auf Fehlern
bei der Injektionstechnik. Dr. Jutta
Liersch, Leiterin des Gießener Diabetes-
Schulungszentrums, präsentierte als Mitautorin
sozusagen zum »90-jährigen Jubiläum«
der Insulin-Therapie einen neuen Leitfaden
des Verbandes der Diabetes-Beratungs-und
Schulungsberufe VDBD. Die Empfehlungen,
so Liersch, sollen dazu beitragen, »ohne erhobenen
Zeigefinger« die Angst vor der Injektion
zu nehmen und Fehler zu vermeiden.
Auf einem völlig neuen Therapieansatz beruht
ein kurz vor der Markteinführung stehendes
Medikament. Wie Prof. Juris J. Meier
von der Ruhr-Universität Bochum bei seinem
Überblick über die Therapie des Typ II Diabetes
berichtete, hemmt es den Rücktransport
der in den Nieren aus dem Primärurin
gefilterten Glukose. Damit verschwinde der
Zucker aus dem Blut, der über andere Medikamente
»in die Zelle gedrückt wird«.
Mit der Präsentation zweier interessanter
Fälle aus der Praxis bereicherten Dr. Tina
Hoffmann, Dr. Britta Fischer und Heike Weber
das informative Symposium.

Quelle: Giessener Allgemeine (2012-03-24)
Webseite: http://www.giessener-allgemeine.de/
veröffentlicht von 2012-03-26 bis 2012-05-26